No Escape

USA 2015. Regie: John Erick Dowdle. Darsteller: Owen Wilson, Pierce Brosnan, Lake Bell, Sterling Jerins u.a.

Offizielle Synopsis: Jack Dwyer will mit seiner Frau Annie und seinen beiden Töchtern ein neues Leben anfangen. Den Karriereneustart will er in Südostasien schaffen, wo er den Briten Hammond kennenlernt. Kurz nach ihrer Ankunft bricht aber ein gewalttätiger Regierungsputsch aus, und die Dwyers geraten zwischen die Fronten. Sehr schnell geht es für alle Beteiligten ums nackte Überleben.

On the fourth day of Brosnan, my true love came to me…

Kritik: Owen Wilson ist ein Schauspieler, der viele Jahre lukrativ den immer gleichen nuschelnden Schluffi gespielt hat. Damit ist er in romantischen Komödien und lockerer Actionware ganz gut gelitten. Aber wie Vince Vaughn hat er die Schiene tot gefahren und muss sich neu erfinden. Also spielt er in „No escape“ einen unter Druck stehenden Familienvater, dessen beruflicher Neuanfang in Südostasien dank einer „Volksrevolution“ mitten im Massaker stattfindet.

Das Actiondrama bietet ausreichend hysterische Momente, um Wilson mit vollem Körpereinsatz in Hollywoods Gedächtnis zurück zu rufen. Leider ist der Film ohne größeres Aufsehen in die Kinos rein und wieder raus – auf sein wirkliches Comeback-Vehikel wird der blondschopfige Mime mit der verwachsenen Nase also noch warten müssen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass „No Escape“ für sich genommen ein absoluter Rocker ist, der nach einem gemächlichen, aber subkutan unruhigen Einstieg zu einer rasanten Dauer-Verfolgungsjagd in exotischer Kulisse mutiert. Was hier an Ballereien, Metzeleien und atemloser Panik aufgeboten wird, er erinnert teilweise an Videospiele. In der kollabierenden, mit unzähligen und unzählbaren bewaffneten Gegnern bevölkerten Welt muss es die kleine Familie zur Grenze schaffen – dem nächsten Level.

Das ist vom Dowdle-Duo, bisher eher für preiswerte Horrorfilme bekannt, sehr dynamisch inszeniert und immer so knapp auf Kante, dass wir durchaus 100 Minuten lang fürchten, unsere Hauptfiguren würden draufgehen. Einige Sequenzen (z.B. auf dem Hausdach) könnten als Musterbeispiele für Hochspannung und Dramatik in die Lehrbücher aufgenommen werden.

Tatsächlich ist Owen Wilson das große Plus des Films. Den soften, verunsicherten Familienvater nimmt man ihm ebenso ab wie den unfassbar fokussierten, nur auf das Überleben seiner Familie konzentrierten Kämpfer. Auch wenn man manchmal nicht glauben möchte, zu was er alles in der Lage ist – wir können es glauben, weil Wilson den Einsatz und die Leidenschaft glaubwürdig transportiert.

Natürlich sind das viele leere Kalorien – der unterliegende Konflikt der Revolution wird nur angedeutet und die Revolutionäre sind fast schon rassistisch gesichtslose Massen im Stil der „Schlitzaugen“ früher Hollywood-Produktionen. Das sind keine Figuren, das sind einfach Hindernisse für unsere sauberen amerikanischen Helden, deren familiärer Zusammenhalt vermutlich nicht mal mit einer Atombombe zu sprengen wäre.

Aber so funktioniert Kino nun mal: Wenn es einen perfekt packt, darf es auch mal einfach konstruiert und nach dem gebellten Kommando „1, 2, 3… go!!!“ gehen. „No Escape“ ist gleichzeitig bierernst und völlig absurd, ein Touristen-Alptraum und ein Polit-Thriller light im Stil von „Ein Jahr in der Hölle“. Er nimmt den Zuschauer an die Hand und mit ins Chaos, ohne dabei selbst jemals die Übersicht zu verlieren. Da gibt es keine Patzer, keine Haken, keine Aussetzer. Sogar die sorgfältig eingesetzten CGI- und Greenscreen-Effekte sind makellos.

Ich hab’s jetzt schon mehrfach gesagt, aber: das hier hätte Kino verdient. WIR hätten den im Kino verdient. Da hätte er nämlich noch besser gewirkt.

Der Brosnan-Faktor: Nebenrolle, aber schmackig. Als jovial-schmieriger Lebemann mit zwei Gesichtern hat Brosnan sichtlich Spaß am wenig kontrollierten Geschehen und tauscht die Maßanzüge gegen das Hawaii-Hemd.

Fazit: Ein bunter, brutaler, exotischer, rasanter und packender Action-Thrillride, der in den 80ern mit Harrison Ford und Kathleen Turner verfilmt worden wäre, dazu Roy Scheider im Part von Pierce Brosnan. Absoluter Geheimtipp!



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Jake
Jake

Liest sich interessant, den setze ich mal auf meine Liste. Danke für den Tipp.

P.S.:

Luke Wilson ist ein Schauspieler, der viele Jahre lukrativ den immer gleichen nuschelnden Schluffi gespielt hat.

Tatsächlich ist Luke Wilson das große Plus des Films.

Chris Schulze

Der Film lief vor einigen Wochen im ZDF Montagskino. Ich fand ihn auch extrem spannend.

Spoiler
Interessant, dass die Familie sich am Ende ausgerechnet nach Vietnam retten kann. Anscheind hat Amerika sein Vietnamtrauma mittlerweile verarbeitet.

Luke
Luke

Mein Bruder Owen hat die Hauptrolle gespielt, nicht ich.

Dietmar

Cool, danke!

Dirk
Dirk

Bei Brosnan hättest du aber statt diesem hier besser noch The November Man mit rein genommen, Mehr Brosnan, harte Rolle, nicht so weit weg von Bond aber doch anders. In jedem Fall ein guter Film.