Yoga Hosers

yoga hosers posterUSA 2016. Regie: Kevin Smith. Darsteller: 
Lily-Rose Depp, Harley Quinn Smith, Johnny Depp, Vanessa Paradis, Haley Joel Osment, Genesis Rodriguez, Austin Buttler, Justin Long

Offizielle Synopsis: Die beiden Colleens haben nicht nur den gleichen Vornamen, sondern sind auch seit frühester Kindheit unzertrennliche Freundinnen. Inzwischen arbeiten Colleen C. und Colleen M. nach der Schule im Laden von Colleen C.‘s Vater – wenn sie den Shop nicht gerade zusperren, um im Hinterzimmer mit ihrer Band zu proben oder ihre Smartphones zu malträtieren. Ansonsten ist das Leben in der kanadischen Kleinstadt aber alles andere als aufregend für die Mädchen. Bis direkt unter ihren Füßen das pure Böse erwacht: Übellaunige, kniehohe Nazi-Bratwürste wollen ihnen und der ganzen Stadt an den Kragen (und ans Rektum). Mit Hilfe der vielfältigen Tricks ihres hoch verehrten Yoga-Gurus schlagen die Colleens zurück. Doch erst als der frankokanadische Kopfgeldjäger Guy Lapointe erscheint, wird die Provinz endgültig zum Schauplatz einer epischen Schlacht.

Kritik: Kevin Smiths Filme waren mal so richtig witzig – mittlerweile sind sie ein Witz. Das einstige Wunderkind der Independent-Comedy hat den Traum aufgegeben, große Hollywoodfilme zu drehen und produziert nun bierselige Klamotten für sein Stammpublikum. „Yoga Hosers“ geht, genau wie „Tusk“, auf einen beiläufig gemachten Witz in einem Podcast zurück. Mehr Substanz braucht es nicht – oder doch?

Das Setting ist „vintage Smith“ – ein kleiner Supermarkt, in dem diverse schräge Figuren auftauchen, um sich vom Personal abschätzig begutachten zu lassen. Diesmal nicht zynisch-amerikanisch wie in „Clerks“, sondern pubertär-neugierig, weil „Yoga Hosers“ als Bestandteil der geplanten Kanada-Trilogie in einer bizarren Comic-Version des nordischen Nachbarn der USA spielt. Jedes Klischee wird auf 11 gedreht, alles ist Hockey und Ahornsirup und als Akzent geht durch, wenn die Darsteller „aboot“ statt „about“ sagen.

Handlung hat’s auch nicht viel: Die beiden Colleens möchten auf eine Party, müssen aber arbeiten, die angehimmelten Jungs entpuppen sich als Satanisten, der Supermarkt ist auf dem Labor eines Nazi-Wissenschaftlers gebaut und am Ende wuseln überall Nazi-Bratwürste mit Sauerkraut-Füllung umher. Just a regular Friday night up north…

yoga hosers

Machen wir uns nichts vor: Die Idee zu „Yoga Hosers“ und die Rückkehr ins „Clerks“-Territorium sind lame, Kevin Smith nicht würdig – und die Kanada-Trilogie sowie ein totaler Schwachsinn. Alle Elternteile helfen mit, um die Töchter der befreundeten Paare Smith und Depp ins Rampenlicht zu schieben. Was an Story fehlt, wird mit Cameos und Running Gags aufgefüllt. Der Rest ist Fananbiederung.

Aber was soll ich sagen? Es funktioniert. Die niedrig gesetzte Messlatte wird nicht gerissen, die Laufzeit wird sehr flott rumgebracht und es gibt launige Gags am laufenden Band, die auch über die unsägliche Erneut-Präsenz von Johnny Depps schlechtem Witz „Guy Lapointe“ hinweg sehen lassen. Da macht es auch nichts, dass die digitalen „Bratzis“-Effekte bestenfalls C-Niveau haben und diverse Anspielungen auf „Clerks“ („I wasn’t even supposed to be here today!“) eher bemüht wirken.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist dabei Lily-Rose Depp, die in einer wenig herausfordernden Roller erstaunliche Starpower zeigt und mit ziemlicher Sicherheit ihren Weg machen wird – sei es als Model, Schauspielerin oder whatever. Das kommt davon, wenn man die Gene von Johnny Depp und Vanessa Paradis in die Wiege gelegt bekommt. Von Kevin Smiths Tochter kann man Vergleichbares nicht sagen.

Ist „Yoga Hosers“ ein toller Film? Nein. Er ist Smith lite, mehr Sitcom als Spielfilm, pubertär und dem eigenen Kult verpflichtet. Aber nach Eimern von Wandfarbe wie „Shelley“ und „Under the Shadow“ ist man verdammt froh, einfach mal launiges Entertainment ohne Durchhänger zu sehen. Und das kann Smith auch auf Autopilot.

gruenFazit: Eine Teengirl-Variante von „Clerks“ mit ausreichend debil-drolligen Ideen, um darüber hinweg zu täuschen, dass Kevin Smith Filme mittlerweile nur noch für (und mit) „friends & family“ dreht. Nach dem entsetzlichen „Tusk“ ist man für so eine Fingerübung dankbar – und wenn auch nichts sonst, schenkt uns „Yoga Hosers“ zumindest die Entdeckung von Lily-Rose Depp als nächste Keira Knightley. Mark my words.

Philipp meint: Unterhaltsam, ohne irgendwelchen Anspruch zu erheben. Kann man sich ohne Schmerzen ansehen. Das ist nicht toll, aber bei der Konkurrenz an diesem Tag tatsächlich schonmal etwas.



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