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Nov 2021

Things to see before I die

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Man denkt mit 50 über andere Dinge nach als mit 40, 30 oder 20. Die eigene Sterblichkeit wird bewußter, die Absurdität des Ansammelns materieller Güter. Ich beginne, Ballast abzuwerfen, mein Leben auf die Dinge zu konzentrieren, die mir gut tun. Das betrifft nicht nur Sachen, sondern auch Menschen.

In meinem Fall kommt hinzu, dass ich keine Kinder habe – ich muss niemandem etwas hinterlassen. Wäre ich kackfrech, würde ich dereinst mit Schulden in die Grube gehen. Da ich aber nicht kackfrech bin, strebe ich zumindest ein Plusminusnull an.

Mit nix gekommen, mit nix gegangen. Dazwischen Spaß gehabt. Solides Karma.

Nun klingt das alles sehr fatalistisch – im Idealfall habe ich ja noch mindestens 30 oder 40 Jahre vor mir. Da passen noch ein paar Staffeln ORVILLE, neue ASTERIX-Bände und ein Haufen GUSTAVO GUSTO-Pizzen rein.

Wenn ich mir anschaue, wie die Welt sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat, dann ist das bemerkenswert. Kalter Krieg vorbei. Deutschland wiedervereinigt. Internet. Tablets. Smartphones. Navigationsgeräte. Digitalfotografie. Herr der Ringe. Amazon. Streaming. Die Welt ist unendlich komfortabler, reicher, unterhaltsamer und globaler geworden. Mein Leben auch.

Man stelle sich vor, wir würden auf alle diese Entwicklungen nicht zurückschauen, sondern sie Anfang der 80er prophezeit bekommen. Es hätte uns die Schädeldecke weggeblasen.

Nun ist begeisterter Rückblick eine Sache – aber wie sieht es mit der begeisterten Vorausschau aus? Sollten uns die Errungenschaften der Vergangenheit nicht hibbelig werden lassen angesichts dessen, was uns noch bevorsteht? Denn so sehr der aktuelle Stand der Welt das auch anders wirken lässt: bisher ging es immer auf- und vorwärts.

Und so mache ich mir darüber Gedanken, was ich noch erleben könnte. Was sind die Mega-Trends beziehungsweise die Paradigmenwechsel, die ich vielleicht noch zu sehen bekomme? Die ganz großen Umbrüche, nicht die kleinen Updates. Keine Science Fiction – Fortschritt.

Ich sage nicht, dass all das eintreten wird. Ich sage nicht, dass es keine Nachteile haben würde. Aber es sind Dinge, auf die ich mich freue, und auf die die Welt eines Tages vielleicht auch mit einer Mischung von Ehrfurcht und Dankbarkeit zurückschauen wird.

Und so schaue ich voraus auf meine Rückschau des Jahres 2061, wenn der Wortvogel 55 Jahre alt ist und als Blog-Antiquität unter Denkmalschutz steht.

"Ihr musstet eure Autos selber fahren?!"

Fahren ohne Fahrer, Kraftstoff aus der Steckdose statt der Zapfsäule. Gibt es schon. Und es geht nur langsam voran. Viele Experten glauben, dass die komplette Umstellung des Individualverkehrs nicht gelingen kann und auch nicht wünschenswert wäre. Mag sein. Aber ich glaube, dass es wie bei vielen Technologien nur eine kritische Masse braucht, ab der er es dann doch sehr schnell geht. Und ich finde die Idee geil, dass man eines Tages in ein Gefährt steigt (sei es ein eigenes oder ein kommunales) und einfach nur sagt "bitte zum Badesee". Oder in das man seine Einkäufe stellt und dann sagt "bring die schon mal nach Hause, ich gehe eine Runde spazieren". Lautlose, koordinierte Kolonnen auf der Autobahn, alle gleich schnell, völlig stressfrei. Jeder sein eigener Wagon. Kein Berufsverkehr, kein Urlaubsstau, keine Raser und keine Geisterfahrer. Eine Epoche, in der Geschwindigkeit so zweitrangig wird wie PS-Protzerei und das Auto wieder das ist, was es sein soll: bequemes Mittel zum Zweck.

"Echt? Ihr habt Tiere gezüchtet, um sie zu essen?!"

Ich habe es neulich an anderer Stelle geschrieben:

Ich glaube, dass wir innerhalb der nächsten zwei Generationen zu einer Post-Nutztier-Gesellschaft werden, in der ein noch bestehender Fleischbedarf durch Laborproduktion gedeckt wird. In 50, 70, 100 Jahren werden Jugendliche die Uralten fragen: "Echt jetzt? Ihr habt Tiere gefangen gehalten, um sie zu ESSEN?!". Es wird ihnen pervers vorkommen. Was es im Grunde genommen auch ist.

