Es ist ja nicht so, dass ich mich gerne aufrege. Aber die Welt ist hinter mir her. Die ganze. Immer. Sie liegt auf der Lauer, schiebt mir Stöcke zwischen die Beine, während sie mich ins Knie tritt und über einen Bierkasten schubst. Dann so:

Nelson_Ha-Ha

Bei unserem vor-vor-letzten Umzug innerhalb von München hatte ich das erste Mal versucht, die internet-lose Zeit mit Websticks zu überbrücken. Das Ergebnis: eher mau.

Aber die Zeit marschiert voran und Technik verbessert sich, also war ich zum Umzug von Speyer nach Baden Baden geneigt, es noch einmal zu versuchen. Es stand ja wieder ein Provider-Wechsel an (von Kabel Deutschland zu Unity). Wenn man beim LIDL an der Kasse steht, sind zwei Websticks schnell in den Wagen gepackt.

Mitten im Chaos des Umzugs bitte ich meinen aushelfenden Bruder, den Aufpasser bei der Installation der Websticks zu spielen. Der kennt sich besser aus als ich und ich neige bekanntermaßen immer mal wieder dazu, im Affekt die falschen Buttons anzuklicken oder erklärende Texte nicht ordentlich zu lesen.

Stick in Macbook Air. Es blitzt kurz eine Package-Datei auf, vielleicht wird ein Treiber installiert, aber erkennbar ist da nix. Der beiliegende Handbuch-Prospekt meint drolligerweise, ich solle auch unter OSX auf die auto.exe-Datei klicken, was natürlich Dummfug ist. Soweit also null erkennbarer Fortschritt, wo doch alles „plug and play“ sein soll:

lidl2

Egal. Ob der Stick funzt, findet man ja erst heraus, wenn er freigeschaltet ist. Dazu muss man sich auf der Webseite von LIDL mobile registrieren. Schon klar, dass das nur mit Internet geht, oder? Mein eigenes Handy schmort noch in irgendeinem Karton vor sich hin, aber das von meinem Bruder geht. Wir geben also äußerst mühsam alle möglichen Daten ein, auch welche, von denen ich der Überzeugung bin, dass sie weder LIDL noch Fonic einen feuchten Kehricht angehen. SEPA-Lastschrift wollen die auch noch, wegen der Aufladung des Kontos. Na gut. Zweimal werden Eingaben nicht richtig erkannt, einmal hängt sich der Vorgang auf – es ist eine Quälerei.

Zwei bis drei Stunden soll es dauern, bis das System den Stick freischaltet. Dann soll das blinkende Lämpchen auf der Seite dauerhaft leuchten. Um die Wartezeit zu verkürzen, machen wir die ganze Prozedur gleich noch mal am Macbook Air der EvA.

Und warten.

Und warten.

Und warten.

Nach vier Stunden schwant uns, dass die Freischaltung in der erwarteten Form nicht zustande kommt. Da bleibt nur der Anruf bei der Hotline. Eine junge Dame hört sich unser Leid an, fragt Stick und Computer ab und kommt zu dem Ergebnis: „Das Betriebssystem Ihres Computers ist zu neu. Da müssen sie eine Update-Version der Treibersoftware installieren“.

Ich erspare euch das folgende, teilweise unangenehme Gespräch, denn als die Dame meint, ich würde den entsprechenden Treiber sicher auf der chinesischen Webseite von Huawei finden, geht mir die Höflichkeit flöten. Wie ich den da finden soll, wenn auf dem Stick keine Modellbezeichnung steht? Wie ich den runterziehen soll? Sie hat keine Ahnung, aber schließlich eine ellenlange URL, die ich fleißig mit dem Kuli aufschreibe.

Wieder Smartphone. Wir tippen mühsam die URL ab, finden mehrere womöglich passenden Dateien, laden eine vielversprechende herunter. Nun haben wir auf dem Handy eventuell den Treiber, den wir auf dem Macbook Air brauchen, um den Webstick zum Laufen zu bringen. Aber wie kriegen wir den vom Handy auf das Macbook?

Wir versuchen es per Bluetooth. Es kommt keine stabile Verbindung zustande, um die gerade mal 1,2 Mb zu überspielen. WLAN haben wir ja auch noch nicht. Vielleicht ganz oldschool per USB-Kabel? Ich wühle eins raus. Prima, aber der Android Explorer auf dem Macbook zeigt nur den Inhalt der Speicherkarte im Handy an, nicht des internen Speichers. Also ausstöpseln und die Datei von „Downloads“ auf die externe Karte verschieben. Dann wieder Kabel rein und rüber saugen.

Hurra, ich habe den (hoffentlich) richtigen Treiber auf meinem Macbook! Nach zwei Doppelklicks bin ich keinen Deut schlauer – irgendwas ist passiert, aber ich weiß nicht was. Netterweise verrät mir die beiliegende Anleitung, wie ich irgendeine Systemdatei hacke, um darin nachzuschauen, ob der neue Treiber auch in den Autostart eingetragen wurde. Wurde er.

