mfb-blieswood-portraettemplateidrenderscaledpropertybildwidth146jpg.gif… und ich denke so bei mir: leider.

David Blieswood (eigentlich Norbert Körzdörfer) ist eine adrette sogenannte „Edelfeder“, die besonders gerne außerhalb bezahlter Werbung über Gillette-Rasierer schreibt, und uns immer wieder mal in der BILD die Welt erklärt. Wie er dazu kommt? Keine Ahnung.

Nun hat Körzdörfer mit ein paar Buddies (dezentes Name Dropping: Otto Waalkes und Til Schweiger) anscheinend den Film „Borat“ gesehen, und darüber geschrieben.

Und ich habe es nicht verstanden.

Körzdörfers Gefasel ist ein so exzellentes Beispiel für Print-Logorrhöe, dass ich es in Auszügen präsentieren und kommentieren möchte.

Er ist die Mega-Bombe des Lachens. Es explodiert das Zwerchfell – und der Lacher beim Lachen.

Was genau HEISST das? Ich kann KEINEN der Ausdrücke nachvollziehen! „Mega-Bombe des Lachens“? Wieso explodiert das Zwerchfell? Und ist mit „Lacher“ die lachende Person, oder das gelachte Lachen gemeint? Kann auch nur EINS von beidem explodieren?

Das Internet glüht vor Gag-Gier (21,3 Mio. Google-Stories).

Das könnte ich sicher unkommentiert stehen lassen – irgendwelche Google-Hits als belanglose Statistik zu verwenden, hat mittlerweile Tradition. Aber die Formulierung „glüht vor Gag-Gier“?! Eine Alliteration, für die man mit der Eselsmütze in die Ecke gestellt gehört…

Otto Waalkes guckt den Film-Trailer. Til Schweiger surft auf der Website (www.borat-derfilm.de). Otto & Til fieberten: „Wie ist Borat?“

Okay, hier mal langsam – wo und wann befinden wir uns? Bei einem Presse-Screening? Aber wieso surft Til Schweiger da? Und guckt Otto nur den Trailer, nicht aber den ganzen Film? Und wieso fiebern sie? Ist der Gegenstand ihres Fiebers die Figur Borat (worauf die fehlenden Anführungszeichen schließen lassen), oder der Film? Und wenn sie so fiebern – wieso schauen sie sich den Film nicht einfach an? Mangelndes Taschengeld? Und wieso wird im Präsenz gesurft, aber in der Vergangenheitsform gefiebert? Wick Medinait?

Körzdörfer müht sich auch noch, den radikal-fäkalen Späßen des Engländers einen gesellschaftskritischen Anstrich zu geben:

Aber der Idiot ist nicht Borat! Der Idiot ist der, der lacht – der latente Sexist und Rassist in jedem von uns.

DAS muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wer in dem Film “Borat”, den Körzdörfer als die “Mega-Bombe des Lachens” bezeichnet, tatsächlich lacht, ist ein sexistischer und rassistischer Idiot? Ich habe das mehrfach gelesen, um auszuschließen, dass ich da was falsch verstanden habe. Aber kein Zweifel möglich – Körzdörfer MEINT das vielleicht nicht, geschrieben hat er es aber…

Danke, Herr Körzdörfer! Ich werde mich also mühen, im Kino keine Miene zu verziehen. Das wird allerdings schwer werden, denn Sie warnten ja schon im Titel:

“Wetten, dass er JEDEN zum Lachen bringt?”.

Die ganze Welt voller Rassisten und Sexisten demnach. Und seine Kollegen zählt Körzdörfer zu den Idioten gleich dazu:

Noch nie hörte ich Kritiker im Kino so kichern, prusten, johlen und verstummend, anhimmelnd, verschämt juchzen.

Als Bonus: Wenn ich Herrn Körzdörfer eines Tages mal treffen sollte, dann bitte ich ihn, in meinen mitgebrachten MP3-Rekorder verstummend oder meinetwegen auch anhimmelnd zu juchzen.

Auf die Frage, wen oder was “Blieswoods Porträt” hier porträtiert, gab es gleich gar keine Antwort…

Wir fassen zusammen: Sprachliche und menschliche Entgleisungen ist man von BILD gewohnt. Und wirres Gefasel auch, wenn man die selbstverliebt-arrogante Hasskolumne von Wagner nicht meidet. Aber dass ein angeblicher Star-Schreiber sich in eine Kindergarten/ McDonalds-Kinonews/ Pressetext- Melange hineinsteigert, und dennoch nicht von einem Comic-Tretgeräusch begleitet im ballistischen Bogen aus dem Fenster der Chefetage des Springer-Gebäudes fliegt – DAS ist schon einen Asbach Uralt wert…



