11
Dez 2012

Die Krise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens…

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

… auf den Punkt gebracht von der Inhaltsangabe einer neuen ZDF-Krimiserie für den Donnerstag. So liest sich das Konzept von "Heldt" ganz offiziell:

"Kriminalkommissar Nikolas Heldt hat seine sehr eigene Art, Fälle zu lösen. Dabei legt er sich mit den Kriminellen genauso an wie mit seinen Vorgesetzten. Sein Revier ist Bochum und dort fühlt er sich zuhause. Heldt geht selten den geraden Weg. Wenn er es für richtig hält, dann geht er jedes Risiko ein. Dies führt nicht selten zu Eklats im Polizeipräsidium! Denn im Gegensatz zu seinem besten Ermittler sieht Hauptkommissar Detlev Grün in gründlicher und regelkonformer Polizeiarbeit immer noch das Mittel zum Erfolg.

Und Staatsanwältin Ellen Bannenberg, blond, aber alles andere als blöd, müsste ihn darin eigentlich unterstützen, wäre da nicht die hervorragende Aufklärungsquote des intuitiven Kommissars. Deswegen sieht sie manchmal einfach nicht so genau hin: Am Ende sind es nämlich immer die kriminalistischen Erfolge, die Nikolas Heldts eigenwillige Interpretation der Regeln und Gesetze einigermaßen aufwiegen. Zwar wird Ellen Bannenberg starke Nerven brauchen, um die vielen Verfehlungen von Heldt einigermaßen im Griff zu behalten. Aber der Mann kann ja auch ganz charmant sein…

Alles in allem lebt „Heldt“ von  der brisanten Mischung gegensätzlicher Charaktere, die spannend und unterhaltsam zu werden verspricht."

Ich muss dem letzten Satz leider widersprechen. Das ist so ziemlich die unbrisanteste Mischung, die mir seit langem untergekommen ist. Das verspricht auch nicht spannend und unterhaltsam zu werden, sondern gähnend langweilig, absolut vorhersehbar und den Serienklischees der 70er und 80er verpflichtet.

Das völlig fehlplatzierte Ausrufezeichen im Text ist nur das peinliche Pünktchen auf dem i.

Kann man eine Krimiserie NOCH generischer gestalten, wenn man es drauf anlegt? Ich halte das für kaum möglich. Wer denkt nach dieser Inhaltsangabe "Wow, das kling ja super, schalte ich sicher ein!"?

Fühlt sich denn niemand verpflichtet und/oder berufen, die deutsche Krimi-Primetime vielleicht nicht auf skandinavisches, vielleicht nicht auf englisches, aber wenigstens auf schmerzfreies Niveau zu heben? Wenn schon nicht Stoffe für das 21. Jahrhundert, dann wenigstens für die 90er? 15 Jahre zu spät statt 30? Irgendwer? Hallo?



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PabloD
PabloD
11. Dezember, 2012 13:56

Heißt der Antagonist der ersten Folge wenigstens Herr Böhsemann?

Uli
Uli
11. Dezember, 2012 13:59

Nachdem bei Sat1 vor kurzem erst "Der Cop und der Snob" gescheitert ist will man beim ZDF wohl unbedingt nachziehen…

Diese völlige Übersättigung an immergleichen Formaten ist mir eh ein Graus, seien es Talk-, Casting- oder Kochshows, "Schmunzelkrimis" oder auch nur Jahresrückblicke. Anscheinend muss jedes halbwegs funktionierende Format dutzendfach kopiert werden bis auch der letzte Zuschauer genug davon hat.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 14:04

@ Uli: Die Frage ist: warum können das z.B. die Engländer so unendlich viel besser? Allein aus den letzten Monaten: Sherlock, The Town, Fear, Good Cop, Five Days, Luther, Single-Handed, Touch of Cloth, Vexed, Hunted, Wallander, Zen, Falcone. Und das sind nur die Krimis – von Comedys, Dramen und Kostümserien rede ich dabei gar nicht.

Chabneruk
Chabneruk
11. Dezember, 2012 14:09

Übel. Wahrscheinlich halten die das für total innovativ. Dabei hätten sie nur die Geschlechter tauschen müssen, um es doppelt so interessant zu machen.

Aber selbst dann haben die Charaktere die selben 08/15-Geschichten, wie man sie seit Jahren… nee, du hast recht, Jahrzehnten kennt. *würg* Womöglich muss man sogar noch froh sein, dass auf dem Sendeplatz keine Seniorenstüberl laufen.

Es hat schon seinen Grund, warum ich kein Fernsehen mehr schau.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 14:14

@ Chabneruk: Übrigens ein beliebter Kniff, den ich als Autor auch sehr gerne benutze – man kann viele Klischees prima weiter benutzen, wenn man einfach die Geschlechter tauscht. Weil das einen neuen Blickwinkel erlaubt.

Chabneruk
Chabneruk
11. Dezember, 2012 14:22

Ja, eine starke Frau, die die Regeln bricht und ein Mann, der sie widerwillig gewähren lässt, hatte das deutsche Fernsehen eher selten. Aber gabs generell auch schon. Vgl. Buffy Summers und Rupert Giles.

Trotzdem wärs besser gewesen.

Tom Argus
Tom Argus
11. Dezember, 2012 14:23

Sehen wir doch der Tatsache endlich mal ins Auge:
(Fernsehzuschauer-)Deutschland ist alt. Uralt!
Und alte Menschen wollen hier keine Serien wie "Breaking Bad", "The Newsroom" oder "Homeland". Sie wollen keine Serien, die Sie verstören, beunruhigen oder gar zum nach- und mitdenken anregen. Sie wollen harmlose, entspannende, leicht konsumierbare TV-Kost mit Situationen und Typen die sie schon ewig kennen und schätzen. Wenn die schockiert werden wollen, schlagen sie einfach die aktuelle Tageszeitung auf. Sowas wollen die nicht auch noch im Fernsehen sehen.
Der Rest kauft sich DVD-Boxen.
Die ÖRs sind in keiner Krise. Deren Serien werden geguckt, keine Sorge. Aber eben nicht von den Leuten, die bspw. "Dexter" gern beim 'zerlegen' zusehen.
Sehen wir der Tatsache ins Auge: Deutschland ist nicht England, Deutschland liegt nicht in sondern unter Skandinavien und Deutschland will seine Ruhe. Sowohl im Fernsehen, als auch davor.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 14:32

@ Tom Argus: Das ist so kompletter Unsinn, dass es mich aggressiv macht. Ich habe explizit geschrieben, dass es NICHT darum geht, auf skandinavisches oder englisches Niveau zu kommen. "Homeland" und "Breaking Bad" sind nicht nur extrem modern, sondern auch dem Charakter des Entstehungslands geschuldet – auch DAS habe ich nicht verlangt oder erwartet. Aber die Furcht vor der Moderne rechtfertigt keinen Rückzug in den ewig gleichen ollen Käse.

Dass deutsches Fernsehen dem deutschen Publikum gefallen muss, ist eine Binsenweisheit – dass es deshalb langweilig, schlecht geschrieben und lieblos inszeniert sein muss, erschließt sich mir nicht.

Vor allem aber: natürlich ist das Publikum als, wenn es das Programm auch ist. Deshalb die Flinte ins Korn zu werfen und "die wollen es halt nicht anders" zu sagen, ist zynisch und dumm. Die öffentlich-rechtlichen Sender können Sendungen für ein breiteres Publikum machen (Tatort, Mord mit Aussicht, heute-Show), das dann auch einschaltet. If you build it, they will come.

