09
Jun 2009

TV: Perspektiv- statt Paradigmenwechsel

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

fernsehprogrammZu diesem Artikel hat mich ein Beitrag des Lesers Mahwa inspiriert.

Machen wir uns nichts vor: Das deutsche Fernsehen wird auf absehbare Zeit nicht das Fernsehen werden, das wir uns erhoffen. Und mit wir meine ich die junge, halbwegs gebildete, halbwegs anspruchsvolle Zielgruppe, die "24" lieber auf DVD schaut, und Axel Stein nicht für den deutschen Jon Stewart hält.

Das Problem: wir sind nicht genug, wir sind nicht geeint, und wir sind besser im Nörgeln als im besser machen. 2 Millionen von uns desertieren Abend für Abend zu GZSZ, und die mit Preisen überschütteten Serien wie "Stromberg" und "Pastewka" kriegen quotentechnisch den Arsch nicht hoch, weil wir zwar gerne drüber reden, mit dem gucken aber anscheinend nicht nachkommen.

Die schlechten Quoten schon für Erstsendungen lassen in mir den Verdacht aufkommen: käme morgen aus heiterem Himmel das bessere Fernsehen – wir würden nicht einschalten. Und uns dann beschweren, wenn es wieder abgesetzt wird.

Fakt ist aber: wir können nicht ewig von oben herab "alles Scheiße außer Mutti" sagen, weil es destruktiv ist, und die wenigen Ansätze guten Fernsehens torpediert.

Natürlich ist die "Heute Show" nicht so gut wie die "Daily Show". Natürlich ist "House" besser als "Doctor’s Diary", und "CSI Miami" cooler als "KKD". Wenn man immer nur das Idealbild sieht, kann nichts mithalten.

Deutsche Autoren können kein "House", nicht mal "Bones", geschweige denn "How I met your Mother". Aber sie könnten es können. Irgendwann. Wenn man ihnen in jungen, frischen Projekten die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln. Wenn man sie nicht vorab mit Häme überschüttet, und mit Ablehnung bestraft.

Einen kleinen Hund erzieht man auch nicht besser, in dem man ihm für jeden Haufen im Wohnzimmer verdrischt – sondern in dem man ihn lobt, wenn er ausnahmsweise auf den Kinderspielplatz scheißt.

Kurzum: Wir müssen neue deutsche TV-Produktionen aus einem anderen Blickwinkel sehen. Nicht von der Bergspitze amerikanischer Top-Programme, sondern aus dem Jammertal des gesamten deutschen Restprogramms.

Denn umgekehrt wird auch ein Schuh draus: "Heute Show" ist besser als "Die Show der Woche", "Doctor’s Diary" ist erträglicher als "Klinik am Alex", und "KKD" mit Sicherheit anspruchsvoller als "Elvis und der Kommissar". Die Sender müssen das wissen – indem wir es sie wissen lassen!

Aus dem ewigen "nicht so gut wie" muss ein "immerhin besser als" werden. Nur dann gibt es vielleicht irgendwann auch mal ein "besser als gedacht", und schließlich ein "fast so gut wie"…



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Dr. Acula
9. Juni, 2009 15:24

Amen.
Solange die "halbwegs intelligente, halbwegs gebildete" Zielgruppe fluchtartig den Sender wechselt, sobald ein neues deutsches Format über die Mattscheibe flimmert, muss man sich nicht wundern, dass die einzigen gut laufenden Eigenproduktionen der Sender Doku-Soaps (gefaked oder nicht), Telenovelas und Lenßen & Partner sind…

Asmodeus
Asmodeus
9. Juni, 2009 15:27

"Die schlechten Quoten schon für Erstsendungen lassen in mir den Verdacht aufkommen: käme morgen aus heiterem Himmel das bessere Fernsehen"

Wie representativ sind denn eigentlich die Einschaltquoten?

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 15:29

Ich VERBIETE hiermit die alberne und komplett unfruchtbare Diskussion über die Legitimität der Einschaltquoten. Das Thema hatten wir mehrfach, und es führt immer zu Streit ohne Ergebnis. So wie manche Leuten nicht an die Mondlandung glauben, glauben eben manche, dass die Einschaltquoten nicht repräsentativ sind.

Weitere Redebeiträge dazu werden kommentarlos gelöscht.

Dr. Acula
9. Juni, 2009 15:32

Einschaltquote! Einschaltquote! Einschaltquote!

(immer scharf am Rande des Abgrunds…)

jan
jan
9. Juni, 2009 15:37

kdd, kdd, kdd, werd ich jetzt auch gelöscht?
aber wie erkennen wir die 'gute' produktion, wenn sie zwischen 'erwachsen auf probe' und gntm, dsds, gzsz dahinvegetiert. da ist doch hopfen und malz verloren: die deutschen wollen dreck und sie kriegen dreck (und für einmal neues aus der anstalt/monat muss man sehr viel leid ertragen – ich sag' nur verstehen sie spaß?)

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 15:45

@ Jan: Das ist alberne Polemik. Wer besseres Fernsehen will, muss halt suchen. Siehe hier: https://wortvogel.de/?p=828

Es ist dem anspruchsvolleren Publikum durchaus zuzumuten, mal in der Fernsehzeitung zu blättern, oder sich bei DWDL zu informieren. Es sollte uns vom Quotenvieh unterscheiden, dass man uns nicht alles vorkauen muss.

Der deutsche Zuschauer will auch keinen Dreck. Und das deutsche Fernsehen ist auch kein Dreck. Man sollte vom eigenen Geschmack schon abstrahieren können. Ich schaue "Wer wird Millionär?" nicht – aber das gibt mir nicht das Recht, es als TV-Müll zu klassifizieren.

milan8888
9. Juni, 2009 15:47

Gib mir ne Quotenbox 😉

qapla
qapla
9. Juni, 2009 15:55

Scharfsinnig erkannt wie immer. Ich erwische mich selbst dabei deutschen Produktionen keine Chance zu geben oder schon nach 1-2 eher laschen Gags wegzuschalten wie eben bei der "Heute Show"
In der Vergangenheit haben mit deutsche Serien nicht gefallen. Und die Mängelliste ist da immer sehr lang.

Ich verstehe den Aufruf dahinter jetzt also nicht.
Soll ich immer in ein Restarant gehen wo es nicht so lecker schmeckt, weil sie es irgendwann schon lernen werden?
Dazu kommt ja auch der Zeitfaktor. Ich entdecke eine geniale US-Serie nach der anderen und komme da kaum nach. Muß ich da das Deutsche Fernsehen durchsuchen bis mit etwas gefällt?

Und außerdem besuche ich eine Seite wie diese ja auch damit ich eben tolle deutsche Sendungen eben nicht verpasse:-)

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 15:59

@ qapla: Nein, die Analogie geht eher so: Weil das "Puck’s" in Los Angeles so toll ist, gehe ich in Deutschland abends nicht mehr essen. Ist natürlich doof. Oder: weil so viele Restaurants in Deutschland schlecht sind, gehe ich nicht mehr essen. Auch doof. Es muss heißen: Weil es so viele schlechte Restaurants in Deutschland gibt, gehe ich in die paar, die ganz gut sind, und lasse das auch meinen Freundeskreis wissen. Damit die paar guten Restaurants nicht dichtmachen müssen, weil alle in die schlechten gehen mit dem Gedanken: "Ist ja eh alles wurscht."

Marko
9. Juni, 2009 16:12

Zu dem Restaurantvergleich:

"Weil das “Puck’s” in Los Angeles so toll ist, gehe ich in Deutschland abends nicht mehr essen."

Wenn ich was gutes essen will, kann ich aber ja nicht mal eben schnell nach LA fliegen, also MUSS ich was hier essen. Wenn ich jedoch was gutes sehen will, kann ich mir ohne Probleme eine gute amerikanische Serie ansehen.

Ich persönlich schaue "Stromberg" und "Pastewka". "Stromberg" habe ich auch auf DVD, ich liebe die Serie. Leider war’s das dann aber auch schon fast mit den deutschen Serien, die ich mag. Ich habe einige andere angetestet, aber die gefielen mir leider nicht, sorry (ich versuch’s aber immer wieder). Ich habe allerdings prinzipiell nicht genug "patriotisches TV-Serienblut" in mir, um nach mehr guten deutschen Serien zu schreien, wo es doch wirklich genug Serien aus Amiland gibt (wie qapla schon sagte, man kommt ja da schon kaum hinterher).

Deine Schärfe bzgl. der Einschaltquoten finde ich auch etwas seltsam, aber da kenne ich mich zu wenig aus, um es auf eine Diskussion ankommen zu lassen. 😕

Gruß,
Marko

dermax
dermax
9. Juni, 2009 16:20

Auch zum Restaurantvergleich: Das Problem ist ja nicht das Weiterempfehlen, sondern erstmal das Finden… wenn ich mit Indern (das ist jetzt nur ein beispiel aus der Hüfte 🙂 ) fast nur negative Erfahrungen gemacht hab, dann lass ichs eben irgendwann, auch wenn mir dadurch eventuelle Geheimtipps durch die Lappen gehen.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:21

@ Marko: Der Vergleich mit den Restaurants kam nicht von mir – beschwer dich bei qapla.

