Liebe ARD, liebes ZDF, liebe Privatsender, liebe Dritten, liebes Sky,

ich denke, wir müssen mal miteinander reden. Genauer gesagt; ich muss mit dir reden. Mit dir, dem deutschen Fernsehen, das mich erzogen und unterhalten, informiert und entspannt hat, 40 Jahre lang. Du warst für mich Sandmännchen und Raumschiff Enterprise, Logenplatz bei der WM 74 und den frühmorgendlichen Kämpfen von Muhammed Ali. Du hast mir gezeigt, wie die Challenger explodiert ist und die World Trade Center zusammen gebrochen sind – aber auch, wie Büroklammern hergestellt werden und wie die Brüste von Ingrid Steeger aussehen.

klimbim

Gut, wir waren nie so eng, dass ich dich permanent im Hintergrund habe flimmern lassen. Oder dass ich dich schon zum Frühstück in mein Wohnzimmer gelassen habe. Aber wir haben immer den Abend zusammen verbracht, auch wenn es nur partiell spannend und/oder geplant war. Irgendwas ging immer. Eine gute Geschichte kann man auch zwei oder dreimal erzählen. James Bond, Heinz Rühmann, der Kottan.

Dir ist vielleicht aufgefallen, dass wir uns in den letzten Jahren immer weniger zu sagen hatten. In der neuen Wohnung sind die Leitungen nicht in Ordnung, viele Sender nur verrauscht zu empfangen. Wir haben stattdessen eine DVB-T-Antenne aufgestellt, die zwar funktioniert, aber kaum zum Einsatz kommt. Als diverse Sender aus dem Angebot fielen, haben ich es nicht mal gemerkt. Ich brauchte immer mehr den Fernseher, aber nicht das Fernsehen. Statt vorproduziertem Programm habe ich deinem Gerät ein Scart-Kabel in die Buchse gerammt und es mit „on demand“-Produkten gefüttert. Du kamst oft nicht mal mehr dazu, mir einen deiner Sender zu zeigen, bevor schon automatisch auf den USB-Stick, die externe Festplatte oder den DVD-Player umgestellt wurde.

Ja klar, WM ging immer. Eurovision Song Contest auch. Dann und wann mal eine Doku im BR, ein Themenabend auf arte. Aber auch das hat nachgelassen, da müssen wir uns nichts vormachen. Den ganzen Rest hast du mir nach und nach vergällt: mit schlechten Synchros und immer penetranteren Werbepausen, mit willkürlichen Sendeplatz-Änderungen und vor allem mit immer unsäglicheren „Formaten“, die mittlerweile vom Mittag bis in die Primetime das Programm verseuchen. Reiche Arschlöcher, asoziale Arschlöcher, doofe Arschlöcher, kochende Arschlöcher, pleite Arschlöcher, urlaubende Arschlöcher, semi-prominente Arschlöcher, singende Arschlöcher, streitende Arschlöcher, moderierende Arschlöcher.

Mir war lange nicht klar, dass der Siegeszug des Flachbildfernsehers sich nicht nur auf das Format, sondern auch die Inhalte bezog. Mein Fehler.

Es war mir immer klar, dass du mir nicht wirklich zuhörst. Unsere Beziehung war einseitig wie in einer schal gewordenen Ehe, in der der Mann essen muss, was die Frau ihm vorsetzt. Aber auch in einer schal gewordenen Ehe weiß die Frau meistens, was der Mann essen will. Bei dir hatte ich in den letzten Jahren das Gefühl, dass es dich gar nicht mehr schert, was ich sehen will. Dieses instinktive Gespür für ein ausgewogenes und gesundes Programm, das ging verloren.

Ich kann das nicht mehr. Und darum mache ich heute mit dir Schluss. Ich muss es dir offen sagen, damit du dich keinen Illusionen hingibst. Damit du dir nicht einredest, da wäre noch etwas zu retten. Auch du musst frei sein, dir einen neuen Zuschauer zu suchen. Du musst wissen, dass du dir jede Mühe, mich zurück zu gewinnen, künftig sparen kannst. Wir werden immer Freunde bleiben, aber – es ist aus.

Statt der engen und oft auch beengenden Zweisamkeit mit dir, liebes Fernsehen, habe ich mir einen größeren Freundeskreis gesucht. Dort ist es nicht so kuschelig, man muss auch mehr in der Gegend rumkutschieren, aber es ist abwechslungsreicher, spannender und irgendwie auch individueller. Da habe ich viele Kumpel wieder getroffen, die mir auf die Schulter schlagen und sagen: „Mensch, wo warst du denn so lange? Wir haben schon auf dich gewartet!“. Sieht aus, als sei ich mal wieder spät dran. Aber ich bin halt eine treue Seele, der Sprung von „es geht zu Ende“ bis „es ist zu Ende“ fällt mir notorisch schwer.

Komm mir jetzt nicht mit „ich kann mich ändern!“. Du änderst dich ständig. Leider in die falsche Richtung, und das sehr konsequent. Und „es ist doch nicht alles schlecht!“ zieht auch nicht mehr. Das bisschen, was du an Qualität noch leistest, leisten andere auch. Und die verlangen deutlich weniger Symbiose. Weniger Geld. Oder eine Programmzeitschrift.

Glaubst du nicht? Du hältst dich immer noch für einzigartig und unverzichtbar? Dann zeig doch mal, was du hast. Lass uns über die Formate sprechen, die ich 40 Jahre lang gerne gesehen habe und auf die du so stolz bist (während du den Programmmüll, in den du sie einpackst, gerne geflissentlich ignorierst).

scheibenwischer

Kabarett. Ja, habe ich immer gerne gesehen. Als es noch von Leuten wie Hildebrandt, Freitag, Rogler und Hüsch gemacht wurde. Sei nicht stolz darauf, dass es dir mittlerweile möglich geworden ist, eine halbgare Kopie der „Daily Show“ als revolutionäres Comedy-Format zu verkaufen. Oder den „Tagesschaum“ im Look einer SFB-Sendung aus dem Spätnachtprogramm 1988. Deine Comedy ist zahnlos und ungefährlich, politisch zu billig korrekt und längst nicht mehr dem Volk verpflichtet, sondern nur dem Konsumenten. Wenn jemand wie die Kebekus tatsächlich versucht, mal wieder gegen ein Schienbein zu treten, wie sich das gehört, wird es ihr gestrichen. Der Clip findet sich dann bei YouTube. Da gehe ich auf der Suche nach Erheiterung und Erbauung lieber hin als zu euch, schaue mir Mashups an, „honest trailers“, den Angry Video Game Nerd, den Nostalgia Critic. Und Videos von gähnenden Tieren.

