robot overlords poster

England 2014. Regie: John Wright. Darsteller: Callan McAuliffe, Ben Kingsley, Gillian Anderson, Milo Parker, James Tarpey u.a.

Offizielle Synopsis: Die Erde in naher Zukunft. Gigantische Roboter aus einer fernen Galaxie haben den Planeten angegriffen und herrschen unumschränkt. Die überlebenden Menschen sind in ihren Häusern eingesperrt und jeder Widerstand gegen die tyrannischen Herrscher kann mit dem Tod bestraft werden. Durch die Hilfe von elektronischen Implantaten kann jeder einzelne Mensch genau überwacht werden und feige Kollaborateure tun ihr übriges, um die Menschheit klein zu halten. Als ein paar kluge Teenager es schaffen, die Implantate zu manipulieren und sich nach Lust und Laune zu bewegen, kommt ihnen ein Gedanke. Was als harmloser Spaß begann, wächst schnell zu einem wahren Widerstand heran, der immer mehr Unterstützer und eine finale Schlacht entfacht, die das Schicksal der Menschheit entscheiden wird…

Kritik: Okay, der wievielte englische SF-Film, in dem eine kleine Gruppe gegen Kampfmaschinen antritt, ist das jetzt? Der fünfte, der sechste? Ist das ein eigenes Subgenre, sollte man langsam ein Buch zu dem Thema andenken?

Erfreulicherweise hat „Robot Overlords“ eine ganz eigene Ausrichtung, die ihn von den anderen Vertretern dieser Kategorie unterscheidet. Es ist nicht Militaria-Action wie „Kill Command“, kein Survival-Shooter wie „The Call up“ und auch kein No Budget-Drama wie „Reconnoiter“. Abgesehen von Anleihen an britischen Klassikern wie „Die dreibeinigen Herrscher“ ist „Robot Overlords“ primär eine preislich überschaubare Variante der aktuell beliebten „Young adult“-Romanadaptionen wie „Maze Runner“, „Hunger Games“ und „Divergent“. Obwohl er keine literarische Grundlage besitzt, nutzt John Wrights Film sämtliche Eckpfeiler des Genres: Eine brutale Dystopie, Teenager-Protagonisten, von denen einer auserwählt ist, ein Aufstand, die Erwachsenen nur in Nebenrollen, Verrat, erste Liebe, etc.

robot overlords 2

Wie viele Filme, die ich alljährlich auf dem Fantasy Filmfest zu sehen bekomme, wurde „Robot Overlords“ auf der landschaftlich eher drögen Isle of Man gedreht, wo es prima Steuervergünstigungen gibt – bei gerade mal 20 Millionen Dollar Budget ist das vermutlich notwendig gewesen.

Was neben der fehlenden Romangrundlage und dem niedrigen Budget noch gegen „Robot Overlords“ arbeitet, ist die extreme Komprimierung der Narrative. Hier ist augenscheinlich nicht auf eine Reihe geschielt worden, der gesamte Plot, den man in Buchform sicher auf vier mal 300 Seiten hätte strecken können, muss in gerade mal 90 Minuten passen. Da bekommt der Begriff „erzählerischer Schweinsgalopp“ eine ganz neue Bedeutung.

Aber zu meiner Überraschung verschluckt sich Wright (von dem auch schon der amüsante „Grabbers“ stammt) weder am Anspruch noch an den mangelnden Möglichkeiten. „Robot Overlords“ ist tatsächlich eine sehr schnittige, jugendorientierte, aber deshalb nie pubertäre SF-Sage über den Kampf gegen eine Roboter-Dynastie, die technisch wie darstellerisch überzeugt und mit vielen kleinen Ideen ausreichend andeutet, wie die Welt außerhalb des Kamera-Blickfeldes aussieht.

Statt seine Geschichte über Exposition oder längere Zeiträume zu entwickeln, steigt Wright gleich im dritten Gang ein und tritt aufs Gas. Die Locations, die Figuren, die Ziele wechseln fast minütlich, als hätte man eine Miniserie auf 90 Minuten zusammen geschnitten – nur die Highlights.

Zum Ende hin dreht „Robot Overlords“ dann immer weiter auf und gönnt sich ein triumphales Finale, das vielleicht nicht mit den „Avengers“ mithalten kann, für einen „kleinen“ SF-Film dieser Provinienz aber erfreulich dicke Eier schaukelt. Da ist es konsequent, dass Frau Anderson (deren limitierte Präsenz ebenso wie Kingsley nur ein wenig Marktwert draufpacken soll) den Niedergang der Roboter dergestalt begrüßt:

ro

Als vokaler Gegner von „Young adult“-Filmen bin ich demnach angemessen erstaunt, wie gut ich mich bei „Robot Overlords“ unterhalten habe. Der Film ist an keiner Stelle – wie viele seiner Genrekollegen – auf sein Zielpublikum „runter“ geschrieben, ist nicht herablassend. Das macht ihn auch für Erwachsene absolut goutierbar.

Fazit: Komprimiert und fettfrei erzählte Saga vom Kampf gegen Roboter-Invasoren, die den Klassiker „Die dreibeinigen Herrscher“ erfreulich frisch mit den Konstrukten der „young adult“-Romane umsetzt. Keine Fortsetzung geplant – aber durchaus erwünscht.



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Dietmar

aus einer fernen Galaxie

Ja. Komplett unmöglich, aber wenn der Film das so haben will…

*quengel-nöl-besserweiß*

Marko

@ Dietmar: Wieso unmöglich? Allenfalls unwahrscheinlich. Oder kannst Du mit uneingeschränkter, absoluter Sicherheit sagen, dass es keine gigantischen, eroberungsbereiten Roboter in einer fernen Galaxie gibt?

😛

Dietmar

@Marko: Guter Gedanke! 🙂 Bei der gewaltigen Zahl an Galaxien halte ich das Unwahrscheinlichste sogar für wahrscheinlich. Aber: Sie werden niemals herkommen. Nicht die geringste Chance.

Reicht nicht einfach „Fernes Sonnensystem“? Nein. Warum? Weil die keine Ahnung haben, wovon sie da reden. Nimm dies, John Wright!

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Warum sind die YA-Romanadaptionen eigentlich derzeit so populär? Der demografische Wandel in nahezu allen westlichen Gesellschaften würde ja eher mehr Filme für Senioren nahelegen.

Dietmar

@Wortvogel: Die Lakaien sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

trackback

[…] um die ganze Welt(sicht), nicht um Kleinklein in einer Waldhütte oder einem Vorstadt-Häuschen. „Robot Overlords“ ist ein schönes Beispiel, dass dieses Genre auch ohne Mega-Budgets funktionieren kann, […]

trackback

[…] wie „Maze Runner“, „Hunger Games“, „Divergence“ und „Robot Overlords“. Hier wird nicht das große Rad gedreht, aber es wird auch nichts wirklich falsch gemacht. Am Ende […]