Die Sache mit den Quoten geht halt immer ins Dogmatische – manche Leute weigern sich, an die Aussagekraft von Quoten zu glauben. Sie haben keine Beweise, lassen es sich aber auch nicht ausreden. Da ist jede Diskussion hinfällig, wird aber trotzdem mit Feuereifer geführt.

Du kannst per Suchfunktion gerne mal auf die Jagd nach diesen Threads hier im Blog gehen.

Marko
9. Juni, 2009 16:25

Klar beschwere ich mich bei Dir, wenn die Grundanalogie mMn stimmt, aber nicht deren Weiterführung von Dir. 😛

Was die Quoten angeht: Ich wüsste nicht, was stattdessen eine Aussagekraft haben sollte, von daher bin ich da auf Deiner Seite.

Gruß,
Marko

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:26

@ dermax: Das wäre aber anders, wenn du eine Zeitschrift namens "Gut essen in meiner Umgebung" abonniert hättest, die eine Rubrik hat: "Was sie mal probieren sollten, auch wenn sie indisches Essen eigentlich nicht mögen."

Scheiße, jetzt habe ich Hunger auf meinen Stamm-Inder, und der Mittagstisch mit dem leckeren Punjabi Chicken Curry ist schon vorbei 🙁

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:28

@ Marko: HA, das kann ich dir umdrehen, weil die Analogie trotzdem passt. Viele Leute mögen McDonalds und Burgerking, aus den USA. Wenn wir aber nur essen, weil es schnell geht, billig ist, und halbwegs schmeckt, dann verödet die Restaurant-Kultur, und am Ende gibt es nur noch Fast Food.

Zack die Bohne! 🙂

Julian
9. Juni, 2009 16:30

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, was?

Ich gehe mit Deiner Ansage konform, dass man den neuen Formaten auch eine Chance zur Entwicklung geben muss. Doch dazu will ich auch den Willen zur Innovation erkennen können und nicht immer nur das Affentheater, sprich, die schlechte Kopie vorgeführt bekommen.

Vielleicht sind Serien wie CSI oder House hier nicht zu drehen, zum einen gibt es längst nicht so schwere Verbrechen, oder unsere Kranken gehen früher zum Arzt, weil das Gesundheitssystem ein anderes ist. Wie dem auch sei, es gibt ja genug andere, europäische Themen, die man anpacken könnte. In Frankreich haben sie diese Taxi-Reihe gedreht, die war zwar eher flach, aber in puncto Action konnte sie mit den Amis locker mithalten. Ich bin offen für Neues, möge es bitte nur gedreht werden. Dazu nochmal mein Wahlspruch: Banker sollten keine Filme machen.

Lars
Lars
9. Juni, 2009 16:32

Ich schließe mich da aber qapla an: Wieso soll ich einer deutschen Serie eine Chance geben, wenn ich von diesen in der Regel enttäuscht werde und es gleichzeitig noch soviel US Serienmaterial gibt, welches darauf wartet entdeckt zu werden. Natürlich ist in den USA auch Müll dabei, aber ich denke, dass eine Serie, die mind. 2 Staffeln durchgehalten hat, eine gewisse Grundqualität mitbringt, welche in Deutschland meistens deutlich unterboten wird.

Zweites Problem: Wenn es in Deutschland mal eine Show gibt, die halbwegs Potential hat, wird dieses Potential nicht wirklich ausgeschöpft. Ein gutes Beispiel ist in meinen Augen die heute show im ZDF: Was ich im Netz von der Premierensendung esehen habe, fand ich schon ziemlich gut gemacht (und ich erwarte hier auch nicht sofort das Niveau einer Daily Show; die Sendung hat mittlerweile ja auch schon IIRC 15 Jahre auf dem Buckel). Allerdings gibt es nur einmal im Monat eine neue Sendung und dies ist viel zu wenig. Eine wöchentliche Ausstrahlung sollte es in meinen Augen mindestens schon sein, täglich wäre natürlich am besten (kostet dann wahrscheinlich aber auch sehr viel mehr, aufgrund des größeren Autorenstabs). Mit dem jetzigen Rhythmus kann die Serie in meinen Augen einfach nicht den Aktualitätsgrad erreichen, der die Daily Show so ausmacht.

Eine Passage in deinem Beitrag finde ich übrigens etwas merkwürdig (insbesondere da du ja selbst Drehbuchautor bist): "Deutsche Autoren können kein “House”, nicht mal “Bones”, geschweige denn “How I met your Mother”."
Wieso eigentlich nicht? Was hindert einen deutschen Autoren den gleichen Qualitätsstandard wie diese Serie zu erreichen. Das Grundkonzept von "How I Met Your Mother" würde doch z.B. genauso gut funktionieren, wenn die Serie in Berlin statt in New York spielen würde. Und mit Ausnahme des McGuffins handelt es sich bei "How I Met Your Mother" im Kern um eine stinknormale Sitcom, welche im Prinzip nach der gleichen Formel wie auch schon Friends funktioniert (WGs, Suche nach der großen Liebe, Beziehungsstress, etc.).

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:32

@ Julian: Du führst ausgerechnet "Taxi" an? Was ist das denn anderes als eine fürs Kino aufgemotzte Variante von "Cobra 11"?

Und es geht ja nicht um die Frage, ob es hierzulande die richtigen Krankheiten und Fälle für "House" und "CSI" gibt, sondern darum, ob Autoren das Talent haben, solche Figuren und Dialoge zu schreiben.

Dr. Acula
9. Juni, 2009 16:35

@Lars
Wenn du aber die "heute show" nicht kuckst, weil sie nur einmal im Monat kommt, wird sie quotentechnisch nie erfolgreich genug sein, um das ZDF zu bewegen, sie wöchentlich zu bringen…

Marko
9. Juni, 2009 16:36

@ Wortvogel:

Erstens: Dein Einwand passt nur halb, denn: Ich schaue die amerikanischen Serien ja nicht, weil sie billig sind. Nein, ich finde viele davon qualitativ wirklich gut. Ich finde zwar auch deutsche Serien gut (genaugenommen ist es mir egal, woher eine Serie kommt), aber wie ich schon sagte — bei der Masse der Amiserien ist die Wahrscheinlichkeit, daß gute dabei sind, größer als bei deutschen, von denen es insgesamt einfach nicht genug gibt, um sich viele gute herauspicken zu können. Und es gibt jede Menge grottige Amiserien, darüber gibt es wohl kaum zwei Meinungen.

Zweitens: Es heisst "Chuck, die Bohne"! 😛

Gruß,
Marko

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:39

@ Lars: Da widerspreche ich aber in gleich mehreren Punkten:

– Jeder hat das Recht, Sendungen nicht zu schauen, die er nicht mag. Aber a priori zu unterstellen, man würde eine Sendung eh nicht mögen – DAS ist schädlich. Und nur darum geht es mir.
– Natürlich kannst du der Meinung sein, es gäbe ausreichend gute US-Produktionen, um auf deutsche Serien ganz zu verzichten. Dann darfst du dich über die mangelnde Qualität deutscher Serien nicht beschweren.
– Es wird kein Schuh draus, von der "Heute Show" eine größere Ausstrahlungsfrequenz zu verlangen – zuerst einmal braucht man dafür entsprechend mehr geeignete Autoren, zum Zweiten muss das durch die Quote zu rechtfertigen sein. Also: erstmal fleißig einschalten, DANN auf mehr Folgen hoffen. Nicht: weil es nicht genug Folgen sind, gar nicht erst einschalten.
– "How I met your Mother" lebt von weit mehr als "gimmicks". Die Dramaturgie der Serie ist in vielen Episoden ungeheuer komplex und durchdacht.
– Deutsche Autoren haben in der Regel weder die Erfahrung noch das Talent, sowas wie "House" zu schreiben. Aber vieles davon ist trainierbar – wenn man sich die Mühe macht. Solange aber nicht trainiert wird, weil der Mob doch lieber "Barbara Salesch" guckt als "Dr. Psycho", wird das nix.

Lars
Lars
9. Juni, 2009 16:39

@Dr Acula: Die heute show habe ich schon in meinen Videorekorder einprogrammiert und wird dann auch geguckt. Ich werde ihr also auf jeden Fall weitere Chancen geben und hoffe, dass das Interval mal erhöht wird. Mir ging es nur darum, dass der monatliche Rhythmus für eine Show, die im wesentlichen von der eigenen Aktualität lebt, wieder die Halbherzigkeit wiederspiegelt, die im deutschen Fernsehen leider herrscht.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:42

@ Marko: Du sprichst aber einen sehr wichtigen Punkt an – hier werden immer Äpfel mit Birnen verglichen. Redet man von US-Serien, meint man "House" und "24". Redet man von deutschen Serien, meint man "GZSZ" und "Schwester Stephanie". Das könnte man ja auch mal umdrehen: "Dr. Psycho" und "Edel & Starck" gegen "Knight Rider 2008" und "According to Jim". Man sieht: es geht um die Perspektive.