Tagesschau. Ja, die ist Kult. Und wie das mit Kult ist – das lebt irgendwann nur noch von der eigenen Legende. Du warst mal der Konsens, die 15 Minuten Minimalbildung aller deutschen Stände und Klassen. Aber ich brauche deine Redaktion nicht mehr, die aus der ganzen Welt zu komprimieren versucht, was irgendwie wichtig ist. Meine Redaktion ist ein gut gepflegter RSS-Stream. Ich kann heute in 15 Minuten im Netz mehr Quellen scannen und mir ein präziseres Bild von der Weltlage machen als das, was du mir zur aufgezwängten Sendezeit darbietest. Wenn ich SPIEGEL online nicht glaube, kann ich bei der BBC nachschauen, ich kann die Kommentare des „Guardian“ denen der FAZ vorziehen. Ich entscheide, nicht du. Und sollte mir die sonore Seriösität der „Tagesschau“ doch mal fehlen, gebe ich sie mir online – in 100 Sekunden.

herz

Serien. Das ist ein neuralgischer Punkt. Serien waren deine Stärke und deine Schwäche. Du hast uns gezeigt, was im Ausland möglich ist: „Das Haus am Eaton Place“, „Dallas“, „Twin Peaks“. Und du hast uns gezeigt, dass wir so etwas nie schaffen werden. Wir sind ein Volk, das stolz ist auf die „Lindenstraße“ und auf „Ein Fall für zwei“, das Preise an „Stromberg“ und „Berlin Berlin“ verleiht, aber nicht einschaltet. Und trotzdem waren Serien für dich so etwas wie eine Trumpfkarte: die gibt es ja anderswo nicht. Aber auch das stimmt schon lange nicht mehr. Ich habe mir neulich drei Box Sets gekauft: über 400 Episoden von „Cybil“, „Die wilden 70er“ und „Hinter dem Mond gleich links“. Die schaue ich, wann ich will, so oft ich will und ohne Werbung. Und mittlerweile löst sich der Fluss Serie auch immer mehr von der Quelle Fernsehen.

Dokumentationen. Ein Steckenpferd. Ich bin mit Sielmann und Hass aufgewachsen, aber auch mit den politischen Analysen des NDR und des WDR. Leider bist du bei den Doku-Formaten, wie auch bei den Wissenssendungen, in den letzten Jahren auf breiter Front oberflächlicher geworden. Es geht nicht mehr um Analyse und Einordnung, es geht immer mehr um bunte Bilder, um „zack zack zack!“ und „schau’n Sie mal!“. Natürlich gibt es noch die Orchideen-Sendeplätze, aber es ist mir zu mühsam, diese zu suchen. Abgesehen davon, dass YouTube Hunderte von Dokumentationen bereit hält. genieße ich eine unglaubliche Anzahl von Blogs mit Partikularinteressen, die oftmals deutlich besser geeignet sind, komplexe Themen aufzuarbeiten. Zur distanzierten Journalisten-Sicht kommt mittlerweile längst das „oculus populi“ (was ich jetzt sicher falsch geschrieben habe).

Talkshows. Es fasziniert mich immer wieder, wie sehr du die Inflation und die Gleichschaltung so genannter „Polit-Talks“ zwar als Problem erkennst, aber keine Anstalten (hö hö) machst, dagegen etwas zu tun. Wie du darauf beharrst, „Will“ hätte irgendeinen erkennbaren Unterschied zu „Jauch“, „Illner“, „Lanz“ oder „Beckmann“. Als wäre das Format nicht alleine deswegen tot, weil es alle mittlerweile durchschaut haben und nur noch mitspielen, statt tatsächlich teilzunehmen. Das macht mich manchmal so wütend, dass ich dazwischen rufen will, mich einmischen. Es geht nur leider nicht. Da lobe ich mir Facebook und diverse Blogs mit ordentlichen Kommentarstrecken: da kann ich diskutieren, kann teilhaben, kann meine Meinung sagen und sie zur Diskussion stellen. Es ist nicht nur interaktiver, es ist auch befriedigender als diese endlosen Phrasenstunden nach der Primetime. Und genauso wirkungsvoll.

Du siehst: du bietest mir zu wenig – und das, was du mir bietest, gibt es anderswo mehr, besser und freier. Das ist natürlich nicht nur deine Schuld. Was kannst du dafür, dass der rasante Fortschritt neue Formen der Kommunikation schafft, neue Medien, neue Vertriebswege? Ich werfe dem Telegramm schließlich nicht die Erfindung der Email vor. Allerdings verlange ich auch nicht die unbedingte Beibehaltung des Telegrammdienstes in Zeiten der Email.

Aber das ist ein anderes Thema. Heute geht es nur um uns. Besser gesagt: eben nicht um uns. Du und ich, das ist kein wir mehr. Du bist du, ich bin ich. Keiner muss die Straßenseite wechseln, wenn er den anderen sieht – aber du musst mir auch keine Weihnachtskarten schicken.

Nicht weinen. Du bleibst gut versorgt, landest nicht auf der Straße. Ich zahle Alimente in Form von Gebühren. Der Lanz muss sich ebenso wenig Gedanken machen um seine Villa wie der Jauch, es reicht für weitere neue „Rosenheim Cops“ und „Rote Rosen“. Wenn du statt 5 lieber 20 Talkshows die Woche bringen willst – an mangelndem Budget soll es nicht liegen.

Mein Fernseher ist ab jetzt kein Fernseher mehr. Nur noch Monitor.



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DJ Doena
DJ Doena

Kannst du den Beitrag oben noch mal editieren und ein „gezeichnet, Dein DJ Doena“ drunter setzen?

Meine Oma und meine Mama waren zu Pfingsten bei mir für zwei Tage zu Besuch.

Das war ungelogen dieses Jahr das erste und (bisher) letzte Mal, dass ich Fernsehen aus der Antennendose geschaut habe.

Da ich mich auch weder für Fußi noch Chanson interessiere, fallen für mich auch diese Live-Events raus.

Uli
Uli

Jetzt hat Wetten, dass…? doch einen neuen Redaktionsleiter, zählt das etwa gar nicht?!

