06
Dez 2014

Hardcore-Horror für die Harten im Garten

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Isses nicht schön, wenn eine exotische Perle, nach der man lange gesucht hat, plötzlich wieder auftaucht – und dann sogar noch auf YouTube, wo man sie mit der Welt teilen kann?

Nicht immer.

Das kleine Fernsehspiel "Cherie mir ist schlecht" ist seit über 30 Jahren mein Totschlagargument zum Thema Wave-Horror und dem Rotz, für den seinerzeit öffentlich-rechtliche Gelder rausgeschmissen wurden. Ich kann mich gut erinnern, wie ich als 15jähriger begeistert und weit nach Bettzeit vor dem Fernseher kauerte und die Ansagerin den ersten auf Video gedrehten TV-Film versprach – mit Vampiren! Da konnte mich auch der abstruse Titel nicht schrecken.

Eine gute Stunde später ging ich verwirrt, ernüchtert und latent angewidert ins Bett. Das war kein Film, das war auch kein Horror, das war – Kunst! Und nicht die gute Sorte mit dicken nackten Frauen in Öl oder pokernden Hunden am Spieltisch. Das war quasi KunstKunst – selbstbesoffene Verwurstung von unverstandenen Mitteln des Kinos und bewusste Verachtung des bourgeoisen Zuschauer-Packs.

Immer wieder habe ich versucht, eine Kopie von dem Film zu bekommen – und sei es nur, um gute Freunde zu verschrecken. So was glaubt einem keiner, wenn man es nicht selber gesehen hat. Leider war "Cherie"  bis auf ein paar in ein Musikvideo eingeschnittene Szenen verschwunden. Gerecht, aber ärgerlich.

Bis jetzt!

Ein guter Geist hat den Film in einer schwammigen, aber guckbaren Kopie hochgeladen und ich möchte euch einladen – ach was, herausfordern! -, diese Stunde deutscher cineastischer Avantgarde in einem Rutsch, ohne Pinkel- oder Brechpause, durchzustehen. Leidet, wie ich gelitten habe!

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Endlich nicht mehr allein mit dem Schmerz. ENDLICH! MWAHAHAAAA!!!



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Daniel
Daniel
6. Dezember, 2014 19:04

Recht herzlichen Dank. Knapp 57 kostbare und nicht rückerstattungsfähige Lebensminuten down the drain. Aber für Dich tue ich ja alles. Ist das Fade-in-fade-out in der Titel-Musik eigentlich absicht oder der Video-Qualität geschuldet? Wieviel hat "Fa" dafür bezahlt? Warum gab es in den passenden Momenten keine Lesben-Action? Warum wurden Schauspielerinnen gecastet, die erkennbar den Text nicht verstehen und schlecht phonetisch aufsagen? Warum war keine nettere Postkarte von einem hässlichen Schloss verfügbar? Und, vor allem, was soll der ganze Zinnober? OK, ich verstehe. Dein Plan ist aufgegangen. Aber geteilter Schmerz ist doppelter Schmerz, soviel steht fest.

Ich bin weder pinkeln noch kotzen gegangen, habe mir aber sicherheitshalber vorher eine frische Schachtel Zigaretten und eine Flasche Wein in Griffweite gestellt. Zum Glück. Auch, weil mir viel von der zweiten Hälfte jetzt nur noch wolkig in Erinnerung ist und morgen nach 2 Ibuprofen gegen den Kater idealerweise ganz von meiner Festplatte gelöscht sein wird. Beides Methoden, die Dir weiland nicht zur Verfügung gestanden haben werden. The horror, the horror!

Michel
Michel
6. Dezember, 2014 20:41

So stelle ich mir die Hölle vor. Offenbar wollten da Leutchen, die nichts, aber auch gar nichts verstanden haben, eine Parodie auf Vampir- und Werbefilme drehen. Das einzige, was halbwegs (!) kompetent funktioniert, ist die Volvo-Szene mit dem Anhalten und Fragestellen vor diversen Fenstern. Kann jedoch nur ein Zufall gewesen sein.

Peroy
Peroy
6. Dezember, 2014 21:22

Heute scheint der Tag von "Da war ja meiner besser…" zu sein… nun ja, gut für’s Ego…

Steffen
Steffen
8. Dezember, 2014 10:13

Warum erinnert mich das spontan an Retard-O-Tron? 😀

DMJ
9. Dezember, 2014 14:30

Um nachträglich zum Nikolaustag beizutragen: Ja, da war Peroys wirklich besser. -_-

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[…] hat Hipster-SF erfunden, utopisches Kino für Angeber und Eierschaukler irgendwo zwischen “Cherie, mir ist schlecht” und “Coherence“. Schöne, leere Menschen reden penetrant pseudo-tiefgründiges […]

trackback

[…] „Cherie mir ist schlecht” und „Datenpanne – das kann uns nie passieren” habe ich noch eine weitere […]

Maximilian
Maximilian
6. Oktober, 2016 23:47

'Cherie, mir ist schlecht' ist dialogschwach, aber sehr bildstark und gesegnet mit der sehr charismatischen (Neben-)Hauptdarstellerin Lotti Huber. Ich persönlich kann auf blutrünstige Splattereffekte verzichten und gebe mich gerne einer Stunde gepflegtem leichten Gruseln in amüsantem 80er-Jahre Ambiente hin. Außerdem war die junge Mari Cantu ja wohl unbestritten eine Augenweide, die ich allemal so mancher austauschbarer Hollywood-Diva vorziehe.

ludo
ludo
28. Juli, 2017 22:52

Der Filmadresse bei Youtube hat sich offenbar geändert:
https://www.youtube.com/watch?v=rI-B8sdW6vo