HELLDeutschland/Schweiz 2011 / 35 MM / 87 MIN / Deutsche OV

REGIE Tim Fehlbaum
DARSTELLER Hannah Herzsprung / Angela Winkler / Lars Eidinger / Stipe Erceg / Lisa Vicari
DREHBUCH Tim Fehlbaum / Oliver Kahl / Thomas Wöbke
VERLEIH Paramount Pictures Germany

Story: Zwei Schwestern auf dem Weg durch die staubtrockene Apokalypse in der Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem es noch Wasser gibt – und an dem wegen eines Liters Benzin nicht getötet wird. Wo es grünes Gras gibt und singende Vögel. Doch die Loyalität der Mitreisenden ist begrenzt, die Grausamkeit der Feinde auf der Straße fast grenzenlos. Es bleibt nur der Kampf…

Kritik: Ich habe gestern im Schweiße meines Angesichts eine Videokritik zu „Hell“ gedreht – und nach Schnitt und Feintuning wieder gelöscht. Zwei Stunden Arbeit für neun Minuten Screentime. I am not feeling it – yet. Ich muss mich erst wieder eingrooven, was die Präsenz vor der Kamera angeht. Darum also diese Woche noch mal „klassisch“.

Generell gilt: Wer keine Spoiler will, sollte meine Reviews meiden. Und das Programmheft des Fantasy Film Fest sowieso. Außerdem bitte ich um fleißige Kommentierung, denn ich muss sechzig Filme in zehn Tagen schauen, das schaffe ich nur mit eurem Rückenwind.

Auf auf!, sprach der Fuchs zum Hasen – hörst du nicht den Jäger blasen?

Es ist wahrlich nicht verwunderlich, einem Film wie diesen auf dem Fantasy Film Fest zu begegnen. Preiswerte Postapokalypse, Roadmovie, ein paar Charaktere gegen den Rest der Welt – und sich selbst. Verwunderlich ist allenfalls, dass es sich bei „Hell“ um einen deutschen Film handelt, der noch dazu nicht von ein paar semi-professionellen Maulaufreißern mit Papas Camcorder gedreht wurde, sondern im September einen properen Kinostart bekommt. Allerdings sollte man dabei die Erwartungen mit der sprichwörtlichen Kirche im Dorf lassen: Wir reden hier immer noch von einem Budget, das vermutlich für eine Folge „Rosenheim Cops“ zu klein wäre und Roland Emmerich steht zwar als „Executive Producer“ im Vorspann, aber das Presseheft gibt unumwunden zu, dass der Master of Disaster hier nur im Vorfeld eine limitierte beratende Funktion hatte.

hell

Während andere deutsche Genre-Beiträge wie „Kampfansage“, „Iron Doors 3D“ und „Virus Undead“ schon an der Startlinie stolpern und danach nur mühsam gen Ziel humpeln, macht „Hell“ erst mal eine ganze Menge richtig. Auf Exposition wird bis auf eine Texttafel komplett verzichtet, es geht hier nicht um „das große Ganze“, sondern um „das kleine Drama“. Einer genaueren Analyse würde die Welt von „Hell“ vermutlich sowieso nicht standhalten. Die ersten Bilder sind beeindruckend – versandete Autobahnen, geplünderte Raststätten, gleißendes Sonnenlicht (ein billiger Belichtungseffekt, wie wir ihn ähnlich seinerzeit bei „Sumuru“ angewendet haben). Der nächste Schluck Wasser, der nächste Liter Benzin – jeder für sich und Gott gegen alle. Der Mensch als Tier mit der blassen Hoffnung auf eine bessere Welt „irgendwo da draußen“. Das erinnert an „Carriers“ und „The Road“, vermeidet dämliche Klischees und billig überzeichnete Charaktere.

Der Spass hält leider nur 20 Minuten. Dann gehen den Machern synchron Geld und Ideen aus. Vielleicht liegt es darin, dass „Hell“ aus einer Kurzfilm-Idee entstanden ist, die nie für Spielfilmlänge gedacht war. Oder vielleicht daran, dass deutsche Autoren leicht die Setups großer Vorbilder verstehen, nicht aber deren handlungstragende Mechanismen. Wie dem auch sei: Sowohl der Background der ewigen, tödlichen Hitze als auch das Roadmovie-Motiv werden über Bord geworfen, als unsere Protagonisten in einem Wald in eine Falle laufen bzw. fahren.