Kleiner Scherz, ich wünsche dir viel Spaß mit der zusätzlich „gewonnenen“ Zeit. Wir warten dann ab morgen auf das lange fällige Lord of the Rings Review 😛

S-Man
S-Man

Sehr schön gesagt!

Alleine dieser Satz ist Gold Wert:
„Mir war lange nicht klar, dass der Siegeszug des Flachbildfernsehers sich nicht nur auf das Format, sondern auch die Inhalte bezog. “

Meine Meinung dazu: Fernsehen braucht kein Mensch mit IQ > 60.
Aber: Ich habe noch Fernsehen. Die Betonung liegt auf NOCH. Irgendwann habe ich meine bessere Hälfte überzeugt, es abzuschaffen. Aber Dank DVB-T zahle ich erstmal nix dafür (außer GEZ natürlich). Und so kann ich mir meine 2-3x Simpsons die Woche noch geben oder mal Big Bang Theory. Mehr wird nicht mehr geguckt. Bei meiner Frau ist es auch nur noch „irgendein Hintergrundton“ und mehr nicht.

Macht man mal den fatalen Fehler, wirklich was zu suchen, findet man in der Regel nix.

Keine vernünftigen Serien (How I Met Your Mother und Konsorten sind irgendwann nur noch das gleiche), Zeichentrickfilme sowieso nicht mehr (ach, was vermisse ich die 90er!). Dokus? Außer ein paar nette Naturaufnahmen ist alles inzwischen so schrecklich oberflächlich, dass man bei jeder so genannten Wissenschaftsendung pro Satz zweimal ein- oder nachhaken will und mindestens einmal sagt: Falsch! Nachrichten erübrigen sich zu Zeiten des Internets, Sport interessiert nicht und Musik gibt es seit der Einstellung von VH-1 auch keine mehr.
Und Filme? Was gut ist, habe ich im DVD-Regal zu stehen und kann dann auf die Werbe-verseuchte Fassung verzichten. Was ich nicht kenne? Gibts ne Videothek für. Oder das Internet.

Nein, Fernsehen braucht man wirklich nicht mehr.

Danke sehr.

S-Man
S-Man

@Uli: Ja, da warte ich wirklich seit Monaten sehnsüchtigst drauf 😀

Martin
Martin

Ich hab‘ vor 5 Jahren aufgehört Fernsehen zu gucken und diese Entscheidung keine Sekunde bereut. In meiner Wohnung gibt es weder Kabel, noch Sat, noch DVB-irgendwas.

Nur Internet.

Mein Umfeld reagiert darauf teils stark irritiert, ich persönlich bin froh, kein Sklave von Ausstrahlungsterminen mehr zu sein und selbst zu entscheiden, was ich sehe, wann ich es sehe – und vor allem, WANN ich auf die Toilette gehe. Die unzumutbaren Werbeorgien der Privatsender, die inzwischen ja sogar gigantische animierte Programmankündigungen WÄHREND der Ausstrahlung von Filmen/Serien durchs Bild flackern lassen, waren der Hauptgrund, mich vom klassischen Broadcasting abzuwenden. Vielleicht bin ich altmodisch, doch für mich gehört der Abspann mit zu einem Spielfilm. Und den hat das Fernsehen ja erfolgreich abgeschafft.

Für Serien und Filme zahlen? Ja, jederzeit gerne, wenn ich dadurch wieder der eigene Herr über die Inhalte bin. Inhalte, die ICH sehen möchte.

Und wenn die Blogszene mal wieder über irgendwas „Aufregendes“ aus der TV-Landschaft hyperventiliert, dann reicht fast immer auch ein Blick auf Youtube, um mitreden zu können.

Teleprompter
Teleprompter

Vieles richtig, keine Frage, aber auch auch allzu kategorisch. Das Fernsehen ist natürlich kein Alleinunterhalter mehr, wer sich aber allein auf Internet (und ggf. noch ein paar Kaufmedien) verlässt, tauscht nur eine Monokultur gegen die andere; und er muss a) ziemlich gut bei Kasse sein (TV-Gebühren spart man eh nicht mehr) b) in der richtigen Ecke Deutschlands wohnen, wo die Internet-Daten fließen und nicht wie hier eher kriechen und c) setzt sich dem Risiko aus, dass das Internet entweder durch Selbstüberlastung, Zensur oder „Drosselflatrates“ auch irgendwann obsolet wird (und dann ? Datenbrille made by Google ? Holodeck ? Gehirnimplantate?)

Und ganz praktisch: Warum soll ich mir die teure DVDs (etwa das originale Star Trek in der überarbeiteten Fassung) teuer kaufen, wenn es die in guter Qualität auf Neo oder SyFy (HD) gibt ? Warum Nachrichten in mäßiger Qualität über irgendwelche Tube-Channels, wenn das Sender wie Phoenix den ganzen Tag in (semi-)HD ausstrahlen ? Muss ich mich, um an aktuelle US- oder GB-Serien zu kommen, wirklich mit halblegalen Ghost-Programmen und kostenpflichtigen Proxies beschäftigen, wenn ich die über Sky zwar nicht umsonst, aber ohne Aufwand in guter Qualität bekomme ?

Auch sehe weniger „Live“-TV, aber völlig verzichten werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Wortvogel
Wortvogel

@ Teleprompter: Kategorisch ist mein Text nur in dem Sinne, dass der MEINE Meinung darstellt. Deine mag anders, aber nicht weniger legitim sein.

Das Internet als „Monokultur“ zu bezeichnen, halte ich aber für völlig daneben. Es ist die gelebte Definition von „Multikultur“ (for lack of a better term), weil man sich dort eben keine Informationen vorkauen lassen muss, sondern sogar spezifisch die Outlets suchen kann, die einem selber in den Kram passen. Vom Atheisten zum Extremisten, vom Skeptiker zum Verschwörungstheoretiker – hier finden alle „ihre“ Quellen.

comicfreak
comicfreak

..meine Sippe nörgelt immer herum, wenn ich dem Junior DVDs kaufe.