Schön aber, dass du den deutschen Zuschauer so gut kennst, dass du prima als ZDF-Programmdirektor arbeiten könntest.

Georg
Georg
11. Dezember, 2012 14:33

08/15 Krimis im Ersten, Rosamunde Pilcher oder Das Traumschiff im Zweiten und Reality-/Casting-Mist bei den Privaten.

Ich weiß schon, warum ich seit geraumer Zeit nur noch ost-europäische Pornos anschaue. Da bekommt man wenigstens noch was für sein Geld und kann besinnliche Weihnachten im trauten Kreise der Familie feiern, ohne sich ständig ärgern zu müssen…

Pascal
Pascal
11. Dezember, 2012 14:34

Amen.

Weiß jemand ob sich dt. Serien dieser Machart überhaupt ins Ausland verkaufen lassen? Und ich meine nicht Österreich und Schweiz. 😉

Chabneruk
Chabneruk
11. Dezember, 2012 14:36

@Tom Argus: Das ist ein schlechtes Argument. Denn erstens haben die öffentlich-rechtlichen einen Auftrag, nämlich für alle (!) Deutschen Information, Bildung und Unterhaltung zu liefern und zweitens wird mit diesem Auftrag ja auch begründet, dass jeder von uns für die öffentlich-rechtlichen zahlt. Wir (ab nächstem Jahr tatsächlich) alle treten in Vorleistung für ein gutes Programm. Und darum hat Thorsten, darum habe ich, darum hat jeder Deutsche auch das Recht, dieses Programm einzufordern.

Deutschland will seine Ruhe, also wirklich O.o

comicfreak
11. Dezember, 2012 14:36

..also, Junior und ich lieben "Mord mit Aussicht", Staffel 2 ist gerade um, Staffel 3 soll voraussichtlich schon in 2-3 Jahren laufen (Begeisterung heuchel),
aber den Plot da oben kann schon Junior vorhersagen, seit er Han Solo und Leya gesehen hat..

comicfreak
11. Dezember, 2012 14:39

PS: falls keiner der Polizisten plattdeutschen Akzent hat oder bayerisch spricht, ist das für’s ZDF schon innovativ

Jochen
Jochen
11. Dezember, 2012 14:41

(Tatort, Mord mit Aussicht, heute-Show)

buah?…finde den Fehler in dieser Aufzählung…
der Treffer ist ähnlich innovativ und unterhaltsam wie die oben kritisierte Verdummungsvorlage 😉

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 14:42

@ Jochen: Es geht nur um die Breitenwirkung der genannten Formate – die Qualität ist letztlich Geschmackssache.

Uli
Uli
11. Dezember, 2012 14:45

@Wortvogel:
Ja das ist mir auch ein Rätsel warum hierzulande der Mut oder die Kreativität fehlt.

Man darf sich auch fragen welche neuen Formate eigentlich durch den inzwischen drei Jahre alten Spartenkanal zdf_neo hervorgebracht wurden. Klar gibt es da einige schöne Sachen, aber als echte Spielwiese scheint da auch nicht zu funktionieren.

Allen "ich kucke gar kein Fernsehen mehr" (glaube ich eh nicht) kann ich nur entgegnen das es durchaus gutes Fernsehen in Deutschland gibt, man muss es nur finden. Allein gestern liefen z. B. wieder zwei köstliche Folgen "Modern Family" auf RTLNitro, während im Hauptprogramm Bauern Frauen suchen.

Uli
Uli
11. Dezember, 2012 14:53

"Alte Menschen wollen hier keine Serien wie “Breaking Bad”, “The Newsroom” oder “Homeland”. Sie wollen keine Serien, die Sie verstören, beunruhigen oder gar zum nach- und mitdenken anregen."
http://www.dwdl.de/nachrichten/38745/sat1_zeigt_die_gefeierte_usserie_homeland/
http://www.dwdl.de/interviews/38732/markenkern_staerken_schablitzki_holt_breaking_bad/
http://www.dwdl.de/meinungen/38494/the_newsroom_ein_einschaltbefehl_fuer_tvjunkies/

Komisch das die Privatsender diese Serien sehr wohl wollen.

milan8888
milan8888
11. Dezember, 2012 15:08

Ich würd mich ja über neue "Alles außer Mord"-Folgen freuen.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 15:11

@ Uli: Jein. Schau mal auf die Quoten. Hierzulande sind das Nischenprogramme für ein Nischenpublikum. "Mad Men", "Breaking Bad", "Homeland" – gut für internet-affine US-Junkies, aber die Quoten von "Rosenheim Cops" und "Soko 5113" werden die nie erreichen. Mir geht es darum, DEUTSCHE FIKTION zu produzieren, für die man sich nicht schämen muss. Disclaimer: die gibt es, aber viel zu selten. Zweiter Disclaimer: habe letzte Woche mal wieder "heute-Show" geguckt, verstehe den Erfolg nicht. Weitgehend vorhersehbarer Klamauk, der genau das nicht hat, was man bei der "Daily Show" eben nicht abgucken konnte – Biss und Relevanz.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 15:14

@ milan: Waren von ProSieben vor ein paar Jahren mal neue Folgen geplant. Keine Ahnung, warum da nichts draus wurde.

Howie Munson
Howie Munson
11. Dezember, 2012 15:22

Zielt "Heldt" nicht am ehesten auf den relativen Erfolg von Sat1 mit "Der letzte Bulle"?

Aber vielleicht tun wir dem ZDF unrecht und das ist gar keine normale, ernstgemeinte Krimiserie. Die Staatsanwältin ist mit Janine Kunze besetzt….

Uli
Uli
11. Dezember, 2012 15:51

"Mir geht es darum, DEUTSCHE FIKTION zu produzieren, für die man sich nicht schämen muss. "
Das wäre schön ja, wobei ich schon mit "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" nichts anfangen kann. Am besten gefällt mir die Switch Reloaded Parodie zum "Bullen"…

VideoRaider
11. Dezember, 2012 15:57

Hier ist mein Pitch…

BULLENSCHWEIN

Der abgewrackte Großstadt-Bulle Freddie Blaskowitz (Till Schweiger), frisch aus der Scheidung heraus, kehrt in sein schleswig-holsteinisches Heimatdorf nahe der dänischen Grenze zurück, wo er zurück auf den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern zieht und das dortige Polizeidienststelle in der kleinen Gemeinde Klönsbüttel übernimmt. Eigentlich wollte er nur seine Ruhe haben, doch hinter der kleinbürgerlichen Fassade des hohen Nordens versteckt sich das Verbrechen. Zwischen Fisch und Frikadelle herrschen Mord und Totschlag, Missbrauch und Betrug.

Man gut, dass er immer Fritz dabei hat. Das wilde Schwein vom Hof seiner Eltern, dass bis jetzt jeden Kriminellen wie Piemont Trüffel erschnüffeln konnte. Lustige Situationskomik vorprogrammiert!

So, Dewi. Sach an, wann wir uns an den Piloten setzen.

Alternativ speilt die Story auf Helgoland. Und der Cop heißt Freddie Butter und übernimmt nebenbei den Fischladen der Eltern. Titel: BUTTER BEI DIE FISCHE.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 15:59

@ VideoRaider: Und ZACK – haben wir den nächsten "Schmunzelkrimi" für den ARD-Vorabend. Und nach der fünften Staffel enthüllt das Video eines Leser-Reporters von BILD, dass das Schwein während der Dreharbeiten schwer misshandelt wurde.

