28
Aug 2009

NDR: Wenn aus der Affäre eine Ehe wird – und aus der Ehe wieder eine Affäre

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

tatort

Wer sich ein bisschen für das Thema interessiert, wird es mitbekommen haben – die Fernsehspiel-Chefin des NDR wurde ihres Amtes enthoben, weil sie ihrem Ehemann über Jahre Drehbuchaufträge erteilte, die dieser unter falschem Namen erfüllte. Um das Gemauschel zu vertuschen, bekam "Niklas Becker" in den Tatort-Presseheften sogar eine fiktive Biographie.

Wir reden hier von Geld, ziemlich viel Geld. "Tatort" wird regelmäßig in diversen Dritten Programmen wiederholt, und in der Regel gab es früher keinen sogenannten Buyout – was bedeutet, dass der Autor für jede weitere Ausstrahlung erneut sein Honorar ausbezahlt bekommt. Es gibt Schreiberlinge, die von einer Handvoll "Tatort"-Episoden den Rest ihres Lebens ganz gut finanzieren.

Ein klarer Fall von krassem Amtsmissbrauch, und in den Online-Artikeln wird auch mit angemessener Empörung reagiert.

Ich bin mir aber nicht so sicher, ob man den Vorgang so schwarzweiß betrachten sollte. Und darum würde ich gerne eure Meinung dazu wissen.

Tatsache ist: Mauscheleien sind bei den Sendern (aber auch bei Verlagen, Pharma-Firmen, Parteien, etc.) an der Tagesordnung. Das fängt schon damit an, dass Redakteure bevorzugte Autoren haben, oder man sich verpflichtet fühlt, altgediente Regisseure immer wieder anzuheuern. Freundinnen und Lebensgefährtinnen werden lukrative, aber gefahrlose Jobs zugeschoben, in Kumpel-Netzwerken hilft jeder jedem. Beziehungen und Abhängigkeiten werden teilweise über Jahrzehnte kultiviert. Der NDR-Fall ist nur die Spitze eines Eisbergs, der nie schmelzen wird.

Tatsache ist aber auch: Was soll ein Autor machen, dessen Ehefrau in verantwortlicher Position arbeitet? Er steht damit (in diesem Fall) nicht nur bei einer Produktionsfirma vor verschlossenen Türen, sondern bei der gesamten norddeutschen TV-Branche. "Tatort Kiel", "Tatort Hamburg", "Tatort Niedersachsen", "Polizeiruf 110" – unabhängig von seinen Fähigkeiten sind die Königsdisziplinen der Fernsehunterhaltung für ihn tabu. Ist das fair?

Dem Vernehmen nach waren die "Tatorte" von "Niklas Becker" sehr gut. Die Gebühren der Zuschauer wurden nicht verschleudert, der Gegenwert wurde geliefert. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Drehbücher von anderen Autoren signifikant besser gewesen wären. Wenn es ein Betrug war – wo ist der Schaden? Der Geschädigte? Der Verlust?

Andererseits: Wie ärgerlich muss es für Autoren sein, die in den letzten Jahren "Tatorte" gepitcht haben, nur um jetzt zu erfahren, dass sie sowieso keine Chance hatten, weil die Fernsehspiel-Chefin die Aufträge intern dem Gatten zugeschustert hat?

Klar sollte ich als Autor keine Aufträge nur deshalb bekommen, weil ich mit der zuständigen Redakteuse schlafe – aber sollte ich aus demselben Grund Aufträge verweigert bekommen? Die Grundlage der Auftragsvergabe sollte doch so oder so die Qualität meiner Arbeit sein, oder?

Ich habe keine Antwort auf diese Fragen, weil ich beide Seiten bis zu einem gewissen Grad verstehen kann.