Dr. Acula
9. Juni, 2009 16:43

@Lars
Der Vogel hat’s ja schon gesagt – es wäre vom ZDF eine Kamikaze-Aktion, jetzt auf Teufel komm raus 200 Folgen für tägliche Ausstrahlung zu produzieren. Niemand weiß, ob’s ankommt, niemand weiß, ob die Autoren tatsächlich die Qualität dafür haben, derart tagesaktuell zu arbeiten. Es ist ein Experiment, speziell für einen Sender-Dino wie das Zwote, und das sollte man als Zuschauer dann auch entsprechend honorieren. Stellt sich natürlich nach der dritten Folge heraus, dass die Sendung doof ist, kann man auch als Zuschauer nicht mehr helfen… 😉

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
9. Juni, 2009 16:45

Deutsches Fernsehn ist wirklich nicht schlecht. Arte rockt das Haus und so eininges auf den Dritten (zB x-tra dry) ist wirklich gut. Leider Gottes

Leider Gottes ist ausser Samstag Nacht nicht wirklich was gutes über die Privaten geflimmert. So bleibt mir nur noch ab und an mal ein Tatort oder etwas anderes bei den öffentlichen.

Wenn Sender etwas gefunden haben was läuft, dann wird es bis zur Vergassung gesendet und produziert. Somit werden Sendeplätze blockert und halbherzige, unterfinaziert und zum Abschuß freigegebene Projekte sind in der Regel dann schon von Haus aus Totgeburten.

Und ganz ehrlich, wenn mich Sender seit Jahren verarschen, dann habe ich kein Mitleid mit ihnen. Sender sollen mich unterhalten, wenn sie es nicht tun, dann sehe ich sie nicht. Punkt komma und aus die Maus.

PS ich will meine alte Sesamstrasse zurück!!!

Sir Richfield
Sir Richfield
9. Juni, 2009 16:49

Hmm, ich zähle mich Kraft eigener Arroganz mal zu der jungen, halbwegs gebildeten, halbwegs anspruchsvollen Zielgruppe, die “Battlestar Galactica″ lieber auf schaut, wenn sie Zeit hat und Pispers, Rether, Priol und Konsorten sogar einem Hoecker vorzieht.
Und damit bin ich Totalverweigerer geworden. Teilweise aus Anspruchsgründen, da ich dank der globalisierten Welt nicht wirklich warten muss, bis sich ein Sender zur Lizensierung und meist unterirdischer Lokalisierung herabläßt. Der andere Teil ist Zeit – ich habe einfach nicht mehr die Muße, mich regelmäßig zur gleichen Zeit vor die Glotze zu klemmen. Und schon gar nicht zu Zeiten, an denen Testblasen wie Pastewka und Stromberg anfangs laufen. (Oder sollte ich was verpasst haben und die liefen zur Primetime an, damals?)

Sollte ich mal die Ruhe haben, eine Stunde nicht mal meinem Hobby zu frönen und mich einfach nur platt vor den TV hocken zu wollen, dann habe ich genug DvDs parat und eine Videothek um die Ecke.

Was die Qualität betrifft: Ich denke, dass es teilweise auch an den Summen liegt, die im Raum stehen.
Ein BSG würde in Deutschland niemand produzieren wollen, es kostet schlicht zu viel. Dann kann die Qualität auch noch so gut sein, die Quoten, die Serie auch durchzuhalten, wird sie nie erreichen.
In den US of A scheint das ja auch schon dazu zu führen, dass durchaus brauchbare (IMHO!) Serien wie Bionic Woman und Terminator: The Sarah Connor Chronicles eingestampft werden.
Das sind Serien, die ich jeder Soap vorziehen würde und für die ich mich zumindest bemühen würde, sie einzuschalten, so ich denn eine Deutsche Produktion unterstützen will.

Marko
9. Juni, 2009 16:52

Der gute Ruf amerikanischer Serien beim DAZ ("dümmsten anzunehmenden Zuschauer" 😉 ) liegt sicher auch an der Gewichtung des deutschen Fernsehens — wir sehen hier halt in der Regel die Highlights (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel) aus Amerika, eben weil sie in Amerika schon Erfolg hatten. Die deutschen Serien dagegen kriegen wir komplett in voller Breitseite mit. Viele Leute haben nie eine Folge "GZSZ" gesehen, aber sie "kennen" sie trotzdem. Im deutschen Fernsehen laufen eben leider nicht nur die Highlights des deutschen Fernsehens, sondern auch dessen Gurken. Das verfälscht das Bild ziemlich, denke ich.

Was die Qualität angeht: Ich bemühe mich, Serien unterschiedlicher Nationalität nicht direkt zu vergleichen. Ich will keinen deutschen "House". Ich will auch kein deutsches "24". Wie gesagt, ich liebe "Stromberg", aber die englische Originalserie dazu habe ich nur ein-, zweimal gesehen, denn ich brauche keinen englischen "Stromberg". Ich will einfach nur gut unterhalten werden und bin glücklich mit einem Laurie als "House" und Herbst als "Stromberg".

Gruß,
Marko

Sir Richfield
Sir Richfield
9. Juni, 2009 16:52

@Doc
Sehe ich da was vollkommen falsch oder kann es dem ZDF nicht vollkommen egal sein, ob jemand einschaltet oder nicht? Immerhin bekommen die ein festes Budget, dafür zahlen wir Rundfunkgebühren.
Natürlich sieht es doof aus, wenn die was senden, was keiner guckt, aber die Idee hinter den Gebühren ist doch eigentlich, dass die unabhängig vom Druck der ****** sind.
Schmidteinander wäre damals wohl auf keinem privaten Sender möglich gewesen…

Gut, natürlich wäre es unökonomisch, 200 Folgen im Voraus zu produzieren. Aber wenn ich sehe, wofür Geld rausgeworfen wird und mit welcher Berechtigung sie immer mehr Geld haben wollen….

Paddy-o
Paddy-o
9. Juni, 2009 16:54

>>Man sieht: es geht um die Perspektive.
@Torsten:
Eben und darum ein 'Danke Schön' an dich. Bin ja immer für differenzierte Perspektiven offen, nur wenn sie dann jemand noch detailiert darlegt, isses natürlich doppelt hilfreich. 😉
Mein Kollege und ich haben die Diskussion hier auf die deutsche Filmwelt übertragen. Da verhält es sich glaube ich ähnlich. Über fehlende, deutsche (!) Multi-Millionen-Blockbuster-Produktionen zu jammern ist ebenfalls nicht sinnvoll.

Trotzdem bleibt die Frage was vom deutschen Film übrig bleibt, wenn man Nazi- und DDR-Dramen, sowie Buch-Adaptionen (Die Welle, etc) weglässt.
Till Schweiger? ^^

Aber das ist wohl eine andere, und schon häufig geführte Diskussion…

Also: Ich bremse auch für’s deutsch-TV 😉

Peroy
Peroy
9. Juni, 2009 16:54

"Deutsches Fernsehn ist wirklich nicht schlecht. Arte rockt das Haus und so eininges auf den Dritten (zB x-tra dry) ist wirklich gut. Leider Gottes"

Ohje…

dermax
dermax
9. Juni, 2009 16:58

@Wortvogel: Naja, aber gibts eine relevante Menge von Leuten, die sich nach Restaurantführern richten?
Oder (um mal die Metapher wieder zu verlassen): Welche der hiesigen Fernsehzeitschriften geben denn wirklich brauchbar Auskunft, was man gucken kann und was nicht.

Und ich hätte noch einen Ansatzpunkt: Liegts wirklich dran, daß wir uns nach dem Motto "kommt aus D, kann nix vernünftiges sein" deutschen Produktionen keine Chance geben?

Die Amis haben doch einige weitere Vorteile:
– da geben sich auch (Kino-)Stars dafür her, in TV-Produktionen aufzutreten (Sinise in CSI, Shalhoub in Monk, Segel/Hannigan in HIMYM,…), in D gibts schon das Grundproblem, daß solche Stars gar nicht da sind…
– über Youtube, DVD und ähnliches (also auch die Illegalen Wege) finden die Sachen wesentlich schneller den Weg über den Ozean
– jetzt wirds philosophisch: in eher schwierigen zeiten seh ich vielleicht lieber was von der großen weiten Welt, als denselben Senf in Köln-Mülheim spielen zu lassen
– und natürlich profan: die Kohle! Klar ist HIMYM teilweise extrem tricky aufgebaut… nur seh ich das weniger im Talent, sondern im Einsatz der finanziellen Mittel.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 16:59

@ Paddy: danke für das Lob. Die Diskussion über den deutschen Film können wir dieser Tage gerne mal führen.

@ Richfield: Dein Denkfehler ist einfach: Die Öffentlich-Rechtlichen sind natürlich verpflichtet, die Gebühren verantwortungsvoll einzusetzen. Und das heißt: Fernsehen für die breitestmögliche Zielgruppe. Experimentellere und schrägere Programme gehen dann nur zu Preisen und auf Sendeplätzen, wo zur Rechtfertigung keine 3 Millionen zuschauen müssen, z.B. "Schmidteinander", "Zimmer frei", und "Dittsche".

Lars
Lars
9. Juni, 2009 17:33

"Jeder hat das Recht, Sendungen nicht zu schauen, die er nicht mag. Aber a priori zu unterstellen, man würde eine Sendung eh nicht mögen – DAS ist schädlich. Und nur darum geht es mir."
Wenn ich in den letzten Jahren von vielen deutschen Serien enttäuscht wurde und deswegen deutschen Serien in der Regel erst keine Chance gebe, dann ist das sicher eine Vorverurteilung, aber eine, die für mich auf einem gewissen Fundament steht. Wenn sich auf Basis der Kritiken im Nachinein herausstellen sollte, dass eine Serie doch brauchbar/gut ist, dann werde ich ihr auch eine Chance geben (Switch war z.B. so ein Fall).

