SPIEGEL online hat drei Kasachen in „Borat“ geschleppt, um deren erwartbare Empörung zu dokumentieren. Und prompt stellen sich die Studenten eingeschnappt die Schlüsselfrage, die jeden bewegt, der erstmals durch den Kakao gezogen wird: „Warum gerade wir?“. Beleidigung der Fahne, der Ehre, des Präsidenten, blablabla, etc. pp.

Die Autorin Anna Reimann hätte den beleidigten kasachischen Leberwürsten erklären können, warum – durch ein einfaches „warum nicht?“.

Deutschland ist nämlich nach 50 Jahren Nazi-Witzen und Weißwurst-Klischees komplett kakaoresistent, und man freut sich schon, wenn die Parodie halbwegs originell ausfällt wie bei der „Saturday Night Live“-Reihe „Sprockets“.

Und jetzt ist halt mal Kasachstan dran. Wäre nicht Freude angebracht, dass die ex-sowjetische Ödnis damit als spannend genug angesehen wird, um veralbert zu werden?

Meinung ist erst dann frei, wenn sie auch blöd sein darf, ungerecht, und falsch – das hätte man den Demokratiefrischlingen aus dem neunt größten Land der Erde mal erklären können. Willkommen im Club.

All das ist vergleichsweise selbstverständlich, und wäre mir keinen Eintrag wert. Aber für einen Artikel, der mangelndes Verständnis für Kasachstan geißelt, endet „Bei ‚Borat‘ hört der Spaß auf“ mit einer zuckersüßen Pointe:

borat.jpg



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Tornhill

In der Tat – wenn man den Artikel liest, könnte man meinen, es geht hier um Holokaustüberlebende, die „Der ewige Jude“ sehen müssen.
Verdammt nochmal, wer fast heulend zusammenbricht, weil jemand Witze über sein Land reisst, der IST einfach nicht reif für die westliche Pluralismusgesellschaft und hat ebenjenes Land dadurch übler dargestellt, als ein ausländischer Komiker es je könnte.
„Missbrauch unseres Nationalsymbols“…willkommen im Land der Kunst- und Meinungsfreiheit! Was wurde mit deutscher, englische und amerikanischer Fahne nicht schon für Schindluder getrieben, aber heulen die deswegen?
Und, liebe Perisat. . . mit arabischen Ländern werden solche Scherze nicht gemacht, weil die meisten von denen eindeutig und vollkommen nach eigener Auffassung nicht reif für den Westen sind. Wenn Kasachstan lieber so betrachtet werden will, reden wir weiter.