Tom Argus
Tom Argus
11. Dezember, 2012 16:04

@Wortvogel:
Sorry, da habe ich wohl einen Nerv getroffen. 😉
Aber was ich hier schreibe, ist ja nur meine bescheidene Meinung. Ich weiß natürlich auch nicht, wie der deutsche Fernsehzuschauer im Allgemeinen tickt, aber in meinem persönlichen Umfeld sieht halt niemand das öffentlich-rechtliche TV in der Krise. Man pickt sich die Rosinen aus dem grossen Angebot raus und der Rest wird einfach gepflegt ignoriert.
Über mehr deutsche Fiktion abseits der ausgetretenen Pfade würde ich mich natürlich auch sehr freuen. Aber dazu fehlt uns leider dieses spezielle 'Entertainment-Ich-probier-es-einfach-mal-aus-Rampensau-Gen'. Und ich frage mich, ob wir das überhaupt jemals besessen haben?

Georg
Georg
11. Dezember, 2012 16:05

"…dass das Schwein während der Dreharbeiten schwer misshandelt wurde."

Finde es nicht nett, wenn Till Schweiger hier als Schwein tituliert wird. Das hat er trotz allem dann doch nicht verdient… 🙂

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 16:16

@ Tom Argus: "Über mehr deutsche Fiktion abseits der ausgetretenen Pfade würde ich mich natürlich auch sehr freuen. " – und genau darum geht es. Meinetwegen darf die deutsche Fiktion auch auf den ausgetretenen Pfaden bleiben, wenn sie das gut und spannend macht. Aber mittlerweile ist das, was ich da sehe, weitgehend einfallslos UND schlecht gemacht. Ob die Deutschen ein Rampensau-Gen haben, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass die Mutlosigkeit des Fernsehens quasi-behördlicher Natur ist und man die Strukturen aufbrechen muss. Vor allem aber hat Chabneruk Recht: wir zahlen ALLE für das Fernsehen (Milliarden! Jährlich!). Deshalb haben wir ein Anrecht darauf, dass die Sender uns nicht als "unerreichbar" abschreiben.

noyse
noyse
11. Dezember, 2012 16:36

hab mir letztens wieder olle deutsche kamellen angetan, wo man sich schon fragt wieso war früher schon bisserl was möglich?

alpha alpha – als deutsche Avengers Kopie durchaus gelungen
der androjäger – okay billig aber meiner meinung nach mit liebe gemacht

mit john sinclair hätte man ja auch was deutsches als mysterie serie in petto wenn man es ordentlich macht und nicht so verhunzt wie rtl damals.

na ja ich fand aber auch eva blond recht nett 😉 ansonsten hab ich mir an deutschen serien schon lange nichts mehr angesehen. ich wollte mir immer im angesicht des verbrechens reinziehen, hab dann aber gsi den vorzug gegeben.

Peroy
Peroy
11. Dezember, 2012 17:06

"Fühlt sich denn niemand verpflichtet und/oder berufen, die deutsche Krimi-Primetime vielleicht nicht auf skandinavisches, vielleicht nicht auf englisches, aber wenigstens auf schmerzfreies Niveau zu heben? Wenn schon nicht Stoffe für das 21. Jahrhundert, dann wenigstens für die 90er? 15 Jahre zu spät statt 30? Irgendwer? Hallo?"

Ich schmeiß einfach mal ein paar Sachen in die Runde, die mir zu dem Thema im Kopf rumschwirren… ohne Anspruch auf Richtigkeit oder auch nur Fachwissen. Nur was ich mir halt so denke…

– Den öffentlich Rechtlichen kann scheissegal sein, was sie senden, die kriegen ihr Geld so oder so.

– Die Programmgestalter und Redakteure in den Sendeanstalten sind überaltet und haben keinen Draht zu modernem Entertainment.

– Der Übervater "Tatort" mit seiner (unverständlichen) Millionenquote gibt in Sachen Fernsehkrimis den Weg vor und macht im Vorfeld viel kaputt. Und wenn man sich mal explizit von diesem Vorbild löst, kommt so etwas wie "Wolfsfährte" oder "Blutadler" dabei heraus… urgs…

– Bei den Privaten ist die Programmgestaltung beschissen. Selbst deutsche Serien wie "Pastewka", die ich gerne sehen wollen würde, gucke ich nicht, weil sie auf einem miesen Slot versendet werden. Jetzt ist wieder eine Staffel um, die lief Freitags um 11 und wurde auch nur mies beworben. Die erste Episode hab' ich noch gesehen, danach hab' ich schlichtweg vergessen, dass es läuft.

– Wenn es mal sowas gibt wie die Pro7-Thrilltime (sprich: Mystery, Horror´, Thriller), dann sind die Fernsehfilme ein mieser Abklatsch und ohne Sinn und Verstand von den gängigen Mustern aktueller (oder auch nicht so aktueller) US-Vorbilder abkopiert. "Gonger" ? "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann" ? Schrecklicher Müll.

– Event-Movies auf RTL sind fast noch schlimmer. Dieser Adventure-Scheiss mit Kai Wiesinger ? grauenhaft. Geht trotzdem in die dritte Runde und wird geguckt. Ist halt besser beworben… oder der Zuschauer ist tatsächlich saudämlich.

Disclaimer: Es ist natürlich nicht alles schlecht, es gibt auch deutsche Fernsehfilme und Serien, die nicht saugen. Aber es könnten viel mehr sein… und wie gesagt: "Gonger". Ui…

Peroy
Peroy
11. Dezember, 2012 17:22

Nachtrag: Im Header steht zwar "Krise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens", aber ich finde, das deutsche Fernsehen steckt allgemein in einer Krise, deswegen…

Ach ja, und "Nikolas Heldt" geht als Name natürlich garnicht. Das ist so, als würde der Protagonist einer US-Serie "Goodguy McFacepuncher" heißen…

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 17:23

@ Peroy: Das hast du schon alles ganz richtig erkannt. Nur sind die Probleme bekannt – es mangelt an Antworten, bzw. Lösungen.

Mich nervt auch, dass das deutsche Fernsehen nur einen Gegenentwurf zu Banalkrimi kennt – den misogynen, depressiven Downer im Stil von "Blackout" und "Im Angesicht des Verbrechens". Als müsse mit dem Etikett "Anspruch" das Etikett "Unterhaltung" gewaltsam überklebt werden…

Christian
Christian
11. Dezember, 2012 17:30

Das ZDF kann es doch, siehe Unter Verdacht, Wilsberg, Kommissarin Lucas…

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 17:35

@ Christian: Sorry, keine dieser Serien kann ich gelten lassen. Aber wie weiter oben schon erwähnt – das ist Geschmackssache. Beim jungen Publikum haben diese Serien auch keinen großen Stich.

Peroy
Peroy
11. Dezember, 2012 17:37

"@ Peroy: Das hast du schon alles ganz richtig erkannt. Nur sind die Probleme bekannt – es mangelt an Antworten, bzw. Lösungen."