Ich glaube, dass der Mensch nicht zum Veganer geboren ist. Rein evolutionsbiologisch. Aber ich glaube auch, dass wir uns weit genug entwickelt habe, um die Begriffe "Tier" und "Fleisch" voneinander zu trennen. Es muss nur endlich mal zu einer der großen Aufgaben der Weltgemeinschaft erklärt werden. Was da alles dranhängt: Volksgesundheit, Tierwohl, Umweltschutz, Gewissen – und vielleicht ein nicht so dramatischer, aber doch merkbarer Schritt hin zu einer höheren Bestimmung.

Ich wollte es zuerst in einen eigenen Punkt packen, aber es scheint mir hier als Addendum angebracht: freuen würde ich mich auch über die Trennung der Begriffe "Essen" und "Kalorien". Warum sollte es nicht gelingen, kalorienfreie Torten zu entwickeln, während wir unseren Energiebedarf exakt bemessen anderweitig bedienen?

"Was sind das für staubige Dinger in den Regalen da?"

Man vergisst es leicht, weil das Papier mit so unheimlich viel Nostalgie aufgeladen ist – es ist nur ein Medium. Man hat auf Papier gedruckt und geschrieben, weil es keine andere Möglichkeit gab. Dafür wurden unfassbare Mengen an Ressourcen verbraucht, nicht nur für die Herstellung, auch für Druck, Transport, Lagerung und Verkauf.

Ich hoffe sehr, dass ich alt genug werde, um den Abschied vom Papier zu erleben, wenn die digitale Sphäre diese Aufgaben schneller, effizienter und dynamischer übernimmt. Ich bin mir der damit verbundenen Risiken durchaus bewusst, aber ich halte die Vorteile (vor allem auch eine "Entschlackung" der physischen Welt) für signifikanter. Das Buch wird eine Antiquität sein.

"Es führt ein Brief nach nirgendwo…"

Auch die Briefpost ist ein Auslaufmodell. Dem Warenversand gehört die Zukunft. Und darum glaube ich, dass die Briefpost im Warenversand aufgehen wird. Briefkästen und Postfilialen werden eben verschwinden wie Briefmarken und Zusteller. Wer partout noch ein ausgedrucktes Schreiben durchs Land schicken will, gibt es dem Paketboten mit, der es wie ein sehr flaches und leichtes Päckchen behandelt. Es wird eine Ausnahme sein.

Es wird eine ganz neue Infrastruktur geben: Häuser haben keine Reihen von Briefkästen mehr, sondern Paketspinde. In denen wird der Paketdienst nicht nur ablegen, aus denen wird er auch mitnehmen. Alles wird selbstverständlich in Echtzeit trackbar und dokumentierbar sein. Die Zeit des Übergangs ist vorbei. Reiner Schriftverkehr, ob privat, geschäftlich oder behördlich, läuft nur noch elektronisch.

"Das hätte ich gerne schriftlich!"

Ihr merkt schon – viele meiner Vorstellungen greifen ineinander. So auch diese: wie die Post wird auch die Schreibschrift aussterben. Selbst die einfache maschinenlesbare Druckschrift, wie sie künftig in Schulen gelehrt wird, ist ein Relikt. Wir schreiben längst nicht mehr – wir tippen. Und da unser Text sowieso grundsätzlich in die digitale Sphäre geht, gibt es keinen Grund für einen umständlichen Umweg über Papier. Handschrift wird ein "useless skill". Und unsere Unterschrift? Wird wie heute schon durch Fingerabdruck oder Facial Recognition ersetzt.

"Daumen hoch zur ID!"

Das hier hängt mir der Abschaffung des Papiers zusammen. In einer digital ordentlich (und vor allem transparent) organisierten Welt gibt es keinen Grund mehr für Personalausweise, Führerscheine, EC-Karten, Urkunden und Bescheinigungen. Der Mensch ist als Individuum überall eindeutig identifizierbar und kann sich mit allen Informationen ausweisen, die er im gegebenen Fall preiszugeben verpflichtet/bereit ist. Die administrativen Vorgänge, ob ich nun in die U-Bahn steige oder ein Pfund Käse kaufe, treten unsichtbar in den Hintergrund. Alles passiert ohne mein Zutun, ohne nennenswerte Initiative. Vielleicht haben wir in 30 Jahren nur noch ein Armband um (oder ein Implantat unter der Haut), das unsere dauerhafte Nabelschnur in die digitale Sphäre darstellt. Keine Apps mehr, keine Konten, keine Betriebssysteme. Einfach: "Alexa, ich brauche ein Taxi – und sorg dafür, dass genügend Cola im Kühlschrank ist."

