clash_of_the_titans_square_poster_2009USA 2010. Regie: Louis Leterrier. Darsteller: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Gemma Arterton, Mads Mikkelsen

Story: Perseus ist der Sohn des Zeus, wächst aber unter den Menschen auf. Als seine Pflegefamilie von Hades ermordet wird, will er Rache – und macht sich mit ein paar Getreuen auf, den Gott der Unterwelt zu stellen, bevor dieser die Menschheit grausam straft…

Kritik: „Kampf der Titanen“ – Mannometer, ist das auch schon wieder fast 30 Jahre her? Was hatte ich mich auf den gefreut, und wie enttäuscht war ich Steppke hinterher aus dem Kino gekommen.

Man erinnere sich – 1981 sah das so aus:

http://www.youtube.com/watch?v=xVcT5YWBzq8

Dem Film haperte es an vielem, doch hauptsächlich war er schizophren: Er wollte ein Blockbuster wie „Star Wars“ und „Superman“ sein, hatte aber nur die erzählerischen und technischen Mittel der 60er Jahre zur Verfügung. Modelle, Stop Motion, klassische Theater-Darsteller – „Kampf der Titanen“ war schon veraltet, bevor er auf die Leinwand kam. Und Harry Hamlin als Perseus war geradezu spektakulär fehlbesetzt. Der Versuch, sich mit Details wie der Robotereule „Bubo“ an das SF-Publikum ranzuhuren, saugte dem Film die letzten Sympathien ab.

Kitschiger Kinderkram, der auch im nostalgischen Rückblick nicht gewinnt.

2010 wird da schon ganz anders aufgefahren:

Wäre ich ein Deutschrapper, ich würde „Hamma!“ sagen. Das Remake von „Kampf der Titanen“ löst alle Versprechen ein, an denen das Original scheiterte, bringt großes klassisches Drama auf die ganz große Leinwand, rehabilitiert Sam Worthington als Erstligisten unter den Hollywood-Actionstars, und zeigt „Avatar“ geradezu erschreckend beiläufig, wie man sensationelle 3D und gutes Storytelling unter EINEN Hut bringt.

Vor allem aber:

APRIL, APRIL!

Das habt ihr doch jetzt nicht ernsthaft geglaubt, oder?

Tatsache ist leider: „Kampf der Titanen“ ist seelenloser, humorloser, und vor allem geschmackloser Rotz ohne Richtung, der den Zuschauer blindlings mit halbgarem Spektakel attackiert, die klassische Sage von Perseus aber jeglichen Charmes beraubt.

Die Story hält sich halbwegs an die Parameter des Originals, sortiert diese aber neu, um die Figurenkonstellation etwas konsistenter zu gestalten (wie schon „Wolfman“). Leider hat man kein sonderliches Augenmerk darauf gelegt, ob das auch alles noch Sinn macht. „Kampf der Titanen“ ist eine Ansammlung von „WTF?!“-Momenten, bei der man aus Selbstschutz gut daran tut, sein Hirn abzuschalten, wenn im Kino das Licht ausgeht.

Exemplarisch sei hier nur die komplett unterentwickelte Romanze von Perseus mit der gar nicht unterentwickelten Io genannt: Im Originalfilm will Perseus nicht nur Argos retten, sondern auch und vor allem die hübsche Prinzessin Andromeda (die auch und vor allem hübsche Judi Bowker aus „Black Beauty“). Weil Perseus und Andromeda in der neuen Version nur eine Szene zusammen haben, entschied man sich wohl, die Seherin Io als Ersatz reinzunehmen. Leider schrieb man Andromeda nicht raus, weshalb der Zuschauer sich ständig fragt, warum Perseus mit der drallen Seherin flirtet, obwohl er doch bestimmt ist, die Prinzessin zu retten – und danach zu… ähmm… „retten“, denke ich mal.

Seht hier, das erklärt es vielleicht etwas besser:

Kurioserweise nimmt die ganze Romanze ein eher unerwartetes Ende – welches die Autoren dann noch in der letzten Szene wieder hinbiegen, weil sie anscheinend Angst vor der eigenen Courage bekommen haben.

Letztendlich schert uns keine der Figuren, und die im Minutentakt eingstreuten Todesfälle suggerieren eine dramatische Schwere, die vom Skript nicht gedeckt wird. Der Jugendfreigabe zuliebe wird massiv und permanent gestorben, aber komplett blutleer und undramatisch. Sex oder wenigstens Romantik? Nicht in diesem Film.

Es gelingt auch an keiner Stelle, eine glaubwürdige Welt zu bauen – in der Welt von „Kampf der Titanen“ scheint es nur zwei Städte zu geben: Argos und Olymp. Dazwischen: Lava-Wüsten und Regenwälder, die von Monstern bevölkert sind. Griechisch ist hier rein gar nichts, weder die Ausstattung, noch die Frisur von Perseus. „Ator II“ fühlte sich authentischer an.

Und wieso sagen alle Beteiligten „Sjuss“ statt „Ssuss“, wenn sie von Zeus reden!?

Nun erwarte ich von einem „Kampf der Titanen“-Remake kein großes Storytelling wie bei „Watchmen“. Aber selbst auf reduziertem Blockbuster-Niveau kann der Film nicht überzeugen: In der Action wieder mal zu Tode geschnitten, in den Drama-Szenen völlig blutleer, und in der CGI-Qualität bestenfalls schwankend. Wenn man will, kann man über EINEN Insider-Gag mühsam grinsen (Robotereule „Bubo“ taucht kurz auf).

Ärgerlich finde ich, dass viele erzählerische und technische Schlampereien durch eine ruhigere Dramaturgie lösbar gewesen wären. In den wenigen Szenen, in denen sich „Kampf der Titanen“ nicht hysterisch gibt, kommt tatsächlich sowas wie Atmosphäre auf – NACH dem Finale, kurz vor dem Abspann…

Ein besonderer Witz ist die nachträglich vorgenommene Umarbeitung auf 3D – ich habe „Kampf der Titanen“ im Imax gesehen, und was nicht 3D ist, wird auch durch Postproduktion nicht 3D. Ein Mehrwert ist nicht erkennbar – es sei denn, man steht auf dröhnende Kopfschmerzen. Hollywood, lass gut sein.

Was bleibt, ist eine krude Mischung aus dem „camp factor“ des Originals, „Scorpion King“, „Hercules“, CGI-Bukkake à la „Transformers“, und eine Riege von Schauspielern, die sich sichtlich schämt.

„Clash of the Titans – Death of a Franchise“…

Tut euch einen Gefallen: belasst es bei dem obigen Trailer, der ungleich mehr rockt als der Film selbst. Träumt von einem Film, der diesem Trailer gerecht wird. Spart 9 Euro, hilflose Wut, und Kopfschmerzen.



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