Mein Hinweis, dass er das ja nicht ZUSÄTZLICH zum täglichen Fernsehpensum sieht, sondern STATTDESSEN, sorgt immer noch für Irritation ^^

Olaf
Olaf

Also … Fernsehen? Das sind doch die Dinge mit Röhre, Hochstromkaskaden und Pilottönen für Stereo und sowas …
Mein Gerät auf dem auch mal TV dargestellt wird ist ein Computer mit RIESIGEM Display, hat Ethernet Anschluss und man könnte ein WLAN Modul kaufen, hat eine externe USB Platte an der Rückseite befestigt. Für den Fehlenden BluRay/DVD Slot an diesem Gerät steht ein anderer Computer bereit, der hat aber kein Display sondern nutzt einfach das RIESIGE Display des anderen Computers.

Also … wir gucken doch eigentlich Computer, nicht Fernsehen ;).

Marko
Marko

@ comicfreak: Ich würde auch nörgeln! Schließlich gibt’s doch längst Blu-rays …

😉

Teleprompter
Teleprompter

Dass das Internet inhaltlich breiter aufgestellt ist, wollte ich nicht bezweifeln, von seriösen über spinnerte bis schlicht kriminellen Quellen finde ich da natürlich Sachen, die das das TV weder bieten kann noch bieten darf. Es ist aber technisch, organisatorisch und (wie gerade gesehen) in Sachen Zensur- und Manipulationsanfälligkeit letztlich auch ein ganz schmales Band, das auch ganz fix durchschnitten werden kann. Jemandem in kriminellem oder staatlichem Auftrag („3 Strikes“) vom Internet abzuschneiden oder alles einfach mal mitzulesen, ist allzu einfach, und wer sich tatsächlich in Sachen Information, Unterhaltung und Lebensführung (Einkauf etc) nur auf das Internet verlässt, könnte eines Tages in vielerlei Hinsicht SEHR nackt darstehen.

Norman
Norman

Selten hat mir jemand so treffsicher aus der Seele geschrieben. Klasse!

vobac
vobac

Lieber Wortvogel, toller Text und sehr gute Zusammenfassung.

Ich persönlich bin noch nicht ganz soweit. Liegt aber auch daran, dass ich aus Bequemlichkeit zur Bespaßung meiner beiden Kinder weitgehend auf den KIKA zurückgreife, die Werbeinseln bei den kommerziellen Kindersendern sind nicht akzeptabel. Ich habe aber für mich persönlich im Moment zwei Video on Demand Dienste abonniert, die ich noch so testweise gegeneinander laufen lasse und die zunehmend auch das KIKA-Angebot ersetzen. Im Normalfall schaue ich nur noch sehr wenig laufendes Fernsehprogramm.

Noch als Nebenbemerkung: Meine erste Reaktion auf diesen tollen Text war es nachzusehen, ob es überhaupt noch Telegramme gibt. 10 Wörter mit Schmuckblatt nur 19,40 Euro….

Wortvogel
Wortvogel

@ Teleprompter: Es ist aber nicht redlich, eine hypothetische Einschränkung des Internets oder gar die Internet-Zensur als Beleg für eine AKTUELLE Monokultur zu sehen. Momentan ist das Internet das Gegenteil von Monokultur.

Und wie gut das mit den „3 strikes“ läuft, sehen wir ja in Frankreich, wo die entsprechende Behörde wegen Erfolglosigkeit gleich wieder dicht gemacht wird.

Uli
Uli

„Wir haben stattdessen eine DVB-T-Antenne aufgestellt, die zwar funktioniert, aber kaum zum Einsatz kommt. Als diverse Sender aus dem Angebot fielen, haben ich es nicht mal gemerkt.“

Kleiner Hinweise wer nicht verstanden hat was hier gemeint ist: Die RTL Sendegrupppe stellt seit einigen Wochen die DVB-T Ausstrahlung in München und Bayern schrittweise ein:
http://www.test.de/DVB-T-RTL-steigt-aus-4542687-0/

Für mich eine ziemliche Unverschämtheit, erst nimmt man allen Zuschauern das analoge Fernsehen weg und ein paar Jahre später ist der „heiße Scheiß“ DVB-T schon wieder Schnee von gestern und wird stufenweise abgewickelt. Wie beim Handy soll man wohl möglichst alle 2-3 Jahre die alte Technik auf den Müll schmeißen und sich neues Equipment holen.

Mencken
Mencken

Schöner Text, wobei mir der Fernsehverzicht mittlerweile eher die Norm als die Ausnahme zu sein scheint (bei den unter 40-jährigen).

Allein bei den Gebühren mag ich nicht zustimmen. Solange weiter klaglos gezahlt wird, wird sich auch nichts ändern und selbst wenn es einen nicht stört, was da sinnlos an Geld für angebliche Unterhaltung verbrannt wird, sollte allein die politische Relevanz genug Anreiz für mehr Widerstand sein.

Tabularius
Tabularius

Ich will das Fernsehen gar nicht all zu sehr verteidigen. Es hat aber im Gegensatz zum Internet eben den Vorteil das man auch Sachen zu sehen bekommt nach denen man nicht gesucht hat. Wenn man Tagesschau sieht. bekommt man aus allen Bereichen Informationen. Die moegen nicht sher ausfuehrlich sein aber man hat zumindest etwas gehoert. Im Internet passier tes leicht das man sich nur technik Nachrichten anschaut oder Lifestyle. Und dabei z.B. von Politik, Sport o.ae. nichts mit bekommt.
Man lebt in seiner eigenen Welt und wird auch noch dauernd bestaetigt. Foren ziehen eher leute an die die gleichen Interessen und Meinungen haben. Und Foren die ganz andere Meinungen als man selbst vertreten sucht man nicht auf.

Klar, auch im TV gibt es das Problem. Man kann schliesslich wegzappen aber die chance das die wichtige Informationen erreichen ist hoeher.

Je mehr man sich zudem auf Filter verlaesst um interesantes zu finden (google, facebook youtube etc) desto schlimmer wird dieses Problem in seiner eigenen Blase zu leben.

Die Kritik an zu wenig und zu schlechten Dokus und Wissenschaftssendungen kann ich ebenfalls nicht ganz nachvollziehen. Auf 3sat, arte und Phoenix. Laufen am laufenden Band sehr gute eigenproduzierte und importierte Sendungen. Nano, Kulturzeit, hightec, makro, scrobel. BBC-Dokus, Xenius, ZDF-History usw.
Ich fuehle mich dabei intelektuell zumindest nicht unterfordert. und da kommen einige Stunden in der Woche zusammen.
Die besten Dokumentationen kommen meiner meinung nach von den deutschen oeffentlich Rechtlichen Sendern (und voon der BBC). Selbst wen man die irgendwann auf Youtube schaut muss die dennoch jemand produzieren. Ich will dabei nicht nur auf kommerzielle Produktionen aus den USA angewiesen sein.

Privatsender habe ich allerdings auch schon lange nicht mehr geschaut. und was du ueber Serien und formate schreibst stimmt. Aber es gibt nicht nur Schlechtes im deutschen Fernsehen. Zumindest wenn man weiss wo man suchen muss.

Teleprompter
Teleprompter

Wir können das mit der Monokultur, der Zensur und all diesen Dingen ja in 5 oder 10 Jahren noch mal hochholen und sehen, wer eher Recht hatte.

Aber schauen wir doch mal in die Vergangenheit: Das TV mit seinen zwei oder drei Programmen hatte (fast) ein Informations- und Unterhaltungsmonopol. Und ? Bei aller Verklärung, was hat man sich damals erlaubt ? Gängige Serien von Enterprise bis Miami Vice wurden selektiv oder zerstückelt ausgestrahlt, unendlich viele gar nicht. Heute ist das TV der Konkurrenz ausgesetzt, in sich und durch das Internet, und bei allem Gejammere, es ist doch vielfältiger als je zuvor, von eigenen Kanälen für Oper und Theater bis zum Bodensatz-TV, das immer beklagt wird. Aber es kommt (fast) jede internationale Serie (fast) ungekürzt (und wenn nicht, liegt das meist an den deutschen Gesetzen).
Das Internet kann vieles davon aktuell auch leisten, keine Frage, manches sogar besser (Stichwort „ungekürzt“), manches schlechter (die immer noch eher dürftige Bildqualität), aber was, wenn die Konkurrenz weg ist. Wenn die Menschen „nur“ noch das Internet haben, wenn der Druck der Rechteinhaber oder der Regierenden zu stark wird ? Wenn man sich per Augenscan bei „seiner“ XBox oder Webcam anmelden muss, um irgendwas im Netz zu sehen ? Wenn dann sofort abgeglichen wird, ob man die nötige Deckung auf dem Konto hat und sich in irgendwelchen Foren nicht danebenbenommen hat ?

Ich freue mich, solange ich TV UND Internet habe, Spiegel Online tagsüber, Arte und Sky abends, meine Filme physisch kaufen oder mieten kann (auch das ist ja in Gefahr, wie Deine 400-Folgen Box) und nicht über gedrosselte Leitungen downloaden muss.

Mencken
Mencken

@Tabularius:

„Ich will das Fernsehen gar nicht all zu sehr verteidigen. Es hat aber im Gegensatz zum Internet eben den Vorteil das man auch Sachen zu sehen bekommt nach denen man nicht gesucht hat.“

„Aber es gibt nicht nur Schlechtes im deutschen Fernsehen. Zumindest wenn man weiss wo man suchen muss.“

Will mich irgendwie nicht richtig überzeugen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Teleprompter: Es wird nicht richtiger, wenn du es umformulierst:

„Wir können das mit der Monokultur, der Zensur und all diesen Dingen ja in 5 oder 10 Jahren noch mal hochholen und sehen, wer eher Recht hatte.“

Wir reden von „jetzt“. Und „jetzt“ ist das Internet vieles, aber keine Monokultur. Was in fünf oder zehn Jahren ist, darüber habe ich mich nicht geäußert, deshalb kann ich da auch nicht falsch liegen.

Martin
Martin

@Torsten: „(…) Ich habe Recht (…)“

Schade, dass es hier keine Like-Funktion für Kommentare gibt, so wie bei Facebook 😉

Howie Munson
Howie Munson

@Teleprompter (6):Wozu Nachrichten in HD? die ersten Bilder von vor Ort sind doch eh viel zu oft Handyvideos mit „Quelle:Youtube“…

mal davon ab das Phoenix inhaltlich nicht mal mit dem Niveau vom Deutschlandfunk mithalten kann und die besten aktuellen Beiträge die minimal längeren Fassungen des jeweiligen Tagesschaubeitrags sind…

Aber selbst WENN ich mal wirklich vorhaben längere Zeit TV zu schauen, so ziehe ich mittlerweile den Stream vor, ganz einfach weil ich dann noch nebenbei was anderes machen kann, wenn es grad mal wieder langatmig wird. Aber ok ich hab den Vorteil das mir die Aktualität von fiktionalen Inhalten relativ egal ist, jedenfalls messe ich das „Alter“ nicht in Wochen oder Monate sondern in Jahren oder Jahrzehnten… Zur Not könnte ich also wirklich locker auf die DVD im Sonderangebot warten.

P.S. (bezieht sich auch spätere Postings): auch auf youtube gibt es HD-Inhalt und wenn einen das so wichtig ist, hat man zwar eine Preiserhöhung von der Drosselkom zu befürchten, aber um mehr als um Profitmaximierung durch doppelt kassieren (Kunde+Anbieter) geht es denen auch nicht…. Ist zwar verwerflich genug und man sollte sich sowieso für ein „freies und gleiches“ Internet einsetzen, aber Panik wegen Unterhaltungsentzug ist wirklich nicht angebracht.

Wortvogel
Wortvogel

@ Howie: Was Deutschlandfunk angeht: Ich habe gestern auf dem Weg zum Acula ins Krankenhaus eher zufällig BR 2 reinbekommen – und war baff, wie hörenswert das war. Lang Features, historisch, politisch und kulinarisch interessant aufbereitet, viel aus der Region. Höre ich jetzt sicher öfter.

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Wie geht es denn dem guten Doktor (Acula)?

Wortvogel
Wortvogel

@ Mencken: Er wirkt niedergeschlagen und müde, wird aber wohl nicht operiert. Liegt jetzt in einem normalen Krankenzimmer. Soll Ende der Woche wohl entlassen werden, man setzt erstmal auf Therapien und Medikamente.

DMJ
DMJ

Schön nachvollziehbar und vor allem angenehm leise geschriebener Artikel, bei dessen Lesen ich schon traurig dachte, wieviel Zustimmung von falscher Seite er wohl bekommen wird – und schon tut S-Man seine Meinung kund „Fernsehen braucht kein Mensch mit IQ > 60“. 😛

Will sagen, was mir am Text gefällt, ist die betont subjektive Position. Für des Wortvogels Bedürfnisse und seine Konsumgepflogenheiten lohnt sich das Fernsehen nicht – also ist es für ihn ratsam, es aufzugeben. Für andere Geschmäcker und Stile sieht es eben anders aus.

Ich werde noch lange daran festhalten, einfach, weil es mir viele, viele, viele Filme zu sehen ermöglicht, ohne dass ich für diese direkt was zu bezahlen hätte. Wie Tabularius sagt, ist es auch ganz nett, dabei auch mal Dinge eher zufällig zu sehen, nur weil sie gerade laufen und dabei manchmal Perlen zu entdecken.
Zweiter Punkt Serien – ich bin kein Freund von Serien-DVD-Boxen, weil ich Serien i.d.R. nur einmal gucke und sie anschließend zu verkaufen, ist mir zu stressig und zu unsicher. Auch hier bedient mich (wohlgemerkt mich – wer da anders empfindet, darf das) das Fernsehen recht gut.

Zuletzt die „niveauloser Müll“-Problematik, die hier ja angenehm kurz am Rande behandelt wird. Ja, es gibt ordentlich Müll, aber zumindest habe ich es bislang immer recht gut geschafft, ihm auszuweichen. Viele sagen, sie könnten es nicht und er sei ÜBERALL und sie MÜSSTEN ihn gucken und dabei ZWANGSLÄUFIG VERDUMMEN und das ganz ohne eigene Schuld… hmnaja… die sollten den Fernseher wirklich abschaffen, aber ihre eigene Willensschwäche bzw. Unfähigkeit zur Selektion nicht als Auszeichnung begreifen.

Wie gesagt: Das alles ist um Himmels Willen keine Kritik an obigem Text, sondern nur ein Beitrag zur Debatte, in dem er sicher bald missbrauch und missverstanden werden wird. 😉

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Das klingt in Anbetracht der Umstände ja noch ganz erfreulich, hatte im ersten Moment sogar Schlimmeres befürchtet.

Bluescreen
Bluescreen

@DMJ

Zustimmung. Das Fernsehen generell zu verteufeln oder „für doofe“ zu bezeichnen wäre wohl auch übertrieben. In meinem Fall haben sich einfach die Interessen und Sehgewohnheiten verschoben, daher schalte ich die Kiste kaum noch ein. Vor zwanzig Jahren habe ich auch jeden Scheiss im TV angesehen, und da gab es auch schon genug Unsinn der ausgestrahlt wurde.

DMJ
DMJ

@Bluescreen:
So ist es! Wie es immer heißt, kann das Fernsehen Kluge klüger und Dumme dümmer machen – doch beides kann man auch mit anderen Mitteln und Medien erreichen. 😉

Moepinat0r
Moepinat0r

Jop, ich kann mich dem Beitrag nur anschliessen. Das heutige Programm tauge ja nichtmal mehr für’s Zappen. Fernsehen gibt es bei uns mittlerweile auch nur noch über Antenne und nur weil die Dame des Hauses (noch) nicht ganz darauf verzichten kann.
Wir beziehen unser Entertainment und Nachrichten hauptsächlich über das Netz und vermehrt wieder über das Radio (DLF und Co.).

Wortvogel
Wortvogel

@ Bluescreen/DMJ: Ich stimme tendenziell zu, sehe aber doch eine generelle Banalisierung des Programms. Wenn man vor 20 Jahren tagsüber durchgezappt hat, bekam man auf den großen Sendern Serien wie „Babylon 5“ und „Knight Rider“ zu sehen, Kinderserien, ein paar Klassiker, bei den ÖR gerne auch Dokus und Ratgeber. Es war sehr durchmischt. Die totale Dominanz der Service- und Reality-Formate ist eine Pest des neuen Jahrtausends.

Was Filme angeht: auch die schaue ich lieber ungeschnitten, unsynchronisiert und dann, wann ich es will. Ob über Stream, Download oder von der Scheibe ist dabei zweitrangig.

Vineyard
Vineyard

„Die totale Dominanz der Service- und Reality-Formate ist eine Pest des neuen Jahrtausends.“

Dazu hat ja mal der Kalki bei Holger Kreymeier was gesagt. Die Sender wissen was für eine Scheisse sie fabrizieren. Sie können nur nichts mehr anderes bringen. (Weil angeblich das Geld fehlt.)

Bluescreen
Bluescreen

@Torsten

Ja, richtig. Man könnte den Eindruck bekommen, die neuen Medien/Möglichkeiten auf andere Inhalte zuzugreifen drängen das Fernsehen in die Ecke, so dass es nur noch durch „Flächenbombardement“ die Möglichkeit hat so viele Zuschauer wie es nur geht abzugreifen. Und das mit höchster Kadenz zu niedrigen Kosten.

Bluescreen
Bluescreen

@Vineyard

„Die Sender wissen was für eine Scheisse sie fabrizieren. Sie können nur nichts mehr anderes bringen. (Weil angeblich das Geld fehlt.)“

Das ist schizo. Und ich glaub auch nicht, dass denen das Geld fehlt.

Wortvogel
Wortvogel

@ Bluescreen: Ich denke, Vineyard redet da eher von den Privaten, die viel schneller klamm sind als die ÖR – weil sie ja nicht mit planbaren Milliarden rechnen können.

Bei den ÖR stellt sich mir immer mehr die Frage, wie viel Geld tatsächlich auf dem Schirm landet. Ich glaube, es verhält sich analog zur Arbeitsagentur: das meiste Geld wird verbrannt, um das System selbst am Laufen zu halten.

DMJ
DMJ

Auch der These, das Fernsehen sei dümmer und seine Dummheit boshafter geworden, stimme ich vollkommen zu!
Ich meine, was tagsüber so läuft, bekomme ich ja meist nur in Nachtwiederholungen mit und das ist wirklich ein Blick in den Abgrund.

Ich verwahre mich nur gegen die immer wieder erhobene Behauptung, da laufe „nur noch Schrott“ o.ä.. Es hängt natürlich auch von den Interessen ab, aber ich, der ich zwar fast nur Fiction, da aber sehr breit gefächert sehe, habe bislang noch immer eine ganze Menge ansehbaren Zeugs gesehen und musste nie „aus Verzweiflung“ auf irgendwelche „Messi-Auswanderer in der Casting-Schuldenkrise“-Sachen zurückgreifen. 😉

Bluescreen
Bluescreen

@Wortvogel

Ups, ja… da hätte ich differenzieren müssen. Teilen wir meine Sätze unter den Privaten und den ÖR auf. Dann passt es wieder.

