Hong Kong 2018. Regie: Wilson Yip. Darsteller: Louis Koo, Tony Jaa, Wu Yue, Lam Ka Tung

Offizielle Synopsis: Im Thailandurlaub verschwindet die junge Chi spurlos. Ihr Vater, Hongkongs härtester Cop Inspector Lee, macht sich in der mittelgroßen Stadt Pattaya mit verzweifelter Entschlossenheit auf die Suche nach ihr. Auf die korrupten Kollegen vor Ort kann er sich nicht verlassen – auf seine Kampfkünste schon eher. Das passt seinem Kollegen Chui Kit nicht, der ganz eigene Probleme hat…

Kritik: „Paradox“ (ein Titel, der sich mir nicht erschließt) macht soviel richtig, dass man erst ein paar Stunden hinterher die Frage stellt, warum er auch soviel falsch macht. Eine ziemlich edle Blendgranate, deren Defizite allerdings nichts von seinem Unterhaltswert subtrahieren. Wer Donnie Yen, Tony Jaa und Scott Adkins für „hot shit“ hält, der kriegt hier genau die Sorte Klopper, die er sucht.

Aber…

Man merkt schon deutlich, dass Louis Koo zwar nicht minder dynamisch in Szene gesetzt wird als Yue Wu, Koo aber weniger Expertise in Martial Arts besitzt – Action-Choreograph Sammo Hung (!) muss da deutlich näher ran mit der Kamera und deutlich mehr schneiden. Es zeigt schön, wie sehr man in der Editing-Suite so ziemlich jeden Schauspieler zum neuen Jackie Chan schnipseln kann.

Ein totales Mysterium ist Tony Jaa – die thailändische Martial Arts-Legende wird in einer völlig depperten Nebenrolle eingeführt (er hat mystische Visionen!) und darf dann nach einem Fight-Showcase gleich den Asphalt küssen. Ich verstehe ja, dass man ihn der Vermarktung zuliebe unbedingt im Film haben wollte – aber hätte man das nicht einen Tacken weniger arschig machen können?

Und dann ist da noch die Tatsache, dass wir hier zwei ermittelnde Polizisten haben, die nichts ermitteln, was wir nicht schon wissen. Das Skript macht den massiven Fehler, den Zuschauer von Anfang an in jeden Verrat und jede Korruption einzuweihen, statt sie uns mit den Helden aufdecken zu lassen. Das nimmt zumindest auf der Story-Ebene jede Spannung raus und die Action muss die Hauptlast tragen. Was sie kann.

Was aber massiv positiv auffällt (beim Hongkong-Kino mit seinem Hang zum Melodrama nicht so unüblich wie bei den Amis): Man müht sich, die Helden menschlich zu zeichnen, als verzweifelte Väter und Ehemänner, die über sich hinauswachsen, um jene zu schützen, die sie lieben. Genau genommen ist das sogar der rote Faden des Films: ALLE Beteiligten (inklusive der Bösewichte) sind nicht einfach Pflichterfüller, sondern aufrecht von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt.

An Ende vergehen die 101 Minuten dank der flott getakteten Verfolgungsjagden und Kampfszenen wie im Flug und das Ende ist auch von der Sorte, die man in Hollywood mit der Notiz „hast du sie noch alle? Umschreiben!“ an den Autor zurückgeschickt hätte. Das meine ich positiv.

Fazit: Sehr dynamischer und attraktiv gefilmter Actionthriller, der mit erheblich zu offenen Karten spielt, aber dafür mehr als üblich die emotionale Befindlichkeit der Helden bedient. 7 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint dazu:

Philipps zweite Meinung:

„Toll choreographierte Kämpfe und eine durchaus spannend erzählte Handlung.“

 



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Mattsmilan8888 Recent comment authors
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milan8888

Die Tochter heißt also Chi Lee?

Matts
Matts

Ich stimme dem Review zu. Ein spannender, kompromißloser Actionfilm, der über die ganze Länge gut unterhalten hat. Dass bei Louis Koo´s Kampfszenen mehr getrickst werden musste, ist mir auch etwas unangenehm aufgefallen. Aber in seiner Rolle war zugegebenerweise die Schauspielerei wichtiger als die Klopperei.
Ich hab mich auch gefreut, Vithaya Pansringarm aus „Only God Forgives“ hier wiederzusehen, wenn auch nur in einer kleineren Rolle.