FFF, Tag 7. Das Ende ist in Sicht. No rest for the wicked!

POSSESSED

pos esoWorum geht’s? Die Flamencotänzerin Trini hat es nicht leicht – ihr Torero-Ehemann ist tot, und ihr Sohn vom Teufel besessen. Okay, vielleicht hätte sie ihn nicht „Damian“ nennen sollen. Jetzt kann nur noch einer helfen: Pater Lenin, der Exorzist!

Wie ist er? Schick, Knetfiguren-Animation hatten wir schon länger nicht mehr. Und dann auch noch aus Spanien. Klar, dass ich da einen Blick riskieren wollte. Und ich wurde nicht enttäuscht – die Animationen sind der Hammer, und der ganze Film sehr kurzweilig und mit diversen guten, teilweise echt dreckigen Gags , und kiloweise Anspielungen auf Exorzist, Omen, Evil Dead und Konsorten.

Die Kehrseite der Medaille: Außer den Witzen und den Zitaten hat der Film inhaltlich so gar nichts zu bieten. Die Story ist dünn und klischeebeladen. Wenn das hier ein Realfilm wäre, wäre er gerade mal auf dem Niveau einer der besseren späten Leslie Nielsen-Klamotten.

Gucken? Ohne die putzige Knetfiguren-Animation würde kein Hahn danach krähen. Aber dennoch solide Unterhaltung. 7/10.

HELLIONS

Beauty, Power and GraceWorum geht’s? Es ist Halloween, und die 17jährige Dora (Berufswunsch: Entdeckerin, nehme ich an) hat gerade erfahren, dass sie von ihrem Freund schwanger ist. Schwer zu verdauen, das, aber egal – während Mutter und kleiner Bruder Süßes oder Saures spielen gehen, wirft sie sich in ihr Engelskostüm und wartet auf besagten Freund, um sie für eine Party abzuholen. Stattdessen bekommt sie Besuch von ein paar Kindern in unheimlichen Kostümen. Spätestens als sie den Kopf ihres Freundes in deren Süßigkeitensack erspäht, wird klar: das sind keine Kinder. Und sie wollen – gerade von ihr – auch was anderes als Süßes…

Wie ist er? Klingt doch nach einem guten Setup für einen Horrorfilm, oder? Ungewollte Schwangerschaft mag gerade für so ein junges Mädchen das sein, was „Body-Horror“ im wahren Leben am nächsten kommt, und in so einem emotional verwundbaren Moment, wo sie eh nicht weiß, was sie fühlt und wie es weitergehen soll, mit einer so monströsen Bedrohung konfrontiert zu werden, die explizit hinter ihrem ungeborenen Kind her ist – das ist doch genau die Kombination aus äußerem und innerem Schrecken, aus der der beste Horror erwachsen kann.

Tja, soviel die Theorie. Praktisch ist HELLIONS mit „konfus“ noch wohlwollend umschrieben. Wie seinerzeit Rob Zombies LORDS OF SALEM (hier nur noch hektischer) reiht PONTYPOOL-Regisseur Bruce MacDonald hier einen plakativen Schockeffekt an den anderen, schichtet Gimmick auf Gimmick (insbesondere die augenkrebserregenden Farbfilter seien negativ hervorgehoben), stapelt die WTF-Momente in immer abstraktere Höhen (Ein Sturm nur IM Haus? Explodierende Kürbisfelder? WHAT?), bis man sich erst fragt, weswegen genau man sich an der Stelle jetzt eigentlich noch fürchten soll, wie das hier alles zu verstehen ist (Realität? Traum? Halluzination? Andere Dimension? Ich weiß es doch auch nicht.) – und dann schließlich vor lauter Verwirrung das Interesse verliert.

Gucken? Trotz interessanter Ansätze letztlich ein Mindfuck-Movie, das nicht so recht weiß, wie es unsere Minds denn nun eigentlich fucken wollte. Muss nicht. 4/10.

RABID DOGS

ENRAGÉS

Worum geht’s? Drei Bankräuber (okay, anfangs eigentlich vier) werden von der Polizei gejagt. Nach ihrer blutigen Flucht vom Tatort nehmen sie eine Frau und später einen Vater mitsamt seiner für eine unmittelbar anstehende Operation sedierte vierjährigeTochter als Geisel, um der Ringfahndung mit dem Auto des Vaters zu entkommen. Eingezwängt in das Auto und mit der unerbittlich tickenden Uhr (die Tochter muss offenbar in etwa 7 Stunden im Krankenhaus sein), entwickelt sich ein unerbittliches Psychoduell…

Wie ist er? Dieser französische Reißer ist das Remake von CANI ARRABIATI, dem letzten und untypischsten Film der italienischen B-Film-Legende Mario Bava.

Der Film folgt im Wesentlichen dem Original, mit ein paar erwähnenswerten Abweichungen: so spart man sich hier weitestgehend die Sleaze-Anteile (Virginie Ledoyen wird das gefreut haben, und mich stört es überhaupt nicht – ich wollt es nur erwähnen), und baut einen Zwischenstopp in einem kleinen Dorf ein, wo gerade ein seltsames Fest gefeiert wird. Dass den Machern ein besseres Ende als das bitterböse von Bava einfallen würde, hab ich nicht erwartet, und das tat es dann auch nicht.