Ja, warte kurz, ich regel' das…

Mr. Fox
Mr. Fox
11. Dezember, 2012 18:16

Unter Verdacht ist wirklich gut, das hat nichts mit Geschmack zu tun. Das liegt vor allem an für deutsche Krimi-Verhältnisse gute, ungewöhnliche Drehbücher und einer wirklich herausragend arbeitenden Besetzung. Außerdem ist der Ansatz "gegen die Polizei/Behörden ermitteln" ja fast schon revolutionär gewagt für ÖR. Die filmische Umsetzung könnte sich manchmal noch mehr trauen. 🙂

Aber mich würde mal interessieren, wie es zu solchen "heldtenhaften" Serienkonzepten kommt wie vom Wortvogel zitiert. Das sind doch keine Sachen, die einer allein entscheidet, weil ihm gerade mal so ist. Da sitzen Autoren, Redakteure, Sendeplaner u.v.a. monatelang bis so eine Serie aufgebaut, konzeptioniert und in die Produktion geschickt wird. Offenbar nehmen all diese Sachverständigen an, dass sie was tolles erarbeitetet haben. Gucken die kein "Auslandsfernsehen", sind die so festgefahren in ihren Konventionen, dass sie nicht merken, wie lahm das ist? Oder halten die eben ihr Publikum für so "eingeschränkt", das sie immer den gleichen Brei für die kochen?

@ Wortvogel
Was ist denn deine Erfahrung mit den Entscheidern bei Fernsehsendern wenn es um Serienkonzepte bzw. Seriendrehbücher geht? Was steht da im Vordergrund?

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 18:32

@ Mr. Fox: Das Problem liegt seltener bei den Sendern – oft genug sind schon die Produktionsfirmen die Bremser, die keine ungewöhnlichen Stoffe entwickeln und anbieten, weil sie mit sowas schlechte Erfahrungen haben. Da du als Autor praktisch nie direkt mit dem Sender zu tun hast (außer bei Besprechungen), kannst du oft genug nicht nachvollziehen, was da vor sich geht. Es ist aber immer die gleiche Leier: wir wollen was GANZ Neues – was möglichst so sein soll wie alles andere, damit wir kein Risiko eingehen.

Bei Serien wie "Heldt" vermute ich, dass der Sender selber die "Idee" hatte – ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Autor das Konzept entwickelt hat und die beim ZDF "hurra, hurra!" geschrien haben. Die haben sich überlegt, was sie auf dem Sendeplatz sehen wollen und dann eine Firma beauftragt.

Aber das sind alles nur Vermutungen, bzw. meine eigenen Erfahrungen.

Doch, auch bei "Unter Verdacht" ist das Geschmackssache. Und ich glaube nicht an Zufälle – siehe die US-Serie "Under Suspicion" von 1995:
http://www.epguides.com/UnderSuspicion/

Stephan
Stephan
11. Dezember, 2012 18:50

Aus Konsumentensicht und jemand, der wirklich gerne mal eine vernünftige deutsche Sendung sehen würde, stören mich aber tatsächlich nicht nur die 08/15-Drehbücher – auch die Produktion findet auf einem Niveau statt, das mich eher an das Laientheater München-Pasing, als an hochwertiges Fernsehen erinnert. Ist denn wirklich so wenig Geld da?

Mr. Fox
Mr. Fox
11. Dezember, 2012 18:57

Gut – letztendlich ist es natürlich auch ein Argument, das die ÖR IMMER Geld bekommen, egal was sie machen. Deswegen machen sie immer so weiter. Letztendlich war es die US-PAY-TV-Krise, die Sender gezwungen hat, Serien zu machen, die so abgefahren anders und provokativ waren, dass alle darüber sprachen und viele Leute sich ein Abo holten. Sonst hätten wir kein Sex and hte City, Breaking Bad, The Wire usw bekommen…

Komisch nur, dass es der englischen BBC gelingt, trotz ÖR-Sicherheit immer wieder innovative, ungewöhnliche und gut gemachte Sachen hinzubekommen. Was machen die denn anders?

Dr. Acula
11. Dezember, 2012 19:03

Bei aller Hochachtung für Breaking Bad, The Wire, Game of Thrones, Walking Dead… das sind *auch* in den USA Nischenprogramme, die auf premium channels laufen und im Vergleich zu den Networks lächerliche Quoten einfahren. Die produzieren halt durchaus bewusst auch für den internationalen DVD-Markt.

gerrit
gerrit
11. Dezember, 2012 19:32

"Im Angesicht des Verbrechens" und "KDD" waren in Ansätzen richtig, richtig geil. (Wenn man den Gedanken "Böh, des ham’se nu aber dreist bei The Wire/Shield/sonstwo geklaut" unterdrücken kann.)

Dieser Punkt "Wir ALLE! werden gezwungen, dafür zu zahlen, kriegen aber nichts, was interessiert" ist wichtig. Aber letzlich ist TV-Programm nur eines von mehreren Dingen, die mir zum Thema "Politikverdrossenheit" einfallen.

Deine Anglophonie, Torsten, finde ich entzückend. Nur wann zur Hölle schaust du das alles? Oder guckst du mit fast forward-Taste? gerr

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 19:42

@ gerrit: Es ist auch eine Frage der Organisation. So habe ich es mir vor 15 Jahren schon zum Prinzip gemacht, von jeder neuen Fiction-Serie die erste Folge anzuschauen, um mir ein Bild machen zu können. Früher dominierte das US-Programm bei mir, dank der LvA ist jetzt wesentlich mehr aus GB auf dem Schirm.

@ Acula: Das stimmt nicht mehr – wenn Walking Dead über 10 Millionen Zuschauer hat und Game of Thrones gerne mal über 5, dann sind das Network-Zahlen. Natürlich gilt das nicht für die gesamte Breite der Cable-Programme, aber das ist bei den großen Sendern nicht anders. CW würde für solche Zahlen töten.

Trantor
Trantor
11. Dezember, 2012 19:44

@WV: "[…] keine dieser Serien kann ich gelten lassen. Aber wie weiter oben schon erwähnt – das ist Geschmackssache. Beim jungen Publikum haben diese Serien auch keinen großen Stich"

"Jung" würde ich mich mich mit Mitte/Ende 30 auch nicht mehr unbedingt bezeichnen, aber im Vergleich zum ZDF-Schnitt bin ich das sicherlich… und sowohl ich als auch meine Freundin haben Kommissarin Lucas extrem gut gefunden. Kann mir nicht vorstellen, dass wir da alleine waren. Und "KDD" möchte ich hier auch mal ins Spiel bringen.

Aber Schwamm drüber, denn einen Punkt möchte ich hier zumindest mal kurz in die Runde geworfen haben: Wie hoch ist die Chance, dass die Serie vielleicht ganz ok wird, sich aber nur ein selten demotivierter Teaser-Schreiber als Texter versucht hat?

Ich weiß, wohl nicht sehr hoch, aber seien wir mal ehrlich, jede gute Serie könnte man mit einer ähnlich generisch zurechtgestutzten Inhaltszusammenfassung zu einem Rohrkrepierer runterschreiben.

"Der stellvertretende Abteilungsleiter bei einer großen Versicherung hat von seiner Tätigkeit ebenso wenig Ahnung wie er kein Interesse an seinen Mitarbeitern hat. Seine direkte Art, Problemen und Vorgesetzten zu begegnen, lassen viel Raum für ebenso peinliche wie lustige Entwicklungen." Gähn. Stromberg war aber trotzdem super.

"Die unkonventionelle Großstadtkommissarin wird in ein Kuhkaff versetzt und muss sich ebenso mit den Eigenheiten der Dorfbewohner herumschlagen wie mit ihren beiden stark unterschiedlich versierten und motivierten Untergebenen. So ruhig das Dorf auch scheinen mag, mit so mancher List, Tücke und Bauernschläue löst die Kommissarin einen Mord nach dem anderen und findet dabei immer mehr Gefallen am Landleben". Gähn. Mord mit Aussicht aber super.