Marodierende Banden von kannibalischen Bergbauern.

Ja genau, das habt ihr richtig gelesen. Unsere Helden bekommen es mit den Bewohnern eines Einödhofes zu tun, die mangels regulärer Ernten einfach die Ernährung umgestellt haben. Es gibt Fleisch, Baby. Bolzenschußgerät, Fleischerkittel und Hängehaken inklusive. Willkomen im „Texas Chainsaw Massacre“-Wunderland!

Es ist eine Schande: Der ganze mühsame Aufbau, die Effekte, das gemeinsame Ziel – alles wird einem billigen Survival-Thriller geopfert, der als ersten Akt einfach ein paar Leute hätte zeigen können, die ein Wochenende lang in einem abgelegenen Wald wandern gehen. Das Ergebnis wäre das Gleiche geblieben. Es wird gerannt, geschwitzt, geschrien, Äxte landen in Köpfen, Knochen brechen, „wir müssen hier raus!“, etc. pp. Hatten wir zum Anfang ein Thema, das pro Jahr ein bis zweimal auf dem FFF zu besichtigen ist, landen wir nun beim Wald & Wiesen-Hobel, von dem es mindestens zehn Variationen gibt.

Eine Episode, die in einem guten Roadmovie vielleicht fünfzehn Minuten Laufzeit gefressen hätte, nur ein Hindernis auf dem Weg zum großen Endziel gewesen wäre, wird in „Hell“ mühsam auf eine Stunde gestreckt – und als den Protagonisten endlich die Flucht gelingt und der Zuschauer „endlich geht’s weiter!“ denkt, kommt der Nachspann. Nach gerade mal gut 80 Minuten. Da wäre mehr gegangen. Aber wahrscheinlich haben die Investoren dann doch Angst vor der eigenen Courage gehabt und auf dem Scheck die letzte Null wieder ausradiert.

hell2Das ärgert umso mehr, da „Hell“ nicht nur einen guten ersten Akt, sondern auch durch die Bank überzeugende schauspielerische Leistungen aufweist. Hannah Herzsprung, Stipe Erceg und Angela Winker zeigen, dass man sich mitnichten grundsätzlich für deutsche Teilnehmer an Genreproduktionen schämen muss.

Auch Regie und Kamera müssen sich keine Vorwürfe machen: Fehlbaum und seine Kumpel von der Filmhochschule haben offensichtlich im Unterricht gut aufgepasst. Das ist alles durchaus flott und fettfrei inszeniert. Natürlich knarzt hier und da mal eine Dialogzeile, ein emotionaler Beat wird falsch gesetzt, und es nervt der Gimmick, immer wieder Menschen im Vordergrund zu fokussieren, während im Hintergrund „überraschend“ und unscharf eine weitere Person auftaucht. Aber das ist pillepalle, wie Kollege Sixtus sagen würde.

Hätte der Film Stimmung und Richtung des ersten Akts gehalten – es hätte gereicht. Vielleicht nicht zu einer Renaissance des deutschen Horrorfilms, aber zu einem würdigen Beitrag zum internationalen Genrekino. Doch der Drive verpufft mit den Ambitionen.

Es schlagen nun – ach! – zwei Herzen in meiner Brust: eigentlich würde ich einen Streifen wie „Hell“ mit einem „gut angefangen, dann stark nachgelassen“ abkanzeln. Schauspielerische Leistungen hin, Production Value her. Aber es ist ein deutscher Film, und wir leben, was Genreproduktionen angeht, in der Diaspora. Mag man über so einen Film wie „Hell“ im Schlemmerparadies Hollywood lachen – hierzulande ist er eine Schokotorte, wo es normalerweise nur Knäckebrot gibt.  Eine Frage des Kontexts, eine Frage des Anspruchs – den man vielleicht manchmal auf ein verträgliches Maß reduzieren muss. Andererseits: Warum „Hell“ gucken, wenn man auch die DVD von „The Road“ oder „Carriers“ kaufen kann? Deutsche, kauft nur bei Deutschen? Wäre ja auch albern.

