stakeland_01USA 2010 / 35 MM / 98 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE JIM MICKLE
DARSTELLER DANIELLE HARRIS / KELLY MCGILLIS / CONNOR PAOLO / MICHAEL CERVERIS / BONNIE DENNISON

Story (offizielle Synopsis): Amerika ist vernichtet. Eine Vampir-Epidemie hat Uncle Sams Spielwiese in ein Schlachtfeld verwandelt. Überall wimmelt es von widerwärtigen Drecksviechern, die über jeden herfallen, der noch Puls hat und nicht schnell genug zum Waffenschrank kommt. Das schauerliche Ausmaß der Verluste lässt sich an den überall herumliegenden Leichen ablesen – ein trostloses Bild verlorener Menschlichkeit. Inmitten dieser Kriegswirren versucht ein Ex-Soldat, von allen schlicht „Mister“ genannt, den Teenager und Waisenjungen Martin für den Kampf gegen die zombieähnlichen Biester fit zu machen. Gemeinsam wollen sie sich bis nach New Eden durchpfählen: ein angeblich sicheres Reservat im Norden Kanadas, in dem Martin Unterschlupf finden soll.

Kritik:

„Stake Land“ macht zuerst einmal richtig, was „Hell“ falsch macht – er bleibt bei seinem Roadmovie-Motiv, baut immer wieder kleine Episoden als Hindernisse auf, hält sich an die Vampire und die durchgeknallten Fundamentalisten als hauptsächliche Konfliktressource. Mit wenigen Mitteln gelingt es ihm tatsächlich, die Illusion eines zerfallenen und dahin vegetierenden Amerikas zu visualisieren: Verlassene Straßen, überall Müll, Barrikaden, ein paar ominöse Warnschilder. Mehr braucht es gar nicht.

Leider kann „Stake Land“ an keiner Stelle dem Ehrgeiz seiner Macher folgen – zu dünn die Regie, zu banal die Dialoge, zu blass die Charaktere. Der gesamte Plot ist mit „Die Helden wollen nach New Eden“ ausreichend zusammen gefasst und der Mangel an Substanz wird leider nicht von einem Übermaß an Charakterentwicklung aufgefangen. Das ist doppelt schade und fällt gerade deswegen auf, weil das Setup mehr als genug Möglichkeiten bietet: Martin hat seine Eltern verloren, findet in „Mister“ einen widerwilligen Ersatz, lässt sich ausbilden – doch die Beziehung wird in Frage gestellt, als beide Männer eine jeweils potentielle Partnerin finden. Es ist das, was auf inhaltlicher Ebene passiert, aber in der Erzählung an keiner Stelle reflektiert wird. Keine größeren Themen werden angesprochen, keine übergreifenden Konflikte durchgespielt. Es sind SEHR kleine Brötchen, die hier gebacken werden.

Es hilft nicht, dass sich Connor Paolo, Danielle Harris (Bruce Willis‘ Tochter aus „The last boyscout“!) und Kelly McGillis („Top Gun“!) redlich mühen – sie haben einfach keine emotionalen Beats auszuspielen. Ein echtes Manko ist Nick Damici, der zwar wie Fred Ward aussieht, aber als „Mister“ nicht die Gravitas für die große Heldenrolle mit bringt. An seiner Schwäche schwächelt letztlich auch der ganze Film.

So addiert sich die ganze Mühe zu einer Reihe von Vampir-Attacken ohne viele Konsequenzen, etwas hausgemachtem Gore und meiner Erkenntnis, dass die USA nach der Vampir-Apokalypse auch nicht viel scheißer aussehen werden als einige Teile von Louisiana, die ich 2010 durchfahren habe.

Einen Bonuspunkt gibt es allerdings für die glorreiche Idee, dass die Fundamentalisten von Helikoptern aus Vampire in Flüchtlingscamps abwerfen, um Gottes gerechter Strafe ein wenig in die Puschen zu helfen.

Fazit: Ein in seinen Ambitionen bewunderswerter, inhaltlich aber leider zu dürftiger und darstellerisch zu blasser B-Abklatsch von „Walking Dead“, „Falling Skies“ und „Carriers“.



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Kann man aus deinem Fazit auch eine inhaltliche Wertung der genannten Serien/Filme herauslesen? Also Stake Land = „B“, aber diese Werke more or less „A“? Denn Falling Skies war arg enttäuschend und präsentierte in Season 1 auch überwiegend kleine Brötchen.

PS: Bleibt die Frage, wie lange die Vampir- und Zombiewelle noch anhält.

