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Okt 2019

Serien: First Look (7) – TWO SENTENCE HORROR STORIES

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Vor mittlerweile auch schon fünfeinhalb Jahren (ich war jung – WIR waren jung!) habe ich einen Blogbeitrag über Horrorgeschichten gepostet, die maximal zwei Sätze lang, aber dennoch erstaunlich effektiv sind. Sachen wie:

  • In all meinen Jahren in diesem Haus, das kann ich schwören, habe ich mehr Türen geschlossen als geöffnet.
  • Ich schlafe niemals ein. Und doch wache ich immer wieder auf.
  • Meine Tochter schreit und weint die ganze Nacht. Ich besuche ihr Grab und bitte Sie, damit aufzuhören – erfolglos.

Es ist schon sehr schräg, dass der Sender CW (Home of the Arrowverse) daraus eine Horror-Anthologie gestrickt hat, die noch dazu quasi der Prolog der neuen TV-Saison wurde – sie lief im August und September quasi "außer Konkurrenz".

Aber wie macht man aus zwei Sätzen eine (immerhin nur) halbstündige Episode? Erzwingt das nicht einen absurde Strecking einer Pointe, die gerade deshalb funktioniert, weil sie so knapp gehalten ist?

Ja und nein.

TWO SENTENCE HORROR STORIES nennt die Inspirationen zwar, nutzt sie aber nur als Sprungbrett, um daraus eine "komplette" neue Fabel zu stricken, die teilweise auch von den Originalen abweicht, um ein geschlossenes Ende zu erzählen.  Damit streckt man die Minischocker nicht, sondern gibt ihnen Kontext – welchen Personen könnte so etwas passieren und in welchem Umfeld? Was führt zu einer solchen Pointe, was kommt danach? Das entpuppt sich als erheblich effektiver, als ich gedacht hätte.

Die Freiheit der Autoren führt zu einer großen Bandbreite in Sachen Genre, es gibt Stalker-Geschichten ebenso wie klassischen Geister-Grusel und Pseudo-Found Footage. Es fällt auf, dass die Produzenten massiv auf Diversität geachtet haben, was die Verteilung von Geschlechtern, Ethnien und sexuellen Identitäten vor und hinter der Kamera angeht. TWO SENTENCE HORROR STORIES ist sehr "woke", aber nicht auf diese aggressiv dumme Art wie das neue CHARMED (das übrigens nach der schwachen ersten Staffel einen kompletten Reboot verpasst bekommen hat).

Klar wird hier nicht das große Rad gedreht – es gibt keine nennenswert bekannten Darsteller, keine großen Spezialeffekte und auch keine komplex gebaute Storyline. Aber in seinem Bemühen, den Zuschauer ehrlich zu gruseln, finde ich TSHS deutlich gelungener als die schrabbelige und permanent zwinkernde CREEPSHOW-Neuauflage.

Vielleicht am ehesten was für Leute, denen AMERICAN HORROR STORY zu komplex ist und die sich nicht für neun Staffeln verpflichten wollen.

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