Der Syfy-Channel hat die Serienproduktion in den letzten Jahren ziemlich schleifen lassen. War man lange Zeit der Haussender für unterhaltsame, recht aufwändig produzierte SF-Langläufer wie „Battlestar Galactica“, „Stargate“ und „Farscape“, wurde in den letzten Jahren deutlich versucht, mit weniger Geld mehr Mainstream zu erreichen. „Eureka“, „Haven“ und „Warehouse 13“ schielten deutlicher auf die Zielgruppe von „Akte X“ als auf die Zielgruppe von „Star Trek“. Billiger Schund wie „Flash Gordon„, „The Phantom“ und „Painkiller Jane“ trug dazu bei, das eigentlich recht gute Image des Senders nachhaltig zu ramponieren.

Auch im Spielfilmsektor hat sich der Sender nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wurden die TV-Filme über die Jahre immer beliebiger und abhängiger von albernen Gimmicks, drehte man fortlaufend an der Budgetschreibe: Wurden vor 10 Jahren noch 1,5 bis 2 Millionen Dollar für einen „Movie of the Week“ ausgegeben, hat sich das mittlerweile bei unter 500.000 Dollar eingependelt. Weil sich leider gezeigt hat, dass dem Publikum rotzegal ist, WIE billig „Crotopus vs. Sharkeagle vs. Mechamouse“ ist. Asylum hat UFO als „main provider“ abgelöst und niemand stört’s.

Aber der Druck auf den Syfy Channel wird größer. Immer mehr Nischen- und Kabelsender, mitunter sogar „nur“ Streaming-Provider, wagen sich in den Serienbereich. Der Kuchen, einst sauber unter den drei großen US-Networks aufgeteilt, muss nun erheblich mehr Mäuler stopfen. Im Gegenzug ist er gehaltvoller geworden: Musste sich eine Serie früher fast komplett über die Erstausstrahlung und den Paketverkauf in die Syndication finanzieren, winken heute internationale Deals, Streaming-Exklusivverträge, DVDs, Webportale und andere Amortisierungsoptionen. Außerdem kann man neue Serien gleich multimedial anlegen, um mehrere „revenue streams“ zu generieren – das wurde letztes Jahr (mehr oder weniger erfolgreich) mit „Defiance“ begonnen.

Derzeit scheint der Syfy-Channel in der Tat entschlossen, wieder etwas mehr Zeit & Geld in die Entwicklung neuer Serien zu stecken. Da ist sicher nicht alles Sternenstaub, was da glänzt, aber zwei aktuelle Produktionen habe ich mir dieser Tage mal angesehen.

High Moon

„High Moon“ spielt, wie der Titel dezent andeutet, auf dem Mond. Verschiedene Gruppierungen (Amerikaner, Russen, Inder, etc.) haben sich den Erdtrabanten zur Förderung des überlebenswichtigen Helium-3 aufgeteilt, infrastrukturell betreut wird das Ganze von einer multinationalen Corporation mit ganz eigenen Zielen. Die Fördernationen sich sich untereinander nicht grün, mit allerlei technischen Gadgets trickst man sich immer wieder gegenseitig aus – und als auf dem Mond der Sauerstoff knapp wird, weil sich unter der Oberfläche sehr seltsame Dinge ereignen, kommt es schnell zu Zusammenstößen der verschiedenen Fraktionen:

Wowza, das war jetzt aber mal… schräg. Und bunt. Und hübsch. Und albern. Und schräg. Und bizarr. Und poppig. Und schräg.

Und das ist verständlich, denn der Pilotfilm (dem keine Serie folgen wird) basiert auf einer „young adult novel“ aus den späten 60ern und wurde von Bryan Fuller produziert, dem wir so schräge, bunte und hübsche Serien wie „Wonderfalls“, „Dead like me“ und „Pushing Daisies“ verdanken. Dabei ist nun eine Mischung aus „Moon Zero Two“ und „2001: A Space Travesty“ herauskommen, die ernste Plots mit einem permanenten Augenzwinkern und kompetentes Design mit einer Spielzeug-Wunderwelt fusioniert. Ein Comic, vollgepackt mit sympathischen Ideen, einem viel zu großen Cast und irgendwie völlig veraltetem Szenario. Glaubt man am Anfang noch, es gehe primär um lunare Industriespionage und Mystery, ist spätestens mit dem Auftauchen eines gigantischen Roboter-Dinosauriers klar – „High Moon“ will nur spielen.

