ABCs OF SUPERHEROES

ABCs-of-Superheroes-posterDeutschland 2015

REGIE

Jens Holzheuer, Oliver Tietgen

DARSTELLER

Bai Ling, Uwe Boll and a cast of thousands

Offizielle Synopsis: Filmemacher Oliver Tietgen hat es mit seinem fröhlich derben Splatterspaß BLOOD SNOW schon einmal in unser Get Shorty-Programm geschafft. Als nun für den zweiten Teil von ABCs OF DEATH ein Buchstabe per Wettbewerb an Fans vergeben wurde und sein Beitrag auf viel positives Feedback stieß, war ein persönliches Traumprojekt geboren: Sein Co-Regisseur Jens Holzheuer und er, stürzten sich mit Feuereifer in die Produktion von ABCs OF SUPERHEROES. Doch keine Verwurstung bekannter Helden à la Spider-Man und Co. sollte es werden, sondern 26 komplett neu erdachte Superfiguren mit garantiert politisch unkorrekten Superkräften! Mit Trashfaktor, schön unter der Gürtellinie, jede Menge Tits, Ass und Splatter satt – ein deutsches CHILLERAMA sozusagen. Mit Helden von A wie „Almighty Ape“ bis hin zu Z wie „Zee-Man“, entstand ein fantasievoll bunter Indiefilm, der mit Cameos von u.a. Jörg Buttgereit, Fettes Brot und Uwe Boll (als Präsident!) daherkommt. Selbst internationale Größen wie Lloyd Kaufman oder Bai Ling geben ihren Senf bzw. ihre weiblichen Reize dazu. Wartet ab, mit welchen Wunderwaffen etwa „Menstru-Girl“ ihre entsetzten Gegner in die Flucht schlägt oder wie wörtlich genau sich ein Shitstorm auf die Leinwand bringen lässt. May the Fist Fucking Force be with you!

Kritik: Falls ihr in dem Programmheftgeseier von oben eine Story vermisst, das hat schon seine Richtigkeit. Story gibt es hier nämlich nicht, nur eine Aneinanderreihung von Kurzvignetten zu Trash-Superheldenfiguren. Die Stichworte „Deutschland“ und „Anthologie“ und der Hinweis, dass es sich hier um eine Idee handelt, die sogar von den Machern von ABCs OF DEATH abgelehnt wurde, hätten Warnung genug sein können, aber ich Schaf ging natürlich trotzdem rein, weil ich sowieso da war und mir dachte, na, ein bisschen kurzweilige Unterhaltung wird sich hier schon finden lassen.

Diese Annahme erwies sich auf die gleiche Art und Weise als korrekt wie jene, dass man bei Jucken an der Nasenspitze technisch gesehen auch für Abhilfe sorgen kann, indem man das Gesicht in ein Wespennest steckt. Es ist nahezu unmöglich, adäquat in Worte zu fassen, wie sehr ABCs OF SUPERHEROES saugt. Ich werde es hier trotzdem tun, in erster Linie um Dampf abzulassen. Danke für eure Geduld.

Erstens ist es erschütternd, wie dilettantisch hier an allen Ecken und Enden gearbeitet wurde: Greenscreeneffekte haben so deutliche „Farbkanten“, als wären wir in den allerersten Folgen von „Kalkofes Mattscheibe“ in den 90ern, professionelle Beleuchtungscrews dürften in der Vorstellungswelt der Macher nur als mystische Fabelwesen vorkommen, Makeup ist entweder nonexistent oder Kinderfasching, Spezialeffekte sind made by Photoshop, und bei den Splattereffekten hätten die üblichen deutschen Amateur-Sudelfilmer sogar in ihrer Anfangszeit in den 80ern zum Neumachen geraten. Ehrlich, ich habe schon Youtube-Videos gesehen, die gegen das hier aussehen wie eine Spielberg-Produktion.

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Die Vorspannangabe „starring: … thousands of talented actors“ ist eine vermutlich gerichtsverwertbare Lüge: hier stehen Leute vor der Kamera, die als Kinder sogar von ihren Klassenkameraden in der Sonderschule noch aus der Laienspielschar herausgemobbt worden wären.