"Papa, was ist ein WLAN-Passwort?!"

Auch das hängt natürlich mit dem vorherigen Punkt zusammen und ich sehe es weniger als wünschenswert – eher als notwendig: das globale, omnipräsente Internet. Es wird kommen, weil es das natürliche Ziel der gesamten Industrie ist. Nur wer erreichbar ist, kann teilnehmen. Nur wer teilnehmen kann, kann kaufen, kann produzieren, kann beitragen. Es wird keine separaten Netze mehr geben, keine Logins, keine Unterscheidung von WLAN oder Bluetooth. Nur noch "das Netz". Wo immer du bist – du bist nie allein.

"Sterben ist einfach – Comedy ist schwierig."

Vielleicht auch deshalb ein wichtiger Punkt, weil es mich den nächsten Jahrzehnten selber betreffen wird: Sterbehilfe. Und ich hoffe, man wird es nicht so nennen. Aber ich will noch eine Welt erleben, in der man das Recht hat, die simple Aussage zu tätigen "das war’s, ich bin raus" – und die einem dann die Möglichkeiten bereits stellt, schmerz- und angstfrei zu gehen.

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Ein gutes Leben, ein würdiger Tod – wie kann man etwas anderes wollen?

"Das ist doch alles nur Kleinkram!"

Es gibt auch Sachen, die keine große Umwälzung darstellen, die aber für eine größere Sicherheit und Bequemlichkeit sorgen würde. EINE große Krankheit besiegen wäre toll, idealerweise AIDS oder Blutkrebs oder Alzheimer. Mehr Weltwissen – also Datenbanken, die unsere kulturellen Errungenschaften (Fotos, Filme, Musik, Gemälde, Bücher) geordnet und gerecht allen Menschen zur Verfügung stellen. Hologramme statt Bildschirme. Die Abschaffung von Tieren im Zirkus und im Sport, von Qualzüchtungen bei Haustieren. Das Ende der Massentierhaltung. Virtuelle Schulen und Universitäten.

"Das glaubst du doch selber nicht!"

Manches wäre schön, aber ich rechne nicht damit. Werden wir alle Formen von Krebs besiegen? Den Hunger und die Armut in der Welt endgültig abschaffen? Kriege verbieten? Die Umwelt nachhaltig schützen? Ich habe meine Zweifel. Selbst die uns lange von SF-Autoren versprochenen fliegenden Autos und Unterwasser-Städte bleiben vermutlich Utopie. Der Mensch ist der Mensch ist der Mensch. An seinen besten Tagen ist er nobel und gerecht – aber es überwiegen die schlechten Tage, an denen er selbstsüchtig und gierig ist. Einige Wenige werden uns voranbringen, die anderen sind im besten Fall Drohnen, im schlechtesten Fall Hindernisse.

Und dennoch – dennoch glaube ich, dass wir als Menschheit eine Art Meta-Organismus sind, der sich wie Pflanzen und Tiere evolutionär weiter entwickelt. Der trotz der Bräsigkeit seiner Bestandteile insgesamt den Weg nach vorne schafft, den Fort-Schritt im wahrsten Sinne. Wir sind mehr als die Summe unserer Teile. Unser Weg mag Kreuzungen und Umwege haben, aber ich glaube nicht an Sackgassen.

Fühlt euch aufgerufen, anderer Meinung zu sein – und das kund zu tun.



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Exverlobter
Exverlobter
20. November, 2021 08:46

Kein Papier mehr, und das omnipräsente Digitale als Lösung für alles? Hat nicht ein digitaler Blackout in Blade Runner 2049 dafür gesorgt, daß ein Großteil des Wissens der Menschheit verlorengegangen ist, weil man sich zu sehr darauf verlassen hat? Und auch Jean-Luc Picard, gar ein Mann des 24 Jahrhunderts, und der in seinem Büro viele Bücher stehen hatte, wäre über eine solche Entwicklung sicherlich not amused.

Martzell
20. November, 2021 23:21

Große Bildschirme werden verschwinden wegen Smartglasses. Autos werden leider nicht selbständig fahren können. In tausend Jahren werden wir wie Kannibalen betrachtet werden weil wir Säugetiere aßen. 

Sterbehilfe wird hoffentlich unnötig wenn medizinisch und psychologisch ein lebenswertes Leben bis zum Schluss möglich ist.

Evolutionsbiologisch hat sich der Mensch sehr lange von Rohkost ernährt, hauptsächlich vegan.

ID für alles gefährlich.

Das Öl und Plastikzeitalter wird abgelöst werden.