Weil zu einem Fantasy Film Fest auch eine Wertung gehört, vergebe ich dieses Jahr Mogwais. Eins bis fünf, fünf ist am besten – Gizmo steht für die allgemeine Qualität des Films, der böse Gremlin dagegen für den Fun Factor in Sachen Härte & Partytauglichkeit:

gizmos2gremlins2Oberflächlich gesehen keine sehr gute Wertung – vielleicht wäre ich nach dem Festival gnädiger. Aber ich möchte vorab die Messlatte nicht zu hoch hängen. Trotzdem würde ich echten Filmfans den Kauf der Eintrittskarte ans Herz legen. Be grateful for small mercies.

Wem das noch nicht reicht, der kann ja mal in den Trailer reinschnuppern:

 



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Andy
Andy

Schade,schade da hatte ich mir mehr erhofft.
Beste Aussage:
“Wir reden hier immer noch von einem Budget, das vermutlich für eine Folge “Rosenheim Cops” zu klein wäre“
Das gibt einen wieder zu denken.
Gruß und Danke

MoZ
MoZ

Schade, schade, schade. Der Film hatte mich wirklich intetessiert. Das am Ende nur ein weiterer Slasher-Film bei rum kam, ärgert mich schon. Das war z.b. auch bei Sunshine ähnlich ärgerlich.

Nette Idee mit den Gremlins 😀

Peroy
Peroy

Klingt, als hätten die den ganzen Sonnenmist weglassen sollen… ach nee, geht ja nicht… das Titelwortspiel…

heino
heino

Hm, nach dem recht guten Trailer hatte ich mich schon gefreut, aber das war dann mal wieder voreilig. Muss ich mir nochmal überlegen, ob ich das Geld investiere

Achim
Achim

Schauspielerische Leistungen befriedigend? (jetzt nicht die Schulnote, sondern wirklich befriedigend) Deutschland hat viele gute Schauspieler, die aber auch alle leben wollen und deshalb in Verfilmungsschrott von Christiane Sadlo Stücken mitspielen.

Und dann Paramount. Til Schweiger dreht für Warner.
Scheint sich doch zu lohnen, hier Filme zu drehen.

Was für Kameras wurden denn verwendet? Woher bekommt man bei kleinem Budget denn diese Szenerie? CGI und Lokationen kosten doch alle Geld.

XXX

Ein bisschen mehr als eine Folge Rosenheim Cops wird’s bei mehr als 50 Drehtagen (u.a. auch auf Korsika) schon gekostet haben…

hyade

hm… mich erinnerte der beginn deiner rezension an „das buch eli“, bei dem jedoch die kannibalistischen auswüchse auf ein skurilles rentner-paar beschränkt sind.

der vergleich mit den filmhochburgen in den staaten ist, wie du schreibst schwierig. andererseits können wir europäer in manchen bereichen durch innovationen punkten. darum finde ich deine wertungsskala ganz gut, da kommt das für mich bei der qualität raus. qualität heisst ja nicht automatisch „könnt aus californien sein“ sondern hat unterschiedliche ebenen.

ansonsten wünsche ich dir viel spass mit den vielen movies in den tages des fff!

grüße aus wien,
h.

Achim
Achim

Aha, 35 MM könnte ein Hinweis auf die Kamera sein, in Deutschland mietet man so etwas gerne von ARRI.

VideoRaider

Men Gott! Muss der VideoRaider den älteren Herren mal wieder in die Tricks der modernen Online-Recherche einweisen…pöh! 😛 Scherz. Ein schlechter, aber ein Scherz. 😛

Auf IMDB gibts zu jedem Film die Unterseite Technical Specs – da findet man i.dR. auch immer das genutzte Kameraequipment.

Bei Hell war es die Red One (also digital), keine Arri.

http://www.imdb.com/title/tt1643222/technical

XXX

„@ XXX: Nur Vermutung oder hast du einen konkreten Hinweis?“

Nö, das Presseheft schweigt sich aus. Aber wie gesagt, 51 Drehtage und Arbeiten auf Korsika wird dann doch ein bisschen mehr Kosten als eine Folge deutsche Fernsehserie á la Rosenheim Cops (die knappe Stunde wird ja wohl in weniger als zehn Tagen heruntergekurbelt).