(*puh*)

Vineyard
Vineyard

Nope, da hätte ich differenzieren müssen.

Aber was die Öffentlichen mit ihren Gelder anstellen ist wirklich ein Rätsel. WER will z.b. diese ganze Schunkelscheisse? Und kann die dt. Autorenschaft wirklich nicht mehr als „Tatort“ und Tatort Klone erschaffen?

Hin- und Weggucker
Hin- und Weggucker

Ich schaue schon seit gut 20 Jahren Fernsehen nicht so, wie es die Fernsehmacher gerne hätten. Zeichne auf, was mir gefällt und schaue es mir dann an, wenn es mir gefällt. Selbstverständlich ohne Werbung. Insofern habe ich, was Fernsehen angeht, lediglich abgesehen von Live-Events wie Sport, Wortvogels Konsequenzen schon lange vollzogen.

Andererseits erfordert die so überaus positiv beschriebene Alternative der Vielfalt des Internets auch ein gehöriges Maß an Aufwand. Es ist zwar kein großes Ding, sich die tägliche Nachrichtenlage über eine Handvoll Quellen (die oft genug auch nur Sekundärquellen sind) selbst zusammenzutragen, und die Tagesschau obsolet zu machen, aber um für sich selbst langfristig ein „wohltemperiertes“ Unterhaltungsprogramm durch die Angebote im Internet aufrecht zu erhalten – sofern man dem Medium treu bleibt und Games, Social Medias u. a. jetzt mal außen vorlässt -, erfordert es doch auch permanente Anstrengungen in punkto eigener Programmmoderation. Die wenigsten machen sich diese Mühe fortwährend und so mündet – zumindest tendenziell – auch das ganze Social Network Gedöns in einen Mainstream.

Zwar sehe ich das Internet als wichtigeres und dominanteres Medium als das klassische Fernsehformat an, aber es sollte nicht unschattiert als rosarote Alleinalternative angesehen werden.

Wie Wortvogel schrieb: Das Fernsehen bietet Programmangebote, von denen er (und ich und andere) uns entfernt haben. Der Vorteil dabei war die Privatsphäre. Trotz Quotenhechelei hatten die Fernsehmacher keinen unmittelbaren Zugriff auf mein Fernseh- und Konsumverhalten.

Diese Freiheit scheinen wir bereitwillig aufgeben zu wollen. Unser Verhalten wird getrackt, unsere Kommunikation lückenlos protokolliert. Es wäre absurd anzunehmen, Medienanbieter und alle an daran direkt oder indirekt Beteiligten würden die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen nicht nutzen, ihre Angebote zukünftig noch „besser“ anzupassen. Wem wohl? Dem Mainstream. – Es wird Mühe bereiten, dem bewusst zu entfliehen.

Proesterchen
Proesterchen

Ich zähle mich auch zur Gruppe derer, die weiter grundsätzlich fernsehen, aber bei denen nicht viel übrig geblieben ist, und alles abseits des Livesports so oder so erst mal auf der Festplatte landet. Ich habe mir mal meine Liste durchgeschaut:

10 Minuten Phoenix jeden Morgen, sonntags der Presseclub (damit der Blutdruck nicht gefährlich niedrig wird) und zwei depperte Formate aus der RTL-Familie. Nichts davon würde mir fehlen, wenn morgen (wie vor 12 Monaten) ein Gewitter Fernseher und PVR mordet.

Bei Sky schaue ich Filme (dünnes Angebot, aber kein Spulen und OT), Serien (letztens nach langen Jahren mal wieder BSG, GoT, wieder OT als Argument), aber haupsächlich Sport. Wegen des OTs hab ich mir sogar Watchever geholt, und warte jetzt noch ein paar Monate bis die letzten ‚The Wire‘-Staffeln hoffentlich auch durch sind.

Deutsches Fernsehen hat mich nie gekannt, wir sind uns vor Jahren mal über den Weg gelaufen, aber es blieb beim kurzen ‚Hallo‘ – das spart den Abschied.

Verabschiedet habe ich mich allerdings in den letzten Wochen von einem anderen Phänomen, dem Printjournalismus. Ein Magazin, eine Zeitschrift, ein mal 20+ Jahre gelesen, ein mal ein Jahr wegen der Prämie. Beiden gemein: Da bin ich raus, und komme auch nicht wieder.

Proesterchen
Proesterchen

@Tabularius

„Je mehr man sich zudem auf Filter verlaesst um interesantes zu finden (google, facebook youtube etc) desto schlimmer wird dieses Problem in seiner eigenen Blase zu leben.“

Ist es in Deinen Augen besser, in der Blase der TV-Redaktion A, B oder Q zu leben?

Dr. Acula
Dr. Acula

@mencken

unkraut vergeht nicht…

Lars
Lars

Bei mir ist es nicht ganz so extrem, da ich Sport und Nachrichten durchaus noch live im Fernsehen gucke. Ansonsten ist das lineare Fernsehen bei mir aber auch gestorben und ich gucke nur noch, was mir gefällt, wann ich möchte. Die Ursprungsquelle kann dabei aber auch durchaus das Fernsehen sein, da ich dank Festplattenrekorder die „ein oder andere“ Sendung im Fernsehen aufnehme (und dank Sky-Abo hab ich dann auch O-Ton).

Marcus
Marcus

Man sollte auch insoweit differenzieren, dass fast alles, was der Vogel sagt, erstmal nur für das deutsche Fernsehen stimmt.

Viele Dinge, die mir heute Freude machen, wie“Doctor Who“, „Game of Thrones“, „Sherlock“, „Supernatural“, „True Blood“, kommen alle aus dem Fernsehen, nur halt nicht aus dem deutschen Fernsehen. Und das ist es, was mich am meisten daran frustriert. Ich kann verstehen, dass der deutsche Markt kein GoT hergibt. Aber wieso kriegt man hierzulande nichtmal eine eigentlich vom Aufwand her machbare Serie wie „Sherlock“ hin?

Natürlich bekommt man hierzulande nur das Sahnehäubchen des UK- und US-Programms vorgesetzt. Die haben bestimmt genug Mist. Aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dort kann man mehr und bessere Qualität erzeugen als bei uns, und das ist nicht nur damit erklärbar, dass man dort mehr Geld hat.