Ich hoffe folgendes noch zu erleben:

  • Dominanz des Autos überwinden für lebenswertere Städte.
  • Ungefährliche Gleichstromsteckdosen für die meisten Verbraucher.
  • Diktatur des Kapitals überwinden, mehr Demokratie und Gemeinwohlorientierung in einer sozialökologischen Wirtschaft.
  • Evidenzbasierte wirksame Politik.
  • Wirksame Drogenpolitik.
  • Bus und Bahn einfacher nutzbar.

Alles wird immer besser

Seit ich Vater bin habe ich eine äusserst positiven Blick auf das Jahr 2100. Dann ist mein Kind über 80 und alles ist noch besser, weil alles wird immer besser. Allein die letzten Jahrzehnte ist trotz all der schlechten Nachrichten weltweit die Armut zurückgegangen und Freiheit und Demokratie hat zugenommen.

Die Menschheit hat viele Probleme wie Waldsterben, Ozonloch durch FCKW, Wirtschaftsmonopole, Sklaverei, große ideologische Kriege, Kinderarbeit, Kriegsverbrechen, Umweltzerstörung und viele weitere benannt und dadurch ein Bewusstsein dafür geschaffen und gehandelt und wird hoffentlich auch mit dem Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität umzugehen lernen bevor es zu spät ist.

takeshi
takeshi
21. November, 2021 07:33
Reply to  Martzell

Zur Unterstützung der Ansicht "Alles wird immer besser" empfehle ich immer die Vorträge des leider 2017 verstorbenen Hans Rosling, der mittels interaktiver Statistiken sehr prägnant und sehr unterhaltsam darstellt, wie sich die Welt entwickelt hat und weiterentwickeln wird.

Zum Beispiel hier: https://www.youtube.com/watch?v=jbkSRLYSojo

und hier: https://www.youtube.com/watch?v=hVimVzgtD6w

wobei eigentlich jedes seiner Videos sehenswert ist.

Darüber hinaus empfehle ich die Lektüre von Yuval Noah Hararis "Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen" und Stephen Pinkers "Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung".

Andreas
Andreas
22. November, 2021 16:52
Reply to  takeshi

Danke für die Links, Hans Rosling kannte ich bisher nicht.

Dietmar
22. November, 2021 20:27
Reply to  takeshi

Benutze ich regelmäßig im Politik- und Erdkundeunterricht. Kommt immer großartig an.

DSFARGEG
DSFARGEG
22. November, 2021 11:53

Es mag der Weltlage geschuldet sein, aber ich sehe momentan wenig hoffnungsvoll in die Zukunft.
– Der Ressourcenverbrauch nimmt mit jeder Hochtechnologiestufe, die wir erreichen, zu. Es wird ein unglaubliches, unglaublich komfortables High-Tech-Luxusleben geben, aber nur für eine Minderheit.
– Der Prozentsatz weißer Menschen in westlichen Gesellschaften wird weiter abnehmen. Teile des strukturellen Rassismusproblems, das wir haben, werden sich damit von selbst erledigen, aber die verbliebenden Rechten werden radikal und gewalttätig versuchen, ihre vermeintlichen Privilegien zu erhalten.
– Ich werde erleben, wie einige Tierarten vermeidbar aussterben. Nicht irgendwelche Käfer oder Baumratten von denen nie jemand außerhalb der Fachwelt je gehört hat, sondern die wirklich dicken Dinger: Elefanten, Rhinos, Blauwale.
– Der Amazonas ist verloren, jetzt schon. Am Ende meines Lebens wird dort nur noch Weideland sein. Regierungen werden ein Politikum daraus machen, Fleisch zu essen, da man in diesen Gegenden nur so Menschen in Lohn und Brot werde halten können.
– Ich werde erste ernsthafte Erfolge mit Fusionsreaktoren erleben.
– Superkonzerne wie Amazon und Tesla werden den Mars kolonisieren, mit Menschen, die sich damit zu 100% in die Abhängigkeit von Bezos und Musk begeben, in eine Welt ohne störende Gesetze. Es wird uns verkauft werden als die Zukunft der Menschheit, tatsächlich wird es aber ein absolutistischer Sklavenstaat ohne Aussicht auf Rückkehr oder Flucht – wer nicht spurt, bekommt halt keinen Sauerstoff.
– Es wird zu meinen Lebzeiten mindestens einen Terroranschlag mit Atomwaffen geben, und als Reaktion darauf einen lokal begrenzten Krieg mit Atomwaffen.
– Unser Lebensstandard vernichtet Lebensraum im Süden. Wir werden gigantische Völkerwanderungen in unsere Richtung erleben, gegen die die heutigen Migrationsbewegungen ein Witz sind. Der Faschismus wird dann die einzige Staatsform sein, mit der wir diesen Lebensstandard erhalten können (und das wird eine Mehrheit wollen), weil sich nur so der Gesellschaft beibiegen lässt, dass die Nordafrikaner, die die EU dann zu Zehntausenden an den Grenzen tötet, keine Menschen sind.
Ja, ist alles nicht so super. Dabei halte ich mich nicht mal für sonderlich hysterisch, wütend, fatalistisch, pessimistisch oder sonstwas, aber wenn ich die jetzigen Verhältnisse betrachte und mir dann noch angucke, wie sich die Menschheit so allgemein in Krisenlagen schlägt, dann halte ich das alles für nicht all zu weit hergeholt.

