13
Apr 2012

Mel Gibson ./. Joe Eszterhas: Eine Anekdote

Themen: Film, TV & Presse |

Mel Gibson ist ein Antisemit und keiner, der in einer Partnerschaft nach Gleichberechtigung strebt. Ich denke, das lässt sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre relativ gesichert sagen. Als Hollywood-Star ist er momentan nicht gefragt.

Joe Eszterhas ist ein Chauvinist und jemand, der Frauen in seinen Drehbüchern mit sadistischer Freude als sexgeile Schlampen darstellt. Als Drehbuchautor ist er seit 15 Jahren praktisch aus dem Geschäft.

Nun hat Eszterhas Gibson attackiert. Nicht in privater Runde, das gäbe ja keinen förderlichen Medienrummel, sondern in einem "offenen Brief" über eine Webseite. Darin stellt Eszterhas Gibson als Psychopathen dar, der seine Ex ermorden lassen will. Und es gibt eine noch viel schlimmere Anschuldigung: Gibson hasse Juden.

Nun gut, man muss diese Tatsache nicht für News halten – und Eszterhas ist mit Sicherheit der Glashaus-Bewohner, der nicht nach den Steinen greifen sollte. Schließlich reifte seine Empörung erst, nachdem das Studio und Gibson sein Drehbuch abgelehnt hatten. Hier attackiert ein fragwürdiger Charakter einen anderen und ehrlich gesagt: Ich habe für keinen von beiden irgendwelche Sympathien.

Aber die Sache mit dem "Mel Gibson hasst Juden" hat bei mir unangenehme Erinnerungen geweckt. Weil ich dieses gefährliche Totschlagargument hasse, dessen klebenden Gestank man kaum wieder los wird (siehe die aktuelle Grass-Debatte – und ja, ich stehe auf Seiten von Grass dabei). Und weil ich selber schon damit konfrontiert wurde.

Es trug sich vor etwa 10, 12 Jahren zu. Ich hatte als Entwicklungschef bei Tandem vorgeschlagen, die Hindenburg-Katastrophe als Zweiteiler zu verfilmen. Das Projekt kam etwas schwer in die Puschen, weil es immer wieder hieß, andere große Firmen und Studios wäre bei genau diesem Thema schon erheblich weiter. Das stimmte nicht, erst 2011 schickte RTL eine Version auf Sendung.

Ich schrieb eine mehrseitige Outline, um zu präzisieren, wie ich "Die Hindenburg" für das amerikanische Publikum interessant machen wollte, ohne gleichzeitig die Deutschen zu düpieren. Ein plattes Feindbild war ungeeignet für eine Koproduktion. Also machte ich einen jungen amerikanischen Journalisten jüdischer Abstammung zur Hauptfigur, der ins Deutschland der frühen 30er reist, um für eine Luftfahrt-Zeitschrift zu berichten. Er lässt sich blenden von der Begeisterung der Deutschen für ihr Land und die Fortschritte, die der "Führer" ihnen gebracht hat. Es ist 1936 – das Jahr der Olympiade in Berlin, und das Reich zeigt sich modern und weltoffen. Dann bekommt unser Held die Chance, über einen weiteren Triumph der Deutschen zu schreiben: Die "Hindenburg". Er lernt den Chef des Werkes kennen, die Ingenieure, verliebt sich (natürlich) – und wird das erste Mal mit den hässlichen Seiten des NS-Regimes konfrontiert: Techniker werden "aussortiert", in Frankfurt wird den Juden das Leben zur Hölle gemacht, etc. Als es auf die Fahrt der "Hindenburg" nach Amerika zu geht, wird auch sein eigenes jüdisches Blut zum Thema – und zur Lebensgefahr…

Ein Melodram, ganz klar, keine Geschichtsstunde. Entertainment mit großen Spezialeffekten sollte es werden. Nur leider: Ich war damals noch kein Drehbuchschreiber und als Erstlingswerk wäre ich mit diesem TV-Event sicher auch überfordert gewesen. Zumal man ein zweistelliges Millionenbudget in den USA nicht mit einem deutschen Erstlingsautor an Land zieht. Also versuchte die Firma, amerikanische Autoren für den Stoff zu interessieren. Ist nicht so schwer: die wollen auch bloss Geld. Wir ließen uns viele Beispielskripts schicken, die ein gewisses Händchen für die Darstellung des Dritten Reiches durchscheinen ließen. Ich erinnere mich an einen harten Thriller im "Sieben"-Stil namens "Kriminal", der in den letzten Kriegstagen in Berlin spielt. Der Autor hatte offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht.

Auf die Empfehlung eines US-Produzenten hin heuerten wir schließlich eine amerikanische Autorin aus New York an, die bei den Networks als Verfasserin leichter Biopics relativ gut im Saft stand. Sie schrieb ein "Hindenburg"-Treatment – ich weiß nicht mehr, ob es 15 oder 40 lang war. Ich sollte es lesen und bewerten.

Ich las es – und war entgeistert.