XXX

1. Hat Bad Taste mehr als 30.000 NZD gekostet. Zumindest, wenn man die Kosten der Nachproduktion rechnet. Jackson selbst sprach immer wieder von höheren Summen.

2. Du hast doch das Presseheft.Seite 44 und 45. Zwei Seiten mit Leuten, die an dem Film gearbeitet haben. Sieht nach einem ziemlich großen Team aus.

3. Drehtage sagen durchaus etwas aus. HELL wurde am Stück vom 7. April 2010 – 20. Juni 2010 gedreht, Bad Taste über 4 Jahre hinweg an Wochenenden. Und im Ausland zu drehen, wenn auch nur zum Teil, wird wohl doch ein Stück weit teurer sein als zuhause.

Peroy
Peroy

Ich hab‘ da mal eine blöde Frage zum Film (ähem, um mal sachte zum Topic zurückzukommen): Warum ist es eigentlich „hell“ ?

XXX

Weil die Sonne stärker strahlt. Darum ist es hell.

Peroy
Peroy

„Weil die Sonne stärker strahlt. Darum ist es hell.“

Ja, aber warum ? Wie ? Einfach so, oder was ?

„Interessanter Gedanke, auf den ich noch gar nicht gekommen bin – vielleicht mein “Hell” nicht “Hölle”, sondern einfach nur “hell” im Sinne von “lichte”. Hhhmmm…“

Ääähh… ja…

XXX

„Die Angabe der 30.000 NZD stammt von der IMDB. Woher weißt du es besser/genauer?“

Fangoria oder Cinefantastique. Du wirst verzeihen, wenn ich jetzt nicht die ganzen Magazine durchsuche, um eine genaue Nummer zu nennen. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf etwa 150k.

„Falls du nicht verstanden hast, was ich sagen wollte:“

Doch, doch, hab ich gerade noch verstanden. Deine Vermutungen sind viel doller als die Vermutungen von anderen Leuten.

„Solange du keine belastbaren Belege hast, dass der Film MEHR als eine Folge “Rosenheim Cops” gekostet hat, ist deine Vermutung komplett wertlos.“

Nicht wertloser als deine Vermutung, denn du magst wissen, was eine Folge RC kostet, aber du hast keine belastbaren Fakten, was HELL gekostet hat.

„und ich werte das gegen meine Erfahrungen mit Produktionen wie “Hell”.

Nur dass die Erfahrungen schlichtweg irrelevant sind. Es ist Kaffeesatzleserei. Nun kannst du natürlich weiterhin gerne glauben, dass der Film weniger als eine TV-Episode gekostet hat. Ich tu’s nicht. Irgendwann werden wir’s genauer wissen, das Budget wird wohl kaum geheim bleiben.

Im Übrigen finde ich es sehr abstrus einen Film wie Bad Taste zum Vergleich heranzuziehen, da die Umstände der Produktion total unterschiedlich waren. Die berühmten Äpfel und Birnen.

XXX

„“Weil die Sonne stärker strahlt. Darum ist es hell.”

Ja, aber warum ? Wie ? Einfach so, oder was ?“

Erklärt der Film nicht. Ist auch irrelevant, so wie es auch bei Romeros Zombie-Filmen vollkommen egal ist, woher die Untoten kommen.

Peroy
Peroy

„Erklärt der Film nicht. Ist auch irrelevant, so wie es auch bei Romeros Zombie-Filmen vollkommen egal ist, woher die Untoten kommen.“

Na, die kommen von der Venus-Sonde…

XXX

„Gestattet, dass ich die vorzeigbare Zahl der behaupteten Vermutung von Splatterheftchen vorziehe?“

Erstens war CFQ schon was anderes als ein Splatterheftchen, zweitens ist die vorzeigbare Zahl in der imdb ja auch viel glaubwürdiger. Weil wir ja alle wissen, dass alles, was in der imdb steht, auch wahr sein muss. Ach ja, wo mögen die nur ihre Zahl her haben…

„Wie bei dir? Ich glaube schon, dass es zwischen “Wissen” und “Kaffeesatzleserei” noch so was wie “informed guess” gibt.“

Nö, meine Kaffeesatzleserei ist nicht besser oder schlechter als deine Ich tu nur nicht so, als ob meine der Weisheit letzter Schluss wäre.

