ARGENTINIEN 2011 / 35 MM / 95 MIN / SPANISCHE OMEU

REGIE NICOLÁS GOLDBART
DARSTELLER DANIEL HENDLER / JAZMÍN STUART / YAYO GURIDI / FEDERICO LUPPI

Story (offizielle Synopsis): Coco und seine hochschwangere Frau Pipi interessieren sich im Grunde nur für sich selbst und ihre Beziehungskabbeleien. Dass weltweit ein Virus grassieren soll und auch ihr Wohnblock unter Quarantäne gestellt wird, beunruhigt sie nicht sonderlich – das bedeutet vor allem mehr Zeit, um fernzusehen und Schiffeversenken zu spielen. Doch bald werden die Vorräte knapper. Nachbar Horacio ist bestens ausgerüstet – und überzeugt, dass die Regierung hinter allem steckt, um durch „kontrollierte Bevölkerungsreduktion“ eine neue Weltordnung zu etablieren. Er versorgt Coco mit Schutzanzug und Waffe, um bei den im Haus ausbrechenden Verteilungskämpfen einen Mitstreiter an seiner Seite zu haben.

Kritik: Dies ist die erste Sorte von Film, die wie für das Fantasy Film Fest gemacht ist: Low Budget-Phantastik aus einem Land, das selten in diesem Genre auffällt und den Mangel an Geld und Stars durch Einfallsreichtum und Charme mehr als wett macht. Ein, zwei Streifen dieser Sorte kann man pro Jahr erwarten. Ich bin froh, dass ich heuer damit einstarten konnte. Genau dafür bin ich nach Berlin gefahren – kaum anzunehmen, dass ich mir „Phase 7“ sonst jemals als DVD zugelegt hätte.

Ähnlich wie „Stake Land“ beweist „Phase 7“ erneut, dass man weder viel Geld noch große Effekte braucht, um dem Zuschauer eine weltweite Apokalypse nahe zu bringen. Obwohl wir uns nie nennenswert aus dem Apartmenthaus der Protagonisten heraus bewegen, bleibt das Gefühl des Zerfalls, der Isolation, der völligen Auflösung gesellschaftlicher Grundwerte immer präsent – durch TV-Clips, Telefonschleifen, Blicke auf verwaiste Straßen und Plastikplanen, die ein seltsam unkonkretes Virus aufhalten sollen.

Im Gegensatz zu „Stake Land“ gönnt sich „Phase 7“ allerdings einen eher humoristischen Ansatz. Quasi „Der bewegte Mann“ trifft „Crazies“. Coco ist ein Schluffi vor dem Herrn, der angesichts des Weltuntergangs endlich lernen muss, dass ein Mann größere Lebensleistungen vollbringen kann als Frauen schwängern und „Schiffe versenken“ spielen. Seine Umsicht erlaubt es der schwangeren Pipi, fast völlig ahnungslos zu bleiben, während sich die ehemals wohlgesonnenen Nachbarn im vermeintlich Kampf um die letzten Ressourcen aufreiben. Dabei schafft es „Phase 7“ auch immer wieder, mit kleinen Twists und überrachenden Charaktermomenten zu überzeugen, die bis zum Schluss die Spannung halten.

Sicher kein Film für die Mitgröhl-Fraktion oder den Mainstream-Schwimmer, aber wer auf das Fantasy Film Fest geht, um auch mal kleinere Filme zu sehen, die eben nicht in einem halben Jahr auf ProSieben laufen, der wird sich bei „Phase 7“ sicher prächtig amüsieren. Ich gebe allerdings zu, dass andere Besucher (Lukas z.B.) anderer Meinung waren – er hat nicht verstanden, was ich an „Phase 7“ so gut fand. To each his own.

Fazit: Sympathische apokalyptische Komödie, die aus ihren begrenzten Möglichkeiten mehr macht als Wolfgang Petersen aus dem gleichen Thema. Ich möchte gerne „Phase 8“ sehen.

http://www.youtube.com/watch?v=Q6i2fDoieBM

P.S.: Gleich zum ersten Film wurde ich von einem stillen Mitleser meines Blogs angesprochen, was mich außerordentlich gefreut hat. Darum grüße ich an dieser Stelle „S-Man“!



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Peroy
Peroy

„Dies ist die erste Sorte von Film, die wie für das Fantasy Film Fest gemacht ist: Low Budget-Phantastik aus einem Land, das selten in diesem Genre auffällt und den Mangel an Geld und Stars durch Einfallsreichtum und Charme mehr als wett macht. Ein, zwei Streifen dieser Sorte kann man pro Jahr erwarten.“

Unterproduzierte Low Budget-Scheisse wie „The Signal“ und „Pontypool“… ?