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charlotte sometimes
28. August, 2009 13:22

das beste wäre ein unabhängiges gremium über anonymisierte bewerbungen entscheiden zu lassen

Dirk
28. August, 2009 13:40

Die Antwort ist recht simpel: Natürlich darf der Ehemann am Pitch teilnehmen, am besten auch unter richtigem Namen. Nur darf dann seine Ehefrau nicht alleine entscheiden, wer den Zuschlag bekommt, sondern es sollte halt wirklich einzig und allein die Qualität zählen. In dem Fall muss sie also die Entscheidung abtreten, und da er sicherlich nicht bei allen Ausschreibungen mitmachen wird, wird sie das in ihrer Jobausübung auch nicht zu sehr einschränken, oder es muss ein Gremium (3 Personen, sonst gibts nie eine Einigung) entscheiden.

Mencken
Mencken
28. August, 2009 13:53

Ich stimme grundsätzlich Dirk zu (entscheidend ist wer die Aufträge dann vergibt, nicht wer sie bekommt), wobei sich die Frage in diesem Fall für mein Empfinden nicht stellt, da die Teilnahme unter falschem Namen bereits ein Täuschungsversuch und Eingeständnis unredlichen Handelns ist.
Generell ist das "sowieso alle korrumpiert" Argument für mich auch nicht akzeptabel, wobei man da sicher noch genauer differenzieren müsste.

Jorge
Jorge
28. August, 2009 14:58

Es ist sicherlich ein normaler und in jeder Hinsicht vernünftiger Vorgang, lieber mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man kennt und denen man vertraut. Darin kann ich noch keine Mauschelei erkennen, erst recht keine Korruption. Anrüchig finde ich auch nicht, dass der Ehemann Drehbücher an den Arbeitgeber seiner Frau verkauft, zumal es sich nach meinen Recherchen lediglich um fünf Bücher in acht Jahren und nach Wortvogels Recherchen um qualitativ hochwertige Produkte gehandelt hat. Problematisch ist vielmehr, wie das Ganze gehandhabt wurde. Dass man dafür nur gefeuert werden kann und muss, sollte allen Beteiligten klar gewesen sein.

Die Idee mit einem Gremium scheint mir die beste zu sein (aber ich vermute, dass es in der Praxis auch so gehandhabt wird und nicht eine Person allein darüber entscheidet, was gedreht wird). Die mit den anonymisierten Bewerbungen halte ich für unrealistisch, weil ja nicht nur ausgereifte Drehbücher angeboten werden (kein professioneller Autor wird monatelange Arbeit in ein Skript investieren können, ohne eine gewisse Verkaufssicherheit zu haben), sondern viele Exposés/Pitches unterschiedlicher Länge, sodass niemand einen sicheren Rückschluss auf die Qualität des daraus entstehenden Drehbuchs machen kann, solange man den Autor und dessen Arbeit nicht kennt.

@wortvogel: Manchmal muss man sich im Leben entscheiden: Entweder heirate ich einen Menschen und akzeptiere alle damit verbundenen beruflichen und gesellschaftlichen Vor- und Nachteile, oder ich lasse es bleiben und behalte meine Freiheit als Autor und Mensch. Das ist in anderen Bereichen sicherlich ähnlich. Aber ich stimme dir zu: Es ist nicht fair, jemandem Aufträge zu geben, nur weil man ihm verbunden ist. Und genauso unfair ist es, keine Aufträge mehr zu bekommen, nur weil man jemandem verbunden ist. Ich weiß also auch keine Antwort. Viele Interaktionen bewegen sich halt in einer Grauzone, wo Anstand und Fingerspitzengefühl gefragt sind; und an beidem scheint es dem Pärchen gemangelt zu haben.