„Das ist der Unterschied: Ich glaube es nicht. Darum das Wort “Vermutlich” in meiner Kritik.“

Och, jetzt versteckst Du dich aber hinter dem Wörtchen „vermutlich“. Als Mann mit „informed guess“ wirst Du ja wohl eine Meinung dazu haben.

„So wie der Vergleich von Drehtagen der “Rosenheim Cops” mit “Hell”?“

Nö. Ich käme nicht auf die Idee, die Kosten einer Fernsehfolge mit einem Film zu vergleichen. Auf den Zug bist Du aufgesprungen.

„Gähn. Ehrlich, Peter, mir ist nicht ganz klar, was du hier probierst.“

Nichts. Ich habe mir die Freiheit genommen, meine Meinung kundzutun, dass ich meine Zweifel daran habe, dass der Film für weniger Kohle als eine Folge RC gedreht worden ist.

„Zeig mir einen Fehler, ich korrigiere ihn. Aber “Ich habe zwar keinerlei Belege, halte das aber für falsch” ist ermüdend und wie erwähnt – wertlos.“

Ich hab einen „informed guess“. Reicht doch, oder?

„Kontaktiere die Produzenden oder den Regisseur. Finde das Budget raus. Wenn du Recht hast, entschuldige ich mich bei meinen Lesern, dass meine Vermutung daneben lag und mache eine Korrektur.“

Kein Mensch will eine Entschuldigung. Es geht hier auch nicht um Fragen, die die Welt bewegen. Es ist eine Diskussion – dafür sind die Kommentare da, oder etwa nicht?

„Darunter endet das Thema für mich… wait for it… wait for it… HIER.“

Bei Barney Stinson wirkt das deutlich cooler.

XXX

http://en.wikipedia.org/wiki/Bad_Taste

Nur um mal ’ne andere Bad-Taste-Zahl für’s Budget zu haben. 😉

VideoRaider

Ich hatte mal ne Peter Jackson-Fansite (Kaihoro.de – kennt wohl keine Sau mehr…lol) und hab darüber auch den gesamten Cast von Bad Taste kennengelernt. Mike Minett ist bis heute ein sehr guter Freund (btw, der gute Pete O’Herne ist letzten Dezember verstorben…der Bärtige von den Boys 🙁 ). Von daher hab ich einen sehr genauen Einblick in die Produktion – von Privat-Fotos über Anektdoten etc. Wollte den ganzen Kram schon immer irgendwie journalistisch verwursteln – aber kam nie dazu. Was schade ist, da ich rund 3h Interview Material mit dem Meister persönlich rumliegen habe. Soviel zur Untermauerung meines Fachwissens bezüglich dieses Themas…und ohne den Hausherren hier anpinkeln zu wollen…

…aber xxx liegt näher an der Wahrheit.

Wobei es bei BAD TASTE etwas schwerer zu definieren ist.

Also, BAD TASTE zu drehen dauerte rund 6 Jahre – keine vier. Lag daran das PJ zwar vorher mit seinen Freunden unzählige 8mm-Kurzfilme drehte, aber keine fundierte Erfahrung einer größeren Filmproduktion hatte. Ursprünglich hieß BAD TASTE ROAST OF THE DAY (Gericht des Tages). Die Aliens sahen anders aus (trugen Sakko und/oder Smoking), waren aber auch schon Menschenfresser – hab irgendwo ein Foto davon rumliegen – die Story war etwas anders. Nach 2 Jahren ging nix mehr voran, dann wurde umgemodelt. Nach weiteren zwei Jahren zog einer der Darsteller (Terry Potter – der mit der Kickermatte) nach Australien, das Projekt lag auf Eis. Aber PJ nervte den Vorsitzenden der NZ-Filmkomission mit seinem gedrehten Material. Alles 16mm und der erkannte das Potential. Aus eigener Tasche (!) investierte PJ rund 16.000 NZ-Dollar (nicht inflationsbereinigt – wer schon mal mit 16mm gedreht hat, wird wissen warum das so teuer war). Dann bekam er massive profesionelle Unterstützung. Musikalisch für den Soundtrack (seine spätere Ehefrau Fran Walsh sang bei Mike Minetts grandiosen Titelsong als Background-Sängerin mit) und den Ton, für den Schnitt Jamie Sellkirk, der Cutter von dem Film erhielt später den Oscar für den Besten Schnitt (für LOTR:ROTK), war aber damals schon professionell im Geschäft. Costa Boates lernte PJ während des Drehs kennen – auch er war schon aktiv im Geschäft und half PJ bei der Produktion professionell. Alles in allem – mit Kopien für den Schnitt etc. wurden es dann rund 200.000 NZ Dollar – man einer spricht auch von 250.000 NZ-Dollar.

