Dumm gelaufen: In der SZ über das Geschäftsmodell des Arbeitgebers gestänkert, rausgeflogen, und nun rumjammern, dass damit ja nicht zu rechnen war.

Doch, damit war zu rechnen.

Besonders heuchlerisch finde ich die Geißelung einer Finanzierungsform, die Sie selber für Ihr Projekt „Die Päpstin“ akzeptiert hatten.

Natürlich war zu erwarten, dass Sie als hehrer „Künstler“ nun gegen die skrupellosen „Geschäftemacher“ wettern, als ginge es mal wieder um den Untergang des kulturellen Abendlandes in Form vom – natürlich – heimischen Bildschirm (der, aber das nur am Rande, diverse Ihrer Projekte finanziert hat, seit es im Kino nicht mehr so gut läuft).

Ach so, Ihnen geht es nicht um „Fernsehen gegen Kino“, sondern um die Vermeidung künstlerisch unbefriedigender Mischformen? Ja, so kann man argumentieren. Man kann auch Beispiele anführen. Aber die sollten dann ehrlich sein. Und weil Sie, Herr Schlöndorff, in ihrem SZ-Beitrag alles andere als ehrlich waren, will ich mal ein wenig reingrätschen.


Sie bemängeln die Anforderung, bei einem 110 Minuten-Spielfilm bis zu 200 Minuten Material drehen zu müssen, um auf die Lauflänge einer Miniserie zu kommen. Das gehe nicht, argumentieren Sie, weil schon für die 110 Minuten eigentlich immer zu wenig Geld da sei.

Ihre Zahlen halte ich für unseriös. Sie argumentieren, man hätte „Der Untergang“ nur deshalb auf Miniserie aufblasen können, weil der Film als „Chronik“ keinen dramaturgischen Bogen erzählt. Das stimmt. Aber „Der Untergang“ war schon im Kino 156 Minuten lang, und wurde für das Fernsehen nicht um 90, sondern gerade mal um 22 Minuten verlängert. „Das Parfüm“ und ihre eigene „Blechtrommel“ liefen im Kino ca. 145 Minuten. DIESE Zahlen verschweigen sie aber.

Hinzu kommt, dass (im Gegensatz zu dem, was Sie frech behaupten) JEDER Film länger als die Endfassung ist. Es gibt keinen Film, der im Schneideraum nicht noch getrimmt wird. Und es ist legitim, wenn diese Szenen nach Absprache wieder eingefügt werden. Das ist keine Frage des Budgets.

Es ist ja auch nicht so, dass Filme für die Miniserien-Verwertung immer nur sinnlos gestreckt werden, wie Sie insinuieren. Ich habe da ein Beispiel parat: Der Zweiteiler, den ich gerade für das ZDF geschrieben habe, erzählt (ganz wie „Die Päpstin“) die Geschichte einer mutigen Frau, die gegen alle Zeitströmungen versucht, das Richtige zu tun. Hätte man mir die Möglichkeit gegeben, drei statt zwei Teile zu schreiben, wäre das kein Problem gewesen – ich hätte es genossen, z.B. auf die Ehe der Protagonistin mehr eingehen zu können. Oder das Verhältnis zu ihrer Mutter. Der Dreiteiler wäre in vielen Bereichen detaillierter geworden, breiter – aber weder schlechter noch besser. Ein guter Autor kann eine Geschichte auf unendlich viele Arten (und in verschiedener Länge) erzählen. Tun Sie doch bitte nicht so, als gäbe es nur eine.

Nun zum Geld, das zu wenig vorhanden ist – es stammt oft genug zu großen Teilen von den Sendern. In Ihrem Fall sind das öffentlich-rechtliche Sender. Und damit kommt das Geld Ihrer KINOfilme – na? – vom Gebührenzahler der TV-Stationen. Und der zahlt nicht primär dafür, an der Kinokasse nochmal 8 Euro hinzulegen. Wenn Ihnen das nicht passt, dann müssen Sie halt auf die Unterstützung der Sender verzichten.

