Absolutely Anything-thumb-300xauto-58619England, USA 2016. Regie: Terry Jones. Darsteller: Simon Pegg, Kate Beckinsale, Robin Williams (Stimme), Joanna Lumley, Rob Riggle, Eddie Izzard

Offizielle Synopsis: In den Weiten einer entfernten Galaxy hat ein fieser Pulk Aliens beschlossen, den Planeten Erde samt seiner Bewohner ein für alle mal zu vernichten. Bevor Derartiges angeordnet werden kann, muss jedoch den Einwohnern des betreffenden Planeten die Chance gegeben werden, sich noch einmal zu beweisen – so verlangt es das Gesetz. Ein Wesen soll per Zufall ausgewählt und mit außerordentlichen Kräften ausgestattet werden. Dass die Wahl ausgerechnet auf den desillusionierten Lehrer Neil im Londoner Norden fällt, könnte sich als fatal für die Menschheit erweisen. Es dauert eine Weile, bis Neil klar wird, dass er nun im Besitz der Macht ist, einfach alles zu tun und jeden Wunsch Realität werden zulassen  – und es dauert noch länger, bis diese Macht halbwegs unter Kontrolle gebracht ist, sprich: jeder Wunsch so präzise formuliert ist, dass unerwünschte Nebenwirkungen ausbleiben. Und so versucht er zunächst das Herz seiner schönen Nachbarin Catherine zu gewinnen und schlittert von einer bizarren Situation in die nächste…

Kritik: Wer sich in der SF-Geschichte auskennt und die Inhaltsangabe liest, der ahnt, woher sich Ex-Python Terry Jones die Idee geliehen hat:

Außerdem ist „Absolutely Anyting“ natürlich eine Variante von „Bruce Almighty“ – in Deutschland heißt er ja auch „Zufällig allmächtig“.

Aber es ist gar nicht nötig, diese federleichte Komödie mit zuviel Ballast zu behängen – die Vorgänger sind unwichtig, das fertige Produkt steht sicher auf eigenen Beinen. Simon Pegg spielt den patentierten Underdog mit der bildhübschen Nachbarin, nutzt seine neue Kräfte zur Besserung der eigenen Situation, nur um am Ende zu begreifen, dass Glück keine Frage von Allmacht ist – und Liebe schon gar nicht.

Zugegeben, im Vergleich zu „Approaching the Unknown“ und „Reconnoiter“ ist das wirklich keine „harte“ SF und die Wells-Vorlage beruft sich auf Gottheiten, nicht auf Außerirdische als „deus ex machina“ – aber Science Fiction ist ein großer Sack, in den man viele verschiedene Subgenres stopfen kann. Und wenn ich einen „Summer of SciFi“ feiere, brauche ich zum Erhalt meines gesunden Menschenverstandes die Abwechslung.

„Absolutely Anything“ macht es dem Zuschauer sehr leicht – hier sind wirklich nur sympathische Figuren unterwegs, selbst die „Bösen“ sind eher schräg als wirklich eeevil. Aus dem Gimmick der Wunderwünsche lassen sich viele hübsche Sketche zimmern und man darf auch mal nostalgisch seufzen, wenn die überlebenden Pythons das intergalaktische Konzil sprechen oder Robin William in einer seiner letzten Darstellungen den Hund Dennis. Die zentrale Liebesgeschichte von Neal und Catherine mag keine Bäume ausreißen, ist aber ausreichend pärchentauglich erzählt.

Obwohl es in diesem Rahmen nicht nennenswert wichtig ist, sind sogar die Spezialeffekte überzeugend (und kurioserweise komplett aus China).

Müsste ich mäkeln, wären das höchsten Kleinigkeiten: So scheut sich der Film, auch nur ansatzweise echtes Drama zu erzählen. Keiner der Konflikte ist substanziell, was ihm etwas den emotionalen Impact nimmt. Man muss bereit sein, seinen Figuren weh zu tun, sie in Gefahr zu bringen – das fehlt hier ein wenig. Der Monty Python-Biss, so präsent noch in „Ein Fisch namens Wanda“, hat sich bis auf winzige Details verflüchtigt. Und einige der an sich hübschen Nebenstränge werden in der zweiten Hälfte des Films vergessen – so verschwinden sehr drollige Figuren wie Eddie Izzard als bärbeißiger Schuldirektor und Joanna Lumley als bissige Buchrezensionistin einfach. Da wäre etwas mehr „Aufräumarbeit“ im Finale hilfreich gewesen.

Nichtdestotrotz: Als verspielte Effektkomödie mit dem Herz am rechten Fleck taugt „Absolutely Anything“ allemal. Warum der Film international gefloppt ist und nicht mal 5 Millionen Dollar eingespielt hat? Keine Ahnung. Er ist nicht schlechter als viele andere romantische Komödien, aber durchaus besser als so einige. Langsam habe ich das Gefühl, dass der Versuch, britische Komiker als romantic leading men zu etablieren, eine Sisyphos-Arbeit ist (siehe neben Simon Pegg auch Ricky Gervais und Martin Freeman).

Fazit: Sehr sympathische, gut getrickste und gespielte romantische Komödie mit SF-Aufhänger, die ein wenig mehr Gewicht vertragen könnte und etwas mehr Sorgfalt bei der Auflösung der diversen Subplots.



8 “ Summer of SciFi: Absolutely Anything ”



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