silent_house-teaser-posterLa casa muda

URUGUAY 2010, 79 Minuten

REGIE Gustavo Hernández

DARSTELLER Gustavo Alonso / Florencia Colucci / Abel Tripaldi / Marí a Salazar

DREHBUCH Oscar Estévez

Story: Die junge Laura fährt mit ihrem Vater aufs Land, um dort aus Gefälligkeit für einen alten Freund ein leerstehendes Haus zu renovieren. Am nächsten Morgen sollen die Arbeiten beginnen. Während die Tochter einen Rundgang macht, legt sich Papa schlafen. Plötzlich lässt ein Poltern auf dem Dachboden das Mädchen aufschrecken … noch ahnt sie nicht, dass dies der Anfang einer fürchterlichen Schreckensnacht ist. Denn bald steht fest: Für Laura und ihren Vater gibt es kein Entrinnen, das Haus lässt sie nicht fliehen.

Kritik: Aaarrrrghhhhh!!! Da ist er doch noch – der Rohrkrepierer des Festivals! Ein paar Tage lang hatte ich gedacht, dieses Jahr ohne Totalausfall durchzubringen. Aber dem widersprach schon das Gesetz der Wahrscheinlichkeit. Wie dem auch sei: „The Silent House“. Geht. Gar. Nicht.

Reingegangen bin ich eigentlich nur, weil der Film (beziehungsweise der Festival-Prospekt) damit prahlte, „Silent House“ sei der erste Horrorfilm, der in nur einem Take gedreht wurde. Das wäre allerdings zuerst einmal „Infection“ von Albert Pyun. Hinzu kommt, dass „Silent House“ offensichtlich an diversen Stellen, an denen das Bild kurz schwarz wird, geschnitten wurde. Man achte nur mal drauf, wie plötzlich sich der verdrehte linke Träger der Protagonistin wie von selbst richtet. Oder wie sich die Muster der Blutflecken auf ihrem Unterhemd verändern. Wo käme auch sonst der „Schnitt“-Credit im Vorspann her?

„Silent House“ ist demnach kein „One Shot“-Film, allenfalls ein Echtzeitfilm. Und es gibt einen Grund, warum die meisten Filme eben nicht in Echtzeit gedreht werden, sondern die „boring bits“ überspringen. Wenn man 80 Minuten am Stück Zeit hat, muss halt auch 80 Minuten am Stück was passieren. Und das ist hier einfach nicht der Fall. Der Großteil der Laufzeit von „Silent House“ besteht hingegen aus Szenen von Linda, die mit einer Gaslampe durch ein eher langweiliges Landhaus schleicht. Suspense sieht anders aus.

Die Authentizität, die durch die konstante und teilweise verwackelte und unscharfe Beobachtung Lindas erzeugt werden soll, wird zusätzlich torpediert durch den traditionellen und aufdringlichen Soundtrack, der unter die Bilder gelegt wird. Das geht jedes Dokugefühl flöten.

Kurzum: Was am grünen Tisch vielleicht ein nach einem interessanten Konzept für einen Low Budget-Grusler aussieht, verkommt auf der Leinwand zu einem durchschaubaren und sehr inkonsequent eingesetzten Gimmick, das dem Film nicht gut, sondern im Gegenteil jede Chance nimmt, die Spannung mit traditionellen Mitteln zu steigern.

Bleibt das Drehbuch. Und hier stürzt „Silent House“ endgültig ab. Die ersten zwei Akte halten sich sklavisch an das „Es ist noch jemand im Haus!“-Klischee. Als das zu dünn wird, zaubert der Autor einen Plottwist aus dem Ärmel, der in seiner Dummdreistigkeit schon fast wieder bemerkenswert ist. Es geht dabei nicht mal um die Frage, ob man als Zuschauer die radikale Kehrtwende in der Erzählperspektive mitmacht – der Twist negiert ALLES, was wir bisher gesehen haben und entzieht den Szenen somit jede Glaubwürdigkeit. Was vorher wenigstens nur schwach war, ist jetzt völlig irrelevant.

Am Ende bleibt ein auf kaum semi-professionellem Niveau gedrehter Billig-Grusler, der sich beim Versuch, die Intimität von „Paranormal Activity“ und „Blair Witch Project“ zu kopieren, hoffnungslos überhebt.

