USA 2017. Regie: Mickey Keating. Darsteller: Ashley Bell, James Landry Hébert, Mark Kassen, Angela Trimbur, Larry Fessenden, Sam Zimmerman

Offizielle Synopsis: „My children will inherit the earth!“, spuckt der berüchtigte Serienmörder Starkweather noch wahnhaft in die Kamera. Dann durchschmettern ihn die Blitze des elektrischen Stuhls. Das bildgewaltige, trippige Delirium erfüllt diese Prophezeiung, wenn sich Starkweathers Erben dem Blutrausch einer Vollmondnacht hingeben. Weniger episodisch als ineinander verkeilt schildert der Höllenritt die Eskapaden gleich mehrerer geisteskranker Killer.

Kritik: Jahaaa, wir ahnen schon – wenn die Inhaltsangabe im FFF-Programmheft derart ins Schwurbeln gerät, droht Avantgarde. Gewollte, nicht notwendigerweise gekonnte.

Und so ist es dann auch: Schwadronierende Darsteller, denen der Regisseur hauptsächlich „hau mal so richtig auf die Kacke“ mit auf den Weg gegeben hat, brüllen und gestikulieren, als müssten sie Szenen für ihr „demo reel“ abliefern, die Kamera filmt gerne mal um 90 Grad gekippt, extreme Nahaufnahmen und Farbfilter sorgen für eine drückende, desorientierende Atmosphäre, die dadurch gestützt wird, dass der Film in einer seltsamen Nirgendwo-Welt spielt, die LA in der Gegenwart sein soll, aber auch Las Vegas in den 60ern oder die Südstaaten in den 80ern referenziert. Die Intimität der Bilder scheint dabei aber nie einer künstlerischen Entscheidung, sondern immer einem Mangel an finanziellen Möglichkeiten geschuldet. So spielen viele Szenen schlicht vor schwarz, wenn keine Location gefunden oder ausreichend beleuchtet werden konnte.

Irgendwo in diesem aggressiv verwirrenden Szenenmix: Psychokiller verschiedener Couleur, die unschuldige Opfer, aber gerne auch sich gegenseitig mit Spaß und Detailfreude abmurksen. Es trifft niemanden, der uns schert.

Ich hätte es wissen können: Regisseur Keating habe ich angesichts seines letztjährigen „Carnage Park“ dergestalt beschrieben:

„…vertraut primär auf die Editing-Software und die Bibliothek mit den Soundeffekten. Was hier an Filtern, Schnitten und Audio-Nachbearbeitung aufgefahren wird, ist aufdringlich und reißerisch, der tatsächlichen Spannung und dem Stil der 70er-Thriller massiv abträglich.“

Das trifft alles auch auf „Psychopaths“ zu. Wenigstens war „Carnage Park“ in seiner Story noch relativ straight und mit einigen sehr guten Darstellern besetzt (einige der schwächeren findet man hier wieder im Cast). Man merkt, dass Keating mit „Psychopaths“ eine Weiterentwicklung versucht hat, sich inhaltlich stärker herausfordern wollte. Aber er ist an seinen letztlich doch sehr beschränkten Möglichkeiten gescheitert.

Fazit: Eine kruder Versuch, Serienkiller-Vignetten mit Hyperstyle zu einem Kultfilm hochzujazzen, der schon nach ein paar Minuten ermüdet, weil der laut schreiende und spuckende Kinokaiser keine Kleider anhat. 3 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Hier fehlt jegliche Person, die einen mitnehmen könnte. Darum funktioniert dieser Purge-Abklatsch überhaupt nicht.“

Next up: Trench 11

 



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Klingt dieses Jahr insgesamt nach einem eher schwachen Festival.

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