Cell

cell posterUSA 2016. Regie: Tod Williams. Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Isabelle Fuhrman, Clark Sarullo, Ethan Andrew Casto

Offizielle Synopsis: Comiczeichner Clay ist gerade am Boston Airport gelandet, um Ex-Frau und Sohn zu besuchen. Da kippen plötzlich alle am Flughafen um, die gerade ihr Handy am Ohr haben. Tja, und dann stehen sie wieder auf und laufen Amok. Die Smartphone-Zombies auf Speed attackieren und massakrieren jeden, der bisher unversehrt geblieben ist. Als ein Jet in die Gateway kracht, kann Clay sich in eine U-Bahn retten. Von dort sucht er gemeinsam mit Schaffner Tom einen Fluchtweg. Auf den Straßen herrscht Chaos. Und all das scheint von einem mysteriösen Funksignal auszugehen. Wie Freiwild gejagt, schlagen sich Tom, Clay und Nachbarin durch die winterkalten Wälder Neuenglands.

Kritik: In den 80ern war Stephen King mal eine relativ sichere Bank. Auch wenn einige der Filme billig produziert waren, versprachen sie doch immer relativ anspruchsvolles Horror-Entertainment in relativ anspruchsloser Zeit. In den 90ern machte sich der Meister den Namen mit unzähligen Sequels und TV-Produktionen weitgehend kaputt. So langsam scheint sich die „Marke King“ wieder etwas zu fangen, denn nun wird ja endlich die „Dark Tower“-Saga verfilmt. Und „Cell“ landete auch in den Kinos der Welt, mit Samuel L. Jackson und John Cusack gar nicht schlecht besetzt. Beide waren ja schon in der King-Adaption „1408“ zu sehen gewesen.

Doch leider, leider: „Cell“ ist ein erbärmlicher Totalausfall, gerade angesichts des involvierten Talents eine Frechheit und gehört selbst in King-DVD-Box-Sets bestenfalls auf die Bonus-Disk mit den Resten. Was hier als Kinofilm angepriesen wird, ist drittklassiger Zombieschrott, der nicht mal mit der Asylum-Serie „Z Nation“ mithalten kann.

Die Tatsache, dass es statt eines Virus ein Handy-Signal ist, das die Menschen zu Zombies macht, ist letztlich irrelevant. Es sind Zombies. Und eine größere Mythologie im Hintergrund wird zwar angedeutet, aber nie ausgespielt. Es sind Zombies. Der gesamte Vorwärtsdrang der Geschichte beruht auf der ausgelutschten Idee, dass Clay wissen will, ob sein Sohn noch lebt – die anderen Charaktere laufen nebenher. Das muss für 98 Minuten reichen. Es sind Zombies.

Cell

Nun sollte man meinen, dass für so ein Projekt ein bisschen Geld in die Hand genommen wird. Falsch gedacht. Die CGI von „Cell“ ist teilweise lachhaft schlecht, viel Action passiert off-screen, größere Mengen an Statisten müssen digital simuliert werden und Nachtaufnahmen sind erschütternd offensichtlich „day for night“ gedreht worden. Als Auftraggeber hätte ich den Endschnitt wegen formaler Mängel abgelehnt.

Es ist sehr offensichtlich, dass die Hauptdarsteller wissen, in was für einem Stinker sie gelandet sind. Samuel L. Jackson ist nicht mehr als anwesend – und John Cusack spielt Nicolas Cage mit miesem Kajal und wirrer Frisur. Das fällt fast schon unter Arbeitsverweigerung und ist nicht mal als „train wreck“ lustig.

Gut, der Film hatte eine sehr problematische Produktionsgeschichte, die man bei Mark Tinta nachlesen kann. Aber das entschuldigt nicht die völlige Lahmarschigkeit der Regie, das Desinteresse der Darsteller und die allumfassende visuelle Wurstigkeit des Films.

Man möchte den Eingang zum Kino versperren und interessierte Besucher anbellen: „Gehen Sie weiter – hier gibt es nichts zu sehen!“

rotFazit: Eine mit mäßigem Aufwand auf mäßigem Niveau erzählte mäßige Zombie-Mär, die mehr Gelächter als Gänsehaut verursacht und bei der die Beteiligung von Samuel L. Jackson und Stephen King wie Legendenschändung wirkt. Von den bekannten Namen nicht täuschen lassen – das hier ist strikte C-Ware.

Philipp meint: Macht aus einer netten Idee rein garnichts. Wirkt wie lieblos runtergeschrieben und nie korrekturgelesen und dann ebenso verfilmt. Und wahrscheinlich ist genau das passiert.



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Michael

Na, hervorragend. Der Roman schrie ja schon ganz laut „Zombie“ und hier reicht mir persönlich fast schon der Trailer, um dem Gesagten zuzustimmen. Samuel L. Jackson scheint auch zunehmend egal (noch egaler) zu werden, worin er mitspielt.

Björn
Björn

ohhh … wie schade 🙁

Marcus
Marcus

Sind es Zombies?

Thies
Thies

Îch fand den Roman ja eher mittelprächtig, aber er etablierte wenigstens mit einiger Wucht eine apokalyptische Kuilisse für seine Protagonisten. Dass für eine entsprechende filmische Umsetzung kein Budget vorhanden war zeigte der Trailer mehr als deutlich. Schade dass es auch für sonst nichts gereicht zu haben scheint.

@Marcus eigentlich sollten es keine Zombies sein – in der Vorlage entwickelten die Infizierten nach dem Amoklauf eine schwarmähnliche Intelligenz und hatten telepathische Kräfte.

comicfreak

..schade..

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