25
Jun 2016

Watching (13): Micro Men, Kindergarten Cop 2

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Micro Men

Anfang der 80er Jahre hatten die Briten im heimischen Computermarkt mit Marken wie Amstrad, Acorn, und vor allem Sinclair die Nase vorn. Der TV-Film von 2009 thematisiert die Konkurrenz von Clive Sinclair und seinem ehemaligen Mitarbeiter Chris Curry, der Acorn gründete. Da ich in der fraglichen Zeit ein echter Homecomputer-Enthusiast war, interessierte mich diese fiktionalisierte Aufarbeitung naturgemäß mehr als die diversen Filme über Steve Jobs.

Leider versagt „Micro Men“ auf ganzer Linie, weil er letzten Endes nur eine Reihe von Schlagzeilen fiktional umsetzt, ohne jemals glaubwürdig in die Köpfe der Figuren zu schauen oder die Mechanismen der Branche zu entlarven. Alles ist Oberfläche, jeder gezeigte Konflikt wäre bei einem Bier im Pub lösbar – und genau so endet der Film dann auch.

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Aber „Micro Men“ schafft dann noch den Abstieg vom seelenlosen TV-Film zur Farce, wenn er Sir Clive Sinclair als neurotischen, cholerischen Idioten darstellt, der noch dazu von Alexander Armstrong in einer katastrophal unglaubwürdigen Maske dargestellt wird. So stelle ich mir die Figur eher in einem Benny Hill-Sketch vor. Statt mit Latex und Perücke an der exakten Äußerlichkeit zu feilen, hätte man lieber versuchen sollen, die Essenz des Charakters darzustellen. Und damit ist dieser Aspekt auch eine perfekte Analogie für das Scheitern des gesamten Film.

 

Kindergarten Cop 2

Niemand, wirklich niemand hat sich eine Fortsetzung der Arnold Schwarzenegger-Komödie „Kindergarten Cop“ gewünscht. Aber das Label Universal 1440 ist darauf spezialisiert, billige Scheiben-Sequels zu Kinoproduktionen zu liefern und man hatte die Lizenz wohl gerade brachliegen. Weil Schwarzenegger erwartungsgemäß nicht mal in einem Cameo den Rest seines Marktwertes verbrennen möchte, muss Dolph Lundgren ran – der freut sich vermutlich, endlich mal wieder in Anzug und Krawatte agieren zu dürfen. Drei Wochen Dreharbeiten ohne Explosionen an jeder Ecke – ist doch auch schön.

Leider ist „Kindergarten Cop 2“ so ziemlich die eier- und einfallsloseste Ausschlachtung einer existierenden Lizenz, die ich seit langem gesehen habe. Es ist eine Neuerzählung von „Kindergarten Cop“ auf dem untersten Niveau, mit wenig Geld und wenig Gags schlampig hingerotzt. Der gesamte Plot dreht sich um den ältesten McGuffin der Welt – angeblich furchtbar wichtige Daten, die gefunden werden müssen. In den 70ern war so was eine Akte, in den 80ern eine Diskette, in den 90ern eine CD – heute ist es ein USB-Stick. Die Bemühungen um den Stick sind dabei überschaubar, die Gags rund um die kleinen Racker, mit denen Dolph sich abmüht, ebenfalls. Träge und ohne wirkliche Begeisterung schleppt sich der Film über die Laufzeit, ohne auch nur eine tatsächliche Emotion zu bedienen. Kein Film – Füllmaterial.

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Wie „Micro Man“ schafft es „Kindergarten Cop 2“ allerdings, durch ein einziges Detail noch eine Stufe tiefer zu steigen. Hier ist es Product Placement. Der Schokoriegel Twix wird derart penetrant immer wieder beworben und in die Kamera gehalten, dass man unterstellen muss, dass Mars 80 Prozent des Budgets zugeschossen hat. Kann einem eigentlich wurscht sein, mich nervt es allerdings massiv.

Ich bin mit Universal 1440 aber damit noch nicht fertig – schließlich kommt demnächst aus dem gleichen Haus "Hard Target 2" mit Scott Adkins:

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Exverlobter
Exverlobter
27. Juni, 2016 13:36

"Ich bin mit Universal 1440 aber damit noch nicht fertig – schließlich kommt demnächst aus dem gleichen Haus "Hard Target 2″ mit Scott Adkins:"

Van Dammes ist doch längst in der C-Welt der DVD-Sequels angekommen, also hätte man statt Adkins doch gleich Van Damme nehmen können, und so ein "richtiges" Hard Target-Sequel gehabt.
Schade.