Dr. Acula
28. August, 2009 15:21

Eigentlich gibt’s da nur eine Möglichkeit – full disclosure der Beziehungen auf beiden Seiten. Man wird zwar dann auch den leicht müffelnden Geruch von Mauschelei und Protektionismus nicht aus der Welt schaffen können, kann aber zumindest Transparenz und Nachvollziehbarkeit schaffen.

floham
28. August, 2009 15:21

Für mich sind hier zwei Dinge ausschlaggebend:

a) die Verwendung des Pseudonyms -> ich hätte kein Problem damit, wenn der Autor offen unter echtem Namen (und Beziehung) pitched. Solange dann nachher die Qualität stimmt hat sicherlich keiner ein Problem (auch wenn die Maßstäbe sicherlich eher strenger als lockerer wären).

b) die Tatsache, dass sich das ganze im öffentlich-rechtlichen Raum anspielt. Einfach deswegen, weil die Gewinnerzielungsabsichten einer privaten Firma für einen größeren Druck auf die Qualität/gegenleistungen sorgen.

Tornhill
Tornhill
28. August, 2009 15:36

Schließe mich meinem Realnamensvetter (Dirk) an: An sich muss man auch als Gatte von Entscheidungsträgern mitmischen können, allerdings sollte dann (wenn es um öffentliche Gelder geht) nicht dieser allein die Entscheidungsgewalt haben. Ganz unabhängig von bösem Willen droht einfach die Voreingenommenheit.
Dass man dies nicht getan, sondern ein Pseudonym benutzt hat, macht die ganze Sache jetzt anrüchig. Muss nichts Amoralisches hinter stecken, kann auch rein die Sorge vor Gerüchten sein, aber da muss man dann halt das Risiko auf sich nehmen.

Wortvogel
Wortvogel
28. August, 2009 15:44

@ alle: Die Idee mit dem Gremium hatte ich auch, aber das hat natürlich viele Fußangeln: auch ein Gremium wird sich ungern gegen die Fernsehspiel-Chefin stellen, oder Eingaben gerade deswegen ablehnen, weil es unabhängig wirken will. Das verlagert das Problem nur. Außerdem wäre es kostenmäßig nicht zu rechtfertigen – wie oft tritt so ein Fall von Interessenskonflikt schon auf?

Jorge hat gut beschrieben, warum Anonymisierung in diesem Bereich unrealistisch ist.

Und ja, gerade die Vertuschung hat aus dem Interessenskonflikt in meinen Augen einen klaren Betrug gemacht.

Wortvogel
Wortvogel
28. August, 2009 15:55

Noch was: Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, die Arbeitsbeschaffung für den Gatten nach außen zu verschleiern, um unnötig hetzerische Diskussionen zu vermeiden – aber nur mit Rückendeckung des eingeweihten Intendanten, der dann auch als letzte Instanz die Skripts genehmigt.

Dietmar
Dietmar
28. August, 2009 18:19

Zudem kann ich mir die Diskussionen in solch einem Gremium um das Drehbuch gut vorstellen: Da gab es doch mal so einen lustigen Beitrag in diesem Blog …

Der NDR verhält sich wahrscheinlich so drastisch, um zu zeigen, wie verantwortungsvoll man mit den Gebühren umgeht. Ich denke auch, dass es wichtiger ist, den Eindruck der Korruption zu vermeiden, als Fairness gegenüber den Autoren, die mit Entscheidungsträgern verbunden sind, zu üben; so bedauerlich das auch für den Autoren im Einzelfall ist.

Tornhill
Tornhill
28. August, 2009 19:44

Okay, ein (dauerhaftes) Gremium wäre wohl tatsächlich zuviel, aber irgendwer wird schon da sein, der da mal einspringen könnte. Kenne mich jetzt nicht so aus, aber der vom Vogel erwähnte Intendant klingt doch ganz sinnvoll.
Auch die "halbe" Anonymisierung nach außen klingt nach einer guten Alternative – schützt vor Gerüchten, zeigt aber, dass vor denen, die es angeht nichts verborgen bleiben soll.

