Genndy Tartakowsky ist eine Ausnahmeerscheinung, ein echter „auteur“ unter den Zeichentrick-Schöpfern im Stile von Ralph Bakshi und John Kricfalusi. Er ist der lebende Beweis, dass das amerikanische Kommerzfernsehen eben doch nicht alles auf Mainstream bürstet, sondern in seinen Randgebieten zu künstlerischen Höchstleistungen in der Lage ist, von denen wir in unserem anspruchsvollen und förderwilligen TV-Markt nicht mal träumen können.

Auch wenn er viel, viel mehr gemacht hat, ist Tartakowsky primär für zwei Serien bekannt. Da ist zuerst einmal die stilistisch mutige Sage von SAMURAI JACK:

Die Serie lief von 2001 bis 2004 und bekam 2017 eine fünfte Staffel spendiert.

Daneben/danach produzierte Tarkakowsky 25 nicht minder beeindruckende kurze Episoden STAR WARS: CLONE WARS – bis der Bärtige entschied, es doch lieber mit reiner CGI zu versuchen. Ein Fehler, wie ich finde:

Und nun ist Tartakowskys neuste Kreation on air – anscheinend ist er darauf so stolz, dass der offizielle Titel GENNDY TARTAKOWSKY’S PRIMAL lautet. Und boy oh boy, das sollte man durchaus ernst nehmen.

CONAN meets IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT.

Es ist brutal. Dramatisch. Herzzerreißend. Temporeich. Kraftvoll. Gnadenlos.

Und das alles ohne einen Dialog, ohne jedes gesprochene Wort.

PRIMAL ist die Geschichte des Urzeitmenschen „Spear“, der nach einer Tragödie durch eine Welt reist, die noch von Dinosauriern beherrscht wird – der Realismus liegt damit auf dem Niveau der Heavy Metal-Comics. Und kaum will ich diesen Fakt illustrieren, stoße ich im Internet auf ein Cover, das PRIMAL als Vorlage gedient haben könnte:

Alter Falter, das ist so sensationell packend erzählt, von so urwüchsiger Kraft durchdrungen und in seinem bluttriefenden Drama so erbarmungslos, dass man sich wie aus einer Schockstarre gerissen fühlt. PRIMAL macht keine Gefangenen.

Ich bin kein Freund animierter Serien, ob traditionell oder CGI. Ich bevorzuge „echte“ Menschen, an deren Mimik und Gestik ich andocken kann, für die ich echte Empathie entwickle. Aber PRIMAL konzentriert alle Empfindungen auf die „basics“ und dreht sie dann derart auf, dass man zwangsläufig in den Sog gerät. Spear ist nicht einfach ein Höhlenmensch – er ist unsere Blaupause. Er mag seine Gefühle nicht verstehen, sie nicht artikulieren können, aber er ist ganz Mensch. Am Anfang noch, aber ganz Mensch.

Hinzu kommt, dass PRIMAL in starken Farben, mit klaren Strichen und hoher Dynamik animiert ist – wenn ihr wissen wollt, was genau mir an den DCAU-Streifen nicht gefällt, die ich vor ein paar Tagen hier kritisiert habe: ihnen fehlt alles, was PRIMAL ausmacht.

Man kann natürlich argumentieren, dass Tartakowsky wieder mal die Einsamkeit des „freien Mannes“ thematisiert, Konflikte auf Gewalt herunter bricht und für Frauen in seinem Universum nur sehr begrenzt Platz ist. Aber ich halte das für ein sinnfreies Argument: Tartakowsky ist ein Mann, der Geschichten über und für Männer erzählt. Warum sollte das weniger legitim sein als eine Frau, die Bücher über Frauen und für Frauen schreibt? *hust*twilight*hust*

Als Showcase beim Fantasy Film Fest wäre das hier eine glatte 10 geworden.



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Timm NeanderthalerRudi Ratlos Recent comment authors
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Rudi Ratlos
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Erinnert von der Machart sehr an die beiden Shank-Spiele, so eine Art Flash-Animations-Stil. Mal gucken, bei welchem Streaming-Dienst das hierzulande landet, dann wird mal reingeschaut.

Timm Neanderthaler
Timm Neanderthaler

Ein Franzetta-Serial wie die perfekte Frau. Stumm, fettfrei, minimalste Kleidung, kommt schnell zur Sache, nach knüppelhartem Abgang sofort weg. Und zwei, drei Mal wird’s richtig feucht. Im Auge.