Die haben für den Film (in der späteren Filmphase als die prof. Unterstützung zugesichert war) sogar Terry Potters Auto in die Luft gejagt, das Haus der Aliens komplett nachgebaut (natürlich in einem etwas kleineren Maßstab).

Also, von dem eigentlichen Amateur-Film BAD TASTE ist nicht mehr viel übrig. Fast alles Drehmaterial stammt aus der Zeit, als der Film prof. supportet wurde – was allerdings der Leistung keinen Abbruch tut. Jeder, der auch nur mal versucht hat einen Kurzfilm zu drehen, weiß wie hart es ist, ein gutes Produkt am Ende herauszubekommen. Also nicht falsch verstehen – ich vergöttere BAD TASTE.

Ich könnte ungefähr ein Buch jetzt tippen…Punkt ist aber der: mit rund 200.000 NZ-Dollar liegt man nicht daneben. Ob man jetzt 20.000 dazurechnet oder abzieht, ist halt etwas schwierig.

Im grunde hatten beide recht. Der fertige film mit allen drumherum 200.000 NZ-Dollar, aber PJs Investitionen um über Material zu haben, damit man es vorzeigen kann 16 – 18.000 NZ-Dollar.

VideoRaider

Naja, mir ging’s nur ums Budget von BAD TASTE – nicht um EURE Diskussion (was ihr aus dem Budget macht ist mir wumpe… 😛 ). Die Diskussion schau ich mir amüsiert von außen an…

VideoRaider

Apropos, Dewi:
http://www.comicbookmovie.com/iron_man/news/?a=43971&t=Iron_Man_XXX_Exclusive_Pics

Hat jetzt nix mit dem Thema zu tun. Aber soviel Zeit muss sein.

Dietmar
Dietmar

(Wenn ich jetzt so etwas fallen lasse wie „Vertragt Euch, Kinners!“, krieg bestimmt ich dann einen auf die Mütze …)

Gregor

Hui, das ist jetzt schon der zweite FFF-Film, der parallel in Locarno läuft.
Mir hat „Hell“ halbwegs gefallen, aber er wirkt schon mehr wie die Folge einer Fernsehserie als wie ein *richtiger* Film. Und stimmt, dass er den Roadmovie-Teil für simplen Survival-Horror fallen lässt, tut dem Streifen nicht gut.

Das mit der doppelten Bedeutung von „Hell“ ist übrigens nicht Peroy, sondern Tornhill drüben bei BM eingefallen.

DMJ

…und falls es wer nicht weiß, weise ich hier darauf hin, dass besagter awesomer Tornhill niemand anderes als hiesiger awesomer DMJ ist.

Ja, ich lasse keine, noch so kümmerliche Lorbeere verkommen. 8)

DMJ

Auch Triumphe, die in der degenerierten Hölle von BM errungen wurden, sollten ins Erwachsenenleben gerettet werden.
Ich höre ja auch nicht auf, der unglaubliche Drittplatzierte eines Schülerschreibwettbewerbes zu sein, nur, weil ich nicht mehr zur Schule gehe. 8)

Marcus
Marcus

@DMJ: „Ich höre ja auch nicht auf, der unglaubliche Drittplatzierte eines Schülerschreibwettbewerbes zu sein, nur, weil ich nicht mehr zur Schule gehe.“

Nach derselben Logik wird in so 40-50 Jahren im Großraum Frankfurt ein Grabstein mit der Aufschrift „From Germany With Love“ stehen. 😆

@VideoRaider, #27: sehr interessant, vielen Dank!