Ich stecke den Webstick ein. Er öffnet ein Browserfenster – es lebt! Doch vor die Surfsitzung haben die Götter die Autorisierung gesetzt. Passwort, Daten, etc. Dann erst macht sich der Stick auf die Suche nach dem Netz.

Und findet es!

Wären mein Bruder und ich jünger und peinlicher, würden wir uns highfiven.

Ich kann surfen – und zu meiner Freude sogar recht flott. Aus dem Browser-Fenster des Sticks heraus kann ich außerdem die automatisch aktivierte 24 Stunden-Flat canceln und durch eine deutlich günstigere Monatsflat ersetzen. 10 Euro Startkapital sind ja schon drauf, gleich noch mal 10 dazu buchen. Und bei der EvA dann auch.

lidl

So, damit sollte alles erledigt sein, bis zur Übernahme durch Unity Media dürfte das reichen. Abgesehen von der Scheiße mit dem Treiber war das auch gar nicht so schmerzhaft. Fragt sich nur, wie Leute das machen, die von Computern weniger Ahnung haben als ich.

Drei Tage lang geht alles gut. Die Verbindung ist ausreichend stabil und schnell, ich verkneife mir angesichts der Erfahrungen von vor vier Jahren den Download größerer „Linux-Distributionen“.

Gestern nachmittag ist aber Schluss mit lustig. Die Internetverbindung schaltet von „flott“ auf „arschig“, es geht wirklich gar nichts mehr, obwohl das Browserfenster fröhlich „3G“ mit voller Empfangsstärke meldet. Ich klicke mich frustriert ein wenig durch die Tabs. Habe ich vielleicht die Monatsflatrate gar nicht gebucht? Ich drücke noch mal auf „Monatsflatrate buchen“. Diesmal poppt ein Fenster auf, dass man mir eine SMS schicken werde, mit der ich die Flatrate bestätigen solle.

Ahhhh! Das hatte ich vorher nicht gesehen. Mein Bruder auch nicht. Komisch. Aber egal. Mittlerweile habe ich auch mein Handy wiedergefunden. Nur leider: Das System hat ja die Handynummer meines Bruders gespeichert. Muss ich den jetzt in Düsseldorf anrufen? Bevor ich dazu komme, fällt mir im Browser ein Reiter mit „SMS“ ins Auge. Siehe da, bei LIDL/Fonic war man so schlau, einen kleinen SMS-Client einzubauen, um die Kommunikation direkt abwickeln zu können.

Ich sehe die SMS von Fonic, die ich mit einem resoluten „JA“ bestätigen soll. Mache ich auch sofort. Leider wird in den folgenden 30 Minuten mein Netzzugriff nicht schneller. Ich schaue erneut in die SMS. Ein Neuzugang. Da steht was davon, dass die Monatsflatrate automatisch freigeschaltet wird, wenn in den nächsten 48 Stunden mein Guthabenkonto dafür ausreicht. Zur Sicherheit klicke ich nochmal auf den Button „aufladen“. Na prima, das wird sicher gemacht, während ich eine Nacht drüber schlafe.

Heute geht es mal wieder in den Verlag – da habe ich Super-Internet, aber den Stick nehme ich trotzdem mit, um mal bei Fonic nachzufragen, ob mein Netz nun wieder mit Vollgas läuft. Während ich den Stick in mein Macbook ramme, erklärt mir der Hotline-Mitarbeiter freundlich, dass dem so sei – dalli dalli! Dann legt er seine Stimme eine Tonlage tiefer: „Aber nur im Rahmen der 24 Stunden Flatrate, das wissen Sie schon, oder?“

Weiß ich nicht nur nicht – macht mich auch recht baff. Ich hatte schließlich zweimal die Monatsflatrate gebucht und beim zweiten Mal auch eine Bestätigung an Fonic gesendet. Ja-haaa, muss ich mich aufklären lassen, das ist zwar alles richtig so, aber mein Konto sei nicht gedeckt gewesen.

Wie so das nicht? 10 Euro Startkapital und 10 Euro Aufladung macht 20 Euro. Und dann habe ich NOCH MAL auf „aufladen“ gedrückt, um auf Nummer Sicher zu gehen. 30 Euro. Monatsflatrate 15.99 Euro. Ja-haaa, bekomme ich erneut zu hören, aber nach Abzug der bisher verbrauchten Tagesflats hätte das eben nicht mehr ausgereicht, zumal die zweite Aufladung nicht verarbeitet werden konnte. Da hätte ich doch sicher eine SMS zu bekommen.

Während der Mann redet, stelle ich fest, dass gestern über Nacht tatsächlich noch ein paar SMS von Fonic reingekommen sind. Tenor: Nach der ersten Aufladung der Karte kann man über die Bank erst nach sieben Tagen wieder aufstocken. Und weil das so ist, hat man mir alternativ statt der Monatsflat nun wieder die 24 Stunden-Flat kostenpflichtig freigeschaltet.

