FFF, Tag 6. So langsam machen sich die Ausfallerscheinungen bemerkbar. In OFFICE zB bin ich zwischendurch mal kurz weggepennt, was man dem Film aber eigentlich nicht vorwerfen kann.

OFFICE

fullsizephoto617497Worum geht’s? Der brave Büroangestellte Mr. Kim tötet seine Familie und verschwindet dann spurlos. Seine Arbeitskollegen rätseln: was trieb ihn dazu? Wer wird nun die neue Nummer 1 auf der Beförderungsliste? Und wo ist Kim? Vielleicht sogar im Bürogebäude selbst?

Wie ist er? Dieser koreanische Horrorthriller gibt uns einen ausführlichen Einblick ins Haifischbecken der koreanischen Arbeitswelt, wo jeder gegen jeden intrigiert und nur die Frage zählt, wie man sich am besten beim Chef zur nächsten Beförderung schleimt oder zumindest den Rausschmiss verhindert. Und wenn ich „ausführlich“ sage, mein ich das auch so – die Laufzeit ist mit knapp 2 Stunden üppig, und der Film legt ein eher gemäßigtes, um nicht zu sagen zähes Tempo vor.

Gucken? Wie ein Mitstreiter sagte: „Arbeit ist Scheiße – der Film“. Kann man gut gucken, wenn man etwas Sitzfleisch mitbringt. 7/10.

STRANGERLAND

strangerland_ver2Worum geht’s? Nicole Kidman und Joseph Fiennes ziehen ins australische Outback und verlieren dort erst ihre Kinder, dann langsam ihren Verstand…

Wie ist er? In kraftvollen Bildern wird hier das beschauliche Kleinstadtleben im Outback eingefangen und mit dem feinen Pinsel das Portrait einer Familie gezeichnet, die hier eigentlich nie leben wollte, die es aber nunmal hierhin verschlagen hat. Im weiteren Verlauf interessiert sich der Film auch weniger für das Verbleiben der verschwundenen Kinder, sondern vielmehr dafür, was der Verlust und die Ungewissheit mit den Eltern machen, und wie sich das Bild, dass sich die Gemeinde von der Familie macht, so langsam wandelt, wie Verdächtigungen aufkommen, Gerüchte gestreut werden.

Das Ganze wird von großartigen Darstellern und einer flüssigen Regie getragen, die dafür sorgen, dass der Film auch dann nicht langweilig wird, wenn das Thriller-Element etwas abflaut, weil dem Zuschauer klar wird, dass er hier keine befriedigende Auflösung des Kriminalfalls mehr erwarten kann.

Gucken? Eher was für Drama- denn für Thrillerfreunde. Aber insgesamt sehenswert. 7/10.

DEATHGASM

Deathgasm-poster-580x870Worum geht’s? Brodie zieht gezwungenermaßen, weil seine Mutter in die Klapse gesteckt wurde, in ein neuseeländisches Kaff. Egal ob bei den School-Bullies oder bei seinem frommen Onkel, nirgendwo hat der eingefleischte Metalfan einen leichten Stand. Mehr aus Langeweile wird mit dem lokalen Störenfried und Mit-Metaller Zack und zwei Rollenspiel-Nerds die Metalband „Deathgasm“ aus der Taufe gehoben, und die paar Notenblätter, die sie bei einem alten Metalmusiker-Zausel haben mitgehen lassen, sind ja wohl prima Material für die erste Single. Blöd nur, dass es sich dabei um die „Black Hymn“ handelt, eine vom Leibhaftigen persönlich komponierte Zaubermusik zum Heraufbeschwören eines Dämonenkönigs mit apokalyptischen Absichten. Noch blöder, dass die Musik als Nebenwirkung alle Nachbarn in besessene Zombiemonster verwandelt…

Wie ist er? Ich rede nicht lange drumherum: er ist super. DEATHGASM ist exakt so witzig, splatterig, rasant und liebenswert, wie der Trailer das vermuten lässt. Sympathische Figuren, gute Sprüche, Slapstick, Funsplatterszenen satt (ich würde sagen, nur TURBO KID treibt es dieses Jahr noch doller in der Hinsicht), ein knackiges (wenn auch wenig originelles) Drehbuch, temporeiche Inszenierung und Metal nicht als jugendverderbender Schund, sondern als Stütze und identifikationsstiftendes Merkmal für Außenseiter – alles da, und von allem reichlich.

Gucken? Aber hallo! Man muss schon sehr sauertöpfisch und humorlos sein, um sich hier nicht zu amüsieren. 9/10.

FRANKENSTEIN

frWorum geht’s? Dr. Frankenstein erschafft (diesmal in unserer Zeit und per 3D-Drucker statt mit Nadel und Faden) eine künstliche Kreatur, die aber wohl noch unausgereift ist und bald nach der Geburt körperlich zu verfallen beginnt. Trotzdem ist die Kreatur nicht nur superstark, sondern auch widerstandsfähig genug, um die eigene Entsorgung via Giftspritze zu überleben und fortan als Obdachloser durchs Land zu irren, auf der Suche nach seinen Schöpfern…

Wie ist er? Oh Boy. Hier haben wir ein Musterbeispiel für die Gattung Film, die „schlecht“ ist, aber nicht so sehr wegen aktiver „schlechter“ Aspekte, sondern wegen der Abwesenheit von „guten“ Aspekten.

Wenn man denn schon den Frankenstein-Mythos in unserer heutigen Zeit aus Monstersicht nacherzählen muss, dann wüsste ich nicht, wie man das groß anders machen sollte als Regieveteran Bernard Rose es hier getan hat. Aber dennoch ist der Film eine nahezu durchgehende Enttäuschung, weil er einfach weder Spaß macht noch interessant ist.

Alles hier ist langsam, zäh, kitschig, nichtssagend und deprimierend, und Kenner des Romans sehen wirklich jeden Plotbeat meilenweit kommen, was den Film nur noch ermüdender macht. Wann immer sich der Film für seine Modernisierung des Stoffes was einfallen lassen muss, ist diese Entscheidung denkbar unglücklich – fehlte uns am klassischen Stoff wirklich eine Szene, wie das Monster mit der Flasche gesäugt wird wie ein Baby, oder wie das Monster Sex mit einer Prostituierten haben will? Und kann es nicht sein, dass Mary Shelley die Geschichte deshalb großteils nicht aus der Sicht des Monsters erzählt hat, weil es nicht besonders spannend ist, hautnah mitzuerleben, wie einer kaum artikulationsfähigen Kreatur von der ach so bösen Welt ach so übel mitgespielt wird?

Dazu schleichen sich diverse Logikfehler und nicht auserzählte Handlungslücken ein, die ich hier nur dann aufzählen würde, wenn ich sicherstellen wollte, dass sich mein Review so zäh lesen soll, wie sich der Film gucken lässt. Und das erspare ich euch und mir dann doch lieber.

Ach ja, wem sowas wichtig ist – gesplattert wird zuhauf und durchaus heftig. Hilft aber im Endeffekt auch nichts.

Gucken? Nicht mal für Frankenstein-Komplettisten wirklich zu empfehlen. 3/10.

Marcus Heine



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Bei „Office“ und „Deathgasm“ waren wir dann ja ausnahmsweise mal gleicher Meinung (besagter Mitstreiter war übrigens ich). Bei „Frankenstein“ hatte ich dann wohl den richtigen Riecher:-)