what we do in the shadowsNeuseeland/USA 2014. Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi. Darsteller: Jemaine Clement, Taika Waititi, Jonny Brugh, Cori Gonzalez-Macuer, Stu Ruthrford

Offizielle Synopsis: Es war für Viago zwar noch nie besonders leicht, ein Vampir zu sein, aber in den letzten drei Jahrhunderten hat er sich mit den unangenehmsten Nebenwirkungen einigermaßen arrangiert. Im Augenblick jedoch würde er lieber herzhaft in eine Knoblauchknolle beißen, als den Buhmann für seine WG-Kumpels Deacon, Vlad und Petyr zu spielen, von denen keiner in den letzten fünf Jahren auch nur einen einzigen blutigen Abendbrotteller abgespült hat. Im Gegenteil: In der Küche türmt sich das Geschirr, im Flur hängen Spinnweben, im Keller liegt noch ein Haufen alter Knochen – da ist es Zeit für ein paar ernste Worte auf der abendlichen Mitbewohner-Versammlung. Nur Petyr darf sich drücken, weil er mit seinen 8.000 Jahren halt doch schon ein bisschen gebrechlich ist …

Kritik: Eine Fake-Vampirdoku – hatten wir das vor zwei, drei Jahren nicht schon mal? Irgendwas aus Belgien? Ich erinnere mich nur vage, weil ich es selber nicht gesehen habe. Wie dem auch sei: „What we do in the Shadows“ ist ein launiges Stück Pseudo-Dokumentarismus über über vier Vampire, die in Wellington in einer WG leben und auf Grund ihrer Altersunterschiede (die von 90 bis 8000 Jahren reichen) so manchen freundschaftlichen Zwist aushalten müssen. So hat einer seit fünf Jahren die blutigen Kelche nicht gespült, der andere hat die Hypnose verlernt – und der uralte Nosferatu ist nur noch ein alter Stinker, mit dem keine Party zu machen ist. Mit dem jungen Nick kommt etwas frisches Blut in die Clique und am Ende freundet man sich sogar mit dem örtlichen Rudel Werwölfe an – auch wenn die stinken und sich gegenseitig am Hintern schnüffeln.

SO ist es richtig! „What we do in the shadows“ ist genau die Form von introspektiver Genrekomödie, die ich mir erhofft hatte. Nicht der billige Klamauk von „Wolfcop“, sondern eine grundsympathische „Vampire sind auch nur Menschen“-Erzählung, die Absurdität und Slapstick mit einem Sinn für das Groteske paart. Vampire sind nämlich nicht auch nur Menschen – sind sind vor allem faule Gewohnheitstiere, vom ewigen Leben unsäglich gelangweilt und ohne wirklich solides Einkommen.

Die Liebe zum Detail begeistert – alte Fotos, Requisiten, Wortspiele, Verweise auf die verschiedensten Vampirmythen. Die Darsteller lieben ihre Figuren, geben ihnen Leben und Sympathie trotz des komplett hirnrissigen Umfelds. Und wenn dann mal ein Opfer blutigst aufgefressen werden muss – na ja, es läuft halt nicht immer perfekt. Sie meinen es ja nicth so.

Als bunte und volle Packung Entertainment kann man „What we do in the shadows“ in einem Rutsch weggucken, ohne sich auch nur eine Sekunde zu langweilen. Der Film verträgt sicher auch zwei oder drei Sichtungen. Klar hätte man darüber hinaus noch etwas mehr Augenmerk auf einen „echten“ Plot legen können und die Einbindung des Dokumentar-Teams ist eher halbgar. Aber wie sage ich immer? Niggeligkeiten.

hochFazit: Bezaubernd sympathische und spielfreudige „Vampir-Doku“ von einer Hälfte der „Flight of the Conchords“. Mehr Biss als „Twilight“, mehr Blut als „True Blood“, mehr Lacher als „Bloodrayne 3“.



avatar
7 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
3 Comment authors
Meine (un)gefragte Meinung zu den neuen X-Akten | Wortvogel - 100 % Torsten DewicomicfreakFFF 2015: Therapie für einen Vampir | Wortvogel – 100 % Torsten DewiThiesMarcus Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste
Benachrichtige mich zu:
Thies
Thies

Yep, das war ein echter Crowdpleaser, was ungewöhnlich ist für das FFF-Centerpiece, das sonst eher in die Richtung nüchternes Arthouse-Kino geht. Sehr schön wie hier Genre-Regeln auf ihre praktischen Auswirkungen im Alltag abgeklopft werden, z.B. wie schwierig es ist für einen Vampir in eine Disco zu kommen, wenn er kein Haus ohne Einladung betreten darf.

Das Doku-Setting sorgt zwar immer mal wieder für „Welcher Trottel würde in dieser Situation immer noch weiterfilmen?“-Momente, aber als Found-Footage gestählter Genre-Fan ist man derartige Logiklöcher bereits gewohnt. 😉

trackback

[…] final hours ♦ Time Lapse ♥ Under the Skin ♥ We gotta get out of this place ♣ Wer ♥ What we do in the Shadows ♦ Wolfcop ♦ Wrong […]

Marcus
Marcus

Ich muss den nochmal gucken, weil ich einen Gutteil der Dialoge nicht verstanden habe, weil im ausverkauften Kino zu laut gelacht wurde. 10/10.

Thies
Thies

Inzwischen ist der Film mit dem dämlichen Titel „5 Zimmer, Küche, Sarg“ auch auf DVD und BluRay erschienen. Auch bei der Neusichtung blieb der Eindruck bestehen es mit einer schönen Parodie zu tun zu haben, die ohne Saalpublikum selten für echte Brüller sorgt, aber dafür ein zufriedenes Grinsen beim Zuschauer hinterlässt.

trackback

[…] reichen, „Therapie für einen Vampir“ zu einer Art europäischen Antwort auf „What we do in the Shadows“ zu machen. Doch leider reicht es dafür dann doch nicht. Rühm nicht seinen Stoff und seine […]

comicfreak

..gerade heute Nachmittag mit Junior gesehen (danke an Marcus) und wir mögen Stu 🙂

trackback

[…] das Monster von einem Darsteller spielen lassen, der sich gerade als Werewolf (not swearwolf!) in "What we do in the Shadows" Kultstatus verdient hat? Bricht das nicht mit jeder Realität des X-Files-Universums? Und wieso […]