Ich teile dem Service-Mitarbeiter mit, dass ich die 24 Stunden-Flat nicht haben möchte – leicht erkennbar daran, dass ich mehrfach versucht habe, die Monatsflat zu buchen. Ich bitte ihn, die Tagesflat zu stornieren Das gehe nicht weil, man höre und staune: „Die Tagesflat ist die dem Stick zu Grunde liegende Basisflat. Wenn Sie die Monatsflat nicht haben, wird die automatisch gebucht“. Er möchte mich vertrösten, dass ich ab dem 25.8., wenn die Sperrfrist abgelaufen ist und wieder Zugriff auf mein Konto besteht, sofort die Monatsflat buchen kann. In vier Tagen also.

Die Sache sieht demnach so aus: Ich habe Fonic einen Zugriff auf mein Konto erlaubt, eine Monatsflat gebucht – und surfe nun mit der teuren Tagesflat, weil Fonic nicht genug Geld von der Bank abbuchen kann, um die gewünschte Monatsflat überhaupt zu schalten.

Glücklicherweise hat der Mitarbeiter einen Workaround parat: „Kaufen Sie bei LIDL eine Prepaid-Karte, mit der können Sie die Monatsflat dann sofort freischalten.“

Ich verspreche ihm, das zu tun – und den Webstick nach Ablauf dieses Monats in den Müll zu werfen.

Ich hätte mein Blog Wutvogel nennen sollen.



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Lothar
Lothar

Zu dem Problem mit dem Android Handy. Normalerweise kommt Android mit einer Tetheringfunktion, d.h. das Handy fungiert als WLAN-Hotspot und du kannst deinen normalen Computer ganz normal nutzen. Je nach Tarif deines eigenen Handys hätte das vielleicht auch dein Überbrückungsproblem lösen können.

comicfreak

..es tut mir aufrichtig leid, aber ich habe mich fast bepieselt vor lachen.. Auch, weil wir ähnlichen Schwachfug gewohnt sind, nur arschiger:
Junior meine ALDI-Karte gegeben, Smartphone gekauft, Flatrate 300 gebucht.
Alles supi, nur Handy defekt.
Karte in altes Handy umgebaut, Smartphone umgetauscht, neu eingelegt:
Flatrate weg, Guthaben weg, alles nochmal neu aufladen und neu buchen.
*ARGH*
ALDI stellt sich tot.

Nichte wartet seit 9 Wochen auf die Telekom.

Und zum Thema Unitymedia: frag mal Kerstin, welchen Spaß sie hatte..

Ich drück euch die Daumen!

Dietmar

Ich glaube ja, das ganze Dings mit dem Internet funktioniert in Wirklichkeit gar nicht und sie trauen es sich nur nicht, uns das zu sagen …

Baumi
Baumi

Genau um mir solchen Ärger zu ersparen, lass ich die Finger von dem ganzen Billig-Technikkram bei Aldi und Lidl. Den Stress damit mag ich mir einfach nicht antun.

Andererseits heißt das natürlich, dass ich mir deutlich seltener Spielzeuge leisten kann, und wahrscheinlich entgeht mir auch das eine oder andere echte Schnäppchen. Aber das ist mir meine Seelenruhe wert. 😉

Ach ja: Kannst Du Dein Handy (wenn’s gerade nicht in irgend einem Karton verpackt ist) eigentlich nicht als WLAN-Hotspot oder Bluetooth-Modem benutzen? So mache ich das in solchen Fällen immer.

Steffen
Steffen

Du musst das verstehen.. es ist auch für die Anbieter halt Neuland.
Hatte das bei meinem letzten Umzug auch, auch mit einem Stick von Fonic. Was das teilweise für eine an Umständlichkeit kaum zu überbietender Scheisse ist, habe ich mich auch mehrfach gefragt. Zu der Zeit war ich beruflich auch zweimal im Ausland, Litauen und Niederlande. Da geht das alles so simpel und einfach, problemlos und deutlich günstiger.. auch überall WLAN frei verfügbar.. Neuland, ich sags dir!

Lothar
Lothar

> Litauen und Niederlande. Da geht das alles so simpel und einfach, problemlos und deutlich günstiger.. auch überall WLAN frei verfügbar.. Neuland, ich sags dir!

Das hat nichts mit Neuland zu tun, sondern mit der Tatsache, dass in Deutschland die Störerhaftung dafür sorgt, dass solche Angebote ein persönliches Risiko für denjenigen darstellt, der er dir Internet per WLAN zur Verfügung stellt.

Steffen
Steffen

@Lothar: Ich weiß, das war ja auch überspitzt auf diesen dummen Spruch von Merkel gemünzt. Dass die Störerhaftung im Weg ist und weg muss, darüber müssen wir glaube ich nicht diskutieren 😀