Japan 2017. Regie: Shinichiro Ueda. Darsteller: Takayuki Hamatsu, Mao, Harumi Shuhama, Kazuaki Nagaya, Manabu Hosoi, Hiroshi Ichihara, Syuntaro Yamazaki, Shinichiro Osawa

Offizielle Synopsis: Es ist zum Verrücktwerden! Auch beim 42. Take gelingt es diesem schlechten Cast nicht, auch nur ansatzweise echte Todesangst zu spielen – dabei stehen ihre Figuren einer durchaus überzeugenden Zombieinvasion gegenüber. Kurz vor der Verzweiflung dann die Erlösung für den Regisseur: reale Untote beginnen sich durch die Filmcrew zu massakrieren. Sein Streifen ist gerettet, endlich steht seinen Darstellern die nackte Panik in den Augen. Er braucht nur noch die Kamera draufzuhalten – und Action!

SPOILERWARNUNG!

Kritik: Ich musste hier die Spoilerwarnung reinsetzen. Meine Reviews sind eigentlich nie spoilerfrei, aber um „One Cut of the Dead“ richtig zu beschreiben, muss man eigentlich auch seine größten Pointen vorwegnehmen. Ich glaube aber, dass ihn das nicht weniger unterhaltsam macht.

Eine kleine Filmcrew dreht einen Horrorfilm. Die begleitende Doku-Crew dreht sie dabei, während eine echte Zombieapokalypse ausbricht. Das wiederum ist alles nur Bestandteil eines Live-TV-Zombieevents zum Start eines neuen Horrorkanals, der wiederum von einer Behind the Scenes-Crew mitgefilmt wird.

Es sind vier, vier verfickte Erzählebenen, die „One Cut of the Dead“ allerdings nicht parallel, sondern wie eine Zwiebel von innen nach außen erzählt. So beginnt der Film mit einem ca. 30minütigen Zombie-Spektakel, das komplett in einem Take erzählt wird – was naturgemäß angesichts der beschränkten Mittel der Produktion Anschlussfehler, Stottereien und unbeholfenes Kameragefuchtel beinhaltet. Nachspann. Wir sehen – erzählt als Spielfilm -, wie das Live-Spektakel von den Senderverantwortlichen einen Monat vorher geplant wird. Selbstverständlich geht alles schief und als diese Erzählebene zum Live-Take aufschließt, verstehen wir, dass die Mängel des Zombie-Streifens mitnichten filmischer Inkompetenz zu verdanken sind – es ist das Chaos hinter der Kamera, das fortwährend den One Take torpediert und natürlich ebenfalls genüsslich mitgefilmt wird.

Ich kann gut verstehen, wenn ihr mittlerweile aus dem Review ausgestiegen seid. Die Konstruktion von „One Cut of the Dead“ zu verstehen, ist ohne Sichtung des Films fast unmöglich. Es ist ein Film im Film im Film im Film. Und hier liegt seine größte Stärke: weil er das nicht parallelisiert, sondern seriell erzählt, herrscht zwar am Set Chaos, aber nicht in der dramaturgischen Struktur. Die Leistung, die hier organisatorisch von den Machern vollbracht wird, ist kaum genug zu loben. Eine derartige Verzahnung von Meta-Ebenen habe ich zuletzt bei „Schneeflöckchen“ gesehen.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Film in alledem hochgradig witzig ist und mehrere quotables mitbringt, die in die FFF-Geschichte eingehen könnten („pom!“ – „I am fast, cheap, but always average“). Hier stecken mehr Lacher drin als im Blu-Ray-Boxset von „RTL Samstag Nacht“ – und das ist 93 Stunden lang.

Kurzum: „One Cut of the Dead“ ist einzigartig, der erste wirklich frische Beitrag zum Thema Zombies (wenn auch nur auf formeller, nicht auf inhaltlicher Ebene), den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Wer sich manchmal fragt, warum er sich das FFF noch antut – wegen solcher Überraschungen.

Fazit: Wahnwitziges Kinokonstrukt, das Low Budget-Horror ist und gleichzeitig demontiert und dessen anfängliche Inkompetenzen auf die total falsche Spur führen. Schon des Kuriositätenwertes wegen leicht überhöhte 9 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

Ich habe Tränen gelacht, hat meiner Ansicht nach das Zeug zum Kultfilm.



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Großartiger Film, absolutes Highlight des diesjährigen FFF – haben gestern in Frankfurt lachend auf dem Boden gelegen!