Nebenbei: Kennt wer die besagten "Tatort"-Folgen? Ich fand grad "Niklas Becker" nicht in der IMDB und wüsste doch gerne, ob es mir künstlerisch leid tun sollte, oder nicht. 😉

Tim
Tim
28. August, 2009 21:54

Ganz so einfach ist es nicht. Tatort-Folgen sind keine für sich stehende Einzelstücke. Die Kommisare, der Ort oder vieles drumherum, inkl. der Vorgeschichte ist vorgegeben. Da hilft es sehr, wenn man als Drehbuchautor einen direkten Draht – Tag und Nacht – zu der Person hat, die – wenn man den Meldungen glaubt – Hauptverantwortlich für die Grundplots ist.

Im Übrigen kann man die von Heinze verantworteten Tatorte ziemlich fragwürdig halten. Hamburg, Hannover, Kiel – alles beziehungsgestörte bis ins psychisch Auffällige gehende Charaktäre, die als "einsamer Wolf" die Fälle lösen. Eine/r von der Sorte ist ja o.k. aber gleich drei? Wenn das eine hochgelobte Leistung der Fernsehfilmabteilung ist, dann läuft noch mehr schief.

Julian
28. August, 2009 22:53

Ich finde auch, dass man anonymisiert auswählen sollte. Natürlich ist es unrealistisch, dass die Ehefrau das Buch ihres Gatten nicht wiedererkennt, auch wenn es von ihm unter falschem Namen eingereicht wird.

Ein Gremium ist m.E. nicht zwingend das beste Mittel, eine kreative Glanzleistung zu vollbringen – zu viele Köche verderben den Brei. Schlimmer noch: In der Filmbranche, wie in allen künstlerischen Bereichen, kommt es natürlich stark auf den Geschmack an, den subjektiven Eindruck. Ob man mit einem Autor "kann", ist sicher ebensowichtig wie die Nase eines Schauspielers. Beides kann man den Betreffenden nicht ins Gesicht sagen.

Ich fürchte, wir haben hier einen gordischen Knoten, der nicht gelöst werden kann. Entweder führt man das Studiosystem mit de-facto-Leibeigenschaft wieder ein, oder man muss schlucken, dass es Seilschaften, Vetternwirtschaft, Filz geben wird.

Nur wenn über Jahre Autor und Ehemann X grundsätzlich bevorzugt wird, sollte man da doch über Sanktionen nachdenken. Die fallen dann genauso subjektiv aus, denke ich.

xanos
xanos
29. August, 2009 01:53

Es gibt Pitches zu Tatorten?

meistermochi
29. August, 2009 02:41

sie hätten einfach mit offenen karten spielen sollen.

Andi
Andi
29. August, 2009 10:35

1. Es geht nicht um "Tatort" oder "Polizeiruf"- soweit bisher bekannt ist.

2. Ich habe gelesen – leider vergessen wo 🙁 – dass von den 4 Filmen aus der Feder von Herrn Strobel, drei sehr deutlich unter dem Senderschnitt lagen.

3. Frage ich mich, ob nicht Frau Heinze selber die Bücher geschrieben hat und jetzt ihr Mann dafür den Kopf hinhält.

4. Außer den Büchern, die Frau Heinze abgenickt hat, hat Herr Strobel laut IMDB nur EIN weiteres Drehbuch geschrieben (ebenfalls beim NDR produziert). Ist er also ohne Protektion überhaupt ein ernstzunehmender Drehbuchautor?

5. Wenn Herr Strobel Drehbücher schreiben will und seine Frau Fernsehspielchefin beim NDR ist, hätte er aus meiner Sicht komplett darauf verzichten sollen, etwas beim NDR anzubieten!
Da gibt es doch genug Adressen in Deutschland: den WDR, den BR, den SWR undsoweiter und vor allem auch das ZDF. Von SAT.1 und RTL mal ganz zu schweigen.

6. Auch eine "Marie Funder" hat für den NDR/Ftrau Heinze ein Buch verfasst, dessen Urheberschaft fragwürdig ist. Siehe FAZ v. 29.08.09. Also mal abwarten, ob da nicht noch mehr kommt.