"Natürlich kannst du der Meinung sein, es gäbe ausreichend gute US-Produktionen, um auf deutsche Serien ganz zu verzichten. Dann darfst du dich über die mangelnde Qualität deutscher Serien nicht beschweren."
Wieso darf ich mich nicht beschweren: Das ganze ist für mich ein kausaler Zusammenhang: Qualität in Deutschland stimmt nicht -> US Serien haben höhere Qualität und werden von mir bevorzugt geguckt. Dies geht dann halt soweit, dass ich mir erst gar nicht mehr die Mühe mache bei Neustarts sofort einzuschalten. Wenn die Qualität der Serien in Deutschland steigen sollte, werde ich das sicher rechtzeitig dank Internet mitbekommen, aber momentan sehe ich dafür keine Anzeichen.
Das ganze ist sicher ein Teufelskreis, aber einer mit dem ICH leben kann und – wenn ich mir so meine DVD Käufe angucke – die Unterhaltungsindustrie auch 🙂

"Deutsche Autoren haben in der Regel weder die Erfahrung noch das Talent, sowas wie “House” zu schreiben. Aber vieles davon ist trainierbar – wenn man sich die Mühe macht. Solange aber nicht trainiert wird, weil der Mob doch lieber “Barbara Salesch” guckt als “Dr. Psycho”, wird das nix."
Wenn man sich aber mal vor Augen hält, wieviele "Comedy"-Programmplätze RTL und Sat.1 in den letzten Jahren hatten, wundert mich wirklich, dass da nicht einmal eine Serie wie HIMYM, 30 Rock oder Friends entstanden ist. Die Autoren hatten ja genug Zeit zu üben und Erfahrung zu sammeln. Es kann natürlich auch sein, dass hier die Sender mauern und in irgendwelchen Schubladen in Deutschland die absoluten Sensationsserien rumschlummern.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 17:40

@ Lars: Mein Essen ist fertig (Kroketten, Rahmspinat, Fisch-Filet mit Käsekräuter-Soße), also nur kurz zum letzten Punkt: es gibt praktisch keine Sitcoms in Deutschland, das sollte man nicht mit normaler Comedy verwechseln. Und was generell Comedy angeht, gibt es gute Formate: Switch reloaded, Ladykracher, Dittsche, Two Funny, Pastewka.

Heino
Heino
9. Juni, 2009 18:04

Also, Dr. Psycho fand ich klasse. Stromberg ist auch nicht übel, lief aber meist zu unsäglichen Zeiten. Switch fand ich in der alten Versio besser, mit Pastewka kann ich nix anfangen, aber Ladykracher fand ich gut.

Grudnsätzlich dauert es auch bei mir lange, bis ich mal einer deutschen Serie eine Chance gebe. Das liegt einfach daran, dass man ja fast nur noch schlechte Kopien (wie hiess nochmal der CSI-Klon und die Akte X-Kopie?) oder miese Eigenformate vom Schlage John Sinclair gewohnt ist und die potenziell guten Serien gar nicht mehr wahrnimmt. Beispiel Edel und Stark:das lief für mich (klares Vorurteil) unter "fährt im Kielwasser von Ally McBeal" und wurde deshalb nicht geschaut, was vermutlich ein Fehler war. Aber dann bekommt man sowas wie "Ion Tichy " vorgesetzt udn fühlt sich wieder bestätigt….

Marko
9. Juni, 2009 18:12

Es gab eine deutsche "Akte X"-Kopie? o_O

Gruß,
Marko

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 18:17

@ Marko: "Operation Phoenix".

Marko
9. Juni, 2009 18:19

Abgefahren. Ist komplett an mir vorbeigegangen. Danke für die Info.

Gruß,
Marko

tresie
9. Juni, 2009 18:45

Was mir in dieser Diskussion noch zu kurz zu kommen scheint, ist der Weg zwischen TV-Autor und Zuschauer. Den blockieren nämlich oft dicke Steine: Redakteure. Die Comedy-Blase konnte nur deshalb so wachsen, weil sich die Sender und ihre Ausführenden gegenseitig nachgerannt sind und immer mehr von dem selben wollten, bis die Zuschauer sämtliche komische Mechanismen (und davon gibt es eben nicht unendlich viele) kannten und nicht mehr überrascht und damit amüsiert werden konnten. Deshalb ist die Sketchshow zur Zeit tot.

Für Sitcom und Dramedy gibt es wenige gute Autoren, Regisseure und Darsteller, die dieses Handwerk beherrschen. Aber es gibt sie. Oftmals allerdings urteilen kinderlose Single-Redakteure, die privat kein Fernsehen schauen und nur zwischen ihrem Sender, ihrem Loft und der neuesten Coffee-Bar in einer der 4 deutschen Medienstädte pendeln. Ihr Bewertungsmaßstab lautet "ICH konnte darüber lachen/nicht lachen. (fand es spannend/nicht spannend etc.)" Dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn bestimmte Formate in der Fläche (also Paderborn, Villingen-Schwenningen und Görlitz) versagen.
Siehe aktuell im Sitcombereich "Der kleine Mann", der neben handwerklichen Schwächen, vor allem thematisch völlig an der Masse vorbeiging. Die Masse ist Uschi aus Wanne-Eickel und nicht Pascal aus der Love Lounge im Prenzlauer Berg. (Deshalb war "Ritas Welt" ein Riesenerfolg)

Und ist es nicht auch so, dass in den USA die anspruchsvolle Zuschauerschaft, nicht nur bereit ist für anspruchsvolle Programm auch zu bezahlen (PAY-TV), sondern zahlenmäßig einfach viel größer ist, als in Deutschland, während die Produktionskosten hier nicht absolut proportional kleiner sind ? Das heißt, hier lässt sich mit anspruchsvollem/teurem Programm tendenziell weniger verdienen. Und die Öffentlichen-Rechtlichen müssen sich zumindest den Zuspruch der Masse verdienen, um die Gebührengelder zu rechtfertigen.

Umso mehr brauchen alle nicht verzweifelnden, mutigen Sender/Redakteure/Autoren, die Neues probieren, unsere Lobpreisungen und nicht unsere Prügel. Wir werden das Dumpffernsehen nur eindämmen können, wenn wir nicht aufhören im TV-Schlamm, nach den Nuggets zu wühlen. Und sie jedem zeigen, den wir kennen.

Ärztin Dr. Sonnenschein wird immer beliebter sein, als Dr. Psycho. Aber ständig Sonne trocknet aus, vor allem die Gehirne.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 18:51

@ Tresie: alles soweit richtig – aber auch die talentierten Autoren und mutigen Redakteure nutzen nichts, wenn der Zuschauer das innovative Programm dann nicht einschaltet.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
9. Juni, 2009 18:51

Ich bin nicht jung und ich bin nicht halbgebildet und trotzdem finde ich das was mir hier im deutschen Fernsehn geboten wird meistens recht fragwürdig. Gerichtsshows sind schon mal ein absolutes nogo. Nur eine Kochshow lasse ich gelten und zwar die in der der Vorkocher nur kocht und die Kommentare aus dem off kommen. Alles andere an Kochshows ist einfach unerträglich. Deutsche Eigenproduktionen, die sich nicht auf Comedy stützen sehen für mich auch nach Jahre sehr unbeholfen aus.

Wie lange, lieber Wortvogel, soll ich Verantwortlichen noch eine Chande geben, bis sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und etwas auf die Beine stellen was etwas länger als ein, zwei Folgen Bestand hat. Genügend Talente in der schreibenden und schauspielerischen Kunst sind auf sicher vorhanden.

20 Jahre warte ich jetzt schon und seit 20 Jahre sehe ich vielversprechendes sein zartes Haupt erheben nur um es dann schnell wieder sterben zu sehen.

Kann sich einer noch an die Serie "Das blaue Palais" erinneren? Ich glaube es war in die 70′ auf ZDF. Oder die unvergessene Orion (war vor Enterprice da und hat eigentlich keine Wiederbelebung erlebt)

Experimente habe ich eigentlich ehr bei den öffentlichen gesehen und ehr weniger bei den Privaten. Das ist natürlich ein rein subjektiver Eindruck und leider ist die Tendenz zu Experimenten seit Jahren rückläufig.

Für mich läuft der Hase bei den Privaten wie folgt. Die Quote ist alles und Quote darf ncihts kosten. Solange sich dieser Eindruck in meinem alltäglichen Fernseherlebnissen bestätigt sieht, solange gebe ich auf die Qualtität des deutschen Fernsehns und seiner Serien nicht einen Heller.

reptile
reptile
9. Juni, 2009 18:54

Ich stelle mal die Frage:
Wären sie Sender/Produktionsfirmen den mutig genug mal was richtig "anderes", US Drama like zu machen?

Könnte es eine richtig harte, deutsche Serie geben in der gekillt und gelitten wird wie bei "24" und "The shield"? Die Frage wäre dann ja: Würde man solche Antihelden wie Jack Bauer in der deutschen Version annehmen?.Hmm….

