09
Mai 2022

Kino-Kritik: DOWNTON ABBEY II: EINE NEUE ÄRA

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

England, USA 2022. Regie: Simon Curtis. Darsteller: Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Michelle Dockery, Maggie Smith, Robert James-Collier, Laura Haddock, Hugh Dancy, Dominic West u.a.

Story: Die Familie Grantham lebt auf Downton Abbey immer noch den "posh lifestyle" der späten 20er Jahre, aber das Geld für den Unterhalt des mondänen Landsitzes ist knapp. Das Angebot, gegen Geld eine Filmcrew für ein Historiendrama in die heiligen Hallen zu lassen, wird mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Es trifft sich gut, dass die alte Gräfin Crowley gerade eine Villa in Frankreich geerbt hat, die zum Sommerurlaub lädt…

Kritik: Bevor ich morgen ein Blog-Dickschiff vom Land schiebe, liefere ich schnell diese (etwas verspätete) Filmkritik nach. Meine Frau und ich sind ja erklärte DOWNTON ABBEY-Fans seit dem Debüt der Serie 2010:

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Nach sechs glorreichen, aber auch extrem seichten Staffeln und satten fünf zweistündigen Specials wurde die Serie 2015 eingestellt – mit dem konkreten Plan, ins Kino zu wechseln, was ich selber für eine Kappes-Idee hielt. DOWNTON ABBEY ist der perfekte "afternoon tea" für Royalisten, die von ihrem Toast den Rand abschneiden und über die korrekte Aussprache von "scones" diskutieren, aber es ist keine Kino-Franchise.

Aber was weiß ich denn schon? Der erste Kinofilm spielte bei einem Budget von gerade mal 13 Millionen Dollar weltweit fast 200 Millionen ein.

Ich selbst fand den ersten Kinofilm der Serie zu nah, im Grunde genommen ein typisches Weihnachtsspecial, das man unangemessen groß vermarktete (wir haben ihn in einem Kino auf Ibiza gesehen). Die Story war so mager, dass ich mich nur noch dran erinnern kann, dass die Königsfamilie zu Besuch kam. Ein Film wie Zuckerwatte: lecker, aber ohne Substanz.

In den zweiten Film sind wir gestern primär gegangen, weil wir mal wieder raus wollten und er im Mathäser-Palast auch in der Originalversion zu sehen war (was ich dringend empfehle – die britische Upperclass ist nichts ohne den dazu gehörigen Akzent).

Zu meiner Überraschung ist DOWNTON ABBEY II: A NEW ERA eine deutliche Verbesserung und ein monströs unterhaltsamer Historienquatsch, der stellenweise klar in Richtung Komödie tendiert und die absurderen Elemente der Handlung mit einem Augenzwinkern abfedert. Die Tatsache, dass zwei Plots (die Dreharbeiten und der Erbstreit in Frankreich) bedient werden, öffnet den narrativen Fokus und sorgt für eine hohe Erzählgeschwindigkeit. Man erlaubt den Figuren, deutlich zu wachsen – Lady Edith und Lady Mary sind keine "flapper" mehr, sondern würdige Repräsentantinnen des Hauses. Dominic West ist sensationell als latent schmieriger Filmstar mit offensichtlich falschem Gebiss und einem weniger offensichtlichen Geheimnis.

Natürlich ist das nur was für DOWNTON ABBEY-Fans. Wer die Serie verfolgt hat, bekommt hier eine lobenswerte Weiterentwicklung und Ausweitung des Serien-Kosmos geschenkt. Wer nicht drin ist, ist draußen.

2011 schrieb ich angesichts der zweiten Staffel:

"Als klassische Kostümsoap ist "Downtown Abbey" Höhepunkt und Quintessenz des britischen Erzählfernsehens. Jedoch… vielleicht liegt es daran, dass ich in meiner Kombi-Eigenschaft als Kritiker und Autor selber zu sehr auf so etwas achte, aber als tatsächliches Drama geht die Serie am Stock. Es gibt keine wirklich nennenswerten Konflikte, alle Charaktere sind durch die Bank nett oder maximal missverstanden, große Erzählbögen werden in sechs Szenen über zwei Folgen abgefeiert – und wie weiland bei "Star Trek" scheint es den unsichtbaren Reset-Button zu geben, der dafür sorgt, dass trotz aller gegenteiligen Aussagen am Ende alles beim Alten bleibt."

Das stimmt immer noch. Aber es stimmt auch, dass die Serie ihre Schwächen mittlerweile zu Stärken perfektioniert hat.

Momentan sieht es so aus, als könne der Film den Erfolg des Vorgängers an der Kinokasse nicht wiederholen. Das Leben ist nicht fair. Wenn damit die DOWNTON ABBEY-Saga endet, wäre uns das Recht. Ein würdiger Abschluss.

In diesem Sinne:

guar

Fazit: Eine federleichte, humorvolle Historiensoap, die Fans der Serie das Herz wärmt und dem ersten Kinofilm meilenweit überlegen ist.

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Mark
Mark
9. Mai, 2022 11:35

Es war ein schönes Wiedersehen mit alten Bekannten, und ich habe den Kinobesuch nicht bereut, aber stellenweise hatte ich fast das Empfinden, eine Parodie auf die Serie zu schauen. Fairerweise muss ich zugestehen: Das lag wohl auch daran, dass ich die deutsche Version gesehen habe und da wird mancher Dialog etwas schwülstig und ungelenk.