USA 2011. Regie: Craig Gillespie. Darsteller: Anton Yelchin, Colin Farrell, Toni Collette, David Tennant, Imogen Poots, Christopher Mintz-Plasse

Vorab: Über „Real Steel“ darf ich erst im Oktober schreiben (Sperrfrist) und „Conan“ wurde auf morgen Abend verschoben, wo ich leider schon Theaterkarten habe. Es bleibt diese Woche also bei der „Fright Night“-Kritik.

Story: Charley lebt mit seiner Mutter in einer gesichtslosen Vorortsiedlung von Las Vegas. Durch seinen Freund Ed stößt er darauf, dass der mysteriöse Nachbar Jerry ein Vampir sein könnte, der die Anzahl der Bewohner der Gegend langsam aber sicher dezimiert. Als Jerry sich entdeckt wähnt und Charleys Freundin und seine Mutter attackiert, ahnt der Teenager: es wird auf ein „er oder ich“ hinaus laufen. Helfen kann ihm nur der Show-Zauberer und angebliche Vampir-Experte Peter Vincent, der sich jedoch erstmal als feiger Schlappschwanz heraus stellt.

Kritik: Braucht jemand ein Remake des tief in den 80ern verwurzelten B-Movies „Fright Night“? Nein. Aber seien wir fair: Diese Tatsache teilt „Fright Night“ mit 80 Prozent der Remakes, die seit der Jahrtausendwende unsere Kinos zumüllen. Das darf man nicht als Maßstab nehmen.

Wenigstens haben sich die Macher diesmal ein paar Gedanken gemacht, worauf man achten muss, wenn man eine Story zum zweiten Mal erzählt. Darum geht „Fright Night 3D“ auch ziemlich schnell in medias res: Nicht nur wir, sondern auch alle relevanten Figuren peilen ziemlich schnell, dass Jerry ein Vampir ist. Das ist eine erfrischende Abwechslung zu den unzähligen Vampirfilmen, in denen Leute selbst angesichts von Fangzähnen und Fledermaus-Verwandlungen stöhnen: „Aber es GIBT doch keine Vampire!“. So strafft das Drehbuch den zweiten Akt deutlich und kommt schneller zum Katz & Maus-Spiel zwischen Charley und Jerry.

Ebenfalls erfreulich ist die Besetzung, die selbst in Nebenrollen (Toni Collette) absolut überzeugt und angenehm wenig Klischees aufkocht. Grundsätzlich haben wir das natürlich auch dem Skript von Marti Noxon zu verdanken, die schon bei „Buffy“ und „Angel“ Talent dafür zeigte, die offensichtlicheren Peinlichkeiten zu umschiffen. So hat „Evil Ed“ diesmal deutlich mehr Herz und Charleys Freundin Amy ist sehr aktiv bei der Vampirjagd. Es müssen auch wenige Figuren den Erklärbär machen – man WEISS schließlich heutzutage sogar in Vegas, was ein Vampir ist.

Punkten kann „Fright Night“ auch in den augenzwinkernden Momenten – Originalvampir Chris Sarandon hat einen Gastauftritt, ebenso das weiße Kleid von Amanda Bearse. David Tennant ist sehr unterhaltsam als weltmüder, zynisch-feiger Showzauberer im Stil von Criss Angel.

Was Noxon an Trittsicherheit bei interessanten Figuren und launigen Dialogen mitbringt, geht ihr allerdings beim „scope“ ein wenig ab. Im Guten wie im Schlechten: „Fright Night“ wirkt meistens wie ein Zweiteiler im Stil von „Buffy“ oder „Angel“ – ein GUTER Zweiteiler, zweifellos, aber eben auf TV-Niveau. An keiner Stelle wagt sich „Fright Night“ über die Grenzen des Vertretbaren, des schon Gesehenen hinaus. Was er zeigt, ist spannend und cool, aber eben auch SEHR bekannt. So ist das große Finale eben doch kein „großes“ Finale, sondern nur ein Finale. Angesichts des Budgets und der Besetzung hätte ich wenig mehr ooomph erwartet.

Immer wieder mal deutet „Fright Night“ an, dass eigentlich höhere Ansprüche bedient werden sollten. In einer großartigen Szene (teilweise im Trailer unter zu hören) macht Jerry Charley klar, dass er sich die Mutter und die Freundin des Jungen sexuell gefügig machen will. Diese Ambivalenz (der Vampir, dem sich die Frauen freiwillig hingeben) wird nie wieder angesprochen. Der Weg von „Evil Ed“ auf die dunkle Seite wird vergleichsweise fix und ohne wirkliche Emotion abgehakt. Auch die Wandlung von Peter Vincent wirkt zum Ende hin verkürzt, als wollte man dann doch nicht zuviel Zeit in „echtes“ Drama investieren.

Wieder mal ist die 3D-Technik Etikettenschwindel. „Fright Night“ braucht und verträgt keine Dreidimensionalität, die sich hier sowieso nur zeigt, wenn jemand in bester „Comin‘ at ya!“-Manier einen Holzpflock in Richtung Kamera schwingt. Unnötig wie ein Kropf.

So bleibt man am Ende mit gemischten Gefühlen zurück: Ja, man hat sich gut amüsiert, aber die gleiche Aufgabe hätte auch ein beliebiges „Buffy“-DVD-Set erledigen können. Als B-Movie ist „Fright Night“ für die aktuelle Generation der Kinozuschauer nicht weniger unterhaltsam als das Original – aber angesichts der Besetzung hätte man die Messlatte durchaus etwas höher legen können.

Fazit: Temporeiches, smartes und witzig-spannendes Update, dem nur ein wenig die großen Bilder und Ambitionen abgehen.



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TomHorn
TomHorn

Also eher ein Kandidat für den Halloween-DVD-Abend 2012…

Achim
Achim

Hmm, der Trailer macht mir sowas von gar keine Lust auf den Film.

Ich bin doch ein großer Buffy-Fan, ich sollte es nicht erwarten können!

Und wird im Twilight-Müll irgendwann Edward als böse erkannt, der Bella in seinem Bann hat?

Peroy
Peroy

„Und wird im Twilight-Müll irgendwann Edward als böse erkannt, der Bella in seinem Bann hat?“

Wenn du den Müll gesehen hättest, dann wüsstest du, dass sie die Böse ist…

Achim
Achim

Echt? Bella ist die böse? Der Vampir ist gut?

Christiliche Fundamentalisten sollten keine Vampirromane schreiben.

DMJ

Dass auch in der Welt der Filme sich langsam das Wissen über Vampire ausbreitet, ist für mich eine der größten Erleichterungen im Genre überhaupt.

Wie qualvoll war es früher, wenn der Held erfuhr, dass Vampire am Werk waren, einen Experten oder ein Fachbuch zu Rate zog und dann erstaunt ausrief „Die trinken BLUT?!?!?“

Marcus
Marcus

@Achim:

„Echt? Bella ist die böse? Der Vampir ist gut?

Christiliche Fundamentalisten sollten keine Vampirromane schreiben.“

Naja, Bella ist nominell schon die Heldin des Ganzen. Aber sie verhält sich eigentlich total egozentrisch und bringt allen Beteiligten, besonders der Vampirsippe, eigentlich nur Ärger ein. Man hätte den Großteil der Konflikte vermeiden können, wenn man die Trulla einfach in die Wüste geschickt hätte. So gesehen hat der Peroy schon Recht.

Siehe auch (#1): http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/nostalgia-critic/30723-top-11-dumbasses-in-distress