Sie befinden sich angesichts der prekären Lage des deutschen Kinomarktes in einer privilegierten Position – Sie kassieren beim Zuschauer zweimal ab. Einmal an der Kinokasse, und einmal bei den TV-Gebühren. Und nun wollen Sie wirklich dagegen wettern, dass den TV-Zuschauern wenigstens noch ein Mehrwert gegönnt wird?

Sie stellen die Frage, wer noch an der Kinokasse Geld zahlt, wenn er ein paar Monate später den Director’s Cut im Fernsehen sehen kann? Dieses Problem gibt es aber seit 30 Jahren. Und die Leute gehen trotzdem ins Kino. „Der Untergang“ war ein Monster-Erfolg auf der großen Leinwand, ebenso „Die Blechtrommel“, „Das Boot“, „Das Parfüm“. Dass Sie sich von der längst widerlegten Mär, das Fernsehen sei der Tod des Kinos, nicht lösen können, wirft ein bezeichnendes Licht auf Sie.

„Insgesamt ist es ein Schlag ins Gesicht der Filmgeschichte, zu behaupten, es gäbe von Natur aus keinen Unterschied zwischen großem Spielfilm und Fernsehmehrteiler, jeder Spielfilm verfüge im Schneideraum ohnehin über genug Material, um ihn auch auf die Länge eines Zwei- oder Dreiteilers zu strecken.“ – habe ich was verpasst? Wer hat das behauptet? Reden Sie hier nicht ein Problem herbei, um sich demselben dann heroisch verweigern zu können?

Herr Schlöndorff, im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen kann ich Sie (= Ihre Arbeit) gut leiden. Und ich trage Ihnen nicht nach, dass Sie mit Donna Cross zusammen vor einigen Jahren dafür gesorgt haben, dass mein damaliger Arbeitgeber keinen eigenen Zweiteiler über die „Päpstin Johanna“ produzieren durfte (unser Drehbuch hat allerdings massiv gerockt – das müssen Sie erstmal besser machen).

Aber es gilt in dieser Branche (und in dieser Branche besonders): Wer zahlt, schafft an. Das hat mir Reiner Erler mal gesagt. Und außerdem scheißt man nicht vor die eigene Haustür – das sage ich. Wenn Ihre Filme für das Fernsehen „unantastbar“ sein sollen, dann sichern Sie sich die künstlerische Freiheit, in dem Sie auf das Geld der Sender verzichten.

Geht nicht? Ihre Visionen sind zu groß, Ihre Geschichten zu gewaltig, um mit ein bisschen Förderung & Fondgeld auszukommen? Dann müssen Sie wohl Kompromisse schließen.

Warum ICH Ihnen das allerdings erklären muss – dass ist ist mir ein Rätsel.



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Mario

Gut gebrüllt, Löwe 🙂

Tornhill

Also ich kenne jetzt das neue Fördermodell nicht im Detail, aber der gute Schlöni (den ich eigentlich auch mag) klingt mir doch auch sehr nach einem Vereinfacher. – Ich kann mir kaum vorstellen, dass ALLE Filme jetzt in zwei Fassungen herauskommen sollen.
Ich meine, ich finde es auch etwas schade, dass durch die vielen Director’s, Producer’s und Extendet Cuts den Filmen ihre klare Form genommen wird („Kennst du ‚Casablanca‘?“ kann man mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, schon bei „Blade Runner“ muss man nach der Fassung fragen), aber so unschön es auch ist…Soll man sich wirklich beklagen, wenn dabei im Endeffekt bessere oder zumindest vielfältigere Sachen herauskommen?
Nehmen wir den „Paten“, einen der größten Filmklassiker überhaupt: Ich gestehe an dieser Stelle offen und ehrlich ein, dass mir die Miniserien-Fassung in chronologischer Reihenfolge besser gefallen hat.

Nein, ich sehe es weniger als eine reine, aufgezwungene neue Erzählart, als einfach eine Erweiterung.