7. Natürlich gibt es Geschädigte: Die Autoren, die wegen Herrn Strobel/Niklas Becker nicht zum Zuge kamen. Und vor allem: Das Vertrauen in die ÖR leidet durch solche Affären schwer! Und das ist noch schlimmer.

8. Ich kann daher nur begrüßen, dass gegen solche Mauscheleien konsequent vorgegangen wird.

MfG
Andi

Thomas
Thomas
30. August, 2009 16:32

Bei RTL ist die Konstellation Mann Drehbuchautor, Frau Entscheiderin ja auch nicht anders.
Natürlich mit dem Unterschied, dass dies bekannt ist und sich der Mann nicht hinter einem Pseudonym versteckt.

Baumi
30. August, 2009 23:50

Wenn man dem Bericht der "Süddeutschen" von gestern trauen darf, war die Arbeit wohl doch nicht so doll – und es gab noch mehr Mauscheleien:

"Ähnliches war dem Regisseur Thorsten C. Fischer […] widerfahren. Als er den Film "Katzenzungen" drehte, fand er das Drehbuch des ihm unbekannten Autoren Niklas Becker miserabel, schrieb es völlig um. Kein Satz blieb. Das sei in Ordnung, versicherte Doris Heinze. "

"Zum Beispiel ging eine Rechnung ein über 15000 Euro für die angebliche Überarbeitung eines Drehbuchs der Serie Polizeiruf 110 (Titel: ,,Resturlaub‘‘). Die Autorin Beate Langmaack sagt auf Anfrage, von einer Überarbeitung habe ihr nie jemand erzählt; ihr Buch sei auch exakt so verfilmt worden, wie sie es geschrieben habe. Das bestätigt auch der NDR. Gleichwohl soll eine fünfstellige Summe an den fiktiven Überarbeiter geflossen sein. Für welche Leistung? Als Überarbeiter ist übrigens das Phantom Niklas Becker vermerkt."

Ganzer Artikel: http://www.sueddeutsche.de/kultur/339/485762/text/

Wenn diese und einige weitere Anschuldigungen im Artikel stimmen, wäre die Lage m.E. deutlich klarer als es anfangs den Anschein hatte: Da hat jemand ein ziemlich faules Ding durchgezogen.

Heino
Heino
31. August, 2009 00:33

Ich finde die Sache sehr eindeutig. Es hat ein ganz klarer Amtsmissbrauch stattgefunden und der muss genauso wie bei anderen Personen des öffentlichen Lebens entsprechend bestraft werden. Natürlich ist die Situation für die Autoren an sich unbefriedigend, aber dann müssen eben sie Statuten geändert werden, damit jeder eine faire Chance hat. Hier jedenfalls wurde eine hohe Position zur eigenen Bereicherung ausgenutzt und das darf icht ungestraft bleiben, weil es sonst Schule macht.

Wortvogel
Wortvogel
31. August, 2009 09:47

In der Tat scheint sich zu bestätigen, dass "Niklas Becker" nur schwache Arbeit ablieferte – und das auch nicht für "Tatorte", wie anfänglich berichtet. Das macht die Sache natürlich endgültig indiskutabel.

Besonders geärgert hat mich die Aussage eines Mitglieds des Drehbuchautoren-Verbandes, dass man so etwas schon seit Jahren geahnt habe, aber sich niemand mit Frau Heinze anlegen wollte.

Andi
Andi
31. August, 2009 10:12

@wortvogel

Das Problem ist, wenn man sich mit einer mächtigen Frau wie DJH anlegt: Du hast nur einen Versuch. Entweder bringst du sie zur Strecke – oder du hast keine Zukunft mehr in der Branche.

Und sogar, wenn sie jetzt, wie es aussieht, stürzt – es gibt garantiert ein paar Leute, die sich bei Gelegenheit revanchieren werden. Nicht an Hans Leyendecker, aber an den Leuten, die Leyendecker die Munition geliefert haben.

