Mexiko 2011 / 35 MM / 107 MIN / SPANISCHE OMEU

REGIE DAVID RUIZ
DARSTELLER KUNO BECKER / ÁLVARO GUERRERO / CARLOS BRACHO / ALEXANDRA DE LA MORA / CLAUDETTE MAiLLÉ / MANOLO CARDONA

Story: Ein Jahrhundertsturm naht. Von der Umwelt abgeschnitten ist der Psychoanalytiker Jaime gerade dabei, seine abgelegene Hütte im Wald möglichst wetterfest zu machen. Da findet er im strömenden Regen einen kahl rasierten, bewusstlosen Mann. Doch auch nachdem der Fremde erwacht ist, lassen sich weder die mysteriösen Narben an dessen Körper erklären, noch was ihm solch heftige Schmerzen verursacht. Der Mann hat sein Gedächtnis verloren, kennt nicht einmal mehr den eigenen Namen. Entgegen aller Wetterwarnungen schlägt sich der Arzt mit dem Leidenden ins nächstgelegene Krankenhaus. Hier birgt der Routinecheck allerdings eine weitere Hürde: In der globalen Personendatenbank lassen sich keinerlei Informationen über den jungen Mann finden – er existiert nicht.

Kritik: Ein SF-Krimi aus Mexiko – das Festival hört nicht mit den Überraschungen auf. „Last Death“ ist als „procedural“ strukturiert, auch wenn der Protagonist kein Kriminaler ist. Er recherchiert, befragt, sucht Indizien. Stück für Stück setzt er das Puzzle, das ihm in Gestalt des Fremden quasi vor die Tür gelegt wurde, wieder zusammen. Ein lobenswerter wie ungewöhnlicher Ansatz in einem Festival voller Splatterkomödien und viktorianischem Grusel.

Technisch spielt „Last Death“ dabei auf hohem Niveau: Die nahe Zukunft, in der wir alle datentechnisch lückenlos erfasst sind (Erinnerungen werden wach an „Datenpanne – das kann uns nie passieren“ von 1983), wird durch moderne Gadgets mit schicker UI, ein paar glitzernde Wolkenkratzer und Details wie moderne Schranken und Highspeed-Züge visualisiert. An Schauplätzen und bildgewaltigen Stürmen mangelt es ebenso wenig. Kein Wundern, denn hier müssen ein paar echte Stars des mexikanischen Kinos hofiert werden.

Überhaupt schielt „Last Death“ in seiner ganzen Herangehensweise sehr auf den US-Markt, ahmt seine paranoiden Action-Thriller durchaus kompetent nach, von „Enemy of the State“ über „Eagle Eye“ bis „The Island“. Und mit dem letztgenannten Titel haben wir auch schon das Thema von „Last Death“ enthüllt – leider für den Zuschauer lange, bevor es die Protagonisten spannen. Hier wird das, was eigentlich offensichtlich ist, zu lange ver- und zu langsam enthüllt. Trotz der schnittigen Machart und der straffen Dramaturgie schleppt sich der Film dadurch mühseliger in den dritten Akt, als notwendig wäre.

Immerhin: Im dritten Akt hat „Last Death“ dann noch einen Twist zu bieten, der die ganze Story komplett auf den Kopf stellt und so morbide wie clever ist. Die Frage, wer Recht hat oder nicht sagt uns nicht das Licht – da müssen unsere eigenen grauen Zellen ran.

Fazit: Ein stylisher futuristischer Thriller, der mitunter sein Publikum arg unterschätzt, es aber dafür mit einem durchaus sehenswerten Finale belohnt.



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TomHorn
TomHorn

„Mexiko 2011″/“Ein SF-Krimi aus Spanien“
Na, macht sich der Frischluftmangel allmählich bemerkbar. Hihi…
@Topic: Film hört sich interessant an, auch wenn das Thema ja schon oft & reichlich beackert wurde. Aber solange der Krimi-Plot spannend ist, bin ich dabei…

gerrit
gerrit

na, der Trailer ist ja mal ähnlich anlockend wie der Film mit dem Goldrand.

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[…] ♥ Red State ♦ Repeaters ♣ Stake Land ♣ Suicide Room ♥ Super ♦ The Divide ♦ The Last Death ♣ The Mortician 3D ♥ The Prey ♥ The Revenant ♥ The Valdemar Legacy ♣ Urban […]