Last edited 13 Tage zuvor by DSFARGEG
DSFARGEG
DSFARGEG
22. November, 2021 12:50
Reply to  Torsten Dewi

Der Ressourcenbedarf steigt zwar, aber es wird sich ändern, wie wir ihn decken.

Davon gehe ich aus, ich halte es momentan aber für unwahrscheinlich, dass das in der notwendigen Geschwindigkeit passieren wird.

Der Amazonas ist nicht verloren, ich halte das für eine Mär wie das Waldsterben. Und es wird immer weiter aufgeforstet.

Wenn ich mir ansehe, in welchem Tempo die Abholzung zur Zeit vorangeht, habe ich da wenig Hoffnung.

Tierarten sterben immer aus. Warum es einen Unterschied macht, wenn es eine große ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich schrieb vor ein paar Jahren schon: lasst die Pandas aussterben.

Der Panda ist eine bizarre Laune der Natur und war evolutionär nie wirklich erfolgreich. Das Aussterben der genannten Großtierarten wäre aber zu 100% menschengemacht. Ich glaube auch dass das Aussterben von Tieren, die jedes Kind kennt, eine andere gesellschaftliche Gravitas haben wird. Wie sich das dann äußert: keine Ahnung.

"Ich werde erste ernsthafte Erfolge mit Fusionsreaktoren erleben" – wo ist das Problem?

Kein Problem, im Gegenteil: wenn das klappt, wäre es ein Gamechanger. Ich wollte meine Einschätzung der Zukunft aufschreiben – dass die Stichpunktliste mehrheitlich eine Ansammlung von Depri-Themen geworden ist, hab ich erst hinterher festgestellt.

"Superkonzerne wie Amazon und Tesla werden den Mars kolonisieren" – nein. Niemals. Das rechnet sich nicht.

Ich halte beide Männer für größenwahnsinnig. Ausschließen möchte ich nicht, dass die mit dem Gedanken spielen, rentabel hin oder her.

"absolutistischer Sklavenstaat ohne Aussicht auf Rückkehr oder Flucht" – albern. Jede neue Generation kann jedes Joch abwerfen. In der Menschheitsgeschichte ist jede Zwangsherrschaft gescheitert.

Auf Dauer ja, aber es hindert niemanden daran, es immer wieder zu versuchen.

"Es wird zu meinen Lebzeiten mindestens einen Terroranschlag mit Atomwaffen geben" – selbst wenn: ja und? Die Zahl der Menschen, die bei Kriegen sterben, nimmt seit Jahrzehnten radikal ab. Es ist ein Rechenexempel.

Da bin ich geprägt von den Weltuntergangsszenarien, mit denen ich aufgewachsen bin. Ist für mich nichts, das man einfach achselzuckend mit einem "Pff, ist halt so" abtuen könnte.

"Unser Lebensstandard vernichtet Lebensraum im Süden. Wir werden gigantische Völkerwanderungen in unsere Richtung erleben" – das halte ich für eine der Entwicklungen, die wir in der nächsten Generation korrigieren werden.

Wie?

Dietmar
22. November, 2021 20:35
Reply to  Torsten Dewi

Das Waldsterben war keine Mär, sondern eine Gefahr, die durch Gegenmaßnahmen bekämpft wurde. Ich halte das für einen Erfolg des Umweltschutzes.

Der Regenwald nimmt drastisch ab. Sicher wird aufgeforstet. Aber der Verlust der Artenvielfalt ist nachweisbar und durch Aufforstung nicht "reparierbar". Ebenso ist die Vernichtung der Waldflächen eindeutig.

Ich sehe eine kommende Lösung für den Plastikmüll in den Weltmeeren in den nächsten Jahren, maximal Jahrzehnten. Sowohl gibt es technische Sammellösungen also auch plastikverzehrende Mikroben. Daneben wird es sicher gelingen, die Verschmutzungsquellen anzugehen.

