robot worldEngland 2015. Regie: Neil Rowe. Darsteller: Ian Rowe, Claire Soper, Paul Soper, Lisa Mitchell, Tony Mitchell, Tamsyn Pickford

Story: Astronaut James benutzt als Erster eine Kapsel, die ihn durch einen Hyperraumsprung von einem zu einem anderen Planeten transportieren soll. Doch der Jungfernflug ist nicht ohne Schwierigkeiten, James stürzt auf dem ausgelaugten Zielplaneten ab. Im Laufe eines langen Marsches findet er heraus, dass sich hier eine Zivilisation atomar selbst vernichtet hat und nur noch ihre Maschinenwesen Patrouille schieben…

Kritik: Wenn man zu viele schlechte Filme in zu kurzer Zeit sieht, wird man sehr schnell gnadenlos. Schlecht ist schlecht, oder? Andererseits muss man sich immer mühen, die Parameter im Auge zu behalten, die Möglichkeiten einer Produktion, ihren Anspruch. „Reconnoiter“ ist ein gutes Beispiel.

Strikt auf Augenlevel ist das an keiner Stelle ein guter Film. Man hat von Anfang an das Gefühl, dass alle Beteiligten ihre Story rund um die Verfügbarkeit begrenzter, aber durchaus schicker CGI gebaut haben: Eine Raumkapsel, ein paar Roboter, ein paar Flugmaschinen. Da kann man was drum herum fabulieren.

Der Rest von „Reconnoiter“ besteht aus einem Mann, der durch die karge südenglische Landschaft stapft und verschiedene Varianten von „häh?“ murmelt. Es gibt keine nennenswerten Actionszenen, keine Antagonisten (die Roboter ignorieren ihn ja generell), keine Deadline, kein Ziel. Nach einem Drittel Laufzeit gibt es einen Twist, den wir schon haben kommen sehen – und am Ende noch einen, der seltsam pflichtschuldig und unmotiviert wirkt.

Es regieren die Farben grau und fahlgrün, das Bild ist relativ low-res, Ian Rowe ist kein Schauspieler, der Soundtrack besteht größtenteils aus Brummgeräuschen und bedient werden vor allem SF-Fans, die gerne fünf Minuten lang Atemgeräusche hören. Die Inszenierung ist extrem trocken, teilweise unbeholfen und bedient sich immer wieder holperiger Blackouts.

reconnoiter2

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass „Reconnoiter“ offensichtlich ein extrem kleinformatiges Familienprojekt ist, bei dem Regisseur, Produzent, Komponist und Hauptdarsteller den gleichen Nachnamen haben und das primär als „labor of love“ geplant war. Dies ist kein Film, der in Konkurrenz zu Asylum-Produktionen und den Action-Schnellschüssen des Syfy-Channel treten will und soll. Es ist eine regionale Hommage an die Atomangst- und Umweltkatastrophen-Dramen der 70er mit einem moralischen Zeigefinger, der aus einem vergilbten Faltblatt zum Thema „Müll trennen für den Weltfrieden!“ stammen könnte. Dazu passt, dass diverse Ideen angespielt, aber nicht ausformuliert werden (insbesondere der Roboterhund als Gesellschafter des „neuen“ Menschen).

Betrachtet man „Reconnoiter“ aus dieser Perspektive, möchte man den Machern auf die Schulter klopfen und trotz aller Defizite „gut gemacht“ ins Ohr murmeln. Weil hier mit einem Traktor an einem Formel 1-Rennen teilgenommen wurde und es verdammt noch mal eine tolle Sache ist, dass die knatterige Karre überhaupt über die Ziellinie gekommen ist.

Objektiv schlecht ist der Film natürlich trotzdem.

Fazit: Konzeptionell interessanter, aber bis auf ein paar hübsche CGI-Shots strikt auf Amateurlevel ablaufender 70er Jahre-Nachklapp.

Im Gegensatz zum frech zusammen gelogenen Poster vermittelt der Trailer einen ziemlich guten Eindruck von der Atmosphäre und dem zu erwartenden Entertainment: https://www.youtube.com/watch?v=SiJNdpdjZ1g



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