Howie Munson
Howie Munson

nein DAS steht auf dem Schild neben dem „Amerikaner“ / „double white cookie“ beim Bäcker mit Imigrationshintergrund in Hollywood…. *duck*

Thies
Thies

Heute endlich auch gesehen und dem Hamburger Publikum scheints gefallen zu haben – es gab längeren Applaus am Ende. Mich hatte der Handlungsschwenk garnicht mal so stark gestört. Zwar hatte ich im letzten Drittel ab und zu das Gefühl in einer Lightvariante von TCM oder Frontier(s) zu sitzen, aber ich war beinahe in den Geschehen involviert. Aber es war dann wahrscheinlich doch der „Für einen deutschen Film nicht schlecht“-Reflexx der mich auf dem „Fresh Blood“-Stimmzettel eine 2 ankreuzen ließ.

P.S. Der Regisseur kam beim Q&A nach der Vorstellung als leicht schüchtern aber sehr sympathisch rüber. Er schien sich ehrlich über die positiven Reaktionen gefreut zu haben. Ein Zuschauer hatte sich geäussert, dass er den Film grottenlangweilig fand und sich nun fragte was für eine Message er transportieren sollte. Das dürfte schon jetzt der beste unfreiwillige Lacher des Festivals gewesen sein.

Dominik
Dominik

Beim Q&A in Berlin hat der Produzent gesagt, dass der Film auf 2,9 Mio kalkuliert war und jetzt nach Endabrechnung etwa bei 3,2 bis 3,3 Mio landen wird.

Marcus
Marcus

Da der Regisseur zum Q&A da war, habe ich extra aufgepasst, um mit einer fiesen Nachfrage nach einem klaffenden Logikloch glänzen zu können. Habe aber keinen wirklich dicken Klops finden können.

Dass der Film mit seinem originellen Setting leider nicht viel mehr anzufangen weiß, als TCM-Ripoff Nr. 367 abzuspulen, stimmt zwar. Aber das ist erstens das einzige richtige Problem, zweitens macht er das ganz gut und drittens kann der Film ja nix dafür, dass Torsten ein Roadmovie erwartet hat, dass er nun mal nicht ist. Dazu gute Inszenierung, gute Kamera und Schnitt, tolle Darsteller in gut geschriebenen Rollen, et voilá: der zweite deutsche Genrebeitrag dieses Jahr, der zweite kleine, auf unspektakuläre Weise sehenswerte Film.

Sehenswert. 7/10

heino
heino

Ich fand den auch überraschend gut gemacht und wesentlich besser als z.B. „Stake Land“. Klar ist es etwas ärgerlich, dass das Setting auf einmal wechselt, aber ich war da nicht böse, denn vermutlich wäre den Autoren dazu auch nicht mehr viel eingefallen. Das Ende war allerdings wirklich sehr abrupt. Immerhin zeigt der Film, dass sowas durchaus hierzulande produziert werden kann und dabei kein Müll rauskommen muss. Wäre schön, wenn er entsprechenden Erfolg hätte, damit die Produzenten das auch merken.

Will Tippin
Will Tippin

Hell hat im Übrigen auch den Fresh Blood Award gewonnen (mit Abstand). Selbst nicht gesehen, sind lieber mal ausführlich zum Abendessen gegangen. Danach im Foyer auf den Beginn des nächsten Films gewartet und von einem unruhig wirkenden Herrn gefragt worden, ob wir gerade in Hell waren (der noch 20 Minuten lief). Entpuppte sich als der Regisseur, der auf seinen Interview-Einsatz wartete und offenbar nervös wurde, weil wir ja evtl. seinen Film gelangweilt früher verlassen hatten.

Thies
Thies

Der reguläre Kinostart steht nächste Woche an und ausgerechnet im sonst so nüchteren Filmdienst wird der Film gepreist, als hätte der Kritiker zuviel Speed im Blut:

http://film-dienst.kim-info.de/kritiken.php?nr=11581

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