Das Ende hängt leider – Pilotfilmsyndrom – völlig in der Luft.

Ich bin letztlich etwas hin- und hergerissen: „High Moon“ ist schon SEHR unterhaltsam und angenehm „anders“ als der übliche deprimierende Brei, der einem als TV-Gold vorgesetzt wird. Andererseits: Als Serie könnte ich mir diese leichtgewichtige Produktion, die mich nicht ein einziges mal wirklich emotional gepackt hat, kaum vorstellen.

So ist es schön, dass es den Piloten gibt – aber auch okay, dass es dabei bleibt.

Z Nation

„Z Nation“ ist so ziemlich das Gegenteil von „High Moon“, eine Nummer Sicher-Produktion, mit der sich Syfy GANZ eng an „The Walking Dead“ anlehnt, allerdings etwas bescheidener produziert – von Asylum. Ausgerechnet.

Die Zivilisation ist dank der Zombies (die hier auch so genannt werden) mal wieder am Arsch, es gibt einen eher unfreiwilligen Patienten, der gegen ihre Bisse immun ist, und ein paar Leute, die ihn zu einem Labor nach Kalifornien bringen sollen. Unterstützt werden sie von einem Armeefunker, der den Abflug aus einem arktischen NSA-Hauptquartier verpasst hat.

Es ist frustrierend, dass „Z Nation“ gegenüber „High Moon“ alle Untugenden besitzt, die ich anprangern will – Einfallslosigkeit, Brutalität, Simplizität -, aber im Gegensatz zu „High Moon“ als Serie deutlich besser funktioniert. Der Pilot legt ein ziemliches Tempo vor, „Universal Soldier“-Regisseur John Hyams hält die Action straff und hart. Mit Karl Schaefer hat man sich einen Showrunner geholt, der 20 Jahre Erfahrung im Genre mitbringt. Das ist alles nicht neu, alles nicht frisch, aber dafür vertraut und eingespielt.

Die sehnige Vorwärtskraft der Produktion lässt sogar die paar logischen Patzer und budget-bedingten Schwächen untergehen, die deutlich zeigen, dass Syfy eben nicht AMC und „Z Nation“ nicht „Walking Dead“ ist. Aber für einen kleinen, illegitimen Ableger schlägt sich „Z Nation“ ziemlich gut – sofern das Niveau des Piloten über die nächsten Folgen gehalten werden kann. Ich habe so eine Ahnung, dass man das Konzept sehr schnell auslutschen könnte.

Wir halten also fest: Syfy arbeitet fleißig an neuen Serien, traut sich was, setzt aber auch auf vertraute Konzepte und vertraute Partner. Nach der Ansicht von „High Moon“ und „Z Nation“ bin ich momentan wieder mit dem Sender versöhnt.



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Kaio
Kaio

Warehouse 13 und Eureka (Haven hab ich nicht gesehen bisher) waren zwar sicher kein ernsthaftes SciFi mehr wie in früheren Tagen, aber haben mich immer gut unterhalten. Es war seichtes TV, aber die Charaktere und Geschichten waren sympatisch. Ich machte mir eher noch mehr Sorgen als all diese Serien eine nach dem anderen ausliefen, denn SyFy hatte ja massivst auf grottiges RealityTV umgesattelt.

Aber scheinbar hat sich der Sender noch nicht ganz aufgegeben. Auch wenn das Spiel Mist war, Defiance hat sich mit Staffel 2 auch sehr gesteigert. Schade dass eine Fortsetzung derzeit noch in der Luft hängt.