Die Autorin hatte sich offensichtlich nicht mal die Mühe gemacht, in ein Online-Lexikon zum Thema "Drittes Reich" zu schauen. Alles, was sie beschrieb, schien direkt aus "Holocaust" und "Cabaret" zu stammen. Es war eine billige Dramaturgie, mit billigen Dialogen und billigen Figuren. Am schlimmsten war aber die krasse Schwarzweißmalerei bei den Charakteren: Das Deutsche Reich im Jahr 1936 war nach ihrer Meinung nur von zwei Gruppen bevölkert: entrechteten jüdischen Intellektuellen und finsteren Gestapo-Schergen. Und diese beiden Gruppen bestückten dann bei ihr auch die komplette Gästeliste des letzten Fluges der "Hindenburg".

Keine Frage: das ging gar nicht. Es war nicht nur banal und langweilig, es war auch bestens geeignet, allen potentiellen europäischen Partnern vor den Kopf zu stoßen.

Für die nächste Woche stand eine Telefonkonferenz mit New York an. Meine Chefin ermahnte mich (aus Erfahrung): "Sei freundlich, lob sie erst mal, fasse deine Kritik dann in Watte". Amerikaner sind nämlich notorisch schwierig, wenn es um konstruktive Kritik geht. Das muss immer so furchtbar heuchlerisch verpackt werden. Mit der europäischen Direktheit können die überhaupt nicht umgehen. Aber das wusste ich nach über fünf Jahren in dem Job schon.

Das Telefonat. Ich bin sehr nett, plaudere ein wenig, nutze Phrasen wie "Da ist schon viel Schönes drin", bevor ich gaaaaanz vorsichtig die Katze aus dem Sack lasse: Ich hätte da ein paar Fragen zu den Figuren. 1936 sei nicht 1943 gewesen, Deutschland habe durchaus eine große Bandbreite an Konflikten und Themen gehabt, ob man nicht das Personal der Miniserie vielleicht ein bisschen breiter…?

Stille am anderen Ende der Leitung. Dann, sehr leise, mit einem sehr gefährlichen Unterton: "Ich verstehe. Sie wollen weniger Juden."

Es ist selten, dass ich die Fassung verliere. Dass mir die Worte fehlen. Dass ich puterrot anlaufe und nach Luft schnappe. Ich möchte was sagen. Möchte mich gegen diese unglaubliche Anschuldigung verteidigen, obwohl ich doch nichts gesagt habe, für das ich mich verteidigen muss. Ich bekomme nichts heraus.

Ich spüre die Hand meiner Chefin auf dem Oberschenkel. Sie drückt fest zu, hält mit der anderen Hand das Mikro der Sprechanlage zu: "Lass mich das machen."

Sie ist bewundernswert höflich, aber unverbindlich, als sie der Autorin erklärt, dass es sicher gut gewesen sei, die Standpunkte auszutauschen. Man werde sich melden, schönen Tag noch. Damit endete die Geschäftsbeziehung mit der Drehbuchschreiberin, deren Namen ich nicht nennen werde.

Bis heute kann ich nicht fassen, was da passiert ist. Mit welcher Nonchalance die Antisemiten-Karte gespielt wurde, um sich einen Vorteil in der Diskussion zu verschaffen. Wie eiskalt das als Waffe eingesetzt wurde – was letztlich meine Reputation hätte ruinieren können. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich der Dame rhetorisch die Hammelbeine lang gezogen – und hätte bestätigt, was sie von uns denken wollte. Es wäre Munition gewesen. Meine Chefin war glücklicherweise schlauer als ich. Die Sache war erledigt.

Die Anekdote zeigt, wie vernichtend dieser Vorwurf sein kann, auch wenn er völlig aus der Luft gegriffen ist. Es bleibt hängen. Kommt noch eine "Vorbelastung" wie im Fall Gibson dazu, ist man in Hollywood ganz schnell unten durch.



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Andy
Andy
13. April, 2012 17:32

Interessante Geschichte und gibt einen wieder mal zu denken!
Zu Mel Gibson…da läuft jetzt demnächst in einigen Amerikanischen Kinos (Ich glaube die von Harry!) sein neuer Film GET THE GRINGO an, so ein Zufall das jetzt der gute Herr mit seiner Story kommt!
Ob Mel Gibson Antisemit ist mag ich nicht zu beurteilen aber das er Alkoholiker ist das ist oder war klar und was so manch einer schon im Vollsuff gesagt hat darüber schweigen wir uns lieber aus!

Who knows?
Who knows?
13. April, 2012 17:36

Zum Thema Israel und so könnte man wahrlich vieles sagen, aber es zeigt sich immer wieder, dass man es halt besser lassen sollte. Und das ist ätzend.

Marcus
Marcus
13. April, 2012 17:54

Interessante Geschichte – ich glaube, das ist so eine Situation, die zumindest mir lange im Magen liegen würde. Weil man auf diese Art von Unverschämtheit nicht adäquat antworten kann, ohne dem Gegner in die Hände zu spielen. Man weiß, dass es klüger ist zu schweigen, auch wenn einem die Galle hochkommt.

Nur wie du ernsthaft auf der Seite von Grass sein kannst, kann ich mir nicht denken.

Exverlobter
Exverlobter
13. April, 2012 18:32

War es wirklich der Antisemitismus, der Gibsons Karriere gekillt hat?
Seinen größten Erfolg hatte Gibson nämlich mit "Passion of the Christ" (wenn auch nur als Regisseur) und da haben die ganzen Antisemitismus-Vorwürfe ja nicht geschadet. Klar gab es Bad Publicity, aber das hat dem Film finanziell wahrscheinlich eher geholfen, da alle nun diesen Skandal-Film sehen wollten. Danach konnte er noch Apocalypto machen, und da war doch schon längst klar, dass der Mel es mit Juden nicht so hat. Erst als die Gerüchte aufkommen sind, dass er seine Frau schlägt usw. ging es bergab.

Wortvogel
Wortvogel
13. April, 2012 18:45

@ Exverlobter: "War es wirklich der Antisemitismus, der Gibsons Karriere gekillt hat?" – du widersprichst einer Aussage, die (zumindest hier) niemand gemacht hat.

Marcus
Marcus
13. April, 2012 18:47

"War es wirklich der Antisemitismus, der Gibsons Karriere gekillt hat?"

Good point. Das kommt wohl darauf an, was man als Maßstab nimmt: die Bereitschaft seriöser Mainstream-Filmemacher, mit ihm zu arbeiten, oder die Gelegenheit, mit Amerikas religiöser Rechten als neues Stammpublikum jede Menge Kohle zu scheffeln.

Nur "Passion of the Christ" als Gibsons größten Erfolge sehe ich nicht – da dürfte noch "Braveheart" vor sein, und sei es nur wegen dem Oscar.

Exverlobter
Exverlobter
13. April, 2012 18:51

@Marcus

Ich hab die Zahlen nicht überprüft. Aber ich hatte noch das Zitat von Eric Cartman im Hinterkopf wo er sagt, dass "Passion" finanziell gesehen Mel Gibsons erfolgreichster FIlm war. Vielleicht ist das in der Episode auch übertrieben.

Achim
Achim
13. April, 2012 18:54

@Marcus:
Amerikas religiöse Rechte hasst Katholiken, auch Alt-Katholiken.

Und ich möchte nur wissen, ob es die Drehbücher der Dame öfters mal ins deutsche Fernsehen schaffen.

Die Juden waren eben nicht immer Intellektuelle, schon dieses Bild an sich ist antisemitisch. Dein Exposee scheint mir, wäre eine gute Grundlage gewesen. Jüdische Techniker sind keine Intellektuelle, es sind ganz normale Deutsche. Die meisten Juden damals waren ganz normale Deutsche.

Exverlobter
Exverlobter
13. April, 2012 18:57

@Wortvogel
"Mel Gibson ist ein Antisemit und keiner, der in einer Partnerschaft nach Gleichberechtigung strebt. Ich denke, das lässt sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre relativ gesichert sagen. Als Hollywood-Star ist er momentan nicht gefragt."

Du erwähnst Gibsons Antisemitismus und dann im Anschluss seine Erfolglosigkeit in Hollywood. Da kann durchaus der Eindruck entstehen, dass das deine Schlussfolgerung ist.

Exverlobter
Exverlobter
13. April, 2012 19:05

Der Fall Grass erinnert an Philipp Jenninger und zeigt, dass man als Öffentliche Person immer noch nicht unbeschadet aus einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Israel herauskommt.

Marcus
Marcus
13. April, 2012 19:08

@Exverlobter:

Ich habe spaßeshalber mal Box Office Mojo konsultiert.

Yowsa! I stand corrected.

Braveheart: $210 Mio weltweit, davon $76 Mio in den USA.

POTC: $612 Mio weltweit, davon $371 Mio in den USA.

Einen Unterschied in der Größenordnung relativiert auch ein Oscar nicht mehr. Fundichristen sind eine lukrativere Zielgruppe, als ich dachte.

Exverlobter
Exverlobter
13. April, 2012 19:11

Lol, da muss ich wieder auf Eric Cartman verweisen, Nur auf eine andere Episode nämlich "Christen rocken fett"!

heino
heino
13. April, 2012 19:40

Nun, die Diskussion um den Film hat ihm sicher in Sachen Erfolg geholfen (mal ehrlich , wie viele Leute hätten sich sonst einen Film in Hebräisch und Aramäisch angesehen?), aber da wurde zum ersten Mal am bis dahin sehr positiven Renomee von Gibson gekratzt. Und als er dann in besoffenem Kopf seinem Rassismus freien Lauf ließ, hat er sich damit wahrlich einen Bärendienst erwiesen. Die Ausfälle gegenüber seiner Ex haben dann nur noch den Deckel draufgemacht, das war er ebenso wie z.B. Charlie Sheen absolut selbst schuld.

Wortvogel
Wortvogel
13. April, 2012 19:45

@ Achim: "Und ich möchte nur wissen, ob es die Drehbücher der Dame öfters mal ins deutsche Fernsehen schaffen." – tun sie. Allerdings hat die Dame seit unserem Gespräch kein Drehbuch mehr platzieren können. Da besteht kein Zusammenhang.

Achim
Achim
13. April, 2012 19:50

Ach ja, Tandem hatte schon gerne mit ihr zusammen gearbeitet, steht doch im Text.

VideoRaider
13. April, 2012 22:40

Ehrlich gesagt interessiert mich eher KRIMINAL. Das hört sich verdammt cool und diskussionswürdig an.

Kai
Kai
14. April, 2012 00:23

„und ja, ich stehe auf Seiten von Grass dabei”

Da Du das Fass aufmachst, interessiert mich mal warum Du auf Grass' Seite stehst, bzw. was Dir an seinem Text richtig zu sein scheinst.

bloopers
bloopers
14. April, 2012 00:34

Nun beginnt diese halt-/sinn-/kopf-/gedanken-/eierlose Diskussion also auch hier…
"betroffenergutmenschmodus an"
Der stets stille und treue Mitleser sprach.

Peroy
Peroy
14. April, 2012 00:35

"„und ja, ich stehe auf Seiten von Grass dabei”

Da Du das Fass aufmachst, interessiert mich mal warum Du auf Grass’ Seite stehst, bzw. was Dir an seinem Text richtig zu sein scheinst."

Oh näää, bidde ned… *ächz*

bloopers
bloopers
14. April, 2012 01:55

Ich hatte doch noch… irgendwo… Nein.. Hier? Ja, da ist er; der moralische Zeigefinger. Ich glaube mich auch noch an eine automatische Schwenkfunktion zu erinnern. "Garantierte Wirkungspotenzierung in pseudopolitischen Diskussionen" stand damals auf der Packung. Der liegt jetzt auf dem Tisch direkt neben der Zyankalikapsel. Hier wohl sinnvoller als Popcorn, wie mir scheint.

Howie Munson
Howie Munson
14. April, 2012 08:08

Da Du das Fass aufmachst, interessiert mich mal warum Du auf Grass’ Seite stehst, bzw. was Dir an seinem Text richtig zu sein scheinst.

Lieber auf der Seite von Grass als auf der von Broder & Springer… in dem speziellen Fall bleib ich aber lieber draussen, kommt eh nix bei rum.

Wortvogel
Wortvogel
14. April, 2012 08:17

Zu Grass sage ich nix mehr, das ufert nur aus und bringt nicht weiter.

Wer sich für "Kriminal" interessiert, den wird das hier freuen:
http://www.deadline.com/2012/04/hbo-acquires-phillip-kerr-berlin-noir-novels-for-series/

Kurioserweise erinnere ich mich, dass der "Kriminal"-Autor (den ich mal in New York getroffen habe) ursprünglich lange für die "Sesamstraße" gearbeitet hat…

Marcus
Marcus
14. April, 2012 10:24

"Zu Grass sage ich nix mehr, das ufert nur aus und bringt nicht weiter."

Schade, das hätte mich interessiert. Vielleicht hättest du das Fass dann gar nicht aufmachen sollen.

Ausufern würde es aber unter Garantie. Ein Alice Schwarzer-Thread-Level des Ausuferns, würde ich wetten. 🙂

Aber am Ende des Tages, wie immer: Hausrecht. Also lassen wir’s und warten wir weiter auf "The Avengers". 😉

HAB
14. April, 2012 11:07

Na ja, die Philip Kerr "Berlin Trilogie" strotzt ja nur vor Klischees. Der harte Detektiv, der immer die blonde Frau kriegt, seelisch gebrochen ist aber einen coolen Spruch auf den Lippen hat…
Beim dritten Teil, der in Wien spielt, hat man dann tlw. das Gefühl Kerr hält einmal "Der dritte Mann" anschauen für genug Recherche. Fehlt nur noch eine Verfolgung durch den Kanal.

Mit dem "Helden" sind ja dann noch ein paar (?) Bücher rausgekommen. Eines hab ich gelesen, da verführt er fast Evita Peron und findet ein Vernichtungslager in Argentinien, das von Altnazis betrieben wurde. Das ist so absurd.

DMJ
14. April, 2012 11:38

Boah, Eszterhas ist wirklich übel! Ich habe sein sehr unterhaltsames Buch "Hollywood Animal" gelesen und kam aus dem Entsetzen nicht heraus: Einmal, wie wenig er tatsächlich an Filmen macht, aber dennoch immer reicher wird und dann, wie selbstgerecht er schlimmstes charakterliches Versagen schildert.
Er fängt ein Verhältnis mit seiner Sekretärin an, sie will mehr – also sorgt er dafür, dass ihre Karriere zerstört wird und sie die Stadt verlassen muss. Und das sieht er als die gerechte Notwehr eines Ehemannes und Vaters an, der seine Familie vor dieser Person schützt.
Als er dann später Krebs kriegt, bekommt er die moralische Krise und fängt auf einmal an, erstmals im Leben Reue zu zeigen… dafür, dass in seinen Filmen Zigaretten vorkommen.
Bah, was ein Unsympath! Da ist mir Gibson, der wenigstens Alkoholismus und Verrücktheit als milderne Umstände anbringen kann, doch lieber.

– Und dass hier keine Grass-Debatte kommt (auch ich bin generell eher auf seiner Seite, wenn das "Gedicht" natürlich auch Mist ist), dürfte für alle das beste sein. 😉
Die geschilderte "Hindenburg"-Geschichte ist allerdings wirklich schockierend, doch leider wenig überraschend. Wäre der Film entstanden, besagte Autorin aber nicht an Bord gekommen, stündest du heute vermutlich auch auf Broders Liste von dringend zu Denunzierenden.

Antideutsch
Antideutsch
14. April, 2012 13:59

Es scheint so eine Art filmisches Verlangen zu sein, die eigene historische Vorgangenheit umzudeuten und damit zu relativieren. Da werden auf der einen Seite ein paar böse, verbrecherische Nazis gezeigt und auf der anderen Seite die ganz normalen Deutschen, die – angeblich – nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun haben oder die sich von den "Fortschritten", die der "Führer" gebracht haben soll, blenden lassen. Dies zieht sich durch sämtliche Filme, die in Deutschland zu diesen Thema produziert werden. In diese Sparte der deutschen Erbauungsfilme, mit denen die Vergangenheit relativiert wird, scheint auch die Idee des Wortvogels zu fallen, der zudem noch einen Juden erfindet, der sich zunächst ebenso blenden läßt. Damit scheint er eine Figur geschaffen zu haben, die sich ganz ideal dafür eignet, die Verstrickungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung zu relativieren. Wenn sich selbst ein Jude blenden läßt, erscheint die Verblendung der deutschen Bevölkerung verständlicher. Dabei existierten auch 1936 Lager, dabei wurde bereits damals die jüdische Bevölkerung terrorisiert. Die Deutschen waren bereits 1936 ein Tätervolk, das auf Weltkrieg und Shoa hinarbeitete. So sollte man die Deutschen zeigen, als Täter, nicht als Opfer. Wer stattdessen eine andere filmische Geschichtsstunden anbietet, ist mit Sicherheit noch kein Antisemit, sondern Teil des deutschen Diskurses, der Täter zu Opfern machen möchte. Zum Teil dieses Diskurses gehört es auch, sich selbst zu einem Opfer von Keulen jedweder Art zu machen. Das praktiziert der alte SS-Mann Günter Grass mit seinem anti-israelischen Hassgedicht, mit dem dieser Staat zur Gefahr für den Weltfrieden gemacht wird und das praktiziert auch der Wortvogel, in dem er die Annekdote von der bösen amerikanischen Autorin bringt, die ihn vielleicht besser verstanden hat, als es im lieb sein dürfte.

Wortvogel
Wortvogel
14. April, 2012 14:06

@ Antideutsch: Das ist so geballter Unfug, dass es nicht mal eine Antwort rechtfertigt – aber aus grundsätzlichen Erwägungen lösche ich es nicht einmal.

Mir sei aber die Frage gestattet: war Deutschland 1936 ausschließlich von intellektuellen verfolgten Juden und Gestapo-Schergen bevölkert – oder soll es nur grundsätzlich so dargestellt werden, damit die Täter/Opfer-Wahrnehmung sich nicht verschiebt?

Dr. Acula
14. April, 2012 14:24

Angesichts des Nicknames erübrigt sich jede Debatte…

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi
14. April, 2012 14:31

Aber so ganz Unrecht hat er/sie nicht. Die meisten Filme sind wirklich nach diesen Versatzstücken gedreht worden und werden es noch immer.

Das liegt allerdings nicht an etwaigem Antisemitismus/Rassismus, sondern schlicht und ergreifend daran, dass die meisten Filme mit Drehbüchern von scheiß Drehbuchautoren bestückt werden. Und das muss man generell sehen und es nicht nur auf Filme über das dritte Reich beziehen.

Man schaue nur ins Kino: Battleship, Zorn der Titanen, Tribute von Panem, Twilight…

Das ist alles der selbe gleiche Mist generiert aus den immer gleichen Versatzstücken ohne einen Hauch neues zu bieten.

Held, Liebesgeschichte, Extremsituationen, Effekteparade. Um diesen Typen aus den Simpsons mal zu zitieren: "Alles Mist! Alles Mist!"

Der einzige wirklich überraschend gute Film der letzten Zeit war "Drive". Mit Abstrichen auch "Shame".

HAB
14. April, 2012 14:33

@Antideutsch:
"In diese Sparte der deutschen Erbauungsfilme, mit denen die Vergangenheit relativiert wird, scheint auch die Idee des Wortvogels zu fallen, der zudem noch einen Juden erfindet, der sich zunächst ebenso blenden läßt. Damit scheint er eine Figur geschaffen zu haben, die sich ganz ideal dafür eignet, die Verstrickungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung zu relativieren."

Da gibt es ein Buch eines jüdischen Übersetzers bei den Nürnberger Prozessen, der in nationalsozialistischen Deutschland aufwuchs. Leider fällt mir der Name adhoc nicht ein.
Aber sehr interessant ist der Teil wo er erzählt das er immer zur HJ gehören wollte, weil dort alle seine Freunde waren und es auch für ihn ein Ideal darstellte. Also so weit hergeholt ist es nicht.

Aber der Wortvogel hat recht, da steht viel Unfug bei dir drinnen.

Andy
Andy
14. April, 2012 14:54

@Antideutsch
Der größte Mist den ich je gelesen habe!
Alle Deutschen waren böse, alle die in der SS waren Da auch freiwillig!
Ich könnte Dir da einmal ein paar Geschichten aus meiner Deutschen Familie erzählen aber wahrscheinlich würde ich damit dein Weltbild zerstören!?

Wortvogel
Wortvogel
14. April, 2012 14:56

@ Andy: Vergiss es – jeder Widerspruch bestätigt nur seine These. Da kannste nicht gewinnen.

HomiSite
14. April, 2012 14:58

@Wortvogel: Meinste, dass die "Weniger Juden"-Frage bewusst zur, äh, Vorteilsnahme in der Diskussion gestellt wurde oder einfach aus Unwissenheit (nach dem Motto, dass "die Deutschen" immer noch latent judenfeindlich seien)?

DMJ
14. April, 2012 15:14

Wer ernsthaft von "Tätervolkern" spricht, also keine Massen von Individuen sieht (die natürlich zuweilen mehrheitlich in eine Richtung streben) und sich mit einem Nick versieht, der ein ganzes Volk (oder eine ganze Sprache, so richtig konkret ist er ja nicht) ablehnt, ist eh nicht ernsthafter Diskussion würdig.

Darum @Andrea Bianchi:
Sehr guter Hinweis! Die meisten Filme werden aus Versatzstücken und Klischees gedreht (ebenso die meisten Bücher und davor die meisten Sagen und Mythen), da muss man nichts ideologisches wittern. Und ein Katastrophenfilm, bei dem die Opfer allesamt böse kichernde Nazivampire sind, würde wohl kaum funktionieren.

Andy
Andy
14. April, 2012 15:15

@Wortvogel
Danke!
Du hast Recht …weniger ist mehr!

Wortvogel
Wortvogel
14. April, 2012 15:31

@ HomiSite: Natürlich ist das nur meine sehr subjektive Interpretation des Gesprächs, aber ich habe das so empfunden: Sie hat gemerkt, dass wir mit ihrem Skript Probleme haben und wollte sich einen uneinholbaren Vorteil verschaffen, in dem sie als Ursache nicht ihr Skript sieht, sondern unseren Antisemitismus. Dagegen kann man nämlich nicht andiskutieren. Das paart sich auch mit der grundsätzlichen Einstellung vieler Amerikaner, dass sie sowieso besser "Hollywood" können – auch wenn es unfähige Gebrauchsschreiber sind, die von jedem GZSZ-Autoren in die Ecke geschrieben würden. Ich kann mich an Diskussionen mit den Produzenten der Serien "Tracker" und "Relic Hunter" erinnern, das war schon surrealistisch…

VideoRaider
14. April, 2012 17:09

Cool, danke für den Kerr-Link!

Karsten
14. April, 2012 20:45

"ein Katastrophenfilm, bei dem die Opfer allesamt böse kichernde Nazivampire sind"

Ich sehe ein gewisses Potenzial…

bloopers
bloopers
14. April, 2012 22:12

Wäre der Beitrag des antifaschistischen Faschisten auch nur ein Quäntchen Faschistischer (und grammatikalisch abenteuerlicher), wäre ich geneigt an Herrn Vorlander als Urheber zu denken….

heino
heino
14. April, 2012 22:50

@bloopers:war auch mein erster Verdacht, aber die weitgehend korrekte Diktion und der Mangel an direkten Beschimpfungen sprachen dagegen..

Howie Munson
Howie Munson
14. April, 2012 23:03

Also an den hab ich bei dem Posting nun wirklich nicht gedacht. Kein Smiley und keine Chatabkürzung.

Ich tippe eher, dass der einsame Rufer sonst viel von Broder liest…

Antideutsch
Antideutsch
15. April, 2012 00:15

@ Wortvogel:

Schade, dass du nicht inhaltlich argumentierst. Ich erlaube es mir trotzdem deine Frage nach bestem Wissen zu beantworten (und hoffe, das es nicht gelöscht wird).
Natürlich war Deutschland in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht nur von Gestapo-Schergen bevölkert. Es gab doch noch die Hitlerjungen, die Blockwarte, die NSDAP-Parteigänger und die parteilich nicht gebundenen Antisemit_innen, die sich zur Volksgemeinschaft formierten, um den Vernichtungsantisemitismus bittere Realität werden zu lassen.
Unter diesen Schergen gab es auch einige wenige, die diesem Programm mit Widerstand begegneten. Doch der antifaschistische Widerstand war marginal. In anderen Ländern hat es bewaffnete Gruppen oder gar große Bewegungen gegen die Nationalsozialisten gegeben. In Frankreich gab es die Ressistance, in Deutschland gab es einen einzelnen Helden, der die Waffen ergriff, um dem Massenmord, der durch die Deutschen praktiziert wurde, entgegenzutreten: Doch die deutsche Film-Unkultur zeigt tapfere Deutsche, die bösen Bombern (Dresden), bösen Bolschewisten (Die Flucht, Die Gustloff) und einem Einzeltäter (Der Untergang) ausgesetzt sind und die damit zu den eigentlichen Opfern gemacht werden.

"Wo ich auch hin­kam, such­te ich Hin­wei­se auf Wi­der­stand und er­kun­dig­te mich nach So­zi­al­de­mo­kra­ten und Kom­mu­nis­ten. Doch am Ende fan­den weder ich selbst noch an­de­re Leute eine nen­nens­wer­te Zahl von Op­po­si­tio­nel­len, die offen oder ver­steckt gegen das Hit­ler­re­gime ge­kämpft hat­ten, son­dern nur er­bärm­li­che Mit­läu­fer. Das al­lein ist der schlimms­te Vor­wurf, den man den Deut­schen ma­chen kann" (Saul K. Padover).

Antideutsch
Antideutsch
15. April, 2012 00:28

Howie Munson:

Broder hat ganz erstaunlich gute Polemiken und ganz erschreckend schlechte Pamphlete verfasst.

bloopers:

Vorländer?! Unverschämtheit!

HAB:

Du meinst vielleicht Hans Lamm, der musste allerdings 1938 aus Deutschland flüchten, weil er die Hitlerjungen und ihre Vorbilder ansonsten nicht überlebt hätte.

Will Tippin
Will Tippin
15. April, 2012 00:41

Also war jeder, der nicht mit Waffengewalt dagegen angekämpft hat, ein Nazi. Es gilt die Schuldvermutung.

bloopers
bloopers
15. April, 2012 01:35

Genau DAS ist es was mich hoffen macht, alle Hoffnung eines fernen Tages getrost fahren lassen zu können. Denken ist endlich. Spätestens bei Meinung.
Wenn sich das Thema, und das sage ich als stets schuldbewusster Deutscher, erledigt hat, sollten wir schauen, dass wir nicht ein paar Zeugen und Amisch zu einer konstruktiven Diskussion über Gott bemühen

Wortvogel
Wortvogel
15. April, 2012 09:02

@ antideutsch: Ich kann davon ausgehen, dass Sie ebenfalls im Dritten Reich nicht dabei waren? Dann sollten Sie solche Pauschalisierungen unterlassen. Grundsätzlich gilt: nur weil jemand keinen Widerstand leistet, ist er noch lange kein Täter. Das gilt damals wie heute. Dann wären z.B. auch die Nordkoreaner und Iraner in toto Täter. Nicht mal zehn Prozent der Deutschen waren in der NSDAP.

Mir ärgert primär der Versuch, mich in die Ecke der Apologetiker zu stellen. Die Wahrheit anders als schwarzweiß zu sehen bedeutet eben nicht, sie zu relativieren. Ich habe diese – in dieser Form nur auf das Dritte Reich angewandte – Argumentation allerdings schon mal gehört: von einem kommunistischen Regisseur, in dessen Film-AG ich vor 25 Jahren erst Grundlagen filmischer Erzähltechniken lernte. Er schwadronierte, dass man das Dritte Reich nie als etwas anderes als Hitler und Auschwitz sehen dürfe, weil jede Relativierung eine unangemessene Vermenschlichung der Täter nach sich zöge. Und akzeptiert man erst mal, dass es Menschen waren, darf man auch nach Motiven fragen – und stellt auch schnell die totale Schuld in Abrede oder individualisiert sie zumindest. Alles Kappes.

Es gab nicht nur schlechte Deutsche und gute Juden. Das zu sagen oder zu zeigen, relativiert weder die Zeit von 33-45, noch ist es antisemitisch.

Stefan
Stefan
15. April, 2012 09:58

Gibson’s Get the Gringo its ehrlich gesagt der einzige Film der kommenden Monate, den ich wirklich gerne sehen würde, während ich den ganzen beschissenen Hype um Prometheus und Avengers nicht mehr ertragen kann.

DMJ
15. April, 2012 11:50

Und der Auslandsvergleich mit Verweis auf Ressistance & Co. ist eh unstimmig: Diese kämpften in erster Linie gegen einen ausländischen Besatzer und nicht für ein humanistisches Ideal (auch, wenn es da natürlich Überschneidungen gab). Wäre etwa ein stalinistisches Regime ’35 in Deutschland einmarschiert, hätten wir jetzt Geschichten von heroischen deutschen Widerstandskämpfern, welche trotzdem nationalistische Nazischurken waren.

Aber diese Arroganz der Spätgeborenen (denen ich ja auch angehöre) nervt mich doch ganz gewaltig. Solche Verallgemeinerungen sind einfach zu bequem und ersparen einem mühsames Denken.

Little Feller
Little Feller
15. April, 2012 15:15

“Wo ich auch hin­kam, such­te ich Hin­wei­se auf Wi­der­stand und er­kun­dig­te mich nach So­zi­al­de­mo­kra­ten und Kom­mu­nis­ten. Doch am Ende fan­den weder ich selbst noch an­de­re Leute eine nen­nens­wer­te Zahl von Op­po­si­tio­nel­len, die offen oder ver­steckt gegen das Hit­ler­re­gime ge­kämpft hat­ten, son­dern nur er­bärm­li­che Mit­läu­fer. Das al­lein ist der schlimms­te Vor­wurf, den man den Deut­schen ma­chen kann” (Saul K. Padover).
Er hätte vielleicht mal im Gefängnis suchen sollen, wo man schon recht früh alle Kommunisten und Sozialdemokraten in Schutzhaft hatte, die offen gegen das Regime waren. So ohne Gerichtsurteil usw. Damals gabs halt noch keine Foren/Blogs in denen man anonym Widerstand, zumindest für sein Ego, leisten konnte.

Frank Böhmert
16. April, 2012 14:47

@Antideutsch: Warum der deutsche Widerstand marginal geblieben ist, kann man auf das Differenzierteste bei Sebastian Haffner nachlesen. Und zwar nicht als besserwisserische Rückschau, ähem, sondern als Bericht eines involvierten Zeitzeugen. ("Germany Jekyll & Hyde", London 1940)

Frank Böhmert
16. April, 2012 14:52

Ach ja, hier meine Besprechung zum Haffner, falls es wen interessiert:

http://frankboehmert.blogspot.de/2011/04/gelesen-sebastian-haffner-germany.html

Wortvogel
Wortvogel
16. April, 2012 15:21

@ Frank: Interessanter Text. Danke für den Link!

maulkorb
maulkorb
17. April, 2012 20:06

"@Marcus:
Amerikas religiöse Rechte hasst Katholiken, auch Alt-Katholiken."
Nein, warum auch? Bush(wenn man ihn als "religiös Rechten" sieht) hat sogar Katholiken geliebt…

@WV lösch den Kommentar oben, das war ich nicht, das war der Strauch dort drüben.