Zwei Punkte.

Es sei noch angemerkt, dass auch die Kopie auf dem FFF eine Frechheit war: Ständig gab es Tonaussetzer von zwei bis drei Sekunden, und die Untertitel kamen gerne mal 15 Sekunden nach oder zwei Minuten vor den tatsächlichen Dialogen.



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heino
heino

Ich will nicht klugscheissen, aber der Text strotzt vor Rechtschreib- und Satzstellungsfehlern. Hattest du es beim schreiben arg eilig?

zf.8
zf.8

Ich habe den Film nicht gesehen, aber allein nach der Beschreibung des Twists schrie bei mir im Hinterkopf eine Stimme „[Filmtitel] [Filmtitel] Das ist der miese [Filmtitel]-Twist.“ Und als ich dann mal „Silent House“ und [Filmtitel] gegoogelt habe wurde ich von der Trefferliste überrannt.

Wieso scheint es in Horrorfilmen so viel weniger verfügbare Twists zu geben als anderswo? :-/

Sven
Sven

Zu der Kopie: im allen Internetforen wurde das Problem vorher diskutiert, wenn man während des Films rausging bekam man sein Geld wieder und man durfte sich ja alternativ einen anderen Film anschauen. Ich finde diese faire Herangehensweise könnte angesprochen werden, wenn schon auf die Kopie eingegangen wird

Lukas

Ich habe den Eindruck, Du bist da mit einer anderen Erwartungshaltung als ich rangegangen – Ich bin vorher nicht davon ausgegangen, irgendwas zu sehen, das auf Dokumentation macht. Die Kamerafahrten sind streckenweise beeindruckend choreographiert, den angesprochenen Plottwist fand ich verdammt clever, …
Zwei Punkte? Nee, da kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner. 🙁

Lukas

Zum Beispiel ziemlich am Anfang: Während sich die beiden Typen unterhalten, folgt die Kamera unserer Hauptdarstellerin. Sie setzt sich ins Auto, die Kamera fährt durchs Fenster der Fahrertür ins Wageninnere. Die beiden Typen sehen wir aber weiterhin im Rückspiegel, der ebenfalls im Bild ist. Als sie wieder aussteigt, folgt ihr die Kamera, diesmal aber durchs Fenster der Beifahrertür. Die müssen da mindestens zwei Kameramänner im fliegenden Wechsel gehabt haben, aber so geschmeidig, dass es keine Sekunde auffällt.
Den Plottwist fand ich deswegen so clever, weil er dieses Echtzeit-Gedöns zu mehr macht als einem puren Gimmick. Ich kann aber nachvollziehen, dass man das nicht mag, zumal die Idee eigentlich nicht unbedingt 80 Minuten erfordert, sondern genausogut als Kurzfilm funktionieren würde.

Peroy
Peroy

Also wie jetzt, Herr Jötten ? „Herausragend“ nach oben oder nach unten… ? Ich bin verwirrt, ihr macht mich völlig kirre…

Lukas

Der Film ist super (und nur dann), wenn man den Twist gegen Ende kauft. Den kann ich natürlich jetzt schlecht spoilern.

Peroy
Peroy

Na gut, im Sinne der Verbrüderung gegen den Wortvogel kauf‘ ihn dann halt…

trackback

[…] Uhr Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.Ihr erinnert euch vielleicht an meine vergleichsweise vernichtende Kritik zu “The Silent House” vor knapp fünf Monaten? Fazit […]

reptile
reptile

Abgesehen von allgemeinen Qualitäten: Habe gerade gelesen, dass der Film mit einer Spiegelreflex gedreht wurde: die Canon Eos Mark 2. Das ist glaube ich die Gleiche mit der auch das Dr.House Finale gedreht wurde.

Peroy
Peroy

Endlich liegt er hier auf DVD vor mir… gleich werde ich wissen, wer Recht hat. Dewi oder Jötten. Wetten werden angenommen…

Peroy
Peroy

„Jöten. Auf jeden Fall. Der ist einfach kompetenter.“

Aber der Droddl hat ja auch „The Loved Ones“ abgefeiert, die Chancen stehen also 50:50… 8)

Peroy
Peroy

Okay, meine Meinung zum stillen Haus:

Schocker.

