affiche-kill-command-2016-1

England 2016. Regie: Steven Gomez. Darsteller: Vanessa Kirby, Thure Lindhardt, David Ajala, Deborah Rosan, Tom McKay u.a.

Offizielle Synopsis: Eine Eliteeinheit von Marinesoldaten wird für eine Routineübung auf eine weit abgelegene Insel abkommandiert. Die Technikspezialistin Mills, deren Gehirn mit einem Computer verbunden ist, begleitet die Mission. Auf der Insel merken die Soldaten schnell, dass die Übung alles andere als ein harmloses Training ist: Sie werden zu lebenden Zielscheiben für hochentwickelte militärische Kampfroboter. Nur Mills kann der Einheit helfen zu überleben – doch ist sie, wer sie vorgibt zu sein?

Kritik: Den hier habe ich mal wieder gar nicht kommen sehen – das ist zwar generell keine Überraschung (ich halte mich bei neuen Releases ja nicht anstrengend up to date), aber die Tatsache, dass eine so vergleichsweise aufwändige Produktion mir erst nach der deutschen Scheibenveröffentlichung unter die Augen kommt, ist verwunderlich. Von „Kill Command“ (onscreen title: „Identify“) hatte ich bis gestern nicht mal ein Poster gesehen.

Interessant ist, dass dieser Streifen viele strukturelle Ähnlichkeiten zu „Reconnoiter“ aufweist – beide wurden mit limitiertem Cast in der englischen Provinz gedreht, beide beziehen ihre primären Schauwerte aus der kompetenten Darstellung futuristischer Hardware per CGI, beide handeln vom Kampf gegen außer Kontrolle geratenes Kriegsgerät.

Vorab: Was ich nun schreibe, ist wahr, aber unfair – angesichts der Tatsache, dass „Kill Command“ vermutlich das zehnfache Budget von „Reconnoiter“ hatte. Dennoch: „Kill Command“ unterscheidet sich von „Reconnoiter“ hauptsächlich dadurch, dass er fast alles richtig macht.

Hier ist die Landschaft nicht einfach dröge abgefilmt, sondern wirkt wie ein bedrohlicher Schauplatz, ein gerneriertes Environment für die letzte Schlacht zwischen Mensch und Maschine. Obwohl Wald und Feld das vertraute Terrain des Menschen sind, scheinen sie sich mit dem Gegner gegen ihn zu verbrüdern.

Wo „Reconnoiter“ hauptsächlich aus rumsitzen, rumstapfen und verstecken besteht, weiß „Kill Command“, dass Action ein unverzichtbares Element eine Action-SF-Films ist und gönnt uns eine Truppe Marines, die mit hoch gezüchteten Waffen wild in der Gegend herum ballern – zu wummerndem Sound und mit pfeifenden Projektilen. Hier trifft „Aliens“ auf „Predator“, winkt „Starship Troopers“, während im Hintergrund „Gunhed“ respektvoll den Daumen hebt. Ein Film für Jungs.

Und dann die CGI – Mann, diese CGI. Klar, es ist nicht revolutionär, weil es kaum möglich ist, im Bereich futuristische Action noch etwas Revolutionäres auf die Beine zu stellen, aber DIESE Qualität in Sachen animierte Kampfmaschinen kennen wir bisher eigentlich nur von Big Budget-Produktionen wie „Edge of Tomorrow“. Leider konnte ich nicht heraus finden, wie viel Geld die Produktion zur Verfügung hatte – verschiedenen Quellen zufolge soll es aber eher weniger als mehr gewesen sein. Und dafür wird hier wirklich absolute Oberliga abgeliefert:

vfx-kill-command-stills1

Dabei ist die CGI nicht auf ein paar „beauty shots“ beschränkt, mit denen man den Trailer bestückt. Von der ersten bis zur letzten Minute ist „Kill Command“ förmlich getränkt in absolut authentischer, unaufdringlicher Computergrafik, die erheblich dazu beiträgt, das Szenario so glaubwürdig wie spannend zu halten.

Ihr ahnt, was jetzt kommt: Natürlich muss ein Low Budget-Film, der primär als Showcase für Effekte dient, diese auch bedienen. Und natürlich müht sich gerade ein Effektexperte, der erstmals einen Spielfilm schreibt und inszeniert, mit den dramaturgischen Feinheiten einer Geschichte, die primär aus „ballern, bis keiner übrig ist“ besteht.

Und da stolpert „Kill Command“ dann auch. Er investiert am Anfang zu wenig Zeit, um uns die Figuren so präzise vorzustellen, dass uns ihr Scheitern im Verlauf des Film wirklich schert. Während Cyborg Mills noch relativ gut zwischen Pflicht und Verantwortung oszilliert und damit einen emotionalen Bogen besitzt, bleiben die Marines komplett Kanonenfutter – was umso ärgerlicher ist, da die Darsteller mit dem wenigen, was man ihnen anbietet, durchaus glänzen können.

kill comand

Auch der Vorwärtsdrang des Films stottert immer wieder: Zwischen den Actionszenen sackt die Spannung weg, wird immer wieder fünf Minuten Zigarettenpause gemacht. Start, Stopp, Start, Stopp. Da müsste mehr Drive rein, eine Eskalation des Einsatzes. Es bleibt einfach zu vage, was der zentrale Konflikt ist, um was es geht. Ich sage das nicht oft: „Kill Command“ ist einer der Filme, denen etwas MEHR Exposition gut getan hätte.

Nichtsdestotrotz ist es selten genug, dass aus der Low Budget-Ecke ein so kompetenter und schön anzusehender Kracher kommt, deshalb werden die Defizite an dieser Stelle verziehen und die Empfehlung ausgesprochen.

Fazit: In Kameraführung, Schauspielerei, Sound und vor allem Effekten erstaunlich fette Militaria-SF, die trotz viel Action nicht ausreichend in die Gänge kommt und letztlich mehr beeindruckt als befriedigt. Aber im Lande der Asylums ist jeder „Kill Command“ der König, verstehste?



avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: