Es ist kein Zufall, dass im Kontext dieser Reihe immer wieder Anthologieserien auftauchen werden – diese sind notorisch erfolglos, haben aber oft genug Gimmicks, die ihre Erwähnung rechtfertigen. Heute fasse ich drei recht ähnliche Serien zusammen, die hauptsächlich über den wiederkehrenden Cast zu punkten versuchten. Außerdem verbindet sie die kuriose Tatsache, dass sie allesamt in den letzten Jahren auf dem Grusel-Kabelsender „Chiller“ wieder zu sehen waren.

Nightmare Café

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„Nightmare Café“ (produziert von Wes Craven) unterscheidet sich von „Dark Realm“ und „Night Visions“ durch eine Rahmengeschichte, deren Figuren auch in die einzelnen Episoden eingreifen. Das orientiert sich mehr an Serien wie „Hotel“ als an der „Twilight Zone“. Für Robert Englund war es ein weiterer Versuch, seine Karriere als Freddy Krueger in einen langlebigen TV-Job umzumünzen, nachdem „Freddy’s Nightmares“ kaum zwei Jahre zuvor nach 44 Folgen eingestellt worden. „Nightmare Café“ zielt eindeutig auf ein softeres, weniger auf Horror fokussiertes Publikum — und (üb)erlebte auf NBC gerade mal sechs Folgen.

Das Intro vermittelt einen sehr guten Eindruck vom preiswerten MAZ-Look und dem versuchten ironischen Ton der Serie.

Wer die Serie gesehen hat, den verwundert der Misserfolg nicht: Die Skripts zu schwach, die Twists entweder zu vorhersehbar oder gar nicht vorhanden – und nichts ist armseliger, als Sarkasmus, der einfach nicht komisch ist. Hinzu kommt, dass „Nightmare Café“ diesen extrem billigen Kabelsender-Look hatte, der so viele Serien Ende der 80er plagt und heute für eine Auswertung auf Scheibe fast untauglich macht. Was man damals an Budget gespart hat, rächt sich nun.

Dark Realm

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„Dark Realm“ startete fast zehn Jahre nach „Nightmare Café“ und kaum zwei Monate vor der deutlich aufwändigeren Network-Serie „Night Visions“. Nicht auszuschließen, dass beide der lange angekündigten „Twilight Zone“-Neuauflage zuvorkommen wollten, die im Herbst 2002 spektakulär auf die Schnauze fiel.

„Dark Realm“ ist eine französisch/kanadisch/britische Produktion, produziert für den Syndication-Markt. Ich glaube es ist soweit, dass man den Begriff heute wieder erklären muss: Syndication bedeutet, dass die Serie in den USA nicht bei einem der großen, landesweit sendenden Networks läuft, sondern Stadt für Stadt an Lokalsender verkauft wird. Dafür wird ein Paket an Folgen vorfinanziert und vorproduziert, dass dann sein Geld Markt für Markt wieder herein holen muss. Es gibt Serien, die damit eine Abdeckung von 90 Prozent der US-Haushalte erreichen, andere nur 60 Prozent, einige nur die großen Metropolen wie Los Angeles, Dallas und New York. Hat man das Pech, nicht in einer dieser Regionen zu wohnen, bekommt man die Serie auch nicht zu sehen.

Die 90er waren die Hoch-Zeit der Syndication-Serien, zu denen „Hercules“, „Renegade“, „Star Trek: The Next Generation“ und „Baywatch“ gehörten. Aus marktregulatorischen Gründen, auf die einzugehen hier nicht der richtige Ort ist, trocknete die Oase Syndication Anfang des neuen Jahrtausends aus, „Dark Realm“ gehört zu den letzten Versuchen, über die internationale Produktion noch eine Serie ohne großes Network oder ohne einen Kabelsender zu stemmen.

Dem echten Serienfan macht es durchaus Spaß, im eklektischen Cast nach vielleicht nicht berühmten, aber doch bekannten Darstellern zu suchen: Edward „Equalizer“ Woodward ist ebenso dabei wie Lysette „Krull“ Anthony, Cory „Lost Boys“ Feldman, der Sänger von Def Leppard spielt einen untoten Rockstar, und man schlag mich tot – Axel Milberg und HOWARD CARPENDALE gehen auch mal durchs Bild!

13 Folgen schaffte „Dark Realm“ mit seinem „Host“ Eric Roberts – und blieb auch danach so obskur, dass ich euch nicht mal einen Clip zeigen kann. Es würde mich wundern, wenn die Serie jemals in Deutschland gelaufen wäre.

Night Visions

Night Visions

„Night Visions“ war der Versuch von NBC, mit einer richtig edlen Anthologieserie zu punkten, die eher für Spannung und Atmosphäre als auf oberflächlichen Grusel setzt. Mit Dan Angel hatte man einen Produzenten an Bord, der sich mit „Goosebumps“ und „X-Files“ schon um das Genre verdient gemacht hatte. Zu den Regisseuren gehörten Legenden wie Tobe Hooper und Joe Dante, bei den Darstellern wurde ebenfalls aus dem Vollen geschöpft: Bridget Fonda, Jack Palance, Sherilyn Fenn, Bill Pullman, Randy Quaid.

Im Gegensatz zu „Dark Realm“ gönnte man sich zwei Geschichten pro Episode, was sicher auch zum deutlich höheren Budget beigetragen haben dürfte.

Vielleicht wollte man zuviel, vielleicht überforderte man die Zuschauer mit zu wirren Geschichten ohne klares Dilemma oder Auflösung – vielleicht schalteten aber schon viele Leute ab, weil Rockpoet Henri Rollins als Host einfach sehr gelangweilt und steif wirkte. Schaut euch das hier im Intro der ersten Folge mal an:

Der Ansatz orientiert sich sehr offensichtlich an den unaufgeregten, seminaresken Intros von Rod Serling aus der „Twilight Zone“, kann dem Original aber an keiner Stelle das Wasser reichen:

Genau wie „Dark Realm“ schaffte es „Night Visions“ nicht über 13 Folgen. Aufgegeben wurde das Format der Anthologieserie damit allerdings noch lange nicht.

Am Sonntag macht diese kleine Reihe Pause – Montag sitzt ihr dafür bei der Gefahr in der ersten Reihe…



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