Ich komme momentan kaum dazu, mir neue Sachen anzuschauen – und wenn ich dazu komme, habe ich keine Zeit, drüber zu schreiben. Darum an dieser Stelle mal ein paar sehr kurze Kurzkritiken von Serien und Filmen, die ich in den letzten Wochen einschieben konnte. Mögliche Spoiler voraus!

Ich bin etwas baff – der Lego-Flash-Film, der zur Direktauswertung produziert wurde, hat mir deutlich besser gefallen als der Batman-Block-Blockbuster. Das mag daran liegen, dass die Laufzeit kürzer ist, dass die Gags besser sitzen und dass es einfach ein nachvollziehbares Thema gibt – mit großer Kraft kommt nicht nur große Verantwortung für den Helden, sondern auch für sein Umfeld, das mit den Nebenwirkungen umgehen lernen muss. Der Voice-Cast ist durchweg zweite Liga, macht seinen Job aber keinen Deut schlechter als die Promi-Besetzung der Lego-Kinofilme. Ein Heidenspaß.

Eine bizarre Mischung aus Futurama und Dark Star – existentialistische Brutalo-SF gepaart mit launigem Cartoon-Quatsch. „Final Space“ setzt sich derart zwischen alle Stühle, dass man auch nach der dritten Folge nicht weiß, wohin hier letztlich die Reise gehen soll. Ich bin überzeugt, dass andere Leute bereits die „Kult!“-Fähnchen schwenken. Meine Begeisterung hält sich noch in Grenzen, aber das Ganze ist hervorragend animiert und eine perverse Neugier reizt mich, weiter dran zu bleiben.

Über „Man from Earth“ habe ich vor unfassbaren neun Jahren an dieser Stelle geschrieben. Der war ein perfektes Beispiel für Science Fiction als preiswertes Kammerspiel, bei dem das Konzept über die Knalleffekte geht. Nun gibt es eine Fortsetzung, die erfreulich viele der originalen Beteiligten wieder zusammen bringt und einige neue Darsteller von der Resterampe des Genres dazu gruppiert. Die gute Nachricht: Es ist tatsächlich eine direkte Fortsetzung des ersten Films, die sich bemüht, die dort etablierten Themen aufzugreifen und weiterzuspinnen. Die schlechte Nachricht: Ohne das schriftstellerische Talent des verstorbenen Jerome Bixby gerät „Holocene“ schnell zu einer fußlahmen, geschwätzigen und brutal uninteressanten Geduldsprobe, die noch dazu nie über den Look einer mäßigen Soap hinaus kommt. Obwohl der Film gratis vertrieben wird, ist er zu teuer – weil er Zeit kostet.

Bei dem Titel „The Joel McHale Show with Joel McHale“ dachte ich zuerst, Netflix würde dem ehemaligen Moderator von „The Soup“ und Hauptdarsteller von „Community“ eine Art Late Night Show gönnen. Weit gefehlt – es ist schlicht eine Neuauflage der 2015 eingestellten Sendung „The Soup“, die McHale auch konsequent mit den Worten beginnt „Okay, wo waren wir stehengeblieben?“. Einerseits freut mich das als alter „Soup“-Fan, andererseits spürt man schon eine gewisse Konzeptmüdigkeit. Egal, die 20 Minuten schaut man zwischendurch locker weg.

Man hört ja allenthalben, dass die Stargate-Franchise in ihrer ursprünglichen Emmerich/Devlin-Version wiederbelebt werden soll – was mich null schert, weil ich Stargate immer schon albern fand. Die Webserie „Stargate Origins“ soll wohl so eine Art Prequel zum nächsten Kinofilm sein – und wenn das stimmt, haben sich die Macher einen massiven Bärendienst erwiesen. Das hier ist bestenfalls auf Fanfilm-Niveau produziert und primär in einer einzigen Halle gedreht. Wann immer man meint, es ginge nun endlich was los, ist die nächste zehnminütige Folge auch schon wieder rum. Einzig das Wiedersehen mit Connor Trinneer aus „Star Trek Enterprise“ ist ein Bonus.

Knight Squad. Fantasy. Spezialeffekte. Wollte ich reingucken. Konnte ich ahnen, dass es sich dabei um eine neue Nickelodeon-Sitcom für junge Teenager handelt, die komplett in Plastikkulissen spielt und mit billigsten Adhoc-Effekten um sich wirft? So eine Art Mischung aus „Hanna Montana“ und „Harry Potter“ unter der Mitwirkung von „Game of Thrones“? Selbst wenn man der heutigen Jugend eine gewisse Debilität unterstellt und angesichts des Senders kein großes Budget erwartet, ist „Knight Squad“ kruder, charmefreier Dummfug, der nicht mal der Zielgruppe gefallen dürfte.

Diese Doku habe ich im Flieger gesehen und sie hat eine Kaskade an Gefühlen ausgelöst. Ich kann Kim Dotcom WIRKLICH nicht leiden, halte ihn für einen babygesichtigen schmierigen Aufschneider, der mit Lügen und Cybercrime Millionen gemacht hat. Aber die Filmemacher stehen auf seiner Seite, zeigen ihn als waghalsigen Grenzgänger, der von Industrie und Politik ohne Rücksicht auf Verluste und Gesetze zur Strecke gebracht wird. Und tatsächlich gelingt es „Caught in the web“, die beteiligten Machtmenschen als nicht weniger korrupt und ekelhaft zu zeigen als den Kriminellen, gegen den sie vorgehen. Sicher nicht „fair and balanced“ und vieles vom Hintergrund bleibt unerzählt – trotzdem eine ganz spannende Geschichte, die hier ausgebreitet wird.



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Dietmar

Ich weiß, ich weiß, das gibt Schelte. Drauf gepfiffen: Der Emmerich-Stargate-Film hat für immer einen kleinen, netten Platz in meinem durch und durch verdorbenen Herzen. Kann ich nichts dran machen. Ist wie mit „The Rock“.

Vielleicht sollte man nicht alle begründen können.

Peroy
Peroy

Das ist nicht wie mit „The Rock“, weil „The Rock“ ein guter Film ist…

Dietmar

Schelte ist Schelte.