Unter den vielen Projekten, die ich in den Jahren 2000 bis 2010 entwickelt habe, gibt es kaum weiße Flecken – fast alles kann ich aus den Tiefen meiner Festplatten ausgraben, seien es Pitch Paper oder lediglich Promotexte.

Heute habe ich mir allerdings die Zähne ausgebissen. Außer einer Mail, dass ich dieses Projekt Michael „Bully“ Herbig und ProSieben präsentieren wollte, spuckte meine digitales Archiv nichts aus.

Das ist aber kein Problem, denn der Grund, warum ich „Agent X“ ausgerechnet jetzt vorstelle, ist die Existenz eines Videos, das wie ein „proof of concept“ für die actionreiche Reality-Show aussieht – und es ist von Matt Damon:

Ehrlich gesagt war ich total baff, als ich das gesehen habe. Es ist EXAKT meine Idee aus dem Jahr 2003. „Agent X – Das Abenteuer deines Lebens“ sollte auf der ersten großen Welle der Reality-Shows schwimmen, aber ganz im Stil von ProSieben filmischer, aufwändiger und spektakulärer sein.

Genau wie im Matt Damon-Video sollten an sorgfältig geplanten Stellen in einer Stadt versteckte Kameras und Mikrofone positioniert sein. Eine zufällig ausgewählte Person bekommt ein Handy in die Hand gedrückt oder wird von einem „Agenten“ (bei einem männlichen Kandidaten natürlich von einer attraktiven „Agentin“) angesprochen, der sie mit einer Aufgabe überrumpelt: „Man ist hinter mir her. Nehmen Sie das. Jemand wird sich melden.“

Es ist nun die Aufgabe des „Agent X“-Teams, den Kandidaten oder die Kandidatin so lange wie möglich in das Spiel involviert und dabei völlig ahnungslos zu halten. Ein Austausch von geheimen Dokumenten, eine Fahrt in einer Luxuslimousine, konspirative Treffen im 5 Sterne-Hotel, im Extremfall sogar ein 1. Klasse-Flug nach London zum großen Finale. Was das „Opfer“ nicht weiß: Je länger es sich auf die immer weiter ausufernde Agentengeschichte einlässt, desto höher wird am Ende das Preisgeld sein.

Unterstützt wird die Fiktion von diversen Statisten und Events, die Action generieren und Druck machen. Schlägereien, Verfolgungsjagden, Explosionen – „Agent X“ hätte selbst aus der Münchner Fußgängerzone einen Hexenkessel des internationalen Spionagebetriebs gemacht.

Im Idealfall wäre am Ende von „Agent X“ eine Art unfreiwilliger Agentenfilm im Found Footage-Format herausgekommen – mit einem Protagonisten, der tatsächlich keine Ahnung hat, wie ihm geschieht.

Das wäre natürlich teuer zu produzieren gewesen, zumal der Autor der inszenierten Agenten-Plotte (ich) diverse Alternativwege und Ausstiege hätte vorbereiten müssen für den Fall, dass der Kandidat oder die Kandidatin nicht mitgespielt hätten.

Was mich an dem Konzept gereizt hat, ist die Faszination des „What if…“ – hat nicht jeder Mann schon mal geträumt, als Agent in internationale Machenschaften verwickelt zu werden? Würde nicht jede Frau gerne mal einem smart gekleideten Spion aus der Not helfen, im Auftrag ihrer Majestät nach London fliegen, im Schatten von Big Ben geheime Dokumente entgegen nehmen? So unwahrscheinlich es im ersten Augenblick klingt – ich bin überzeugt, dass jeder vierte oder fünfte Kandidat sich mit Leidenschaft in das Abenteuer seines Lebens gestürzt hätte.

Einziger Haken: Man hätte mindestens zwei Staffeln im Voraus produzieren und dann das Konzept ändern müssen. Bei einem Erfolg und entsprechender Publicity wären die potenziellen Kandidaten ja sonst vorgewarnt gewesen.

Abgesehen davon war und bin ich überzeugt, dass sich so ein Konzept auch international prima hätte verkaufen lassen, weswegen ich es sicher auch mal  bei Endemol vorgestellt hätte – so ich denn damals nicht mit anderen Dingen beschäftigt gewesen wäre.

Kurioserweise weiß ich noch, dass ich bei einer offiziellen Präsentation beim Sender eine Artwork für ein actionconcept-Projekt recyceln wollte, das ebenfalls irgendwann durch den Rost gefallen war:

agentx

Eine Variation von „Das Millionenspiel“ – und eine ganz andere Geschichte…

P.S.: Bonuspunkt für den Ersten, der mir sagen kann, welchen Hollywood-Star in welcher Rolle ich für die „Menschenjagd“-Artwork verwurstet habe.



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Tom
Tom

Gibt es einen halben Punkt für mich, weil Tom Cruise auf dem Poster von „The Firm“ ganz ähnlich zu sehen ist?

Stephan
Stephan

Steve McQueen. 🙂

Markus

Thomas Crown?

Jake
Jake

Gesprengte Ketten

Andy
Andy

Ja das wäre ein tolles Konzept gewesen!
Es ist schon witzig wenn manchmal ein Konzept auf der Leinwand oder Serie erscheint wo man selber immer im Kopf oder auf Papier gebracht hat entdeckt! :)Ich ertappe mich oft aber auch dabei zu sagen “oh man was ein tolles Konzept/Story aber da hätte man viel mehr draus machen können“……..ja ich weiß sehr anmaßend von mir. 🙁
@Stephan und Jake… so schnell “Respekt“!

Stephan
Stephan

@Wortvogel: Ups. Aber Jake hat das ja aufgelöst.

Jake
Jake

@Stephan: Ohne die Nennung des Schauspielers wäre mir das Filmplakat von „The Great Escape“ mit dem rennenden Steve nicht in den Sinn gekommen. War also Teamarbeit. 😉

Peroy
Peroy

War es nicht Bill Murray in „Agent Null Null Nix“…?

Peroy
Peroy

Wie schade… weg isser… 🙁

Marko

Grr, hier wurde offenbar was gelöscht? Ich fühle mich in meinem Recht auf Unterhaltung verletzt … Anzeige ist raus.

Lars
Lars

Ich sehe mit dem Konzept aber ein paar Probleme:
– die nichts ahnende Person geht direkt zur nächsten Polizeidienststelle
– die nichts ahnende Person verweigert die Zustimmung zur Verwendung der Aufnahmen – 10 teilige Serie und die Hauptperson ist nur verpixelt zu sehen?

Peroy
Peroy

1) Weil man das so macht.
2) Weil man das so macht.

Howie Munson
Howie Munson

@Wortvogel: zu 1) Wenn man einen Koffer an der falschen Stelle stehen läßt, hat man auch riesen Ärger. Im übrigen wirbt doch unser IM (InnenMinister) für mehr „Wachsamkeit“…. Also macht wahrscheinlich ein „guter Bürger“ die Anzeige, weil er den Kandidaten und euer treiben für verdächtigt hält….