Die Machart des Films ist tadellos – gute Darsteller, slicke Regie, treibender Soundtrack, saftige, aber nie selbstzweckhafte Gewalt.

Gucken? Viel besser geht ein Remake von Bavas bösem kleinen Film nicht. Pflichttermin für Thrillerfreunde. 8/10.

EXTINCTION

Extinction---Cartel-TeaserWorum geht’s? Die Zombieapokalypse ist rum und hat offenbar direkt einer Eiszeit Platz gemacht (hey, zwei Apokalypsen zum Preis von einer. Nice.). Der Familienvater Jake lebt mit seiner neunjährigen Tochter Lu in einem verbarrikadierten Haus, mit lediglich dem Einsiedler Patrick als Nachbar. Jake traut Patrick nicht, und natürlich werden wir noch erfahren wieso. Aber bald wird er Patricks Hilfe brauchen, denn die Zombies sind offenbar doch noch nicht durch die Kälte ausgestorben…

Wie ist er? Ja, ich weiß, die „Infizierten“ hier sind nicht wirklich „Zombies“ im Wortsinne. Ist aber egal, das hier ist ein waschechter Zombiefilm mit allem, was dazu gehört. Belagerungsszenarien, verzweifelte Abwehrschlachten gegen anbrandende Untotenhorden, das Sammeln von kostbaren Vorräten im feindlichen Ödland, alles da. Und alles sehr griffig und hochwertig gefilmt, und da, wo es das sein muss, auch packend. Splatter gibt es auch, wenn auch nicht in extremer Ausprägung. Dazu kommt eine erfreuliche Fixierung auf die Charaktere, die den Film über das übliche Zombiegedöns erhebt – den Zuschauer interessiert die gemeinsame Vergangenheit von Jake und Patrick, und er schert sich um die Sicherheit von Lu.

Auf der Sollseite muss man leider anmerken, dass der Film zwar sehr gut gemacht ist, aber wirklich so ziemlich null eigene Ideen einbringt. Und er ist streckenweise echt depri, über einen Großteil der Laufzeit ohne allzuviel Action, die davon ablenken könnte.

Gucken? Unoriginell, aber gut gemacht. Zombiefans greifen zu. 7/10.

SOME KIND OF HATE

Some-kind-of-hateWorum geht’s? Emo-Weichbrötchen Lincoln wehrt sich nach jahrelangem Leidensweg endlich gegen seinen Schulhof-Bully und haut ihm eine Gabel in die Fresse. Dafür wird er gleich mal in ein Erziehungscamp am Arsch von nirgendwo eingewiesen, wo ihm die so heiße wie kaputte Caitlyn schöne Augen macht, aber dafür auch neue Bullies lauern. „Ich wünschte, sie wären alle tot!“, heult Lincoln. Oh-oh, denkt der Zuschauer, und Recht hat er.

Wie ist er? For f***s sake.

Das FFF ist fast zu Ende. Wieso muss so kurz vor Schluss noch so ein Film um die Ecke kommen? Ganz ehrlich, ich weiß nichtmal, was von diesem Film objektiv zu halten ist. Dazu müsste man den noch ein paarmal gucken und dann ellenlang drüber schreiben. Und dazu hab ich keine Lust.

Deswegen erlaubt mir anstelle eines nachvollziehbaren Reviews den Hinweis, dass der Film so ziemlich alles tut, was man tun kann, um mich ganz persönlich anzupissen. Eine Auswahl:

Nerviger „Held“? Check. Lincoln ist eine Klischee-Emo-Heulsuse, die nur zwei Aggregatzustände kennt: „buhu alle sind soo gemein zu mir“-Memme und „grrr ich bring euch alle um“-Amokläufer in spe.

Ausschließlich unsympathische Figuren? Check. Wann immer wer ins Gras beißt, ist das gut, weil: einer weniger, der einem auf den Sack geht.

Unklare Hauptfigur? Check. Lincoln soll es wohl sein, aber er verschwindet so ab der Mitte mal eine Weile fast völlig aus der Handlung.

Bescheuerte Grundidee? Check. Das Programmheft verrät sie nicht, also tue ich es auch nicht. Aber glaubt mir, sie ist total behämmert.

Inkonsistente Charakterzeichnung? Aber sowas von Check. Jedes Persönlichkeitsmerkmal existiert hier nur so lange, bis es dem Drehbuch nicht mehr in den Kram passt. Besonders auffällig ist das bei Caitlyn, die teilweise innerhalb derselben Szene zwischen „Serienkillergroupie“ und „von Gewissensbisse geplagte Gutmenschin“ schwankt.

Kaum Spannung? Check.

Gucken? Was weiß denn ich, ob ihr den gucken solltet. Das da oben ist alles rein subjektiv. Ich fand ihn auf jeden Fall grässlich. 3/10.

Marcus Heine



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Weitgehende Zustimmung – ich fand nur „Possessed“ besser (aber ich mochte ja sogar „Repossessed“ ein ganz klein wenig :P) und „Rabid Dogs“ ein wenig schwächer.
„Some Kind of Hate“ hat einen Existenzberechtigungspunkt – Grace Phipps. Die ist heiß 😀