Und dann der Inhalt. Oh. Mein. Gott. Die Existenz eines Drehbuchs bestreite ich entschieden: das hier ist das, was rauskommt, wenn man sich besoffen zusammensetzt und „abseitige“ Superheldennamen erfindet und die schlechtesten Kalauer, die dabei rauskommen, alphabetisch ordnet und verfilmt. Nicht nur ist hier nichts, aber auch wirklich NICHTS auch nur irgendwie lustig (ich habe, wenn es hochkommt, in den ganzen endlosen 80 Minuten zweimal geschmunzelt und nicht einmal gelacht), nein, die erbärmlichen Humorversuche, soweit sie denn erkennbar waren, sind auch noch von einer besonders unangenehmen, piefig-konservativen Art: ihr wisst schon, die Art von Humor, der das pure Vorhandensein von Brüsten, Penissen, Pipikacka, Homosexuellen und albernen Karnevalsverkleidungen bereits für per se lustig hält. Es verhält sich qualitativ sogar zu Mario Barth ungefähr so wie Mario Barth zu Loriot.

Dazu ist da Ganze noch sexistisch ohne Ende – hier herrscht, was Frauen vor der Kamera angeht, so ziemlich ausnahmslos das Internetforumstroll-Motto „Tits or get the fuck out“. Irgendwie beeindruckend ist nur die Dummdreistigkeit, wenn hier ernsthaft Parodien von GUARDIANS OF THE GALAXY, HE-MAN oder ALF (nur halt jedesmal mit nackten Tatsachen) versucht werden – unnötig zu erwähnen, dass selbst die Abspänne der Originale noch witziger sind als der gefilmte Hirneiter hier.

Ich bin kein Kölner und habe mich daher nur indirekt geschämt, als im Film hinter mir oft und laut gelacht und nach dem Film applaudiert wurde, vermutlich von Leuten, die eine Gießkanne auch für eine ziemlich lustige Angelegenheit halten. Danach aufm Klo musste ich durch die geschlossene Tür den Kommentar vernehmen „Naja, ein bisschen mehr Budget, und es wäre MYSTERY MEN.“ Wer auch immer das gesagt hat, er ist offiziell wie ein übertriebener Vergleich: schlimmer als Hitler.

Fazit: Ich habe die legendäre FFF-Gurke VIRUS UNDEAD nie gesehen, bezweifle aber, dass der schlimmer ist als ABCs OF SUPERHEROES. Wenn das hier ein Film ist, ist „sich die eigene Kacke ins Gesicht schmieren“ eine Form von Makeup. Obwohl Unfähigkeit und Pansenhumor auf dem Papier weniger schlimm klingen als aktive Menschenverachtung, so verdient sich ABCs OF SUPERHEROES dennoch als der erste FFF-Beitrag seit MORITURIS die Ausnahmewertung von 0/10.

Marcus Heine



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DMJ

Das klingt glaubhaft furchtbar.
Schon in der Zusammenfassung lässt „Mit Trashfaktor, schön unter der Gürtellinie, jede Menge Tits, Ass und Splatter satt“ ahnen, was hier als Ersatz für Qualität dienen soll.

Davon abgesehen: Mich nervt es generell etwas, dass es deutsche Superheldenparodien gibt. Wir kriegen das echte Ding nicht hin (Captain Berlin lasse ich jetzt mal als einen schwer zu beurteilenden Einzelfall außen vor), aber machen uns darüber lustig? Dünnes Eis – dann sollten wir schon wirklich einen treffsicheren Zugang gefunden haben.