And so on…

G
G
11. Dezember, 2012 19:56

Ich finde die österreichischen Krimi-Flagschiffe "Vier Frauen und ein Todesfall" und "Schnell ermittelt" momentan wesentlich besser als so ziemlich alles, was in dem Genre momentan aus Deutschland kommt (bis auf den letzten Bullen, den liebe ich irgendwie). Ganz ehrlich, ich bin ein absoluter Krimi-Junkie, aber ich schaue mir lieber US-Krimiserien selbst aus der 2. Reihe wie "Criminal Minds" an, weil ich selbst die besser finde.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 20:00

@ G: Ich hingegen kann mit den ganzen Law & Order, CSI und NCIS-Serien nix anfangen. Die sind mir zu generisch. Weil ich auf britische Krimiserien stehe, freue ich mich schon wie Bolle, dass 2013 wieder ein Special zu "Jonathan Creek" ansteht.

"Kottan ermittelt" war für die Ewigkeit!

G
G
11. Dezember, 2012 20:18

"Kottan Ermittelt" – Schon den Kinofilm gesehen?

Ich meine nicht, dass mir diese serien ausnahmslos gefallen. Sie sind nur allesamt besser als alle deutschen Serien – die sind ja, wie du angemerkt hast, auch recht vorhersehbar. Nur halt noch ein bis zwei Klassen drunter. Wie gesagt: Probier mal "Schnell ermittelt" und "Vier Frauen und einTodesfall".

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 20:24

@ G: Die Kinokritik kannst du hier sogar auf dem Blog finden. Ich kenne sogar den "inoffiziellen" Kottan-Film "Den Tüchtigen gehört die Welt".

Dr. Acula
11. Dezember, 2012 20:25

@Vogel
CW ist ja auch scheintot 🙂

G
G
11. Dezember, 2012 20:31

@WV: Oh, ok. Muss ich gleich mal nachlesen. Wie wärs mal mit einem Artikel über die Serie?

DMJ
11. Dezember, 2012 20:55

Zur zweifellos vorhandenen Krise wurde ja inzwischen alles gesagt (und auch ich möchte Peroys Empörung ob der Misshandlung von "Pastewka" unterstreichen), aber die Inhaltsangabe selbst erinnerte mich an das schlimme Unheil, dass noch immer gerne mal behauptet wird, ein Krimiheld (insbesondere ein deutscher) sei "anders", weil er kein muskulöser Strahlemann mit lockerer Knarre sei. Meiner subjektiven und unstrukturierten Beobachtung nach, begann das damals mit "Columbo" (da noch durchaus richtig) und wird bis heute wiedergekaut, während ich mir direkt wünsche, mal wieder einen muskulösen Strahlemann mit lockerer Knarre im deutschen Fernsehen zu sehen… Doch die "anderen" haben sie praktisch verdrängt.

Dr. Acula
11. Dezember, 2012 21:12

@DMJ
Das ist in der Tat vergleichbar mit dem Geschrei zu späten Schimanski-Zeiten, dass es keine weiblichen Ermittler gäbe. Mittlerweile gibt’s gefühlte 200 Tatort-Kommissarinnen, von den Bella Blocks & Co. gar nicht zu reden. Ich glaub, das ist auch ein Grund, warum ich ein Format wie "Der letzte Bulle", obwohl es nicht der Weisheit letzter Schluss ist, mag, auch wenn der Macho dort natürlich als ironische Nummer fungiert.

Sir Richfield
Sir Richfield
11. Dezember, 2012 21:49

Late to the party, aber wenn die Hauptfigur einer amerikansichen Serie "Goodguy McFacepuncher" hieße, wäre ich aus Prinzip schon mal interessiert.
Wobei US Satire auch Gefahr läuft im Kreis zu rennen.

Marcus
Marcus
11. Dezember, 2012 21:49

"Schmunzelkrimi" – alleine das Wort nervt mich schon. Das klingt ja schon nach Spießerkrempel, der die Zuschauer zum "schmunzeln" bringen will, weil es zu LACHEN nicht reicht – sei es, weil die Kreativität fehlt oder die Eier.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2012 21:54

@ Marcus: So sieht’s wohl aus.

Lars, too
11. Dezember, 2012 22:08

Für mich hat ja das eingeschobene " […]blond, aber alles andere als blöd[…]" das meiste Facepalm-Potenzial. Spätestens an der Stelle merkt man, was für Vorschlaghämmer zum Schreiben in die Tinte getaucht werden.

milan8888
milan8888
11. Dezember, 2012 23:00

Nee, der erste Preis geht an das Ausrufezeichen samt dazugehörigem Satz

Stony
Stony
11. Dezember, 2012 23:49

weil’s hier noch nicht kam: "spreewaldkrimi" (4 teile iirc in den letzten jahren) fand ich nicht schlecht, mit C. Redl imo 'perfekt' besetzt, hätte aber bestimmt auch mit anderen hauptdarstellern gut funktioniert (ausgenommen Schweiger und ähnliche a****krampen natürlich^^).

selbst das 'flaggschiff des ör', den tatort, kann ich mir höchstens noch anschaun wenn er aus austria kommt. allgemein schau ich kaum noch zeugs was in D produziert wird, satellit sei dank ist der ORF für mich auch hier erreichbar.

ich glaube ehrlich, daß das dumme deutsche programm methode hat: überall wird man mit der neolib. propagandascheiße zugesuhlt und als rahmenprogramm läuft dann volksverdummung per einlullender 'unterhalten-ohne-nachdenken-müssen' dröhnung. als 'ist-doch-nicht-alles-schlecht' alibi gibt es dann hier und da noch ein paar ausländische produktionen, die aber selbstverfreilich im spät(es)ten abend- wenn nicht gar nachtprogramm laufen und ansonsten (tootaaal sauberen) spocht bis zum abwinken.

würde wenn man mir die sat-schüssel verbieten, wäre mein fernseher nur noch als übergroßer pc-monitor tauglich.^^

Jeff Kelly
Jeff Kelly
12. Dezember, 2012 00:15

Nun, die Argumente warum die ÖRs das machen lasse ich nicht gelten.

Die BBC hat eine ähnliche Finanzierungsstruktur wie ARD und ZDF, dabei aber nicht den Vorteil der dualen Finanzierung auch über Werbung.

Die ARD erwirtschaftete 2011 rund 6,4 Milliarden Euro aus Grund- und Teilnehmergebühren laut Finanzbericht.

http://www.ard.de/intern/finanzen/-/id=2179110/property=download/nid=8214/h8dgt6/index.pdf

Dagegen sehen die 300 Millionen Euro aus Fernseh- und Radiowerbung geradezu wie Peanuts aus

http://www.ard.de/intern/finanzen/-/id=2179124/property=download/nid=8214/17rvq6a/index.pdf

Die ARD verfüg darüber hinaus über fast 10 Milliarden Euro an Vermögenswerten.

Die BBC erwirtschaftete im gleichen Zeitraum:

3,6 Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) durch die license fee
222 Millionen Pfund (275 Millionen Euro) durch "BBC Commercial Businesses"
278 Millionen Pfund (345 Millionen Euro) durch Subventionen
272 Millionen Pfund (337 Millionen Euro) durch Lizenzierung und Verkauf von Inhalten an andere.