Marcus
Marcus

Und auch sollte man nicht vergessen, dass das Internet heute noch zum Großteil ein Medium der Zweitverwertung ist.
Schaffe morgen das Kino, das Fernsehen und den Printjournalismus ab, und von der Vielfalt bleibt nicht mehr viel übrig. Einen erwiesenermaßen praktikablen Weg, originären Content im Internet zu finanzieren, hat noch keiner.

Axel
Axel

Oh man. Selten habe ich sowas unreflektiertes gelesen!

1. Kabarett findet heute im TV sehr wohl statt. Ich persönlich finde den „Tagesschaum“ grandios! Dazu heute-show oder Neues aus der Antalt. Oder die Kabarett-Sendungen auf 3sat. Dafür zahle ich gerne Gebühren!
Aber stattessen ERNSTHAFT den Angry Video Game Nerd und den Nostalgia Critic anführen für gehobene, subtile Unterhaltung?

2. „kann ich bei der BBC nachschauen“ | „Und sollte mir die sonore Seriösität der “Tagesschau” doch mal fehlen, gebe ich sie mir online – in 100 Sekunden.“

Beides ist Fernsehen. Oder ist die BBC etwa kein Fernsehsender mehr? Und würde es die 100 sek. Tagesschau ohne die ARD geben? Ich denke nicht.

3. „Wir sind ein Volk, das stolz ist auf die “Lindenstraße” und auf “Ein Fall für zwei”, das Preise an “Stromberg” und “Berlin Berlin” verleiht, aber nicht einschaltet.“

Na stell‘ Dir vor: es gibt auch Menschen die besagte Serien mögen. Und was ist mit den qualitativ guten Serien? Alpha 0.7, Im Angesicht des Verbrechen, Kriminaldauerdienst,
Ijon Tichy: Raumpilot, Allein gegen die Zeit usw. Da gab es in den letzten Jahren so manche Schätze!

Und auch die BBC-Serien oder die US-Serien sind… Fernsehen! Denn ohne Sender könnten diese nicht finanziert werden!

4. „Abgesehen davon, dass YouTube Hunderte von Dokumentationen bereit hält.“ Auch diese sind von den sendern finanziert, nicht vo YouTube. Ergo: Ohne Fernsehen nicht existend.

5. „genieße ich eine unglaubliche Anzahl von Blogs mit Partikularinteressen, die oftmals deutlich besser geeignet sind, komplexe Themen aufzuarbeiten.“ Und er hat die Zeit sich durch 1000te von Blogs zu arbeiten?

6. „Mein Fernseher ist ab jetzt kein Fernseher mehr. Nur noch Monitor.“

Bist Du wirklich fern von allem was das TV produziert? Im Text hast du Dich ja schon wiersprochen. Denke mal nach: schaust Du nie eine US-Serie? Nie einen TV-Film? Nie einen Kinofilm wo ein Sender mit investiert hat? Nie eine Sportübertragung? Nie Kabarettaufzeichnungen etwa mit Volker Pispers oder Hagen Rether?

Würde man das Fernsehen konsequent abschaffen – was bliebe uns dann? Hirnbefreite YT-Animateure wie Gronkh oder besagter Angry Video Nerd? Wäre die Welt dann nicht unsagbar traurig?

Zediria
Zediria

Ich habe zwar noch einen sat-receiver am TV, aber dieses Jahr noch nicht verwendet ausser zum Eurovision-Song-Contest – und letztes Jahr waren es villeicht 2 Tage mehr.

Warum? Aus den gleichen Gründen – es läuft nichts gescheites, nichts was mich als 29-Jährigen in irgend einer weise interessiert.

Serien und Filme bekomme ich vollkommen Problemlos als Stream, Whatchever & Co sind zumindest hier mit DSL6000 Problemlos zu schauen. Was es dort nich gibt, lässt sich oft sehr Preiswert von Amazon & Co. als DVD-Box nach hause liefern lassen.

Nachrichten lese ich seit je her lieber in der (nun Onlineausgabe) der Tageszeitung.

Interressante Reportage höre ich gerne im Radio, hier z.B. auf dradio, NDR Info & Co. Vieles gibt es ach im Internet z.B. als Podcast oder Stream in voller Qualität. Und nicht nur die technische Qualität ist hervorragend, auch der Inhalt oft wesentlich genauer und hinterfragender.

Meine Samstags-Abend-Beschäftigung „zuhause“ ist es dann eher PC zu Spielen.

Marcus>
Das ist doch stuss, im Bereich Serien wird z.B. im US-Markt doch inzwischen auch ein erheblicher Teil des Umsatzes durch Streaming-Portale generiert.

Wortvogel
Wortvogel

@ Axel: Ich muss davon ausgehen, dass du mich missverstanden willst, um dich bequem aufregen zu können. Deine gesammelten Fehlsch(l)üsse wären eine Antwort wert – wenn du dich besser benehmen könntest. Man geht nicht zu einer Party und kotzt dem Hausherrn erstmal auf den Teppich. Bleib freundlich, dann ist VIELLEICHT auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit deinen Mutmaßungen drin.

DMJ
DMJ

@Axel:
Mh… du hast schon den Zusammenhang des Artikels erkannt, dass es dem Wortvogel nicht darum geht, der Erfindung bzw. dem Medium Fernsehen an sich abzuschwören, sondern nur zu erklären, wieso er es (also das normale Fernsehen aus Kabel bzw. Antenne hierzulande) nicht mehr nutzt?
Wie gesagt, gezielt subjektiver Standpunkt. Natürlich wird vieles, was er jetzt über DVD oder Internet konsumiert fürs Fernsehen produziert und stiegen ALLE Leute aus, gäbe es auch das nicht mehr… aber sein Text ist ja auch kein Aufruf an andere, sondern eine Stellungnahme aus seiner privaten Position aus.

Auch leugnet er nicht, dass es auch hierzulande gute Sachen Fernsehen gibt (hat ja selbst für selbiges geschrieben), aber im Vergleich mit denen der Angelsachsen sehen unsere Perlen doch recht unspektakulär aus. Ich mag auch „Stromberg“ (für dass sie ein „Office“ haben) oder „Mord mit Aussicht“, aber wie weit wir generell noch vom Format von „Sopranos“ oder „Breaking Bad“ (ja, recht unoriginell, gerade die zu bringen) sind, sollte jedem schmerzlich bewusst sein.

DMJ
DMJ

„Bleib freundlich, dann ist VIELLEICHT auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit deinen Mutmaßungen drin.“

– So wurde er mit der Vorzimmerdame DMJ abgespeist. 😛

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