Wortvogel
Wortvogel
31. August, 2009 10:23

@ Andi: Demnach sollte man also lieber die Klappe halten? Unschöner Gedanke. Ich sehe das eher so: Der Verband hätte im Namen der Autoren informell das Gespräch mit dem Intendanten suchen müssen. Der Verband ist nämlich nicht auf die Drehbuch-Aufträge angewiesen. Und wenn das nicht die Bilderbuch-Definition von Interessensvertretung ist, was dann?

Es gibt noch einen anderen Grund, als Einzelperson die Klappe zu halten (und da weiß ich, wovon ich rede): viele Gerüchte sind notorisch schwer zu beweisen. Und die Beteiligten sichern sich oft weit genug ab, um über das Gschmäckle hinaus nicht haftbar zu sein (da wird die Freundin eben nicht in der eigenen Abteilung beschäftigt, sondern in der Abteilung des Kumpels, der dafür seine Frau als Grafikerin untergebracht bekommt). So klar wie im Fall DJH ist die Lage selten.

Andi
Andi
31. August, 2009 11:19

@wortvogel
Ich glaube nicht, dass ein Berufsverband mit Gerüchten unterm Arm bei einem Intendanten auflaufen kann. Das würde doch ziemlich dubios wirken, denke ich.
Also entweder Blattschuss oder man lässt die Flinte im Schrank.

Übrigens: Schöne Überschrift.
Ich würde ja zu gern wissen, was jetzt im Hause Heinze/Strobel abgeht… wer von beiden die Idee hatte… ob sie das jetzt eint oder zerreißt…
Hach, das wäre eine schöne Reality soap – und kein Drehbuch nötig! Und die Quote würde auch stimmen…

Wortvogel
Wortvogel
31. August, 2009 11:32

@ Andi: Deswegen sprach ich von informell. Ich halte es durchaus für legitim, einem Intendanten mitzuteilen: "In den letzten Jahren wurde uns mehrfach von einem womöglich non-existenten Autor berichtet, den niemand je gesehen hat, der von einer bestimmten Fernsehchefin protegiert wird, und dessen Filme über eine bestimmte Redakteurin bei einer bestimmten Produktionfirma laufen. Können Sie da mal nachhaken?"

Was im Hause Heinze los ist, wüsste ich auch gerne.

Meteor
Meteor
31. August, 2009 14:29

Ich finde auch, dass die ganze Geschichte eine famose Vorlage ist für Sketche, Karikaturen oder sogar einen eigenen Fernsehfilm. Besonders die Szene, wo der arme Regisseur Torsten C. Fischer dringend um Kontakt zu Niklas Becker bittet, weil das schwache Drehbuch zu "Katzenzungen" unbedingt überarbeitet werden muss:

"Tja, äh, Torsten, als das ist schwierig, der Becker lebt ja überwiegend in Montreal und auch extrem zurückgezogen, der hat nicht mal Telefon oder Skype, ich komme selber nur gaanz selten an ihn ran…" Dabei müsste sie den Hörer nur mal eben zur anderen Seite es Ehebetts reichen, wo Claus Strobel seinen Laptop bei Seite gelegt hat und sich gerade den Mund zuhält, um nicht laut zu prusten, vor Erheiterung. Heinz zu Strobel: "Ach ja, der Torsten… Weisst du Schatz, er ist wirklich talentiert – ich habe ihn ja selber entdeckt – aber er ist zum Glück auch reichlich naiv, der hat mir die Geschichte glatt abgekauft und schreibt sich jetzt wohl einen Wolf bei der Bearbeitung. Na ja, er ist ja noch jung und braucht das Geld… Außerdem hat er MIR seine kleine Karriere zu verdanken und genauso gut könnte ICH ihn auch wieder fallen lassen!"

Soweit ich weiss konnte der NDR noch keinen eigenen finanziellen Schaden feststellen. Das Perfide ist jedoch, dass die Heinze abhängige Regisseure wie Torsten C. Fischer und Josh Broecker verarscht und geschädigt hat, die ihr sozusagen ausgeliefert waren. Und offenbar auch AllMedia Pictures.