Hat SyFy nicht auch noch Helix? Ich hab das noch nicht gucken können, aber es soll recht gut sein. Auch wieder „Menscheit wurde von Super Virus hingerafft“ Plot, aber das Setting ist mit einer Forschungsstation mitten in der Arktis wohl sehr stimmig. Und der Soundtrack kommt aus Deutschland 🙂

HomiSite

Ich bin ja einer der wenigen (?), die THE WALKING DEAD als TV-Serie gemessen am Erfolg für ziemlich überschätzt halten. Was man da an an erzählerischer Langsamkeit mit Pseudo-Charakterzeichnung schon ertragen musste… Insofern ist Z NATION durchaus willkommen, aber es ist schon spannend, ob man eine mehr oder weniger eigenständige Zombieserie umsetzen/etablieren kann – in den letzten Jahren hat man ja crossmedial schon alle möglichen Untotenspielarten gesehen… Die Pilotfolge hatte auf jeden Fall einen ganz merkwürdigen Vibe zwischen Ernsthaftigkeit und Trash-Dialogen, fand ich :-).

HIGH MOON = IRON SKY + DANGER 5? Muss ich mal reinschauen, auch wenn Pilotfolgen ohne Serie nicht so meins sind.

HELIX ist übrigens sehr unterhaltsam, weil es wirklich allen SF/Mystery/Horror-Stuff aufgreift, dabei völlig übers Ziel hinausschießt, aber alles todernst meint.

PS: Wann kommen endlich wieder gute SF-Serien, wo „SF“ auch wirklich drin ist? EXTANT bspw. ist auch öde.

Shah
Shah

Ich schließe mich Kaio an: Eureka und Warehouse 13 waren sehr solide produzierte Serien, die vor allem über ihre Darsteller die teilweisen schwachen Drehbücher übertünchen konnten (die letzte Eureka-Staffel war ein Witz, ein schlechter…)

Ich würde mir definitiv mehr solcher Serien wünschen, weil sie einfach sehr gut unterhalten haben-

AlphaOrange
AlphaOrange

Die Entwicklung bei Syfy sehe ich sehr zweischneidig. Auf der einen Seite begrüße ich es total, dass sie wieder stark Richtung Nische und weg von ihren Mainstream-tauglichen Mystery Light Produktionen gehen. Auf der anderen Seite sind die Resultate bislang ziemlich durchwachsen. Helix hat sich auf seinem Weg als Virus-Mystery mit gutem Setup irgendwie darin verirrt, in jede Folge eine Zombie-Hatz einbauen zu müssen und ist letztendlich voll gegen die Wand gefahren. Für S2 deutet sich ein Reboot an – will die Hoffnung mal noch nicht aufgeben. Defiance – das ist so ein wunderbarer Nährboden, den man sich da geschaffen hat, aber die Serie eiert seit zwei Jahren ziellos herum und präsentiert gerade auf der SciFi-Seite nur kryptischen Unfug statt packende Stories. Und Z Nation fand ich in der zweiten Pilothälfte nur noch lächerlich und peinlich. Aber ich kann nachvollziehen, wenn man die Serie mag. Zombies haben es bei mir generell etwas schwerer, das Ding ist einfach nicht meins.
Über alle Serien hinweg sieht man aber halt auch überdeutlich: das Geld fehlt. Defiance dürfte da trotz der wenig überzeugenden Effekte noch das dickste Budget haben – wohl auch ein Grund, warum Syfy bislang mit der Verlängerung hadert.

G

„die deutlich zeigen, dass Syfy eben nicht AMC und “Z Nation” nicht “Walking Dead” ist.“

Dann hat „Z Nation“ ja sogar eine Chance…

TomHorn
TomHorn

Auf „Z Nation“ bin ich einigermaßen gespannt, aber ich mag ja auch „The Walking Dead“ recht gerne.
Der „High Moon“-Pilot hört sich sehr interessant an.
„Helix“ fing vielversprechend an, verlagerte sich aber anschließend darauf, möglichst viele Haken zu schlagen und den Cast mit jeder Folge mehr auszudünnen.
Ich mochte „Alphas“, die Serie blieb etwas hinter ihren Möglichkeiten, aber immerhin hatte man hier die Eier, das ganze nach der zweiten Staffel einigermaßen konsequent zuende zu führen.
Und „Defiance“ leidet sichtlich unter den ganzen pseudo-mythischen Brimborium, die zweite Staffel kam dafür etwas zackiger daher und die Charakterzeichnungen, wenn auch flach, sind halbwegs stimmig.