Manu
Manu

Hmmm… da ist wohl jemand mit einem falschen Ansatz in den Saal des schönen Residenz Kinos zu Köln geschritten.
Im Vorspann steht übrigens „starring: … thousands of *unbelievably* talented actors“ und war bereits der erste Gag, weil es offensichtlich nicht ernst gemeint ist. Die Macher haben ja gar nicht versucht, Qualität abzuliefern, deshalb kann/sollte man diese wohl auch nicht erwarten. Es ist absichtlich so billig und schlecht, dabei aber stellenweise – aufgrund einiger unfassbar abstrusen Ideen – erstaunlich kurzweilig. Das Billige sind zum größten Teil halt die Gags. Ich fand das schon lustig, einen Typen in miesem Affenkostüm über die Leinwand hüpfen zu sehen – das ist halt gewollte trashig/schlecht und ein extremer Kontrast zu dem glattgebügelten, generischen Einheits-Mainstream-Brei, der sonst auf die Leinwände der Republik projiziert wird.
Sexismus kann/darf man hier gerne vorwerfen, allerdings wird ja der Trash-Film an sich durch das „why is she naked?“ eben wieder hinterfragt, vielleicht sogar kritisiert. Kann/darf man wohl interpretieren.
Wer bei dieser Programm-Ankündigung einen guten und hochwertigen Film erwartet, erwartet das wohl auch von Herrn Dr. Uwe Boll und Michael Bay. Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde den Film nicht hervorragend, aber auch nicht so schlecht, wie er hier gemacht wurde. Denn man sollte immer die Parameter am Genre justieren, und da gibt es in dem Bereich (gewollt trashig) deutlich Schlechteres. Meine Kritik gilt also ausschließlich den Bewertungskriterien. Das Nervigste – und es wundert mich, dass das bei diesem Review völlig außen vor bleibt – ist, dass der Film auf „Englisch“ gedreht wurde. Es hört sich einfach nur grausig an und ist teils unverständlich, weil die „Schauspieler“ eben keine vernünftige englische Aussprache beherrschen. Verstärkt zwar den Trash-Faktor, aber nervt halt extrem…

Kastanie
Kastanie

Klingt nach einem Taubert-Film.

comicfreak

„Ich fand das schon lustig, einen Typen in miesem Affenkostüm über die Leinwand hüpfen zu sehen“
..damit ist Anspruch und Zielpublikum klar definiert.

Peroy
Peroy

Der Verweis auf Loriot als Beispiel für gehobenen Humor lässt aber auch tief blicken…

trackback

[…] ♣ ABCs of Superheroes […]

Manu
Manu

Ich bin ja nicht komplett anspruchslos, ich habe auch nicht gesagt, dass das total toll war (mehrfach betont), nur: Ich habe Blödsinn erwartet und das wurde auch geliefert. In dem was der Film wollte, hat er stellenweise eben funktioniert. Dennoch ist er absolut nicht die Krone des Genres, wie ich ebenfalls betont habe. Ich habe halt eine etwas andere Meinung dazu.

@Wortvogel: Das war eine Ausrede meinerseits, sondern eine Erklärung. Von Kunst habe ich nie gesprochen.
„Muss endgültig gar nichts mehr stimmen, und trotzdem johlen ein paar Spacken „Kult!“?“ – Nein, absolut nicht. Ich habe auch nichts von „Kult“ geschrieben. Zudem würde ich nicht jeden, den so etwas unterhalten kann, als Spacken bezeichnen. Ich habe das auch speziell zu diesem Film gemeint und nicht allgemein. Habe ich das so kryptisch ausgedrückt?
@comicfreak: Ganz genau, Anspruch war/ist bei diesem Film sehr niedrig, das Zielpublikum eben Leute, die Besseres kennen, sich aber über Dummfug amüsieren können. So habe ich das verstanden.

Und nur FYI: Ich bin jetzt nicht der größte Trash-Fan oder verteidige da irgendetwas. Mein Filmgeschmack ist sehr vielseitig.

Manu
Manu

Das sollte natürlich heißen: Das war Keine Ausrede meinerseits, sondern eine Erklärung. Von Kunst habe ich nie gesprochen.

Mencken
Mencken

@Manu: „Zudem würde ich nicht jeden, den so etwas unterhalten kann, als Spacken bezeichnen.“

Solltest Du aber.

