Polen 2011 / 35 MM / 110 MIN / Polnische OMEU

REGIE Jan Komasa
DARSTELLER Jakub Gierszal / Roma Gasiorowska / Agata Kulesza / Krzysztof Pieczynski / Bartosz Gelner

Story (offizielle Synopsis): Dominik dreht bald durch: Im Social Web kursieren Gerüchte und Gemeinheiten über ihn, und seine geldverliebten Eltern interessieren sich nicht für seine Probleme. Schließlich haben sie alles für seine Zukunft getan und ihren Jungen an der renommiertesten Eliteschule des Landes untergebracht. Noch dazu entdeckt er homosexuelle Tendenzen, die ihn in seiner Clique nicht gerade beliebt machen. Dort wird der Psychoterror jeden Tag schlimmer, und Dominik flüchtet sich in die virtuelle Welt. Als er Sylwia begegnet, die das Leben auch unerträglich findet und ihn in den SUICIDE ROOM mitnimmt, fühlt sich der Teenager endlich verstanden. Er lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein, das seine neue „Freundin“ anzettelt, und steuert in seiner Sehnsucht nach Erlösung auf den Abgrund zu.

Kritik:

Abteilung „Wenn BRAVO-Redakteure Problemfilme schreiben“

Ein polnischer Festivalbeitrag? Sachen gibt’s. „Suicide Room“ weist erstaunliche Ähnlichkeiten zum letztjährigen „Chatroom“ auf, gibt sich aber deutlich mehr Mühe, seinen Protagonisten als vielschichtige Persönlichkeit darzustellen. Auch wird die virtuelle Welt hier nicht im Realfilm simuliert, sondern durch eine Art Rollenspiel, in dem die Charaktere über Avatare miteinander kommunizieren. Das ergibt einen durchaus interessanten Bruch zur Lebenswirklichkeit der Protagonisten.

Das ändert aber nichts daran, dass „Suicide Room“ vor allem daran krankt, dass er sein Anliegen so unglaublich plakativ und zweidimensional vorlegt, dass man sich auf den Beraterseiten einschlägiger Jugendzeitschriften wähnt. Hilfe, ich glaube, ich bin schwul! Meine Klassenkameraden mobben mich im Cyberspace! Meine Eltern wollen meine Liebe mit Geld kaufen! Keine der Figuren bricht aus diesen Klischees aus. Hier geht es um reiche und schöne Teenager, die auf dem Schulball Kleider für mehrere tausend Euro tragen und eigene Chauffeure haben. Aber böse Sprüche auf Facebook – da ist natürlich die Welt zu Ende. Solche Luxusprobleme möchte ich haben…

EMO BIEBER IS EMO:

Besteht die Emo-Szene echt nur aus lachhaften Pussies? Treffen die sich wirklich in so einer Art „World of Wusscraft“? Kann man beim Judo einen Samenerguss haben? Es tut mir ja leid, wenn ich die Probleme der modernen Jugend nicht ausreichend ernst nehme, aber ein Film hat bei mir verspielt, wenn ich über die gesamte Laufzeit nur denke: „Ich möchte dem Bengel mal tüchtig eine aufs Maul geben“. Oder noch böser: „Die gehören alle mal ordentlich gefickt“.

Hinzu kommt, dass der Film 110 Minuten für eine Story braucht, die sich lässig in 90 Minuten hätte erzählen lassen.

Fazit: Schickes Teenagerdrama über Cybermobbing, Coming Out und Suizidgedanken, das aber vielfach an seinen eigenen Klischees zu ersticken droht.

http://www.youtube.com/watch?v=VOepoXgOgrk



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DMJ

Ah, Luxusproblemfilm! Auf die kann ich auch nicht wirklich. Ich zweifle ja nicht, dass es Leuten, die mehr auf dem Konto haben, als ich ich, nicht trotzdem dreckig gehen kann, aber die ersten in meiner Mitgefühlschlange sind sie bestimmt nicht.
Die Szene kann ich nur durch die emotionslose Brett Easton Ellis-Brille genießen.

heino
heino

Da ich „Chatroom“ schon öde fand, brauche ich das hier erst recht nicht. Ab dafür!

Achim
Achim

„Auch wir die virtuelle Welt“ wir soll wird?

Aber vier Pelzgremlins? (wie heißt der nochmal?) Das ist doch eine ziemlich gute Bewertung für einen Film, der im Text so verrissen wird?

Marcus
Marcus

@Achim: „Aber vier Pelzgremlins? (wie heißt der nochmal?) Das ist doch eine ziemlich gute Bewertung für einen Film, der im Text so verrissen wird?“

Er hieß Gizmo, und das dachte ich auch.

Dietmar
Dietmar

Und Gizmo war ein Mogwai (oder so).

TomHorn
TomHorn

Das mit den Bewertungen kapier´ ich leider auch nicht so ganz. Je mehr Gremlins desto mehr „Eier“ & Festival-kompatibler, je mehr Gizmos desto „pussyhafter/oberflächlicher/mainstreamiger“?

TomHorn
TomHorn

Okay, dann war ich ja ziemlich nah dran…
Ach ja, alle Achtung für den enormen Aufwand, den Du betreibst, um die Reviews zeitnah online zu stellen. Respekt.

Teleprompter
Teleprompter

Jugendliche, Selbstmorde, virtuelle Räume, Avatare, über die die Darsteller miteinander kommunizieren – hatte ich den nicht gestern abend im DVD-Player ? Nein, der hieß Black Heaven, aus Frankreich, aber irgendwie scheinen (mehr oder weniger) gute Film-Ideen mittlerweile weltweit ganz fix äh kommunziert zu werden.

Thies
Thies

Wäre die Fantasy-Rollenspielwelt nicht gewesen – bei der sich die Frage stellt, wer von den Teilnehmern des Suicide Rooms die eigentlich programmiert hat; sah ziemlich aufwendig aus – dann hätte der Film eigentlich nichts auf dem FFF verloren gehabt und hätte besser aufs Hamburger Filmfest gepasst, wo er neben usbekischen Bauerndramen sicherlich sein Publikum gefunden hätte.

Okay, ich bin unfair! Aber die Handlung zog sich wirklich irgendwann nur noch in die Länge. Zumindest der Plotstrang um die Eltern des Protagonisten hätte ein paar Kürzungen verkraften können. Und eine der finalen Wendungen hatte als Grundlage, dass die Eltern ihrem Sohn die Netz-Verbindung kappen, was mich noch im Kinosaal fragen liess, ob es in Polen keine Internet-Cafés gibt?

Für mich war „Suicide Room“ das filmische Gegenstück zu einer trockenen Scheibe Vollkornbrot. Sicherlich nicht ohne Nährwert, aber ohne was drauf wenig appetitlich und sehr schwer zu schlucken.

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