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Robert Schröter
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Lörzdörfer hat, wie Du und ich und andere Journalisten, auch seine schlechten Tage. An seinen guten jedoch produziert er Texte, die in ihrer qualitativen Dichte ihresgleichen suchen – siehe z.B. seine Ruby-Kolumne. Körzdörfer ist der einzige Journalist in Deutschland, der sich traut, mit der deutschen Sprache so umzugehen , wie es ihm seine Intuition rät und nicht der Duden oder Herr Sick. Er hat erkannt, dass jede Sprache ihre Grenzen hat, um die er sich gottlob einen feuchten dreck schert. Er sehnt sich, glaube ich, nach einer Zeit, in der die Menschen wieder wie im Alten testament mit einer Zunge reden und auch entsprechend schreiben. Und wovon NK dankenswerterweise auch komplett unberührt blieb, ist der pathologische Origianlitäts- und Pointenzwang vieler Journalisten, an dem auch Du zu leiden scheinst. Der dann zu Konstruktionen führt, gegen die von Dir kritisierten Ungereimthietn NKs harmlos sind…
Denn einen Asbach Uralt wäre es für Dich – und auch das nur vermeintlich – wert, wenn einem Gutes widerfährt. Damit, dass sich Kai Diekmann von NK aber nicht mit dem von Dir erwünschten Fußtritt verabschiedet und NK weiterhin vollkommen zu Recht gegen den stinkenden Main-Stream der deutschen Journaille schwimmt , widefährt Dir aber etwas in Deinem vermeintlichen Sinne Schlechtes. Und genau das wäre ja gerade KEINEN Asbach wert. Nur vielleicht war es auch freudianisch von Dir gemeint. Weil Du ihn insgeheim bewunderst… Das wäre aber ein gutes Zeichen. Dein Blog ist im übrigen sehr geschmackvoll gestaltet.
Ich wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest. Ihnen übrigens auch, Herr Körzdörfer, falls Sie das lesen.

Robert S.
Robert S.

„platte Polemik“? Warum sagst Du nicht einfach „Touché“, was den Asbach angeht? Man muss auch mal verlieren können… Ist übrigens erlernbar: „Nie mehr verliern“ von Roy Black auf dem Album „Rosenzeit“. Eine wunderbare CD für die besinnlichen Momente…
Ich habe doch gleich am Anfang gesagt, auch NK hat mal einen schlechten Tag. Dass du dich jedoch auf das Ergebnis eines solchen stürzt, anstatt seine Ruby-Preziosen zu loben, das finde ich doof. Jemanden zu verreißen, ist tausendmal simpler, als ihn zu würdigen. Es stimmt, ja, Körzdörfer ist für mich ein Vorbild. Groupie geht schon mal gar nicht, dieser Begriff lässt sich m. W. nur auf Frauen anwenden. Aber ich denke, das ist Dir klar, und Du wolltest nur eine gehässige Spitze setzen. Ist dir nicht gelungen…
Es gibt zwei Ebenen von Sprache, die eine teilt etwas mit, die andere stellt Germanisten zufrieden. Leider sind nicht immer beide Ebenen verinbar. Und da bin ich NK sehr dankbar, dass er Worte benutzt als Codes, die Bilder und Gefühle auslösen sollen beim Leser. das hat bei ihm Priorität, Es gibt sinnvolle Sprachregeln, es gibt aber auch komplett sinnlose. Oder kannst Du mir erklären, warum „wegen“ den Genitiv auslösen darf und den Dativ nicht? Mein Vater ist Germanist und konnte mir das nicht erklären. Regeln sind einzuhalten, egal wie bescheuert sie sind? Nee, du. Da mach ich nicht mit.

Markus L
Markus L

Der plötzliceh Werbeeinschub im ersten Absatz der zweiten Mail lässt in mir dann doch den Verdacht aufkommen, dass Robert S in der Tat niemand anders ist als NK selbst. Bestärkt werde ich weiterhin dadurch in dem, dass mir eine stilistische Ähnlichkeit vorzuliegen scheint zwischen den Bild-Texten NKs und den beiden Kommentaren von Robert S — das ist aber zugegeben subjektiv, etwas, das sich nur an wenigen Stellen wirklich benennen lässt (zB die Aneinanderreihung von einfachen SPO-Sätzen die fast schon Schlazeilen sind — ich kann das nicht wirklich gut ausdrücken :-), sondern ein Gesamteindruck, der sich so formt, wenn man so will, eine Frage des geschmacks, die der Text hinterlässt.

Danke, übrigens, TD, für Deine Blogeinträge. Habe ich gerne gelesen.

Joe
Joe

Der Eintrag ist zwar -man verzeihe den Kalauer- Asbach-uralt, aber samt seinem Anhang immer noch schön zu lesen. Zufällig sind mir noch Köter-Texte des Herrn K. (mein Hund liegt in Sichtweite: Verzeihung, Leo) in Erinnerung. Wie man die schriftliche Anbiederung an die Kleinbürger-Mentalität als Texte, die in ihrer „qualitativen Dichte ihresgleichen suchen“ bezeichnen kann, weiß ich nicht.
Aber jetzt muss ich los, meine Fußbekleidung einsammeln. Die hat’s mir nämlich ausgezogen, als ich las, dass jemand versuchte, abstruse Formulierungen gleichsam mit „kreativer Freiheit des Genies“ zu entschuldigen.