Manu
Manu

Ich beurteile und richte Menschen nicht nach ihrem Geschmack, auch wenn er nicht meinem entspricht.

sergej
sergej

Häufig ist schlecht einfach schlecht und dilettantisch ist dilettantisch.

Dietmar

Gruseliger Trailer …

Marcus, Du hast gelitten. Aber für eine gute Sache: Review hat Spaß gemacht!

Marcus
Marcus

@Manu: ach je…

„Im Vorspann steht übrigens „starring: … thousands of *unbelievably* talented actors“ und war bereits der erste Gag, weil es offensichtlich nicht ernst gemeint ist.“

Mein Hinweis, dass das eine gerichtsverwertbare Lüge ist, war dagegen vollends ernstgemeint. Die Klageschrift ist schon auf dem Postweg, die einstweilige Verfügung schon beantragt. 😉

“ Die Macher haben ja gar nicht versucht, Qualität abzuliefern“

Das können die natürlich so machen. Und ich darf das dann Scheiße finden. Warum gewollter Trash schon konzeptionell eine Totgeburt ist, hat Torsten ja weiter oben schon erklärt.
Und wenn das wirklich die Intention der Macher war, müssten sie mich ja dafür beglückwünschen – selten hat ein Kritiker den künstlerischen Ansatz so vollkommen erfasst wie ich hier. „Genau, wir WOLLTEN ja absolute Scheiße fabrizieren. Endlich einer, der uns versteht!!!“ 😉

Was das grässliche Englisch der Darsteller angeht – erwischt. Hast Recht, das fiel mir auch sehr negativ auf. Aber wenn man um halb drei nachts im Hotelzimmer sitzt und seine geballte Verachtung auf die Tastatur kübelt, kann man im Eifer des Gefechts schon mal Aspekte vergessen. Zumal der Filmkonsum da schon wieder fast 12 Stunden her war.

„Ich habe halt eine etwas andere Meinung dazu.“

The one thing you can never be wrong about is your own opinion. (Roger Ebert)

„Mein Filmgeschmack ist sehr vielseitig.“

Meiner auch. Ich habe CHILLERAMA genauso abgefeiert wie WHITE BIRD IN A BLIZZARD, mag Birdman genauso gerne wie Batman. Und? Was ich oben rüberbringen wollte, ist: ABCS… ist auf jeder denkbaren Ebene ein Desaster. Man kann seine Erwartungen justieren, wie man will.

Und meine Bemerkungen zum Kölner Publikum oben sind natürlich auch eher als komödiantische Überhöhungen gedacht denn als ernsthafte Bewertungen ihres Charakters. Der Typ mit der MYSTERY MEN-Bemerkung ist natürlich in Wahrheit nicht wirklich schlimmer als Hitler, sondern nur sehr, sehr fehlgeleitet. 🙂

Marcus
Marcus

@Peroy: „Der Verweis auf Loriot als Beispiel für gehobenen Humor lässt aber auch tief blicken…“

Dann lies es halt „nur“ als „Verweis auf Loriot als Beispiel für gelungenen Humor“….

Manu
Manu

Ist doch schön, dass wir darüber diskutieren können. Jeder darf alles geil oder scheiße finden, ganz klar.
Nochmal: Ich finde den Film nicht geil, ich fand lediglich die Parameter der Bewertung nicht passend. Und das darf ich auch einfach zum Ausdruck bringen. Ich mache das ja auch, ohne jemanden zu beleidigen und ausnahmsweise mal ironiefrei, weil ich andere Menschen respektiere.

Dietmar

Was ist denn dann gehobener Humor überhaupt?

kuhbaert
kuhbaert

Alleine für den Rant und die anschließende Diskussion darüber, hat sich die Existenz des Filmes aus meiner Sicht schon gelohnt. Sonst hätte ich hier ja nichts amüsantes lesen können.

Danke dafür 🙂

Schauen werde ich den Unfall dann wohl lieber nicht.

DocAcula

Marcus ist doof und der Film unerwartet lustig…