Es ist  mal wieder Zeit für ein Diät-Update. Ich habe jetzt knapp vier Wochen mein Intervall-Fasten hardcore durchgehalten: Jeder zweite Tag fällt in Sachen Speis & Trank flach, es wird nur Wasser getrunken. Und es ist hart. Gestern Abend war mir regelrecht flau vom Hunger und erstmals hatte ich auch leichten Schwindel, als ich aufstand.

Das war aber zu erwarten. Je mehr ich meinen Körper in die Knie zwinge, desto weniger hat er, wovon er ersatzweise zehren kann. Mein Körper wehrt sich, er will nicht hungern. Das kann man nicht ändern, das kann man nur konsequent ignorieren – und sich auf den nächsten Morgen freuen, wenn ein leckeres Frühstück winkt.

Tatsächlich sprechen die Ergebnisse für sich, auch wenn ich mich erst in einer Woche wieder auf die Waage stellen werde, wenn der erste Fastenmonat rum ist. Mehrere Leute haben mich bereits darauf angesprochen, dass ich sichtlich abgenommen habe und dass es mir „gut steht“. Die Hose, die ich Anfang letzten Jahres als „eng“ gekauft habe, ist mir nun eigentlich schon wieder zu weit. Ein Poloshirt, dass ich wegen Presswurst-Passproblemen wegwerfen wollte, fällt jetzt locker. Das nächste Gürtelloch ist geschafft.

Generell spannend ist natürlich das persönliche Empfinden des eigenen Gewichts, ich kann mich gut erinnern, als ich vor 15-18 Jahren erstmals die 80 Kilo überstieg und bei 88 dachte: „Boah, ist das eklig fett!“. Ich habe damit wirklich gehadert. Jetzt bin ich auf dem Weg runter nach 88 und würde das als „schlank und ansehnlich“ deklarieren. Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an.

Und abgesehen vom Hunger an den Hungertagen geht es mir gut.

Man sollte auch nicht unterschätzen, dass ich mit der Fastenzeit nicht nur meine Kalorienzufuhr halbiert habe. Auch mein Zuckerkonsum, Koffein und sonstige Zivilisationslaster sind um 50 Prozent runter. Ich hoffe, meine Körperchemie auf diesem Wege generell wieder in eine etwas gesündere Balance zu bringen.

Da ich an den Esstagen gewöhnlich unter den 100 Prozent Kalorienbedarf bleibe, habe ich meine Aufnahme sogar genau genommen noch deutlicher reduziert. Ich würde schätzen, dass ich noch vor einem Monat ca. 120 Prozent meines Tagesbedarfs gegessen und getrunken habe. Momentan liege ich laut Ernährungstabelle hochgerechnet bei durchschnittlich 45 Prozent.

Natürlich bleibt das nicht ohne Folgen für das Wohlbefinden: An den Fastentagen bin ich sediert bis mies gelaunt, an den Essenstagen deutlich entspannter. Generell habe ich das Gefühl, die Reduktion von Zucker und Fett machen mich alerter, aber auch ruhiger.

Ich habe mittlerweile angefangen, mir selber auch Belohnungen zu gönnen. So sind die Schoko & Keks-Riegel von ALDI einzeln portioniert und mit 172 Kalorien pro Riegel an manchem Tag locker drin. Auch in Sachen Fastfood gibt es Vertretbarkeiten: So sind ausgerechnet Chicken McNuggets keine Kalorienbomben. 9 Stück haben 402 Kalorien – 100 weniger als ein Big Mac. Eine 6er-Packung ist dabei an vielen Tagen zu rechtfertigen, ohne die gewählte Grenze zu sprengen. Man schafft sich Freiräume.

Es gibt Ausreißer, natürlich. Bei den Fantasy Filmfest Nights habe ich einen Tag komplett gefastet, am zweiten Tag dafür beim sensationellen Frühstücksbuffet voll reingehauen:

Damit hatte ich über 60 Prozent meines Tagesbedarfs schon intus. An sich kein Problem: In Kino-Nähe wartete ein McDonald’s, um mich den Rest des Tages mit Coke Zero und McNuggets über Wasser, aber unter der Grenze zu halten.

Nur war das McDonald’s nach dem ersten Abendfilm bereits geschlossen. Einzige greifbare Alternative: eine Currywurst-Bude. Ich gebe zu, ich HÄTTE mir das verkneifen können – aber ich wollte nicht. Es war ja die letzte Mahlzeit vor dem nächsten Fastentag. Also Currywurst mit Süßkartoffel-Pommes. Ein Fehler:

Über 860 Kalorien. Damit sprengte ich erstmals das Tageslimit auf über 100 Prozent. Das soll SO nicht noch mal passieren.

Natürlich denke ich immer wieder darüber nach, das Fastensystem zu optimieren, um es nicht ganz so quälend zu machen. Eine Variante wäre, zumindest das ganze Wochenende lang normal zu essen. Da bin ich ja mit der LvA zusammen und möchte nicht permanent Verzicht üben. Ein weiterer Vorteil: Ich könnte festgelegt Montag, Mittwoch und Freitag fasten. Ein klareres Schema auf jeden Fall.