Ich glaube aber, dieser tolle Filmstoff wird unangetastet bleiben, weil es sich am Ende niemand mit dem NDR verderben will, wetten?

Andi
Andi
31. August, 2009 14:38

Man kann ja auch mal eine ganz andere Frage stellen:
Hat nicht DJH die Bücher von Strobel/"Becker" und Pudenz/"Funder" selber verfasst und die beiden angeblichen Autoren sind nur Strohfiguren?

1. Schließlich durfte DJH laut ihrem NDR-Vertrag nur ein Buch pro Jahr selber schreiben. Das würde erklären, warum sie auf diese Idee gekommen sein könnte.

2. Frage ich mich doch, wie Pudenz/Funder, die noch nie geschrieben hat (laut IMDB) und Strobel, der (laut IMDB) nur ein Drehbuch geschrieben hatte plötzlich gleich einen bzw. mehrere 90er verfassen konnten.

Meteor
Meteor
31. August, 2009 14:48

@Andi
Das könnte natürlich auch sein. Die Autorenschaft von Strobel ist aber insofern plausibel, als er laut IMDB zuletzt 2001 eine Regiearbeit abgeliefert hat. Im selben Jahr kam das erste Becker-Drehbuch heraus. Was hat er sonst all die Jahre gemacht?

Wortvogel
Wortvogel
31. August, 2009 15:17

@ Andi: Die Sache wird immer schmieriger, wie der neuste Artikel der SZ belegt: http://tinyurl.com/p5vvjs

Ich denke auch, da kommt noch einiges hoch – und wenn das beim NDR passierte, kann es beim BR, beim WDR, und überhaupt bei allen Sendern und Produktionsfirmen passiert sein.

Andi
Andi
31. August, 2009 16:22

@wortvogel
In der Tat, es gibt schon wieder Neues:

"Neue Erkenntnisse im Fall Heinze
Bei den Untersuchungen des NDR zu Verfehlungen seiner früheren Fernsehfilm-Chefin haben sich am Montag konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Doris Heinze unter Pseudonym über externe Produktionsfirmen zwei Drehbücher und ein Treatment für den NDR geschrieben hat, ohne dass dies dem Sender bekannt war. Der NDR geht deshalb nunmehr davon aus, dass ihm auch ein materieller Schaden entstanden ist. Hätte Frau Heinze den Sachverhalt offengelegt, hätte sie deutlich weniger Honorar erhalten. Einzelheiten dazu kann der NDR mit Blick auf die laufenden Ermittlungen derzeit noch nicht mitteilen."

Quelle: http://tinyurl.com/lcso8u

Wortvogel
Wortvogel
31. August, 2009 16:25

@ Andi: Danke, habe ich auch gerade gelesen – mir kam ein Anruf dazwischen, sonst wäre der Link nachgetragen worden. In der Tat: da tun sich Abgründe auf, und es wird sicher nicht die letzte Enthüllung sein.

Meteor
Meteor
31. August, 2009 17:33

@Andi
Du liegst goldrichtig, zumindest was diese Marie Funder betrifft. Laut Spiegel ist Marie Funder-Donoghue tatsächlich ein Pseudonym von DJH. Oha! Das ist ja wirklich ein Krimi in mehreren Teilen!

Quelle: http://tinyurl.com/mjjw2t

Thomas
Thomas
31. August, 2009 19:37

Das Problem ist ja auch, dass in der ARD Entscheider über mehrere Dekaden im Amt sind, so wie Heinze oder Struwe, irgendwann haben sie dann die ganzen Gremien, Kontrollorgane etc. durchschaut und wissen wie man sie austrickst, damit haben sie Narrenfreiheit und einen fast unbegrenzten Handlungsspielraum, und das alles im Namen der Grundversorgung im öffentlich-rechtlichen Auftrag.