Dietmar
23. November, 2021 16:32
Reply to  Torsten Dewi

Katalysatoren gibt es nur an deutschen Autos in Deutschland? Das wusste ich nicht.

Dietmar
23. November, 2021 21:45
Reply to  Torsten Dewi

Es ist ja nicht nur der KAT. Das war nur ein Beispiel. Aber ich mache hier kein Fass darüber auf.

Dietmar
23. November, 2021 21:53
Reply to  Torsten Dewi

Wird Dich nicht überzeugen, hätte ich also auch lassen können, vor allem, weil ich nicht diskutieren wollte. Aber ich zitiere den Ernst-Klett-Verlag: Das in den 1980er Jahren befürchtete Schreckensszenario von großflächig absterbenden Wäldern blieb nach umfangreichen Waldsanierungsmaßnahmen aber aus. Der Zusammenbruch der mittel- und osteuropäischen Planwirtschaft und der damit einhergehenden massiven Deindustrialisierung haben erheblich zu einer Verminderung der Schadstoffeinträge und somit zur Gesundung der Wälder beigetragen. Der Waldbestand in der Bundesrepublik wuchs von 1987 bis 2002 um 17 %, wie eine bundesweit durchgeführte Waldinventur ergab. Im Jahr 2000 waren gemäß des offiziellen Waldschadensberichts (heutige Bezeichnung: Waldzustandsbericht) rund 35 % aller Waldbäume ohne erkennbare Schäden. Anfang der 2000er Jahre wurde das Waldsterben von der Bundesregierung und von europäischen Nachbarländern schließlich als beendet erklärt. Der Waldzustandsbericht 2003 bestätigte die Aussage, dass das Waldsterben nicht wie befürchtet stattfindet. Bei 23 % des Waldbestandes wurde aber nach wie vor eine deutliche Schädigung festgestellt.

Viel Statistiken habe nicht gelesen. Die, die ich gelesen habe, bzw. die Schadensübersichten, die ich kenne, zeigen, aus der Erinnerung, dass die Schäden drastisch zunahmen und dann verflachten. Jetzt ist das Schadensbild für unterschiedliche Bestände unterschiedlich.

Dietmar
27. November, 2021 19:34
Reply to  DSFARGEG

Ich will nicht streiten, nur eine Perspektive beitragen:

Gerade heute habe ich von "Gravitations-Batterien" erfahren: Man nutzt Solarstrom, um tagsüber Gewichte aufzutürmen, die nachts gegen einen Widerstand wieder abgelassen werden und so Strom erzeugen. Eine solche Batterie decke den Bedarf einer Kleinstadt. Möglich sei das als Turm mit Kränen, von denen ein Prototyp bereits in der Schweiz betriebsfertig und der bereits mehrfach weltweit verkauft ist, oder mit Gewichten in ausgedienten Schächten, wofür noch Geldgeber gesucht werden. Ich bin zuversichtlich, dass der Energiemix möglich ist und immer besser umgesetzt wird.

93 % des Plastikmülls in den Meeren stammt aus 10 Flüssen der Welt, dessen Anrainer keine andere Möglichkeit der Müllentsorgung haben. Das ist ein Problem des politischen Willens und des gesellschaftlichen Fortschritts, also in der Ursache lösbar. Zudem gibt es inzwischen auch vielversprechende mechanische Lösungen (The Ocean Cleanup (non profit)) und plastikverzehrende Bakterien.

Es gibt einige Hoffnung, meine ich.

takeshi
takeshi
30. November, 2021 08:11
Reply to  Dietmar

"93 % des Plastikmülls in den Meeren stammt aus 10 Flüssen der Welt, dessen Anrainer keine andere Möglichkeit der Müllentsorgung haben. Das ist ein Problem des politischen Willens und des gesellschaftlichen Fortschritts, also in der Ursache lösbar."

Und die Bundesrepublik könnte und sollte zur Lösbarkeit der Ursache einiges beitragen, denn auch deutscher Plastikmüll landet in Größenordnungen in Indonesien und Malaysia.

"Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden im Jahr 2020 nach vorläufigen Zahlen insgesamt gut 1 Million Tonnen Kunststoffabfälle in andere Länder exportiert."

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/03/PD21_N016_51.html

Siehe dazu auch "Das Jenke-Experiment: Das Plastik in mir" von 2019.

Das erinnert mich an einen viele Jahre zurückliegenden Satirebeitrag von Matthias Richling, in dem er (sinngemäß) sagte, er verstehe gar nicht, warum es so aufwändig für die Bundeswehr sei, vor der afrikanischen Küste Piraten zu bekämpfen und zu entwaffnen.
Sie brauche eigentlich nur die Schiffe, die jenen Waffen liefern, am Auslaufen aus der Kieler Bucht zu hindern.