O

qapla
qapla
9. Juni, 2009 18:57

Aber wo liegt denn jetzt das Problem?
Es kann doch nicht nur daran liegen das die Autoren kein Talent und keine Erfahrung haben. Das Wasser ist hier doch nicht vergiftet und macht alle Autoren talentlos.Woran liegt es also?
Es kann doch nicht daran liegen das wir böse Zuschauer lieber US-Serien gucken und deshalb sich nichts entwickelt.

Warum gibt es bei uns keine Dialoge wie bei den Gilmore Girls, keinen Spannungsbogen wie bei Lost usw?
Eben bei den Simpsons:

Ein besonders dummer Soldat zieht die Sicherung aus der Granate und sagt:
"Die Avokado hat mir einen Ehering angelegt!"

Ich musste lachen und sowas kommt nicht bei deutschen Serien.

Und wieso versucht man immer gute Serien/Filme 1zu1 zu kopieren???Was soll sowas?

Vielleicht tu ich "Jack Hunter" unrecht und das ist super, aber so offensichtlich ein Indiana Jones Klon und warum soll ich das sehen wollen?

http://www.rtl2.de/29570.html

Ist das System zu starr? Trauen die Sender sich zu wenig? Sind die falschen Leute in den Führungspositionen?

tresie
9. Juni, 2009 19:20

@wortvogel
Ich glaube, man kann den deutschen Zuschauer nur bedingt zum anspruchsvolleren Programm zwingen. Stattdessen gilt es das zu akzeptieren und DENNOCH dem kleineren Teil Anspruchsvolles zu bieten. Aufgabe der Minderheit ist es dann, Teile der Mehrheit zu gewinnen oder durch entsprechendes Echo in den Medien Aushängeschilder zu evozieren (Vergessen wir nicht: Harald Schmidt bei Sat.1 war ein Quotenflop, Stromberg (bei Pro7) und Pastewka etc. auch, aber sie stützten die Marke. Das allein reicht nicht, hilft jedoch. Wenn nun alle das deutsche Fernsehen grundsätzlich verdammen bzw. gar nicht einschalten, wo bleibt für die Verantwortlichen der letzte Anreiz, die Mühen und Risiken einer Qualitätsprodution auf sich zu nehmen?

tresie
9. Juni, 2009 19:23

@ qapla
Ja, es sind oft die falschen Leute in Führungspositionen.
Der neues P7S1-Chef kommt, wenn ich mich recht entsinne, aus der Pharma-Industrie, aber vor allem im Tagesgeschäft in den niederen Ebenen treten sich Dummheit, Angst und Ahnungslosigkeit gegenseitig auf die Füße.

Jeff Kelly
Jeff Kelly
9. Juni, 2009 19:29

Es fehlen in Deutschland die Vorraussetzungen damit sich Talent entwickeln könnte. Die Fernsehsender sind zu mutlos und kaufen/kopieren/adaptieren lieber als auf originale und originelle Ideen zu setzen.

In den USA und den UK werden jedes Jahr dutzende neue Formate gestartet und dann wieder eingestellt, von denen die übrig bleiben picken sich die Deutschen dann die besten raus um sie entweder zu synchronisieren oder zu adaptieren und selbst dabei bleibt die Quote der Deutschen Erfolge überschaubar. Dabei leistet sich die BBC auf BBC2 bis 4 Formate die selbst deutsche dritte Programme mangels Resonanz längst gecancelt hätten und selbst Channel 4 leistet sich Formate wie Peep Show die in den ersten Staffeln gerade mal 1 Million Zuschauer bringen ihre Fangemeinde über Jahre aufbauen und nun mit BAFTAs geehrt und als 'best british comedy' gefeiert werden.

Weil wirklich wenig ohne Stützräder entwickelt wird kann sich kein Talent entwickeln, denn letztlich sind selbst die erfolgreichen deutschsprachigen Formate nur Kopien/Adaptionen, die eigentlich mutige kreative Arbeit (ohne die Leistung oder Adaptierer schmälern zu wollen) wurde also oft schon von anderen getan.

Frank Elstner hat mal in einem Interview gesagt, dass Wetten Dass nur eine von drei Shows ist die tatsächlich original in Deutschland entstanden ist (das ist allerdings schon länger her).

Deshalb kann sich hier auch kein Niveau wie z.B. in Grossbritannien entwickeln, die aus ähnlichen Vorraussetzungen (60.000.000 vs. 82.000.000 Einwohner) und grob ähnlicher Struktur was gebührenfinanziertes und werbefinanziertes Fernsehen angeht (tv license = 176€ vs. GEZ = 204 Eur) qualitativ hochwertigere Programme auf die Beine stellen als die Deutschen.

Die Engländer haben Fifth Gear und Top Gear, wir D-Motor. Die Engländer haben "Have I got news for you", "Never mind the buzzcocks", "QI" und Co, wir hatten 7 Tage, 7 Köpfe und haben Genial Daneben. Ich könnte in jedem Genre zahlreiche Beispiele aufzeigen wo die Insulaner aus ähnlichen finanziellen Möglichkeiten deutlich attraktivere – und weitaus wichtiger – originale und originelle Ideen zaubern.

Ich sehe aber nunmal nicht fern um eine Weiterbildungsmaßnahme für Autoren ohne Praxis zu unterstützen sondern um unterhalten und informiert zu werden insofern finde ich es etwas unfair die Schuld jetzt bei mir als Fernsehzuschauer zu suchen.

Da hilft mir auch die Aussage "Bitte trinkt nur lange genug Aldi-Cola bis wir es gelernt haben, dann kriegt ihr vielleicht auch mal Bionade von uns" wenig.

Ansonsten verweise ich gerne auf Kalkofes Rant zu den Medientagen vor zwei Jahren wo er das Dilemma ziemlich treffend zusammengefasst hat.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
9. Juni, 2009 19:32

qapla, vielleicht ist es gerade das Problem. Diese unbedingte vergötterung der Amies. Es gibt einfach keine vollständig eigentständige deutsche Format gibt. Es sieht immer irgendwie geklaut aus, immer irgendwie Billigproduktion für Blinde. Jack Hunter ist ein gutes Beispiel. Das wirkt irgendwie schwer gezwungen und vollkommen daneben.

Mencken
Mencken
9. Juni, 2009 21:01

Vermutlich kenne ich nicht unbedingt die repräsentativste Zielgruppe, aber bei meinen Bekannten ist es mittlerweile eigentlich so, daß überhaupt kein Interesse mehr am Fernsehprogramm besteht, bzw. von US-Serien auf DVD problemlos abgedeckt werden kann.

Die grundsätzliche Forderung, deutschen Versuchen eine Chance zu geben und nicht von vornherein an unerreichbaren Maßstäben zu messen, ist sicherlich richtig, wenn einem das Fernsehen am Herzen liegt (aber auch nur dann, für den Rest gibt es keinen Grund, die ohnehin knapp bemessene Freizeit mit "Solidaritätsanschauen" zu verbringen), allerdings denke ich, daß die eigentliche Frage eher lauten sollte, wer sich überhaupt noch für Fernsehen interessiert, bzw. Interesse an einer qualitativen Verbesserung des Programms hat. Mittelfristig scheint mir die Tendenz ohnehin eher zur Verschmelzung von fernsehen und Internet und damit sozusagen zur sofortigen Abrufbarkeit eines "globalen Programmangebotes" zu gehen (die GEZ scheint sich ja auch bereits dementsprechend umzustellen) und aus dieser Perspektive erscheint mir die gesamte Diskussion schlichtweg unwichtig, ähnlich wie zur zeit vermutlich bereits den meisten amerikanischen Zuschauern die Qualität der regionalen Programme ziemlich egal sein dürfte.

Lari
Lari
9. Juni, 2009 21:07

Interessehalber: Wie viele "junge, halbwegs gebildete, halbwegs anspruchsvolle" Zuschauer gibt es denn eigentlich, bzw. ist vielleicht eine Mehrheit der Zuschauer weitgehend anspruchslos und ohne jeden Wunsch nach einem besseren Programm? Wenn diese Diskussion hier nur das Hadern einer Minderheit ist, dann wäre es nicht weiter verwunderlich, dass das Fernsehprogramm ist, wie es ist, oder?

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 21:10

@ Lari: Da ist natürlich was dran – solange sieben Millionen Zuschauer DSDS wirklich sehen wollen, darf man sich nicht beschweren. Die Minderheit muss sich bis zu einem gewissen Grad anpassen. Andererseits darf man Nischen fordern, und durchaus versuchen, für anspruchsvolles Programm zu trommeln.

Lari
Lari
9. Juni, 2009 21:17

Aber diese Nischen gab und gibt es doch, oder? Schimdt-Show, Dittsche, Stromberg… Und getrommelt wird für die Serien reichlich, diese ganzen Programm-Außenseiter mit mauen Quoten hatten immer eine sehr lautstarke Fanbase und gute Presse.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 21:19

@ Lari: Dann darf man sich nicht beschweren. Ich sehe das so: man kann das Fernsehen hinnehmen, und sich die Alternativen suchen. Dann ist aber die Schwadroniererei, die ja permanent stattfindet, Quatsch. Man hat ja kampflos das Feld überlassen. Oder man kann versuchen, die eigene Zielgruppe zu sammeln, und sich mehr Raum zu erkämpfen.

Lari
Lari
9. Juni, 2009 21:34

Ich für meinen Teil beschwere mich auch nicht. Solange diese Nischen noch da sind und es zumindest genügend Zuschauer gibt, die ihren Erhalt rechtfertigen, ist alles in Ordnung. Dass da noch mehr geht, halte ich zumindest für zweifelhaft, weil sich für GZSZ und Konsorten immer eine Mehrheit finden wird, der ein derartiges Anspruchsdenken im Hinblick auf das Fernsehprogramm völlig abgeht. Überleg mal, in wie vielen Haushalten der Fernseher einfach durchläuft, ohne dass gezielt irgendwas geguckt wird. Wer die Kiste nur nebenbei beim Bügeln anhat, würde sich vermutlich auch nicht an einem stundenlangen Werbeblock stören.

Thomas
Thomas
9. Juni, 2009 22:22

Deutschland ist einfach nicht reif für gutes Fernsehen.
RTL dampft gemäß DWDL-Bericht von heute seine Fiction-Abteilung stark ein, bzw. löst sie fast ganz auf, weil man dort und anderswo weder fähig noch willig ist was anständiges zu machen. Mit Filmen am Sonntag hat man es halbherzig versucht und dann schnell wieder einen Rückzieher gemacht.
Conrad und Wildfeuer, die als einzige Produzenten in Deutschland herausragendes Fernsehen gemacht haben müssen Ihren Laden unter großzügiger Mithilfe der deutschen Behörden schließen, während sich alle anderen mit Dokusoaps or gescripteten Formaten eine goldene Nase verdienen.
Die Hoffnung auf bessere Zeiten habe ich längst aufgegeben.

nameless
nameless
9. Juni, 2009 22:23

"Natürlich ist “House” besser als “Doctor’s Diary”"

die offizielle deutsche house-verwurstung heißt übrigens dr. molly & karl (hatte bis vor ein paar tagen auch noch nie davon gehört). das diary dingens klingt eher nach normaler krankenhaus-soap marke emergency room, grey’s anatomy und co.

Läscher
9. Juni, 2009 23:18

Ich erinnere mich, dass wir eine ähnliche Debatte vor eins, zwei Jahren schonmal hatten, als ich meinen Fernseher aufgegeben hab. Bin seitdem fernsehlos und glücklich, deshalb nur eine kurze Nachfrage:
"Wir müssen neue deutsche TV-Produktionen aus einem anderen Blickwinkel sehen."
Wieso müssen wir?
Ich denke, Sie betrachten das Ganze streng aus der Produzentenperspektive, wollen den Nachwuchs in Ihrer Branche gefördert sehen und verständlicherweise eine anständige Basis für Ihr eigenes Schaffen.
Ich als reiner Konsument sage aber: Ich muss garnichts. Ich lebe in einer nie gekannten Vielfalt hervorragender Unterhaltung, in einer Welt, in der aus reinem Zeitmangel Serien wie "Heroes" und "Prison Break" auf der Strecke bleiben, in der Serien wie "Breaking Bad" und "Chuck" darauf warten, endlich ihre Chance zu kriegen, und irgendwo auch noch drölf Staffeln "Sopranos" rumfliegen.
Von diesem Berg soll ich heruntersteigen und mich in die Niederungen deutschen Fernsehens begeben?
Und wieviele Stunden Mitleidsfernsehen wären pro Woche ausreichend, damit ich noch in dieser Inkarnation das deutsche "The Wire" erleben darf?

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 23:24

@ Läscher: "Ich denke, Sie betrachten das Ganze streng aus der Produzentenperspektive" – Sie denken falsch. Ich sehe das ebenfalls rein aus der Konsumentenperspektive. Wie ich schon mehrfach erwähnte: wenn Sie glücklich mit dem Status Quo sind, bitte. Aber es beschweren sich halt viele Zuschauer, eben weil sie gerne ein deutsches "The Wire" sehen würden. Oder weil sie zumindest fragen: "Warum geht sowas in Deutschland nicht?". Um diese Unzufriedenen geht es mir, nicht um die, die sowieso für das deutsche Fernsehen schon verloren sind.

Läscher
10. Juni, 2009 00:16

Verstehe. Dann drücke ich Ihnen die Daumen.

schwupps
schwupps
10. Juni, 2009 00:22

sehr guter artikel.ich werde versuchen mich dran zu halten 😉

schwupps
schwupps
10. Juni, 2009 00:38

"- “How I met your Mother” lebt von weit mehr als “gimmicks”. Die Dramaturgie der Serie ist in vielen Episoden ungeheuer komplex und durchdacht.
– Deutsche Autoren haben in der Regel weder die Erfahrung noch das Talent, sowas wie “House” zu schreiben. Aber vieles davon ist >TRAINIERBAR< – wenn man sich die Mühe macht. Solange aber nicht trainiert wird, weil der Mob doch lieber “Barbara Salesch” guckt als “Dr. Psycho”, wird das nix."

mal ganz doof gefragt… kann man die die jungen autoren nich mal für n praktikum zu den produktionsfirmen entsenden?

ja…ich weiss…dass ist sehr doof gefragt 😀 😉

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
10. Juni, 2009 00:41

@Wortvogel:
Vor zwanzig Jahren sind die privaten angetreten um dem Einerlei des öffentlichrechtlichen die Vielfalt und Nischenquailtät eines Werbefinanzierten Fernsehns entgegen zu setzen. Nun ja, abgesehen von einigen Aushanmen ist dieses Luftschloss ein Traum geblieben oder zur Hölle eines relativ anspruchsvollen Zuschauers geworden.

Um noch einmal den Vergleich aus der Restaurantbrange zu bemühen. Wenn mein Pizzalieferservice um die Ecke nicht die Quali bringt die ich wünsche, dann nehme ich den nächsten. Da es bei Fernsehn um eine sehr einfach zutransportierende Ware geht, kann ich mir auch an einen Anbieter aus Australien leisten und bin auf die Stümper nebenan angewiesen. Und dann ist da noch das gebrannte Kindsyndrom. Hast du die immer wieder den Magen bei einem Restaurant verdorben wirst du nur noch unter Zwang dieses Restaurant besuchen und es grenzt eigentlich an SM wenn man es denn noch tut.

Die Kriese des deutschen Fernsehns ist aus den unterschiedlichsten Gründen selbst gemacht und es wird sehr viel Geld und Zeit kosten um da wieder herauszukommen. Der Zug ist abgefahren und das sollte man zur Kenntnis nehmen. Sollten sich die Grenzen zwischen Internet und Fernsehn weiter zu Gunsten Internet verschieben, dann sieht die Zukunft sehr interessant aus, ob besser muß sie erst beweisen.

Btw es hat ja immer wieder highlights gegeben aber eben nicht als Serie oder Dauerbrenner.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
10. Juni, 2009 00:55

Ach noch ein Beispiel zum Thema Anspruch und Wirklichkeit. Hab ben die Eigenwerbung für Jack Hunter gesehen. "Indiana Jones würdiger Hachfolger." Alleine für diese Frechheit gehören die Verantwortlichen mit Honig bestrichen nackt in einen Ameisenhaufen gestoßen. Man sollte nicht nach dem Himmel greifen, wenn man weiß, dass man nur billigen Durchschnitt an zu bieten hat. Was glauben denn die Werbefritzen was da vor der Glotze sitzt?

Vielleicht ist jetzt verständlich warum bei mir sowas schon auf Grund der betriebenen Werbung keine Chance bekommt.

Dietmar
Dietmar
10. Juni, 2009 01:21

Mit diesem Artikel fühle ich mich doch gleich direkt angesprochen: Ich neige nämlich gewaltig dazu, neue Sendungen nicht zu sehen und erst später dazuzustoßen. ,,Stromberg" ging an mir zunächst komplett vorbei. Erst als die Wiederholungen liefen, schaltete ich rein und fand das klasse.

Mit solch einem Publikum hat es das Fernsehen dann schon schwer …

Heino
Heino
10. Juni, 2009 07:37

@Grinsi:da du dieses Beispiel jetzt schon 3mal angeführt hast, frage ich mal ganz dumm nach. Die Jack Hunter-Filme sind doch keine Eigenproduktion von RTL2, sondern kommen aus den USA, oder? Wenn das so ist, greift deine Argumentation da nicht, weil die Amis sich dann selbst abkupfern.

tresie
10. Juni, 2009 08:43

Es gibt offensichtlich 2 Prämissen. Die einen sagen: "Ich finde das deutsche Fernsehen grundsätzlich miserabel und schaue es deshalb nicht/habe keinen Fernseher." Diese Gruppe kann hier nur begrenzt mitreden, weil sie die aktuellen Produktionen nicht kennt und Gefahr läuft, Phrasen zu dreschen und zu polemisieren. Diese Gruppe ist dann auch fürs deutsche Fernsehen vorerst verloren.

Die zweite Gruppe sagt: "Wie führt das noch hin? Was gibt es für Müll." Man schaut und ärgert sich, pickt sich vielleicht noch die Rosinen raus und findet sich trotzdem mit dem Status quo ab.

Auch mit dieser Haltung ist noch keinem geholfen. Wer etwas verändern und nicht einfach Befriedigung darin findet, wie Herbert Knebel rumzumotzen, muss die Mühe auf sich nehmen, etwas zu tun.