Gesamt: 5,4 Milliarden Euro

Die ARD ist damit der größte öffentlich-rechtliche Programmanbieter der Welt.

Die ARD hat auch eine ähnliche Struktur der Zuschauer wie die BBC und auch eine ähnliche Konkurrenzsituation in ihrem Markt wie die BBC.

Die BBC hat in ihrem Heimatmarkt einen Marktanteil von 26%. wovon etwa 20% auf BBC One und etwa 6% auf BBC Two entfallen.

Die ARD hat einen Marktanteil von 25% wobei etwa 13% auf Das Erste und der Rest auf alle Dritten Programme entfallen.

Die schärfsten Konkurrenten der BBC sind ITV, Channel 4 und Sky.
Die schärfsten Konkurrenten der ARD sind RTL, Pro Sieben/Sat1 und Sky

Wenn es die BBC schafft unter solchen Vorraussetzungen das Programm der BBC zu machen und dabei in einem kleineren Markt bei ähnlicher Bevölkerungsstruktur erfolgreich zu sein, dann müsste das die ARD erst recht können.

Schaut man sich das Programmangebot von Channel4/5 oder ITV an dann könnte man sogar argumentieren, dass man das Niveau und die Reichweite selbst mit dem Budget des ZDF hinkriegen sollte.

Ich glaube auch nicht, dass die deutschen Zuschauer im Mittel älter/jünger dümmer/schlauer etc. sind als die Briten.

Die BBC hat auch nicht das "bessere" Programm, zwischen den immer wieder gern aufgezählten Perlen verbirgt sich auch jede Menge Mist und Durchschnittsware.

Die BBC hat auch die typischen Volksmusik und Heimatsendungen meistens auf BBC Three und Four.

Die BBC leistet sich mit Eastenders, Holby City und Casualty ihre Soaps und hat auch jede Menge "Wohlfühlprogramm" wie seichte Krimis und Serien etc. und natürlich jede Menge Sport, von Snooker über Rugby Union bis zur Formel 1.

Zusätzlich – und das unterscheidet sie von der ARD – hat sie aber auch den Mut und die Lust das Programm um eben solche Perlen zu erweitern.

Die ARD könnte das auch, wenn sie wollte. Kein Musikantenstadl müsste ausfallen wenn die ARD auch nur einmal einen Krimi vom Format des "The Killing" (Dänische Version) oder Sherlock machen würde.

Das Problem ist, dass die ARD gar nicht weiß wie "Original Programming" überhaupt geht ist sie es doch seit Beginn gewohnt die Formate anderer zu kopieren.

Jeff Kelly
Jeff Kelly
12. Dezember, 2012 00:57

Überhaupt exportiert Deutschland erst seit 2005 signifikant Lizenzformate ins Ausland.

Davor war Deutschland "Nettoimporteur" von Ideen und Formaten. Viele Formate die heute in Deutschland zum "kulturellen Kanon" gehören sind Adaptionen oder Kopien ausländischer Formate oder von ihnen "inspiriert".

Das ist auch kein neuer Trend denn schon Wolfgang Menge hat – äußerst erfolgreich und auch nicht schlecht – englische und amerikanische Formate für den deutschen Markt adaptiert.

Ein Herz und eine Seele von "Till death dio us part", Stahlnetz von "Dragnet" um mal zwei Beispiele zu nennen.

Selbst "Was bin Ich?" ist letzten Endes nur eine Lizenzproduktion, eingekauft bei CBS.

" Rob Clark, President of Global Entertainment beim Produktionsriesen Fremantle Media, sagt: "Es gibt drei Voraussetzungen: ein Umfeld für kreative Entwicklungen, in dem es auch mal erlaubt ist zu scheitern, risikobereite Sender und eine liberale Auslegung der Rechteverwertung." Diese Voraussetzungen sind in Großbritannien vorbildhaft erfüllt. Mit der Produzentenvereinigung Pact hat die Kreativindustrie einen Fürsprecher mit starkem Einfluss auf die Politik. Im "Communications Act" ist festgeschrieben, dass die Firmen einen wesentlichen Teil der Rechte an den von ihnen erdachten Formaten behalten und selbst verwerten können, etwa in der internationalen Vermarktung. In Deutschland wird das gerade erst mühsam erstritten. Dazu haben die Sender im Vereinigten Königreich die Vorgabe, einen bestimmten Anteil ihrer Produktionen an unabhängige Produzenten zu vergeben. All das erhöht den Mut, Neues auszuprobieren – und kommt dem weltweiten Bedarf an Fernsehshows entgegen."

(aus http://www.berliner-zeitung.de/archiv/viele-sendungen-im-deutschen-fernsehen-stammen-aus-dem-ausland–weil-dort-oefter-mit-neuen-ideen-experimentiert-wird-her-mit-den-schoenen-shows-,10810590,10770554.html)

leider kein besserer Link auf Peer Schaders Artikel verfügbar.

Das in einer Umgebung in der lieber gute Ideen aus dem Ausland eingekauft oder imitiert werden keine eigenen Ideen gedeihen können ist offensichtlich.

Deshalb konnte sich in Deutschland auch lange keine echten eigenen kreative Kräfte etablieren.

Dort wo sie es doch tun oder wo zumindest mal Ideen nach 2000 adaptiert werden (Pastewka sagt ja selbst das er von "Curb your Enthusiasm" inspiriert ist) macht man es den Programmmachern unnötig schwer.

Das eine neue Pastewka-STaffel lief hab ich gar nicht mitbekommen so gut wurde die beworben und selbst "Vorzeigeformate" wie Stromberg hätte es fast nicht gegeben, wenn nicht die Fans so leidensfähig wären.

Wenn man "Schlag den Raab" als größten deutschen Lizenzerfolg (verkauft in 15 Länder) nach 2006 feiern muss, dann zeigt dass, das die deutschen Produktionsfirmen kaum kreativ arbeiten oder die kreativen Ideen nicht zum Zuge kommen lassen.

Stefan
Stefan
12. Dezember, 2012 17:13

Das Privatfernsehen ist genauso am Ende. RTL dreht einen Piloten über eine Pathologin und ihren Schnüffel-Schäferhund (I shit you not!) und zu "Der Ballermann – Ein Bulle auf Mallorca" muss ich ja wohl auch nichts mehr sagen. Deutsches Serienfernsehen ist ein Zombie. Läuft noch rum, obwohl längst tot.

Wortvogel
Wortvogel
12. Dezember, 2012 17:14

@ Jeff Kelly: Deine Zahlen mögen stimmen, aber deiner Analyse kann ich in vielen Punkten nicht zustimmen.

"Ich glaube auch nicht, dass die deutschen Zuschauer im Mittel älter/jünger dümmer/schlauer etc. sind als die Briten." – das hat auch niemand behauptet. Sie werden nur mit dümmerem Fernsehen abgespeist.

"Die BBC hat auch nicht das “bessere” Programm, zwischen den immer wieder gern aufgezählten Perlen verbirgt sich auch jede Menge Mist und Durchschnittsware." – das bestreitet niemand. Aber selbst im Komplettvergleich ALLER Genres und Sendezeiten haben die Briten mehr anspruchsvolle, bildende, spannende und unterhaltsame Programme als die deutschen Sender. Die können selbst Quiz und Kochshows besser als wir.