Ich glaube, der letzte Film, bei dem ich ein derartig ungutes und mulmiges Gefühl gehabt habe (Angst ? Ist das Angst ?), war der japanische „Noroi – The Curse“, der auf eine ähnlich unmittelbare Art verstörend wirkt (wobei der allerdings im Gegensatz zu „The Silent House“ tatsächlich auf Doku gemacht ist). Handwerklich war das eine reife Leistung, die One Shot-Masche ist hier fehlerfreier durchexerziert worden, als das bei Hitchcock und seinem „Cocktail für eine Leiche“ der Fall gewesen ist… was nur wieder ein Beleg dafür ist, wie weit die sich die Technik in den 55 Jahren seit damals weiterentwickelt hat. Die unsichtbaren Schnitte sind da tatsächlich unsichtbar, die Kameraführung ist tatsächlich brillant und in der Machart verrät sich der Streifen nie und das ist echt ein Kunststück, wenn man bedenkt, wie oft da auf reflektierende Flächen und Spiegel gefilmt wird oder wie nahe der Kameramann der Hauptdarstellerin auf die Pelle rückt, ohne einen Schatten auf sie zu werfen. Respekt. Der Wortvogel hat Recht, der Plot ist dünn und quasi nichtexistent, aber das ist scheissegal, denn der Film funktioniert. Wenn man böse ist, kann man die Chose zwar ähnlich wie „House of the Devil“ auf die simple Formel „Frau stapft durch leerstehendes Gebäude“ reduzieren, aber wo HOTD tatsächlich nur pure Langeweile erzeugt hat, erzeugt „The Silent House“ ein echtes „Mittendrin statt nur dabei“-Gefühl. Unterstützt wird das Ganze von einer optimal eingesetzten Sound-Kulisse, von der man natürlich nicht viel hat, wenn man sich eine verschraddelte Kopie anzehen muss. Und der Twist… der geht. Und. Wie. Der. Geht.

Es gibt tatsächlich ein paar Continuity-Fehler, was die Klamotten und die Blutflecken betrifft, aber erstens ist Perfektion göttlich und zweitens ist man nach 15 Minuten so tief in dem Film drin, dass eigentlich auch egal ist. Mein Tipp: Alleine, nachts in einem völlig verdunkelten Raum gucken, spätestens bei der Polaroid-Szene kommt dann der Herzkasper… Horror pur.

Und DAS ist der Film, auf den der Wortvogel beim ’10er-FFF einprügelt… ? Wo doch im gleichen Jahr mit „Monsters“ ein Low Budget-Film gelaufen ist, der tatsächlich gezeigt hat, wie langweilig Kino sein kann… ? Bitte, jedem Tierchen sein Plaisierchen…

9/10

Peroy
Peroy

Ach ja, Jötten gewinnt… aber ich krieg‘ trotzdem noch 13€ von ihm wegen „The Loved Ones“…

Peroy
Peroy

„@ Peroy: Ein anderes Urteil von dir hätte mich gewundert :-)“

Ich hab‘ noch überlegt, ob ich dazuschreiben soll, dass der Vogel die Sache nur wie üblich auf eine generelle Anti-Haltung meinerseits schieben wird… was nichts an der Qualität des Films ändert. Ganz und gar nichts.

Thies
Thies

In den USA ist inzwischen ein Remake angelaufen, gedreht von den Regisseuren von „Open Water“. Hier ein Review, dass im Prinzip die gleichen Punkte bemängelt, wie der Wortvogel beim Original:

http://www.filmthreat.com/reviews/48214/

Peroy
Peroy

Ich sage der Twist ist vollkommen wurscht und schmälert nicht die Effektivität von „The Silent Haus“. Das ist kein Film fürs Hirn, den man analysieren und auf Plotlöcher abklappern soll, sondern eine Belastungsprobe für das Nervenkostüm, die intuitiv begriffen werden muss. Ich habe im letzten Jahr vermutlich keinen Film gesehen, in dem ich mehr „drin“ war.

Ob man von einem solchen Dialog- wie Inhaltsarmen (ABER GUTEM!) Streifen allerdings unbedingt ein Remake drehen musste (und dann auch noch von dem Typ, der den völlig wertlosen „Open Water“ in die Welt geschissen hat), steht auf einem anderen Blatt geschrieben…

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