Als TV-Konsument heißt das, für gute Produktionen zu trommeln (Es werden täglich soviele dumpfig-lustige Bilder und Power-Point-Geschichtchen per E-Mail verschickt, warum nicht auch mal ein persönlicher TV-Tipp?)
Als Produzent (und dazu gehören auch Autoren wie Wortvogel, ich und vielleicht weitere Diskussionsteilnehmer) gilt es nicht aufzugeben und neue mutige Ideen anzubieten.

So, jetzt blase ich mal. Zum Sammeln und zur Qualitätsoffensive.
Täterätääääääää!

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
10. Juni, 2009 09:14

@Heino: Ich nehme alles zurück. Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.
Es ist eine US Produktion und habe dem deutschem Fernsehn unrecht getan. Es änder aber nicht daran, dass das einfach nur grauenvoll ist.

@tresie:
Nein, einfach mal nein. Ich werde nicht Zeit und Energie in etwas infestieren, was ein einfaches Konsumgut ist. Ich mache ja auch keine Werbung für ein besonders gutes Produkt. Das bezahlt mir keiner.
Nichts gegen Mundpropaganda, aber das war es dann auch. Leider gibt es in meinen Augen aber verdammt wenige deutsche Produktionen im Serienformat, die ich guten Gewissens empfehlen könnte.

Einem Autor den Rücken stärken ist was ganz anderes. In diesem Fall wird man wohl den Autor persönlich kennen und dann ist sowas irgendwie schon wieder ein Freundschaftsdienst, aber so just for fun nur weil mal eines seiner Serienprojekte etwas besser war als der Durchschnitt? Nö dafür habe ich einfach keine Zeit.

Damit ich nicht wieder als absoluter Spielverderber abgekanzelt werde, sei hier gesagt, dass auch ich meine Rosinen habe im Fernsehn die ich schaue weil ich sie gut finde. Rosinen über die ich irgendwann gestolpert bin und einfach gut und unterhaltsam finde.

Tom Waits
Tom Waits
10. Juni, 2009 10:47

"Einen kleinen Hund erzieht man auch nicht besser, in dem man ihm für jeden Haufen im Wohnzimmer verdrischt – sondern in dem man ihn lobt, wenn er ausnahmsweise auf den Kinderspielplatz scheißt."

Deshalb habe ich meinen Kindern auch Spielgeräte in den Garten gebaut, lieber Wortvogel.

Und um den Bogen zu bekommen: Die ganzen vielen kleinen Haufen in der TV-Landschaft (Absetzpolitik, Q…alitätsbewertung, Sendetermine, Wiederholungen, Werbeeinblendungen (nicht Werbepausen) etc. nerven mich so an, dass ich seit Jahren deutsche Serien wie Doktor Psycho, Dittsche, Pastewka, Nachtschicht usw. ausschließlich auf DVD gucke bzw. ausleihe. Filme übrigens auch. Lediglich der Münstersche Tatort wird noch live geguckt. Und ich fühle mich nicht schuldig.

Fernsehen ist einfach zu unwichtig geworden. Eine Art Trailershow. Youtube offline und in etwas besserer Bildqualität. Warum soll ich den Sendern noch eine Chance geben, wenn sie es hartnäckig immer und immer wieder versemmeln? Warum soll ich mir bspw. online mühsam zusammensuchen, wann Kuttners Kleinanzeigen laufen? Schauen, ob Dittsche mal wieder samstags oder sonntags läuft? Warum soll ich für Qualität trommeln, wenn beim Sender dazu die Pollonäse-Blankenese veranstaltet wird? Irgendwann ist auch Schluss.

Eventuell sollten deutsche Autoren überlegen, direkt für den DVD-Markt zu produzieren und sich nicht dem Wohlwollen und der Unfähigkeit der Sender auszuliefern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dann auch richtig guten und innovativen Stoff bekommen. Ungefiltert.

Marc
Marc
10. Juni, 2009 10:54

Doch, die Deutschen können es:

KDD – Selten so eine gute Krimiserie gesehen, mit unglaublich viel Tiefgang und jede Folge ein Twist, der mich geschockt hat (allein der Autounfall der Tochter)

Dr. Molly und Karl – eine deutsche House-Kopie, die tatsächlich viel witziger war als das Original

Ladykracher – wohl das beste an Comedy hierzulande

Neues aus der Anstalt – jedesmal auf höchstem Niveau!

tresie
10. Juni, 2009 10:56

@ GrnisiKleinPo
Aber es macht dir ja auch Spaß übers Fernsehen zu meckern und das bezahlt dir auch keiner.

@Tom Waits
Natürlich tragen die Sender mit ihrer ständigen Crosspromotion und wechselnden Sendezeiten große Schuld an der Frustration der Zuschauer. Nur: Damit verdienden die (Privat)Sender das Geld, dass sie (auch) in die TV-Rosinen stecken können.
Fiktionale Qualität kostet viel Geld und ich zweifle, dass reiner DVD-Verkauf genug einspielt.
Auch Web-TV taugt nur bedingt zur Refinanzierung (siehe Ulmen)
Aber immerhin: "Futurama" kommt aufgrund glänzener DVD-Verkäufe mit einer zweiten Staffel zurück ins… JAJAJA… FERNSEHEN!

tresie
10. Juni, 2009 10:58

@ Marc
genau dafür lohnt es sich zu kämpfen!

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
10. Juni, 2009 11:09

@tresie:
Ich rege mich über das Fernsehn nicht mehr auf. Das kostet zuviel Nerven. Das meiste im deutschen Fernsehn geht an mir vorbei. Die Sachen die ich sehen möchte, sehe ich, das andere beibt ungesehen und kann daher auch nicht bemeckert werden. Ab und an wird gezappt und man bleibt bei dem einen oder anderen hängen.

Vor Jahren war Fernsehn noch etwas anderes für mich, da habe ich auf die eine oder andere Serie hingefiebert, bin pünktlich zur Sendung nach Hause gekommen oder aufgestanden. Heute, tja heute sauge ich mir den Stream oder schaue mir die Wiederholung am nächsten Tag an.
Fernsehn ist für mich zu einem reinen Konsumgut verkommen. Eine gewisse Resignation hat sich bei mir schon breit gemacht.

Anders sieht das bei mir mit Büchern aus. Aber das ist eine andere Geschite.

reptile
reptile
10. Juni, 2009 11:21

Hm. Vielleicht sollte man solche Serien d.to. DVD produzieren?
Z.B. ein deutsches "24" im kleinerem Rahmen natürlich.
Ist dann eine Frage der Kosten und der möglichen Verwertungskette.

Unabhängig produzieren dann erst online auswerten, später auf DVD.

Kleinere aber hochwertige Serien die vielleicht komplett am regulären TV vorbeigehen. Was meint ihr, wäre das eine alternatives Konzept?

Die anspruchsvollen Konsumenten pfeiffen bei "24"+"Lost" ja eh schon aufs TV und greifen zur DVD.

Choddy
Choddy
10. Juni, 2009 11:34

@tresie/Futurama
Wohl eher mit einer 5. Staffel :o)

TV-Pragmatiker
TV-Pragmatiker
10. Juni, 2009 11:39

Meinetwegen kann TV so sch…recklich bleiben wie es momentan ist. Dann bleibt mehr Zeit für die interessanteren Dinge ausserhalb des Glotzenuniversums.

Andi
10. Juni, 2009 11:54

Wieso soll ich Samariter und Geburtshelfer für gutes deutsches Fernsehen irgendwann in der fernen Zukunft sein? Was würde mir das nützen? Ich komme ja schon nicht dazu, die amerikanischen und britischen Serien zu sehen, die ich heute kennenlernen möchte.

Andererseits würde ich auch deutsche Serien schauen, wenn sie denn nur gut wären. Und auch wenn wir keine Stars haben, kein Geld, keine Kultur guten Fernsehens und kaum gute Autoren, ist es doch möglich, auch hier gutes Fernsehen zu machen, nur viel schwerer. Aber if you can’t stand the heat …

tresie
10. Juni, 2009 12:36

@choddy/futurama
Recht haste, vertippt…

Jeff Kelly
Jeff Kelly
10. Juni, 2009 13:24

Was ist das denn eigentlich immer für ein kognitiver Kurtzschluss, der Leute dazu bringt ein "deutsches 24" zu fordern, ein deutsches "House" oder ein deutsches sonstwas?

Warum ist KDD so gut? Weil die nicht versucht haben ein deutsches Hill Street Blues, ein deutsches NYPD Blue oder ein deutsches The Shield zu machen, sondern weil es eine Drama-Serie auf aktuellen produktionstechnischen Niveau und mit guten Büchern ist, die dabei aber zutiefst deutsch (und das meine ich im äußerst positiven Sinne) bleibt. Verwurzelt in unserer Kultur aber mit modernen erzähltechnischen Methoden.

Dietmar
Dietmar
10. Juni, 2009 13:27

@Marc: Es gibt wirklich gutes. Z. B. auch ,,Pelzig unterhält sich"

reptile
reptile
10. Juni, 2009 14:14

Mit ein "deutsches 24" meinte ich jetzt keine Kopie der Serie sondern eher die allgemein gute Dramaturgie.
Die könnte man ja in den verschiedensten Szenarien unterbringen. Cobra 11 hat ja meistens sogar mehr Action als "24" nur eben nicht das Drama und erst recht nicht die Charaktere die mit US Formaten mithalten könnte.