"Überhaupt exportiert Deutschland erst seit 2005 signifikant Lizenzformate ins Ausland." – jenseits von Show und Reality? Wo denn? Die deutsche Fiktion (und von der reden wir primär) ist international irrelevant. Ich kann mich gerade mal an zwei halbwegs aktuelle Fälle erinnern: "Bianca – Wege zum Glück" wurde in der US-Fassung (irgendwas mit "Cove" im Titel) ein Flop und von "Danni Lowinski" wurde die US-Fassung nicht mal gesendet.

Dass viele deutsche Klassiker-Formate (inklusive "Klimbim", "Millionenspiel" und "Ein Herz und eine Seele") Adaptionen sind/waren, ist nun schon lange bekannt. Menge und Pfleghar ware sehr gut darin, abzugucken und sich dann als Innovatoren feiern zu lassen.

Was in meinen Augen in Deutschland fehlt ist der massive Versuch, Kabelsender (primär über Sky) mit Eigenproduktionen zu Premium-Anbietern auszubauen. Wenn die Vollprogramme breite Schichten nicht mehr bedienen können oder wollen, müssen Alternativen geschaffen werden. Und dann müssen auch mal neue Leute ran, die sich was trauen, OHNE dabei gleich das Publikum aus den Augen zu verlieren.

Wortvogel
Wortvogel
12. Dezember, 2012 17:17

@ Stefan: RTL ist in der Tat ein Problem. Als Marktführer hat der Sender das Budget und die Marketing-Möglichkeiten, neue und mutige Programme zu etablieren. Stattdessen hat man derartigen Schiss vor dem Verlust der Marktführerschaft, dass man sich immer verzweifelter an "etablierte" Konzepte hält. 12 Jahre "Cobra 11" haben mich wirklich mürbe gemacht.

Peroy
Peroy
12. Dezember, 2012 17:25

"12 Jahre “Cobra 11″ haben mich wirklich mürbe gemacht."

Seit die Macher von "Cobra 11" den Krempel nicht mehr ernst nehmen, ist die Serie aber wirklich geil geworden. Außerdem gibt es da den bestesten, vollintegriertesten türkischen Ermittler im deutschen Fernsehen zu sehen, gell, Mumbabwe… ?

DMJ
12. Dezember, 2012 17:37

So ist es, Monsieur Peroy!
"Cobra 11" mag Quatsch sein, aber ein so offen und ehrlicher Quatsch tut dem deutschen Fernsehen ebenso gut, wie der erwähnte türkischstämmige Held, der halt einfach der Held der Serie sein kann, ohne ständig von seinem Türkensein überschattet zu werden – wie es ja beim "Tatort" so furchtbar geschah.

Ben
12. Dezember, 2012 22:39

Als jemand, der direkt aussem Ruhrpott kommt (genauer gesagt aus Bochum), lese ich darin wirklich eine Krise, denn dem ZDF fällt nichts besseres mehr ein als die Konzepte anderer Sender leicht verändert zu variieren. Seit DER LETZTE BULLE sind die schroffen Ruhrgebietsbullen ja wieder total in, weshalb auch die ARD mit ihrem Dortmunder TATORT nachgezogen hat. Aus lauter Ideenlosigkeit muss natürlich jetzt auch noch das ZDF auf den Zug aufspringen.

Was mich aber am meisten nervt, ist diese Liebesgeschichte, die sich in den letzten Sätzen der Inhaltsangabe andeutet. Warum muss das immer so eine 08/15-hetero-Liebesgeschichte sein? Angeblich ist unsere Gesellschaft doch inzwischen unglaublich tolerant geworden. Warum also nicht, wenn schon Variation statt neuer Ideen, nicht mal eine Variation von MIT HERZ UND HANDSCHELLEN?

gerrit
gerrit
12. Dezember, 2012 23:30

hm. In KDD war der Bösewicht ein Homo, eine Bulette bi. (Beides abgekupfert bei The Wire. Skurril eigentlich, denn wenn es lauter Heten wäre, würde kein Mensch sagen "Langweilig – wie im Tatort!")

Wenn in Alarm für Cobra 11 was innovatives vorkäme, ich könnt es eh nicht mitkriegen.

Jor
Jor
17. Dezember, 2012 00:05

Wenn ich immer lese: "Die Privaten sind auch nicht besser!" wird mich auch übel. Die Privaten können von mir aus machen was sie wollen, die Finanzieren sich auch nicht über die GEZ mit 8 Milliarden im Jahr.

Die Krise des ÖR geht sogar noch viel weiter, politische Einflussnahme, Postenschiebereien, Unterschlagungen, Veruntreuung, fehlendes Kostenbewußtsein (Champions League für x Millionen mehr Sat.1 weggekauft).
Meines Erachtens müsste der ganze Laden umstrukturiert werden, 1 Fernsehsender und vielleicht 20 Radiostationen werden über deutlich reduzierte Zwangsabgabe finanziert, der Rest wir PayTV.

Howie Munson
Howie Munson
17. Dezember, 2012 07:29

Meines Erachtens müsste der ganze Laden umstrukturiert werden, 1 Fernsehsender und vielleicht 20 Radiostationen werden über deutlich reduzierte Zwangsabgabe finanziert, der Rest wir PayTV.

Naja, das ist mir dann aber auch zu extrem. Bei den Radiosendern reicht vermutlich jeweils bundesweit eine Popwelle, ein Schlagerkanal und ein Klassiksender, dazu der DLF plus ein Regionalprogramm für jedes Bundesland.

Beim Fernsehen würd ich erstmal "nur" Wildwuchs beseitigen, wodurch auch "Stammsehe" auf wenig liebgewonnens verzichten müssen, ganz einfach weil das anders vermutlich eh nicht durchzusetzen ist. (Was gute Quoten bringt, WILL ja auch jemand sehen und nüchterne"Informationssendugen" die keine guten Quoten bringen sollten schon bleiben)
3sat, Arte und phönix würde ich sfast in der jetzigen Form behalten wollen, nur das die ganzen dinge die als reine Wiederholung von ARD&ZDF laufen da halt als Erstaustrahlungen und NICHT im Hauptprogramm. Das ZDF sollte halt gezwungen werden außerhalb der "traditionellen Kernzeit" zwischen 17:00 und 22:00 die Sendungen vom jetzigen Neo und Festival zu übernehmen. Für die ARD gilt ähnliches mit ihren Digitalsendern plus den momentan parallel ausgestralten gemeinsamproduzieren Morgen- und Mittagsmagazin, sowie die inhaltgleichen "Boulevardsendugen" und Seifenopern. Ist heutzutage nämlich wirklich nicht einzusehen warum beide Hauptsender das gleiche senden sollten, deswegen kommen die Nachrichten beim ZDF dann auch alle "um Halb" statt zur vollen stunde, außer um 19:00 weil da dann auf der ARD auch keine läuft.

Damit sind schon mal 4 sender eingespart ohne das viel mehr als Wiederholungen und redundanzen rausgeflogen sind.
Von den Dritten Programmen die mittlerwiel um die 50 Satellitenkanäle belegen bleiben dann um die 10 über, das hat vor 20 Jahren ja auch gereicht. Ob sie den Kika dann integrieren oder eigenständig lassen ist mir dann auch egal. Und das gesamtbudget wird erstmal halbiert und dann nominell nicht mehr angehoben.

