Deutschland/USA/Kanada 2011 / 35 MM / 110 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE Xavier Gens
DARSTELLER Lauren German / Milo Ventimiglia / Michael Biehn / Michael Eklund / Rosanna Arquette

Story (offizielle Synopsis): Starr vor Schreck erlebt Eva am Fenster ihres Apartmentblocks den Augenblick des Weltuntergangs: Mit gewaltigen Explosionen verabschiedet sich New York in einem Inferno aus Feuer und Rauch. In letzter Sekunde erreicht sie zusammen mit ihrem Ehemann und einigen Nachbarn den schützenden Keller. In dem bunkerartigen Komplex eingeschlossen, hoffen die Menschen auf baldige Rettung. Doch als klar wird, dass diese nicht kommt, muss sich die zusammengewürfelte Gruppe selbst helfen. Es kommt zu ersten Konfrontationen; was mit verletzter Eitelkeit beginnt, steigert sich nach der ersten Bedrohung von draußen zu einem Machtspiel mit grausamer Konsequenz.

Kritik: Es ist nicht gerade neues Terrain, das „The Divide“ betritt – ein paar Charaktere eingesperrt in einem Bunker, das hatten wir schon mehrfach in der „Twilight Zone“ uns sogar in dem deutschen „Operation Dead End“ 1986. Erweitert man das Szenario auf „Leute eingeschlossen in einem beliebigen Raum“, kommt man auf mehrere Dutzend Titel.

Die Machart des Films ist auch nicht gerade angetan, den Zuschauer zu fesseln: Permanente extreme Nahaufnahmen nerven, ein hyper hektischer Schnitt sorgt für Kopfschmerzen, und dauernde Blickwechsel verhindert ein halbwegs geordnetes Verständnis für das Layout des Bunkers. Das alles mag gewollt sein, das sehe ich durchaus ein – aber es macht „The Divide“ schon in den ersten 15 Minuten zur Tortur.

Die Figuren halten sich nicht lange mit Höflichkeiten auf: Kaum ist die Panzertür zu, werden alle zivilisatorischen Errungenschaften ins Plumpsklo geworfen. Es herrscht das Gesetz des Dschungels in den stickigen Stahlbeton-Räumen, halbnackte und glatzköpfige Alpha-Männchen beanspruchen die Futterhoheit und die Gunst der Weibchen. Fehlt bloß noch, dass sie grunzen.

Wie es aussieht, haben die Macher dieses Films keine sehr hohe Meinung von der Menschheit.

Kurzum: Nach einer halben Stunde ist man bereits geneigt, das Kino fluchtartig zu verlassen. Zu zynisch und schlecht gedreht kommt „The Divide“ daher und schert sich auch nie um logistische oder technische Details.

Wenn man allerdings durchhält (wie ich – rausgehen ist für Pussies), dann verfällt man durchaus in der zweiten Hälfte des Film der Sogwirkung des Geschehens. Die Vorgänge geraten derart außer Kontrolle, dass „The Divide“ kaum noch als traditionelle Narrative gesehen werden kann. Es ist ein Survival-Camp mit „Herr der Fliegen“-Anspruch, ein geschmackloser Rückfall in die Steinzeit – oder die postapokalyptische Zukunft, was in diesem Fall auf das Gleiche herauskommt.

Man verpasst auch ein paar wirklich sehenswerte Performances, wenn man kneift – Michael Biehn oszilliert zwischen Dennis Hopper und Clint Eastwood und sollte ENDLICH mal wieder gute Hauptrollen bekommen, Rosanna Arquette ist nicht so schlecht gealtert, wie der Film sie aussehen lässt, und Milo Ventimiglia… tja, was soll ich dazu sagen? Der schlanke Schönling aus „Heroes“ und „Rocky Balboa“ scheint entschlossen, sich in Hollywood als harter Kerl der nächsten Generation anbieten zu wollen. Muskulös und darstellerisch furchtlos gibt er einen Psychopathen, der sich gewaschen hat.

Macht die bizarre Faszination in Kombination mit den guten Darstellern aus „The Divide“ einen guten Film? Ganz sicher nicht. Aber es gelingt ihm wenigstens, nach einer beschissenen ersten Hälfte nochmal durch schiere Chuzpe die Kurve so weit zu kriegen, dass man doch gebannt dabei bleibt. Und das ist es letztlich, weshalb wir ins Kino gehen.

Fazit: Technisch schludriger und inhaltlich fragwürdiger „Jeder gegen jeden“-Thriller, dessen Eier die Defizite fast wettmachen. Fast.

http://www.youtube.com/watch?v=LJCxT2d5hzk



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz