Bitte vorab lesen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, und Teil 5.

Der Morgen nach der Weltpremiere von „Apokalypse Eis“…

Irgendwann um 9.00 Uhr klingelte mein Telefon. Sehr lange. Ich ging nicht ran, blieb im Bett. Zehn Sekunden später klingelte das Handy. Das widersprach der heiligen Hausregel des Wortvogels: Anrufe nur von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr! Also war klar – es musste meine Ex-Chefin Rola sein. Und daraus ergab sich schlüssigerweise, dass sie die Quoten hatte – und dass sie gut waren. Rola hätte kein Interesse gehabt, mich aus dem Bett zu werfen, wenn die Quoten miserabel gewesen wären.

Ich rappelte mich auf, machte den Fernseher an, rief Seite 777 beim ProSieben-Videotext auf. Ich ging nicht ans Telefon. Ich wollte die Zahl wissen, bevor ich mit irgendjemandem sprach. Als ich 20 Sekunden später den Hörer doch in die Hand nahm, war ich schlauer:

DWDL-Meldung

„Du hast es gesehen, oder?“ fragte Rola. „Scheisse, ja“, knurrte ich.

Natürlich macht so ein Erfolg nicht alles wieder gut. Er entschädigt nicht für die Demütigungen, das mangelnde Vertrauen, die kleinen und großen Betrügereien. Er macht auch (wie ganz am Anfang dieses Reports erklärt) den Film nicht besser. Aber er gibt all diesen Dingen einen Wert, einen Nutzen. Man hat sich nicht umsonst qequält. Und auch die „Fieberkurve“ (Quotenentwicklung in 5 Minuten-Schritten) zeigte ein eindeutiges Bild: „Apokalypse Eis“ hatte die Zuschauer nicht nur angezogen – er hatte sie auch gehalten.

Kurze vereinfachte Erklärung dazu: Ein Film kann 20 Prozent Marktanteil auf zwei Arten erreichen – entweder schalten 20 Prozent der Zuschauer ein und bleiben dran (das ist gut), oder es schalten 30 Prozent ein, und davon 65 Prozent im Laufe des Film ab (das ist schlecht).

Satellit SolStar2Es herrschte also Freude allerorten – bei Tandem, bei UFO, bei RTL, und bei mir. Es können ja nicht viele Autoren von sich behaupten, gleich mit ihrem Erstling einen Blockbuster abgeliefert zu haben. Ich will das nicht überbewerten – aber stolz gemacht hat es mich schon. Nicht der Film, aber die Faszination, die diese Idee einer neuen Eiszeit auf die Zuschauer ausübt. Damit hatte schließlich alles begonnen.

Zu Ende ist die Geschichte von „Apokalypse Eis“ damit noch nicht: Ein paar Monate später ging der Film in den USA auf Sendung – ohne Emmerichs Hit im Rücken. Der Sci Fi Channel musste hoffen, dass die Zuschauer auf dem Nischensender sowieso neugierig auf einen Katastrophenfilm mit Dean Cain sein würden. Ein bisschen fiel „Post Impact“ ja aus dem üblichen Schema: Kein Monster, kein Fokus auf Amerika, keine Ekelszenen.

Uns lag viel daran, in den USA halbwegs erfolgreich zu sein, denn damit hätten wir dort den Fuß in der Tür für weitere Projekte.

Sci Fi Channel Artwork

Ich habe die Zahlen nicht mehr genau im Kopf, aber „Post Impact“ drehte auch in den USA der Konkurrenz die lange Nase: es wurde der dritterfolgreichste eigenproduzierte TV-Film der Sendergeschichte!

Gut ein Jahr später kam es zu einer kuriosen Doppelung: Sowohl RTL als auch der Sci Fi Channel wiederholten „Apokalypse Eis/Post Impact“ – zur Primetime am Heiligabend! Das war nicht abgesprochen, zahlte sich aber wieder mit guten Quoten aus. Und am 1. Weihnachtstag 2007 ging der Film (diesmal später am Abend) erneut auf den Bildschirm. Neben „Das Supertalent“ und „Harry Potter“ war er das einzige Programm, welches in der Zielgruppe über 15 Prozent Marktanteil ergatterte, und schlug in seinem Timeslot lässig Bruce Lee, James Bond, Steven Seagal, und „Der Pate“.

Russische ArtworkAuch auf DVD ist der Film weltweit „wie Luzie“ abgegangen. Wir hatten Recht, als wir daran glaubten, besonders die asiatischen und osteuropäischen Märkte damit reizen zu können. Bei mehr als einem Dutzend fremdsprachiger Releases habe ich aufgehört zu zählen.

NACHKLAPP

Wer sich noch daran erinnert, wie dieser Report mit „Eis – wenn die Welt erfriert“ angefangen hat, wird nun mit Recht fragen: „Was ist mit der Fortsetzung?“. Trotz allen Ärgers sah ich das auch so, und schlug Tandem vor, augenblicklich mit den Arbeiten an „Post Impact 2″ zu beginnen. Aber dort war man nach den zähen Kämpfen mit UFO müde, und hatte kein Interesse, erneut mit Phil und Jeff in den Ring zu steigen. Irgendwie konnte ich das verstehen. Man behielt die Idee für PI2 im Hinterkopf, konzentrierte sich aber zunächst einmal auf „Der Ring der Nibelungen“.

Bettina Zimmermann traf ich ein Jahr nach den Dreharbeiten erstmals auf einer Grillparty. Sie war super nett, sehr aufgeschlossen, und hat mir nicht gleich ihre Bratwurst in die Nase gestopft, als ich ihr beichtete, der Autor von „Post Impact“ gewesen zu sein. Es war ihr klar, dass solche Produktionen immer schwieriges Terrain sind, und zu viele Köche eben doch den Brei verderben. Sie erzählte auch noch ein paar lustige Anekdoten vom Set, die ich hier beim besten Willen nicht wiedergeben kann…

Der Wortvogel wäre nicht der Wortvogel, wenn er nicht trotzdem versucht hätte, eine Fortsetzung ins Rennen zu schicken. Irgendwann 2004 hatte ich wieder einen Termin bei RTL, und erneut schlug ich zwei mögliche Event-Ideen vor:

  • Was wäre, wenn die ursprüngliche Geschäftsidee hinter „Jurassic Park“ funktioniert hätte, und es in der nahen Zukunft weltweit Wildparks mit geklonten Dinosauriern gäbe?
  • Was wäre, wenn man nach dem Happy End von „Apokalypse Eis“ festgestellt hätte, dass die schmelzenden Eismassen die Kontinente fluten – die Menschheit also nur vom Schneeregen in die Traufe gekommen ist?

Für „Dino Safari“ (meine ganze eigene Variation von „Hatari!“) hatte ich die Idee, Chuck Norris als Park Ranger anzuheuern. Man wird ja wohl träumen dürfen.

Ich hatte mir für das Meeting sogar Präsentationszeichnungen des Grafikers Jens Jeddeloh anfertigen lassen:

Konzeptzeichnung

Die Story von „Apokalypse Eis 2″ ging ungefähr so: Nach der Überflutung der Kontinente betreiben Anna und Tom (mittlerweile ein Paar) so eine Art Uboot-Rettungsservice, und holen Artefakte aus den Ruinen der Großstädte. Dann bekommen sie die Nachricht, dass im noch trocken liegenden Sibirien seltsame Strahlungen gemessen wurden, die mit dem mysteriösen Kometeneinschlag in Tunguska 1908 zusammen hängen könnten. Alien-Technologie? Sie machen sich auf den Weg…

Der ganze „Stargate/Akte X“-Ansatz begeisterte RTL nicht wirklich. Die Idee einer überschwemmten Welt fand der Sender aber ziemlich spannend.

Das war vor mehr als drei Jahren. Und jetzt schaut euch noch mal die Ankündigung von „Lost City Raiders“ an.

Es gibt noch sooo viel zu erzählen…

Ende?



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WortvogelMTV, Kino, Theater: Der Review-Rundumschlag (2) | Wortvogel – 100 % Torsten DewiThomas T.Florian Recent comment authors
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Peroy
Peroy

Ja, Glückwunsch und Gratulation und’n Keks… ABER HÖR‘ AUF HIER REINZUSCHREIBEN, DASS DIR DAUERND EINER WAS ERZÄHLT HAT, WAS DU NICHT WEITERERZÄHLEN DARFST/WILLST !!! DAS IST DIE HÖLLE !!! >:(

HomiSite

Insgesamt wieder eine sehr interessante Serie geworden!

@Peroy: Der Wortvogel muss doch noch was zu erzählen haben, wenn er in ein paar Jahrzehnten von der nachrückenden Journalistengeneration ausgebootet wurde und verbittert seine Memoiren inkl. Abrechnung mit jedem veröffentlicht :).

Peter

Jup, eine sehr sehr sehr interessante Serie. Danke für all die Einblicke hinter die Kulissen!

Marko

Schöner Bericht, wie so oft. Danke dafür!

Gruß,
Marko

the Geek
the Geek

Genug gehört.
Ich habe den Film mal auf meine Ausleihliste gesetzt und bin auf dem Kommentar gespannt.
…Das dürfte das erste Mal sein, dass ich mir eine DVD vor allem wegen des Kommentars ausleihe…

Kai
Kai

Ja, sehr nett. Wenn auch die Idee zu PI2 kompletter Humbug ist.
Nitpick: wenn alles Eis schmilzt, wird mitnichten alles überflutet (wo soll das Wasser auch herkommen). zum Höhepunkt der letzten Eiszeit lag der Meeresspiegel bswp. 100 bis 150 m UNTER dem heutigen Niveau. Die neu gewonnenen Flächen ürden wieder geflutet werden; wie zb auch die wiedererstandenen Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien (England nicht zu vergessen 🙂

Selbst wenn man sämtliches noch existierendes Eis schmelzen würde, reicht das gerade mal, um die Holländer zu ertränken. 😛

Mahwa
Mahwa

@Kai:
Das hat bei Waterworld auch niemanden interessiert 😛

comicfreak
comicfreak

..ja, aber wer hat sich anschließend für Waterworld interessiert? 😉

Dr. Acula

Immer dieses Gerücht, dass „Waterworld“ so’n böser Flop gewesen wäre (und so schlecht). Der hat Profit gemacht, nicht viel, aber schwarze Zahlen… 🙂

Peroy
Peroy

Aber schlecht isser trotzdem… 8)

„Mad Max“ auf hoher See für die PG-13-Crowd… bäh…

nameless
nameless

dass aus „dino park“ nichts wurde, überrascht mich nicht wirklich. schon die paar infos dazu klingen scheiße…

nameless
nameless

freudscher verschreiber…

milhouse
milhouse

@nameless

Lesebefehl!

http://www.nytimes.com/2008/08/03/magazine/03trolls-t.html?pagewanted=all

Alle anderen gerne auch, ein Superartikel.

Kent
Kent

komisch .. Ich fand Waterworld und Postman unterhaltend, bis auf das Ende von Postman, der war kacke.

OnkelFilmi

Die Scores waren das beste an den Filmen.

Und „Dino Park“ muss nicht sein, lieber ’ne Adaption von Hohlbein/Rehfeld/Weinlands „Dino Land“…

Florian
Florian

HALLO?

„Dino Safari“ ein MUSS aber nur mit Chuck Norris 😉

Thomas T.
Thomas T.

Die Einschaltquoten mag zwar für die Premiere sehr gut gewesen sein, aber die Wiederholung im Jahr 2005 lief natürlich gut. Wenn ein Film erst kurz vor Mitternacht beginnt, sind die Marktanteile der privaten Sender oftmals wesentlich höher als am übrigen Tage.

trackback

[…] möglicher Pilot) ausgerechnet UFO angeheuert wurde – jene Firma, die meinen Streifen “Apokalypse Eis” in den Sand gesetzt hat. Die Chancen waren also hoch, dass die Qualität niedrig sein […]

M
M

Kann jemand erklären, warum im Abspann des Films „a german, united kingdom, bulgarian, spanish co-production“ steht, wenn doch tatsächlich nur deutsche und amerikanische Produktionsfirmen beteiligt waren?