USA 2011 / 91 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE MAURO BORRELLI
DARSTELLER AARON DEAN EISENBERG / LIZ FENNING / J. WALTER HOLLAND / JARED GREY

Offizielle Synopsis: Bei einem Gelegenheitsjob stößt der Student Kyle in einem Keller auf einen antiken Sarg. Zwar muss er der schrulligen Besitzerin versprechen, den sperrigen Kasten zu entsorgen, aber in der Hoffnung auf einen kleinen Nebenverdienst nimmt er ihn doch mit nach Hause – und macht eine höchst ungewöhnliche Entdeckung: Im Innern des Totenschreins versteckt sich ein komplexes, mechanisches Getriebe sowie ein Schlüssel für eine Spieluhr. Wer bloß hat diese Konstruktion gebaut und zu welchem Zweck? Mit geradezu fiebriger Besessenheit machen sich Kyle und seine zwei Freunde Sutton und Platt an die Recherche und werden schnell fündig. Offenbar hat ein auf Folterwerkzeuge spezialisierter Frankfurter Bürger den Sarg im Spätmittelalter als eine Art Tor zur Unterwelt ersonnen. Der Legende nach gelang es jenem Wolfgang von Tristen mit seiner „Geistermaschine“ den eigenen Körper zu verlassen und den Tod auszutricksen. Spukgeschichte oder Realität – dies gilt es nun für die Freunde herauszufinden! Sie können es kaum erwarten, einer nach dem anderen in die Kiste zu hüpfen. Und tatsächlich, nachdem sich die Apparatur erst einmal in Gang gesetzt hat, unternehmen die drei munter ihre ersten Ausflüge ins Totenreich. Doch welchen Effekt mag dies auf ihr Dasein als Lebende haben und was hätte der Erfinder wohl vom Missbrauch seines Spielzeugs gehalten?

Kritik: Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass meine Sozialisierung zum Horrorfilm weniger mit Splatter und Zombies zu tun hat und mehr mit „John Sinclair“ und den „Gespenster Geschichten“. Ich mag weniger den nackten Terror und die sudelnden Gedärme, dafür stehe ich auf stimmungsvolle Sets, düstere Legenden und verfluchte Familien/Gegenstände/Orte. Ich brauche einen Helden, drei Akte, aber keinen Tabubruch und auch keine Ausreizung meiner Geschmacksnerven.

Und genau deshalb hat mir „Ghostmaker“, obwohl es letztlich ein Mainstream-B-Movie ohne nennenswerte eigene Ideen ist, so gut gefallen. Regisseur Borrelli siedelt seine Schauermär irgendwo zwischen Pulp-Romanen, „Flatliners“ und italienischen TV-Gruselfilmen von Lamberto Bava aus den 80ern an. Drei Freunde stoßen auf ein Geheimnis, wagen sich zu weit in die Welt des Okkulten – und am Schluss siegt die Liebe. Nicht nur über das Böse, sondern auch über die Drogensucht.

Hier ist nichts neu, vieles vorhersehbar, aber die Sargmaschine als Zugang zum Totenreich ist visuell wie erzählerisch eine hübscher McGuffin und Borrelli hat durchaus die richtigen Ideen, warum seine Protagonisten so scharf auf die Trips ins Jenseits sind – und warum das nur schiefgehen kann. Das wird auch alles recht ansprechend und knallbunt inszeniert (die Produktionsfirma heißt passenderweise Fotocomics) – preiswert, aber professionell.

Und weil man beim B-Movie auch keine so hohen Maßstäbe anlegt, amüsieren wir uns lieber über die miserable schauspielerische Leistung des College-Professors „Platt“ (der seinem Namen alle Ehre macht) und kichern, wenn das „alte Buch“ (das sämtlich Antworten zur Sargmaschine auf dem silbernen Tablett präsentiert) aus offensichtlich schwarzweiß fotokopierten Seiten besteht. Es ist Humbug. Unterhaltsamer Humbug.

Der einzige Punkt, der mir wirklich aufgestoßen ist: die mit der Sargmaschine irgendwie verbundene Gestalt des mechanischen Sensenmanns. Die ist in Design und Umsetzung eher Magerquark und hat für die Handlung eigentlich keinerlei Bedeutung. Hier wurde die Chance gesehen, eine neue Horror-Kultfigur zu etablieren – und verpatzt.

Fazit: „Die drei ??? und die Sargmaschine“. Ein harmloser, aber unterhaltsamer Groschenroman-Grusler der klassischen Sorte, der zwar in der zweiten Hälfte etwas an Dampf verliert, aber alle Fans von freundinnentauglichen Okkult-Spukereien zufrieden stellt. Da drückt man auch bei der mäßig umgesetzten und letztlich unnötigen Monsterfigur ein Auge zu.

P.S.: Bonuspunkt für den Shot der Pillendose, durch den wir erfahren, dass unsere Protagonistin „Julie Strain“ heißt…



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heino
heino

Der Vergleich mit „Flatliners“ drängte sich mir nach Ansicht des Trailers auch auf, wobei auch noch ein Schuß „The Frighteners“ (zumindest bei den Effekten) auszumachen ist. Schau ich mir vielleicht noch spontan an

Comicfreak
Comicfreak

..klingt gut, danke!

Peroy
Peroy

„Und weil man beim B-Movie auch keine so hohen Maßstäbe anlegt…“

Du. Nicht „man“… du.

Marcus
Marcus

Grundidee gut, Look auch, aber gegen Ende wird das immer vorhersehbarer und klischeehafter, und die Schlussszene (die ich hier nicht spoiler), ist dann völlig gaga.

Der „mechanical death“ ist das coolste Visual im Film, aber leider wird nie klar, was genau er ist und wie er mit all dem zusammenhängt. Will mir der Film weißmachen, dass der Tod selbst eine Erfindung von von Tristen ist? Das hätte besser auserzählt werden müssen.

Und in weiten Teilen der Story ist das hier schon ein Remake von „Hollow Man“, oder?

War als Festivalfutter okay, aber mehr auch nicht. 6/10.

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