Eine weitere Variante: An den Fastentagen mittags IRGENDWAS essen, was das Hungergefühl ein wenig bremst, z.B. eine festgelegte Menge Haferbrei oder Quark.

Aber das kommt für mich erst in Frage, wenn das Etappenziel 90 Kilo geschafft ist. Bis dahin gibt es keine Gnade. No retreat, no surrender.

Nichtsdestotrotz werde ich am nächsten Wochenende, wenn der erste Monat voll ist, das erste Mal einen Fastentag ausfallen lassen. Aus Gründen.



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LöwenohrWortvogelDietmarMarkoPeroy Recent comment authors
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Marko

Ich versuche mich grad an der 16/8-Methode. Der beste Effekt ist für mich bisher, dass ich durch das „Eindampfen“ auf acht Stunden Esszeit pro Tag automatisch eine Mahlzeit auslasse. Ich hab mein Zeitfenster auf 14 bis 22 Uhr gelegt und lasse dadurch täglich das Frühstück aus. Wobei ich schon zugeben muss, dass mir mittags ordentlich der Bauch durchhängt…

Ob mir das Teilzeitfasten an sich was bringt kann ich nicht beurteilen. Mein Abnehmerfolg zur Zeit ist wohl eher, wie gesagt, der eingeschränkten Kalorienzufuhr zuzuschreiben. Aber hey, Hauptsache, es funktioniert.

Stefan
Stefan

Dass das so ein Thema für manche ist.

Bei mir ist es so, dass ich nicht sehr auf mein Gewicht achte, und eine Waage besitze ich erst gar nicht. Ich bemerke Gewichtsveränderungen vorwiegend an Kleidungsstücken, die vor einem halben Jahr noch besser gepasst haben.

Und das Problem ist dabei nicht, dass mir die Hosen zu eng werden, im Gegenteil. Meistens sind sie mir im nächsten Sommer zu weit. Essen ist eine Sache, die ich einfach vergessen kann. Mir fehlt dann nichts, auch nicht am nächsten Tag und auch nicht am übernächsten. Und so etwas wie „Hunger“ kenne ich nur vom Hörensagen. Ich wäre meistens schon froh, wenn ich Appetit hätte.

Manchmal esse ich nur etwas, weil mir einfällt, dass ich das letzte Mal vor drei Tagen etwas gegessen habe. Vor „Geschäftsessen“ habe ich tierischen Horror, weil man da nicht entkommen kann. Essen ist für mich eher ein Zwang. Meistens tue ich es halt einfach, wie man ja auch atmet, ohne sich großartig etwas dabei zu denken. Genuss ist da nur ganz selten im Spiel, Routine sehr oft und Ekel manchmal.

Diese Diätberichte kommen mir deshalb immer ein wenig vor wie vom anderen Stern. Diese Problematisierung des Essens, und die Dramatik, die sich daraus ergibt. Ich würd halt einfach eine Woche lang nix essen und dazu nur kalorienfreie Getränke trinken und fertig.

Kleiner Tipp: Die Variante mit „An den Fastentagen mittags IRGENDWAS essen, was das Hungergefühl ein wenig bremst, z.B. eine festgelegte Menge Haferbrei oder Quark“ halte ich für kontraproduktiv. Man kann nämlich sehr gut über eine längere Zeit gar nicht merken, dass man „zu wenig“ gegessen hat. Aber man merkt es spätestens dann, wenn man anfängt zu essen. Die Oma sagte zu diesem Phänomen: „Mit dem Essen kommt der Appetit“.

Marko

Dir ist schon klar, dass Du das arg subjektiv siehst? Für die meisten Menschen ist Essen ein Genuß, und daher sind sie auch anfällig für alles leckere. Daher ist das „so ein Thema“ nicht nur für manche, sondern für die meisten.

Stefan
Stefan

Ja, natürlich bin ich mir über die Subjektivität im Klaren. Siehe auch unten die Antwort an den Wortvogel.

Ich wollte nur herausstellen, dass man die Problematik bei anderer Veranlagung auch völlig anders wahrnehmen kann.

Und natürlich habe auch ich irgendwo eine „Essstörung“. Es gäbe bestimmt den einen oder anderen Arzt, der sie für behandlungsbedürftig hielte. Nur stört sie mich persönlich nicht, darauf wollte ich hinaus.

Markus

„Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an.“ Stimmt. Der Dünne der Blues Brothers ist der Dicke der Ghostbusters.

Dietmar

😀

Howie Munson
Howie Munson

. Gestern Abend war mir regelrecht flau vom Hunger und erstmals hatte ich auch leichten Schwindel, als ich aufstand.

Das war aber zu erwarten.

Ne, sollte das öfter vorkommen klingt das nach Arztbesuch. BTW: bist du im April nochmal gelaufen?