Peroy
Peroy

„P.S.: In diesem Film sind Zombies und Vampire mal wieder völlig austauschbar.“

Ah, „Vombies“… danke, passe, „30 Days of Scheiss“ hat mir in der Hinsicht gereicht. Aber die Viecher aus „Stakeland“ sprechen kein Klingonisch, oder… ?

heino
heino

Die Inhaltsangabe erinnert auch sehr stark an „28 days later“ und Konsorten. Aber die Karte ist gekauft, also wird er auch angeschaut.

DMJ

„Vombies“? Ein guter Ausdruck, den man sicher noch gebrauchen kann.

Marcus
Marcus

@heino: „Aber die Karte ist gekauft, also wird er auch angeschaut.“

Und wenn die Karte für Do ist, hast Du mich auch wieder an der Backe. Das kommt davon… 😀

heino
heino

Yep, ist sie. geht in ordnung, zu zweit lässt sich besser über schlechte Filme lästern:-)
was schaste denn sonst noch alles?

HomiSite

„Vombies“ wären aber eher zu 1/4 Vampir und zu 3/4 Zombie, umgekehrt hieße es wohl „Zampire“. Und bin daher für „Zompire“ :-).

Marcus
Marcus

@Homisite: einverstanden, aber nur, weil „Vambies“ so albern klingt. 😀

Marcus
Marcus

@heino: „was schaste denn sonst noch alles?“

Zu viel, als dass ich es jetzt hier aufzählen könnte. 26 Filme – ich muss gaga sein. Oder zuviel Zeit haben. Vermutlich beides.

Kurzversion der Antwort:

*in den anderen Threads nach heinos Kommentar dazu kram*

Außer „Hell“ und „Hair of the beast“ alles, was du auch aufm Zettel hast.

heino
heino

Na, dann sehen wir uns ja öfter. Kann auch durchaus noch der eine oder andere Film dazu kommen.

Generell bin ich ja etwas sauer auf die Festivalmacher. Da verkünden sie stolz im Programmheft das 25jährige Jubiläum, lassen sich dazu aber nix Besonderes einfallen. Zum 10jährigen hatten sie 1996 wenigstens nochmal die beliebtesten Streifen der Vorjahre gezeigt.

Marcus
Marcus

„Zum 10jährigen hatten sie 1996 wenigstens nochmal die beliebtesten Streifen der Vorjahre gezeigt.“

Nochmal „The Loved Ones“? 😯

S-Man
S-Man

Ich saß im Kino und dachte irgendwie die gesamte Zeit nichts anderes als: „Warum ist das ein Vampirfilm?“

Die Story war ein 1A-Standard-Zombiefilm (Waaah, sie sind sind überall! Sie wollen uns fressen! und sowieso: Wir werden alle stööööörben!), die Viecher sahen für mich eher wie Zombies aus als wie Vampire (ich weiß, ist Geschmackssache und von den Zähnen mal abgesehen…). Also für mich ist und bleibt Stake Island ein Zombiefilm, und zawr einer von der langweiligen Standardsorte. Basta. 🙂

heino
heino

„Nochmal “The Loved Ones”? “

Ach komm, du willst nur nicht zuge´ben, dass dir dabei einer abgegangen ist:-))

Marcus
Marcus

@heino,#14: Pass nur auf, do!!!

Zu „Stake Land“: Darsteller adäquat, filmische Umsetzung gut, Gore ordentlich. Aber der Film klappert das eh wahrlich nicht gerade unterbevölkerte Subgenre des Zombie-Apokalypsen-Films (denn dass es Vampire sein sollen, spielt hier gar keine Rolle) so dermaßen unambitioniert ab, und ringt dem Ganzen so gar nichts Neues ab, dass er mich letztlich reichlich kalt lässt. Die Filmemacher haben auf die Frage „wieso nochmal so einen Film?“ nur ganz genau EINE Antwort: diesmal mit Vampiren. Und aus diesem einen unique selling point machen sie halt nichts. Also wozu das Ganze?

Vombies FTW – aber nur wenn man Allesgucker in diesem Genre ist. 6/10

heino
heino

Darsteller so lala, filmische Umsetzung scheißend langweilig. Ein Film, der so unnötig wie ein Loch im Ellbogen ist. Alles plätschert vor sich hin, in keiner Sekunde kommt mehr als Lethargie auf und dann werden noch haufenweise dämliche Ideen aufgefahren (z.B. gibt es nur noch vereinzelt Strom durch wenige Dieselgeneratoren, aber den verschwendet man für die Gesangsanlage einer Keipenband). Die Idee mit den vom Hubschrauber abgeworfenen Vampiren war witzig, aber letztlich sinnbefreit, weil gar nicht nachvollziehbar ist, wie die Fundis die Vombies unter Kontrolle halten konnten. Und mich wundert, dass du die „Adam & Eva retten sich in vermeintliche Paradies“-Analogie am Ende nicht agesprochen hast, die ist doch sonst immer ein rotes Tuch für dich:-)

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