Mr_E
Mr_E
17. April, 2012 20:36

Um kurz aus meiner Erfahrungswelt zu berichten:
Unterm Strich ist es wie mit jedem Thema, habe ich einen Menschen vor mir, den ich intellektuell ernst nehme, dann kann ich mit ihm über dieses Thema erfahrungsgemäß auch differenziert reden.
Wenn das Gegenüber oder sein Weltbild (ist NICHT das Selbe! Sehr intelligente Leute können ein erschreckend dämliches Weltverständnis haben) simpler gestrickt ist, dann tendiert des Gegenüber auch zu einer Seite der Debatte und handelt entsprechend.
Darauf kann ich aber reagieren. Den übermäßig politisch Korrekten kann man etwas provozieren. Dem "Aufgeregten" gegenüber kann man betont gelassen sein. Klappt natürlich nicht immer.

Ich will drauf hinaus, daß meiner Erfahrung nach dieses Thema da keinen anderen Stellenwert hat, als andere "emotionale" Themen.

Um Torstens Beispiel aufzugreifen – man hätte folgendermaßen antworten können:
"Your script is a very good first draft [egal ob’s stimmt] but i feel that the characters tend to fall into one of two archetypes. And that doesn’t represent the whole spectrum of realistic human beings."

SONST NICHTS.

Somit ist der schwarze Peter wieder freischwebend im Raum. Statt den Vorwurf aufzugreifen, ist nun indirekt das Handwerk der Autorin in der Kritik, ohne reflexartig -als Gegenangriff- angesprochen worden zu sein.
Und Leute können nicht die Klappe halten, daher antwortet das Gegenüber. Und wenn es ein wenig Übersicht hat, dann nicht mit dem selben Argument. Wenn sie dafür immer noch zu blöd ist, kann man eh nichts machen.

Das schreibe ich wohl wissend, daß ich in solchen Situationen auch nicht immer gewandter bin. Wie hat Mark Twain gemeint: "Schlagfertigkeit – das ist das was einem 24 Stunden später einfällt."

Wortvogel
Wortvogel
17. April, 2012 20:44

@ Mr_E:

“Your script is a very good first draft [egal ob’s stimmt] but i feel that the characters tend to fall into one of two archetypes. And that doesn’t represent the whole spectrum of realistic human beings.”

Ziemlich exakt so ist es ja gewesen.

Mr_E
Mr_E
17. April, 2012 20:49

Ja, aber zu eurer Aussage muß die Autorin ja ne Haltung haben.
Oder hattet ihr da schon die Nase voll von ihr und deine Kollegin hat daher das Gespräch möglichst zivil beendet?

Wortvogel
Wortvogel
17. April, 2012 21:09

@Mr_E: Das steht doch alles oben!

Mr_E
Mr_E
17. April, 2012 21:15

Ja. Und das war das vollständige Gespräch?

DMJ
17. April, 2012 21:39

Genau, Herr Dewi! Nun rücken Sie mal das Protokoll heraus, oder haben Sie das etwa verschlampt? 😛

Mr_E
Mr_E
19. April, 2012 00:26

Jajaja.

Aber wenn ich mit ner Autorin ein Ferngespräch führe, dann besteht das nicht aus drei Sätzen, oder?
Ich würde da nachhaken, einfach weil ich selber in solchen Situationen Sheldon-Cooper-mäßig recht naiv-direkt bin und denke, die versteht grad nicht, was ich meine, ich erklärs NOCH MAL…

…wenn nach einem Gespräch dann immer noch keine sinnvolle gemeinsame Position gefunden ist, dann ziehe ich ebenfalls eine schnelle Konsequenz und sage, das macht keinen Sinn, scheiß auf die Zusammenarbeit.
Das aufgrund der einen – zugegebenermaßen dämlichen – Aussage zu machen finde ich etwas überzogen.

War bei der US-Autorin Hopfen und Malz aufgrund ihrer Engstirnigkeit verloren? Vermutlich schon. Aber dazu erfahren wir hier nicht genug. Daher mein – zugegebenermaßen etwas unkonkretes – Nachfragen.

Howie Munson
Howie Munson
19. April, 2012 06:21

und in wievielen fällen führt ein nachhaken zu einen wünschenwerteren Ergebnis??

hätte sie nur die Erwartungen falsch eingeschätzt hätte sie die kritik anders aufgenommen, hätte sie größeres Interesse am thema gehabt hätte sie bessere Figuren ausgearbeitet und dann auch mit solch einer Bemerkung nicht das Klima verschlechtert… (Angelsachsen die nicht um den heißen Brei rumreden sind nicht im deutschen Sinne "direkt" sondern schon verärgert….)

Mag sein das sie nicht unbedingt dei persönlcihe Nazi-Keule schwingen wollte, wirklich wichtig war ihr die Geschäftsbeziehung aber wohl auch nicht.