Kanada 2017. Regie: Leo Scherman. Darsteller: Rossif Sutherland, Rob Archer, Charlie Carrick, Robert Stadlober, Ted Atherton, Shaun Benson

Offizielle Synopsis: Im November 1918 ist der Erste Weltkrieg für Deutschland so gut wie verloren, und der Sieg für die alliierten Verbündeten nach vier Jahren Gemetzel zum Greifen nah. Als der britische Geheimdienst von einer hochansteckenden biologischen Waffe erfährt, die den Krieg für Deutschland in letzter Sekunde wenden könnte, sendet er sofort ein Einsatzkommando hinter die feindliche Linie. Der Stoßtrupp macht sich auf die Suche nach einer geheimen Bunkeranlage, tief unter den deutschen Schützengräben. Unten angekommen stellt die Vorhut allerdings bald entsetzt fest, dass Deutschland über seine Wunderwaffe längst die Kontrolle verloren hat. In der Dunkelheit des weit verzweigten Tunnelsystems muss die Gruppe ihre Haut gegen eine Horde äußerst ungesund aussehender Gegner verteidigen. Auch die eilig anberaumte Autopsie einer Leiche führt zu beunruhigenden Ergebnissen.

Kritik: Der Krieg/Horror-Hybrid war vor ca. 10, 15 Jahren mal wirklich angesagt: The Bunker, SS Doom Trooper, Dead Snow, etc. Ich selber wollte mich ja auch mal in dem Genre versuchen. Mittlerweile ist die Begeisterung für Nazis mit Vampirzähnen und Geister in Ubooten merklich abgeflaut – „Trench 11“ ist ein Nachzügler, der sehr offensichtlich mit begrenzten Mitteln arbeitet: Der Film spielt fast ausschließlich in einer unterirdischen Tunnelanlage mit austauschbaren hölzernen Gängen, Gegner sind ein paar typische „rage zombies“ und natürlich die Deutschen, die in diesem Fall auch 1918 schon wie Nazis agieren.

Nun bin ich ja grundsätzlich ein Fan solcher Film, aber „Trench 11“ ist einfach zu billig, zu einfallslos, zu blah inszeniert. Abgesehen vom Setup (Team stößt in verlassener Forschungsanlage auf hinterlassene Horrorwesen), das wir ja in dieser und anderer Form dutzendfach gesehen haben, scheint Leo Scherman (seines Zeichens Reality TV-Regisseur) keine Ahnung zu haben, wie man Spannung baut oder die Story voran treibt. Mit dem Betreten der Tunnelanlage, für deren Aufbau wir nie ein Gefühl bekommen, geht dem Film jede Vorwärtsbewegung verloren. Es gibt ein paar lustlos inszenierte Attacken austauschbarer Soldaten-Zombies, den Rest der Laufzeit unterhält man sich untereinander oder mit den noch vorhandenen Deutschen, die ebenfalls nicht krepieren möchten. Der Held überlebt, der Rest wird im Minutentakt gemeuchelt.

Das ist nicht nur erschütternd banal, sondern auch erschütternd atmosphärefrei und blass. Weder die Klaustrophobie der Anlage noch das Ausgeliefertsein an praktisch unbesiegbare Gegner kommt rüber, die gleiche Menge Spannung kann man auch mit einem Handy-Video aus einem Bunker-Museum erzeugen. Die Charaktere sind Abziehbilder und die Dialoge teilweise schmerzhaft aus dem Klischeekoffer gewühlt.

Ich würde auch die Authentizität der Produktion in Frage stellen. Ich habe nicht die Zeit, das zu recherchieren, aber den Großteil der Waffen und Ausrüstungsgegenstände hat es mit ziemlicher Sicherheit zu Kaisers Zeiten nicht oder so nicht gegeben. Soldaten, die mit Klebesteifen Taschenlampen an Schrotflinten fixieren? Deutsches Bier in verkorkten Flaschen? Da würde jedem Historiker vermutlich der Kopf platzen.

Einziger Lichtblick: Robert Stadlober, der wahrlich mehr kann und vermutlich wegen deutscher Beteiligung am Budget gecastet wurde. Er ist sich schmerzhaft bewusst, in was für einer lahmen Gurke er gelandet ist und spielt den deutschen Giftgas-Entwickler mit dem Spitznamen „Der Prophet“ als Mischung aus Hans Landa und Dr. Evil. Wenn schon, denn schon.

Als deutscher Zuschauer kann man sich wenigstens an den unterschiedlich erfolgreichen Versuchen der Darsteller erfreuen, phonetisch deutsch zu sprechen.

Fazit: Ein bestenfalls auf semi-professionellem Niveau dahin plätschernder Groschengrusler, in dem langweilige Menschen durch austauschbare Gänge mit infizierten Soldaten stapfen, bis alle tot sind. Stadlober hat sichtlich mehr Spaß als die Zuschauer. 2 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Das Deutsch ist unfreiwillig komisch, ansonsten ein eher öder Film, der wenig überzeugt und beim Zeitkolorit übel versagt.“

Kein Trailer vorhanden.

Next up: Land of the little people



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marcDMJMarkus Recent comment authors
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Markus

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DMJ

Robert Stadlober? Von dem habe ich schon lange nichts mehr gehört oder gesehen. Der weckt nun doch zumindest mein Interesse.
Mochte ihn früher und hier klingt er ja doch zumindest kurios.

marc
marc

als ob Deutsche sich großartig anhören wenn die englisch reden…also bitte^^