G

Ich fand die Wortmeldung jetzt nicht so schlimm…;)

Marcel
Marcel

Peroy aussperren? Wäre ja super, wenn das klappt. Ich weiß ja mittlerweile, dass das hier so ne Art Haustroll ist, und versuche ihn so gut es geht zu ignorieren, aber irgendwie regt mich sein ewiges Halbsatzgenöle dann doch immer wieder auf. Das hat für mich nicht mehr Qualität als anderen einfach mal auf den Teppich zu kacken.
Vielleicht kannst du ja aus Versehen den Schlüssel verlieren.

reptile
reptile

Hmm erinnert mich ein wenig an diesen Film hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Series_7:_The_Contenders

Marcus
Marcus

Hui, Peroy gesperrt?! Find ich auch hart – es war doch nur Peroy as usual. Aber halt Hausrecht, was will man machen?

Zum Review: lalalalalaichhörnix.

Allerdings konnte ich mir mangels Selbstdisziplin nicht vekneifen, die Wertung zu sehen. Schön. Das hier ist nämlich der Film, der mich aufgrund seiner Abseitigkeit so ansprechen konnte, dass er mich quasi im Alleingang überzeugt hat, den in Köln sonst mauen Dienstag nicht auszulassen. Scheint, als würde sich das lohnen….

EDIT: aber sag mal, Torsten: waren nicht Videoreviews angedacht?

Dr. Acula

Phase 7 hatte ich lange auf meiner Liste… irgendwann entschied dann mein gesundes Vorurteil gegen argentinischen Horror 🙂

S-Man
S-Man

Gruß zurück, war mir ein Fest 🙂

Und nach den 4,5 Filmen, die ich gestern durchgehalten haben, und von denen du eine Kritik schriebst, bleibe ich bei meiner Aussage: Verdammt haben wir erschreckend genau die gleiche Meinung.

„Und wie fandest du den Film“
– „Och, lies die Wortvogel-Kritiken“ 😀

DMJ

Wie gesagt, ich mochte ja auch den deutschen „Rammbock“ (wenn ich auch vermutlich gnädig gestimmt war, weil er so deutsch war; dass er gesamtheitlich dem Genre nicht viel bringt, ist mir auch klar) und der hier klingt ihm ja durchaus ähnlich. Anscheinend braucht man wirklich nicht viel Kohle für die Apokalypse.

(Aber Peroys Verbannung ist allerdings bedauerlich – gerade dass er meist den ersten und meist überzogen negativen Kommentar bringt, macht ihn für mich zu so eine Art Running Gag-Papagei auf der Schulter des Erzählers.)

Brandenburgerin
Brandenburgerin

Ich lese mich gerade von vorne nach hinten durch die FFF-Kritiken von Dir und wunderte mich schon, wo Peroys Kommentare sind, ob er im Urlaub ist oder sonst was. Jetzt bin ich schlauer 😉
Ich kann leider nicht so viel mitreden, weil ich im Moment viel zu tun habe und auf dem Gebiet FFF-artige-Filme nicht so firm bin. Aber die Reviews sind sehr interessant, obwohl ich die Podcasts ausm letzten Jahr schon etwas vermisse…
Ich wünsche noch viel Spaß und immer wache Augen 😉

Thies
Thies

Ich fand den Film auch sehr sympathisch, aber für mich war nach etwa zwei Dritteln die Luft raus. Die Hauptfigur macht so gut wie gar keine Entwicklung durch, die Spannungen innerhalb des Hauses eskalieren von jetzt auf gleich von hitzigen Gesprächen im Flur zum bewaffneten Kampf und ein wirklich befriedigender Schluss ist den Autoren auch nicht eingefallen. Der Humor des Films hat mir gefallen, die Figur des paranoiden Nachbarn hätte gerne noch etwas vertieft werden können und zur apokalyptischen Atmosphäre würde ich auch noch die Soundkulisse hinzuzählen, aber mein Gesamteindruck blieb: meh!

Aber nochmal: meine Enttäuschung hängt auch damit zusammen, dass der Film verdammt gut losgelegt hat. Wenn Coco und Pipi (gibt es in Argentinien wirklich Menschen die so heißen?) auf dem Weg vom Supermarkt zum Apartement so in ihre alltäglichen Streitereien vertieft sind, dass sie die um sie beginnende Massenpanik garnicht wahrnehmen, fühlte ich mich positiv an „Shaun of the dead“ erinnert. Ich hoffe der Regisseur bekommt irgendwann die Gelegenheit seine Stärken auszubauen.

OnkelFilmi

„Wenn Coco und Pipi (gibt es in Argentinien wirklich Menschen die so heißen?)“

Warum nicht? Es gibt in Frankreich und Belgien ja auch Männer mit dem Namen Titi (Okay, in dem Fall ist es die Kurzform von Thierry) 😉

Gibt’s in Italien jedoch auch als Frauenname (*insertdirtyjokehere*)…

Dr. Acula

Hatte den zu meiner eigenen Überraschung jetzt doch auf dem Zettel… war sehr okay und auf jeden Fall der beste argentinische Genrefilm, den ich bislang gesehen habe 🙂

Peroy
Peroy

„36 Pasos“ war besser.

Marcus
Marcus

Es ist spät, also machen wir’s kurz:

Der Soundtrack ist toll – Synthiegedöns wie damals in den 80ern bei Carpenter. Ansonsten: What he said. 8/10

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