Dietmar
30. November, 2021 19:26
Reply to  takeshi

Ja, auch das ist eine Frage des politischen Willens.

Ich sehe, meinen Kommentar kann man so lesen, als wollte ich die Verantwortung oder Mitverantwortung an der Vermüllung leugnen.

takeshi
takeshi
1. Dezember, 2021 09:08
Reply to  Dietmar

"Ich sehe, meinen Kommentar kann man so lesen, als wollte ich die Verantwortung oder Mitverantwortung an der Vermüllung leugnen."

Das liegt mir fern.
Ich wollte nur deinen Beitrag noch etwas anreichern, weil die meisten Leute gar nicht wissen, was wir für einen Anteil an dieser Misere haben.

Martzell
22. November, 2021 17:40

Wichtiger Punkt der in meiner Lebenszeit hoffentlich noch gelöst wird: Komplexität in den Griff bekommen.

Letzte Woche war bundesweit der Notruf nicht erreichbar wegen einer Softwareaktualisierung. Lieferketten massiv gestört, weltweit Milliardenschäden, weil Suezkanal blockiert oder Naturkatastrophe. Hunderte Supermärkte geschlossen wegen Softwareproblemen nach Hackerangriff. Kein Öl in Nordamerika weil Pipeline-Software gehackt. Facebook, WhatsApp nicht erreichbar und somit alle Geschäfte die darüber ablaufen gestört.

Software und Prozesse sollten dezentral offline unabhängig lauffähig sein. Hardware sollte auch benutzbar sein ohne übermäßige Abhängigkeit von Software.

Martzell
22. November, 2021 19:49

Wichtiger Punkt der in meiner Lebenszeit hoffentlich noch gelöst wird: Komplexität in den Griff bekommen.

Letzte Woche war bundesweit der Notruf nicht erreichbar wegen einer Softwareaktualisierung. Lieferketten massiv gestört, weltweit Milliardenschäden, weil Suezkanal blockiert oder Naturkatastrophe. Hunderte Supermärkte geschlossen wegen Softwareproblemen nach Hackerangriff. Kein Öl in Nordamerika weil Pipeline-Software gehackt. Ölkatastrophe im Golf von Mexiko weil Technik auf der Deep Water Horizon in katastrophal schlechtem Zustand und alle Sicherheitssysteme umgangen weil sonst ständig Alarm. Facebook, WhatsApp nicht erreichbar und somit alle Geschäfte die darüber ablaufen gestört.

Software und Prozesse sollten wieder mehr dezentral offline unabhängig lauffähig sein. Hardware sollte auch benutzbar sein ohne übermäßige Abhängigkeit von Software.
_____
Die Redewendung It’s not rocket science, auf deutsch: Das ist keine Atomphysik, wäre inhaltlich korrekter mit Software-Engineering. Zu der Komplexität der Software die nötig ist um diesen Text zu lesen oder im Interweb ein Video zu schauen gibt es nichts vergleichbares.

Exverlobter
Exverlobter
22. November, 2021 20:57

Ach ja, und Selbstfahrende Autos stoßen bei Vin Diesel und dem Rest der Fast and Furious Truppe sicherlich auch auf Ablehnung.

Matts
Matts
24. November, 2021 14:00

Sehr interessant. Während manch Prognosen für mich auch selbstverständlich sind, machen mich andere völlig baff, weil ich anscheinend noch nie richtig drüber nachgedacht habe.
Zu letzterem gehört vor allem das Verschwinden der Handschrift. Aber vermutlich wird es wohl so kommen…

Mencken
Mencken
1. Dezember, 2021 10:28
Reply to  Matts

Glaube ich eher nicht. Schreibschrift und die Füllhalterindustrie boomen wie seit mind. 30 Jahren nicht mehr, es gibt mittlerweile diverse Studien die zeigen, dass handschriftliche Mitschriften und handschriftliche Arbeiten die Merk- und Konzentrationsfähigkeit deutlich erhöhen und dementsprechend eine Rückkehr zur Schreibschrift in vielen Ländern (bzw. zumindest entsprechende Forderungen von Experten), und auch generell zeichnet sich eine Abkehr vom rein digitalen Leben und Arbeiten meines Erachtens bereits deutlich ab.
Letzteres dürfte als Teil einer Abkehr vom Konsumerismus insgesamt auch bitter nötig sein, wenn man bei der Umwelt überhaupt noch was retten will.