Werbeblöcke werden auch halbiert und product placement komplett Verboten, allenfalls darf am Anfang der Sendung bzw. höchsten einmal pro Stunde ein einmaligen "wird präsentiert von" außerhalb der Werbezeiten gebracht werden. Das gilt dann auch für’s Privatfernsehen. Deren Einahmen werden dann nämlich garantiert nivht um die hälfte sinken, sondern Werbeminuten um einiges teurer. Momentan werden ja oft "Werbespots" für eigene (Tochter-)Unternehmen gesendet, damit es keine Lücken im Programm gibt… (videopüortale, schwestersender,Internetseiten Telefonapps, etc….)

Und da die Rundfunkgebühr in Zukunft unabhängig vom vorhandensein eines Empfanggerätes gezahlt werden soll, wird selbstverständlich SÄMTLICHES von Gebührengelder produziertes Material in Mediatheken gestellt (auch rückwirkend) und nicht wieder rausgenommen.

VideoRaider
17. Dezember, 2012 08:37

Viele Vorschläge, die ihr macht, funktionieren so in der Realität nicht.

Beispiel Mediathek:

ARD und ZDF dürfen gesetzlich nicht alle Inhalten zeitlich unbegrenzt im Netz zur Verfügung stellen. Wäre schön, wenn ja. Aber das wurde gerichtlich so entschieden, damit der öffentlicht-rechtliche Rundfunk, de facto staats- und volksfinanziert, keine zu übergroße Konkurrenz für die Programme privater Anbieter (Springer Verlag, RTL, etc.) darstellt. Das ist eine Entschiedung, die schade ist. Auch ich hätte gerne ein großes Tagesschau-Archiv (noch besser Tagesthemen Archiv), welches sich über 60 Jahre erstreckt, aber es wäre eine heftige Wettbewerbsverzerrung. Es gibt den Kulturauftrag und der ist derzeit für den Bereich Online-Dienst durch die öffentlich-rechtlichen Sender erfüllt. Mehr geht so derzeit nicht, ohne den Privaten zu schaden.

Thema Kulturauftrag:
Das vergessen immer viele. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Kulturauftrag. Das ist fest verankert. Auch wenn manche Leute keine Volksmusik mögen, haben die Volksmusik-Sendungen gute 6 – 8 Millionen Zuschauer. Auch diese Millionen Zuschauer haben ihr Recht auf Unterhaltung, welches der ÖRR (Öffentlich-rechtliche Rundunk) zu erfüllen hat. Der ÖRR kann nicht einfach so schalten und walten, wie er will. Wenn bei den Privaten eine Serie nicht läuft, kann sich schnell abgesetzt und ersetzt werden. Der ÖRR MUSS eine Alternative finden, die dem Kulturauftrag gerecht wird. Klar, es wäre großartig wenn Sendungen wie Roche und Böhermann öfter laufen würden und nicht nur auf einen der Digitalkanäle abgeschoben werden würden, aber dazu sind diese Digitalkanäle ja da. Um eben Alternativen zum Hauptprogramm zu schaffen, freier zu arbeiten und nicht die "Fesseln" des Kulturauftrages immer tragen zu müssen. Und was ARD und ZDF auf den Digitalkanälen anbieten, ist ganz großes Fernsehen. Hochqualitativ. Teils sehr mutig und gewagt. Da sind Sachen dabei, die würde sich das Privat-TV nicht einmal trauen.

Der ÖRR ist weitaus besser als sein Ruf. Glaubt mir, Eltern würden ungern auf KIKA verzichten, weil sie dort ihre Kinder sorgenlos TV schauen lassen können. Ohne von Werbung (oder sonstigen Kram) zugedröhnt zu werden. Auf Phoenix und Arte möchte ich auch nicht verzichten. 3SAT ist nicht mein Fall, hat aber zweifelsohne seine Existenzberechtigung. Genauso wie lokalen Programm – N3 bspw. (oder Bayern 3, WDR, MDR, whatever….). Ich finde es gut, dass es auch lokale Berichterstattung gibt. Kulturelle Vielfalt eben. Bitte keinen Bundes-Einheitsbrei. Und das waren im Prinzip auch schon die Kabelsender.

Man kann sich SEHR gerne darüber streiten, ob die Gelder alle in die richtigen Projekte investiert werden. Und ja, es wird besonders beim Filmnachwuchs zu wenig gewagt und experimentiert (wobei es hier eben auch Ausnahmen gibt, siehe RAMMBOCK, ZDF-Zombiefilm). Was wäre so verkehrt daran, einmal im Monat eine Nachwuchsfilmnacht zu machen. Von 0 – 5 Uhr. Von mir aus Mittwochs. Ob Amateure oder Semi-Profis, die mit 30 noch auf Filmhochschulen hocken. Frei nach dem Motto: "Ab 0 Uhr wird zurückgesendet!", geht’s in die kreative Offensive. All dies kann man machen, aber grundsätzlich stehen wir mit unserem ÖRR schon weltweit in der Top 5. Und wenn wir den Markt wie die BBC hätten (USA, Kanada, Australien, Irland, Neuseeland, Groß-Britannien, zig Überseegebiete, zusätzlich ehemalige Kolonien, sowie ein riesiges Herr an Menschen, die Englisch fließend sprechen), somit einen Stammmarkt von Minimum 800 Millionen Menschen, anstatt 80, dann sähe vieles auch besser aus. Dennoch schaffen wir es Serien wie DIE DEUTSCHEN auf die Beine zu stellen. Optisch und inhaltlich braucht sich das vor der BBC nicht zu verstecken.

Ich weiß, dass Thema war eigentlich recht spezifisch und ich bin weitaus weniger auf die Fiction eingegangen und teile ja auch viele Kritik. Ich wollte bloß mal generell, ein paar Worte der Verteidigung des ÖRRs aus der Kauleiste fallen lassen.

Wortvogel
Wortvogel
17. Dezember, 2012 08:52

Dass das deutsche Fernsehen zuerst einmal besser als sein Ruf ist, habe ich vor fünf Jahren hier schon mal ausführlich thematisiert:

https://wortvogel.de/2007/12/unser-tv-umschalten-nicht-abschalten/

Was die Struktur der ÖR angeht, dazu sage ich nachher noch was.

Howie Munson
Howie Munson
17. Dezember, 2012 12:51

ARD und ZDF dürfen gesetzlich nicht alle Inhalten zeitlich unbegrenzt im Netz zur Verfügung stellen. Wäre schön, wenn ja. Aber das wurde gerichtlich so entschieden, damit der öffentlicht-rechtliche Rundfunk, de facto staats- und volksfinanziert, keine zu übergroße Konkurrenz für die Programme privater Anbieter (Springer Verlag, RTL, etc.) darstellt.

Es ist eine politische Entscheidung den Rundfunkstaatsvertrag zu ändern. Und ohne eine Änderung an diesen Gesetzen ändert sich sowieso nix am ÖR. Das gilt auch für die Auslegung des Kulturauftrag.
Und da wir zum Souverän gehören bin ich einfach mal so frei zu sagen was ich für einen zumutbaren Interessenausgleich zwischen den 20 Millionen geschätzten Zuschauern und den ebenso geschätzten 40 Million NICHT-Zuschauern halte.

Ich will nichts komplett streichen, nur die Häufigkeit und das Budget kürzen. Nichtmal das tägliche 15stündige Kinderprogrmam stell ich in Frage, ich hab nur in den Raum gestellt das es mir egal ist ob es das auf eienn Sender und daneben noch neun "Dritte Programme" oder eben diese 15 Stunden in welcher Weise auch immer auf 10 "Dritte Programme" verteilt werden. (nicht unbedingt gleichmässig)

immobilendarlehen
22. März, 2013 00:04

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