Mencken
Mencken
1. Dezember, 2021 11:13
Reply to  Torsten Dewi

Es wird sicherlich weiter an Bedeutung verlieren, aber solange Handschrift in der Schule und Universität noch Verwendung findet, wird es weder ein "useless skill" werden, noch gänzlich bedeutungslos werden, da ja anders bei anderen Statussymbol durchaus ein Mehrwert gegeben ist.

Dietmar
1. Dezember, 2021 18:54
Reply to  Torsten Dewi

Meine Erfahrung aus dem Schulbetrieb: Alle brauchen Handschrift, weil man nie sofort digitale Geräte zur Hand hat, um unkompliziert etwas zu notieren. Dazu kommt, dass Schüler sich erschreckend schlecht mit Textverarbeitung auf dem Computer auskennen. Man weiß nicht, wie man Texte erstellt und speichert und wo. Das Thema in meiner Klasse ist gerade "Bewerbungen". Dafür sollten sie Bewerbungen nach Vorlage nachbauen. Ein Schüler schaffte es in einer Doppelstunde nur, das Wort "Bewerbung" auf das virtuelle Deckblatt zu setzen, nur ein Drittel wurde fertig, nur eine Schülerin hatte keine Mühe. Sie greifen alle, ausnahmslos alle, lieber zu Stift und Papier.

Schreibschrift können viele weder schreiben noch lesen. Ich schreibe beispielsweise das geschwungene Schreibschrift-S. Das konnte eine 6. Klasse heute nicht vom L und J unterscheiden. Der weit größte Teil der Schüler schreibt Druckbuchstaben, weil in der Grundschule weder auf "Schönschrift" noch auf Rechtschreibung Wert gelegt wird.

"Einem" oder "Einen" unterscheiden sie nicht mehr. In der 10.! Das ist hauptsächlich nur noch "ein". Vorgestern las ich bei der Tagesschau (!), dass die NASA eine Sonde ins All bringen würde, die auf einen (sic) Asteroiden einschlagen solle.

Der Genderwahn geht an den Schülern vorbei – sie können die Artikel sowieso nicht mehr zuordnen. Die deutschsprachigen, wohlgemerkt.

Heißt das jetzt alles, dass die Artikel schwinden oder sich angleichen und ihre Bedeutung verlieren? Nein. Genauso wenig, wie handschriftliches Schreiben verschwinden wird. Die vereinfachte Ausgangsschrift wird nach und nach schwinden, aber Handschrift an sich nicht.

Diese Entwicklung ist aber nicht gut! Sich handschriftlich mit etwas auseinander zu setzen, ist eine kulturelle wie intellektuelle Errungenschaft. Dazu kommt, dass silbenverbindendes Schreiben das Sprachverstehen und die Rechtschreibung fördert. Buchstaben stehen nicht als Bedeutungseinheit für sich, das wären Hieroglyphen und ähnliches, sondern immer in einem Verbund. Wenn man diesen handschriftlich bildet, versteht man dies und schreibt richtiger. Viele Probleme, die Schüler heute haben, liegen daran, dass die Grundschule bestimmte Grundfertigkeiten kaum noch vermittelt; sie auch nicht vermitteln kann, weil sie mit pseudopädagogischen Aufgaben überlastet ist, die Unterrichtszeit fressen.

Handschrift ist so wenig nicht notwendig, weil es Textverarbeitung gebe, wie rechnen, weil es Rechenprogramme gibt.

S-Man
S-Man
4. Dezember, 2021 16:15
Reply to  Dietmar

Ich sehe das ganz ähnlich. Nur, weil wir heute sehr viel digital kommunizieren, auch viel digital aufschreiben, heißt das nicht, dass man nicht Dinge handschriftlich festhalten wird. Ich selbst habe als Informatiker auf meinem Schreibtisch immer 2-3 Schreibblöcke zu liegen. Skizzen, schnelle Randnotizen, ein Gesprächsprotokoll, Tafelbilder, … all das wird nicht verschwinden und einer stupiden Tastatur weichen.

Gerade jetzt zu Zeiten von HomeOffice merke ich mehr denn je, dass ein gemeinsames, informelles Schriftstück oder die Diskussion an Tafel/Whiteboard massiv fehlt. Stattdessen versucht man, seine Gedanken mit Maus in einem Grafikmalprogramm stümperhaft darzulegen und das ist einfach immer richtig umständlich und großer Mist.

Wie jetzt schon, wird vieles digitaler gemacht, aber die Handschrift wird nicht völlig weggehen, weil sie ein Instrument ist, das man sehr oft benutzt, wenn etwas schnell und informell dargestellt werden muss.

Klar, werden Briefe, Postkarten oder sonstiges mit Handschrift verschwinden, nicht jedoch das Werkzeug an sich.