Bei "24" gibt es ja gar nicht so viele Explosionen oder Shootouts. Es sind die menschlichen oder unmenschlichen Entscheidungen die Jack Bauer treffen muss und was diese Entscheidungen aus diesem Menschen machen was die Serie so gut macht.

Genauso ist es ja bei "House" auch. Die Serie hat ja keine Schauwerte aber extrem gutes Drama.

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
10. Juni, 2009 16:50

@reptile:
Die Deutschen neigen zur Übertreibung. Cobra 11 ist in meinen Augen viel zu Actionlastig um ernst genommen zu werden. GZSZ ist oder war eine Lehrstunde in Holz und wie es sich bewegt. Deutsche Produktionen im Bereich Krimi, Action, oder ähnlichesm Unterhaltungssparten, neigen zur Überzeichnung vergleichbarer amerikanischer Produktionen.

reptile
reptile
10. Juni, 2009 17:00

@Grinsikleinpo
Zu Cobra 11: Sehe ich genauso aber hat immerhin schon seid ewigen Zeiten Erfolg. Trotzdem: So viel Action wäre gar nicht nötig wenn die Geschichten mehr unterhalten würden. So ist es meisten immer ein Demoreel für Action Concept.

Mutig finde ich aber das neue Werk
"Lasko – Die Faust Gottes". Deutscher(!!) Trash erster Güte und es wurde gekauft.Fürs Fernsehen!

Peroy
Peroy
10. Juni, 2009 17:11

"Die Frage wäre dann ja: Würde man solche Antihelden wie Jack Bauer in der deutschen Version annehmen?.Hmm…."

"Anti"… ? 😕

reptile
reptile
10. Juni, 2009 17:16

@Peroy
Ja klar. Jack Bauer ist zwar "der Gute" aber er foltert und tötet was das Zeug hält. Er verliert alle seine Freunde und seine ganze Familie. Und er bekommt nie ein "Danke" oder wird als Held, als Retter gefeiert.

Peroy
Peroy
10. Juni, 2009 17:22

"Bei “24″ gibt es ja gar nicht so viele Explosionen oder Shootouts. Es sind die menschlichen oder unmenschlichen Entscheidungen die Jack Bauer treffen muss und was diese Entscheidungen aus diesem Menschen machen was die Serie so gut macht."

*LOL*.

Nö, es sind schon die Explosionen, Schiessereien und Folteru… äh, "Verhöre", die rocken. Menschliches hat die Serie (spätestens ab der völlig abstrusen, aber packenden 6. Staffel) nichts mehr an sich…

Peroy
Peroy
10. Juni, 2009 17:22

"Ja klar. Jack Bauer ist zwar “der Gute” aber er foltert und tötet was das Zeug hält. Er verliert alle seine Freunde und seine ganze Familie. Und er bekommt nie ein “Danke” oder wird als Held, als Retter gefeiert."

Und ?

reptile
reptile
10. Juni, 2009 17:29

@Peroy
Hast du das schon bei Superman erlebt?

Natürlich macht auch die Action bei "24" einen Teil aus aber die meiste Zeit einer Folge wird doch im Büro/im White House oder sonstwo geredet und um Entscheidungen geringt. Die meiste Zeit wird geredet.Ist so bei "24" und auch bei "House" und Konsorten.

Zudem: Wie gesagt, Cobra 11 hat viel mehr und auch auch spektakuläre Action als "24". "

Peroy
Peroy
10. Juni, 2009 17:55

"@Peroy
Hast du das schon bei Superman erlebt?"

Superman ist gegen Jack Bauer ’ne verdammte Pussy.

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
10. Juni, 2009 18:52

@reptile:
Ich habe schon die Werbung für den prügelnden Ordensbruder gesehen und mir ist rechtschaffend schlecht geworden. Trash im wahrsten Sinne des Wortes. Die Faust Gottes, die das Gebot der Nächstenliebe mit der geballten Faust in die Welt bringt. Ich fühle mich ganz schlecht bei solchem Gedankengut.

Egal wie gut die Story auch sein mag, wie toll und gut die Schauspieler sind, alleine die Ankündigung hat mir das ganze verleidet. Ne Mischung aus Kung Fu und Im Namen der Rose mit der unvermeindlichen deutschen Verbissenheit. Sollte das ganze auch noch in der Jetztzeit spielen, ist das ganze so dermaßen weltfremd, dass es schon wieder als Studienobjekt durchgehen könnte.

Ich sage dem ganzen eine irrsinig rasante Fahr in den Quotenhölle voraus mit dreimaliger Wiederholung innerhalb von 12 Monaten.

Marco
Marco
10. Juni, 2009 18:53

Ich finde ja, die deutsche Serie war schon mal wesentlich weiter als heute, auch im Privatfernsehen. Wollfs Revier, Doppelter Einsatz, Der Bulle von Tölz, Alles außer Mord, Der Fahnder… Das waren doch alles gut geschriebene, top produzierte Fiction-Formate, die sich, auch Dank eines gewissen Lokalkolorits, von ausländischen Produktionen unterschieden haben und dennoch international vermarktbar waren.

Die Kritik an Cobra 11 kann ich übrigens nicht (mehr) so ganz nachvollziehen. Ich finde, dass die Serie gerade in den letzten Staffeln dramaturgisch einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat und zurzeit richtig gute Geschichten erzählt.

Marco
Marco
10. Juni, 2009 19:09

@GrinsiKleinPo
*gg* Ich glaube nicht, dass hier "Gedankengut", welches auch immer, zu finden ist. Das Ganze ist wohl eher eine Übertragung der Shaolin-Mythen auf westliche Verhältnisse, vermischt mit ein bisschen Dan-Brown-Mystik.

Ich persönlich würde dem Format einen Erfolg von ganzem Herzen gönnen, würde es doch zeigen, dass es sich lohnt, mal wieder zu "klotzen".

Choddy
Choddy
10. Juni, 2009 21:35

Ich hab mir vorhin bei Amazon mal ganz blind die erste Staffel von KDD bestellt … wehe, das ist nicht so gut, wie hier alle sagen :o)

Ich mag übrigens die Tatorte mit Prahl und Liefers sehr gerne, auch wenn ich da nur durch meine lieben Eltern drauf gekommen bin. Sehr unterhaltsam, gute Geschichten und teilweise sehr brisante Themen (die 'LIDL'-Folge im Februar war da ein gutes Beispiel).

Marc
Marc
11. Juni, 2009 03:09

@Choddy: Doch, allein um für KDD mal Werbung zu machen, zahl ich dir die Staffel, wenn es Dir wirklich nicht gefällt! 🙂 Erste Staffel, die zweite fand ich nicht so gut, aber die erste zeigt, was deutsches Fernsehen leisten kann! 🙂

(Ja, lass ich mich jetzt drauf ein wie bei ner Stammtischwette, wenn Du es wirklich scheisse findest, zahl ich dir die Staffel!)

@Diemtar: Wollkommen d’accord: "Pelzig unterhält sich" ist genial – 100 punkte! Muss da allerdings im gleichen Atemzug die NR3 Talkshow nennen – geht völlig unter, ist aber seit 10 Jahren oder länger die beste Talkshow im deutschen Fernsehen.

Die deutschen können es schon – aber bei dem Quotendruck ist es einfach schwer, SCHNELL ne GUTE Serie unterzubringen… was nach 3 Wochen nicht funtkioniert, kackt einfach ab… bin schon schockiert, dass weder KDD noch Molly und Karl nen Durchbruch geschafft haben…

selbst – "Unschuldig" – okay, "Unschuldig" war perfekt inszenigert, aber es hat – an irgendwas gefehlt. Aber das Konzept war gut, die Charaktere waren gut: Fehlte es an Marketing oder Tiefgang, aber die Grundlage war gut….

Ich fürchte, es fehlt in Deutschland an an bisschen Selbstvertrauen, an STANDING, einfach mal an den Eiern, ein Konzept ein Jahr lang durchzuhalten…

Scheiss Heuschrecken… oder was?

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
11. Juni, 2009 05:59

@Marc, du erwartest doch nicht von selbstverliebten Managern Eier. Die haben ganz andere Probleme, z. B. wer ihr nächster Arbeitgeber wird und wo man im Winter noch Ski fahren kann. Aber Eier, Eier habe die wenigsten von denen und wenn, dann sitzen die ehr bei den öffentlichen denn bei den privaten.

Dietmar
Dietmar
11. Juni, 2009 07:44

@Marc: Ich finde auch die Talkshow des Bremer Fernsehens Drei nach Neun gut (besonders wegen des toll improvisierenden Pianisten Gottfried Böttger).

,,Anke" habe ich ebenfalls erst in den Wiederholungen gesehen und fand das ganz gut. Ich fange echt an, mich zu schämen, denn ,,Molly und Karl" habe ich nie eingeschaltet, und vielleicht geht mir das dann da genauso …

Marc
Marc
11. Juni, 2009 14:25

Ah, mir ist noch was richtig gutes eingefallen: "quer" – läuft seit mind. 10 Jahren auf Bayern3, immer donnerstags um 20.15 bis 21.00. Lebt allein durch seinen Moderator Christoph Süss – so ein gemeines Programm wider Staat und Politik sollte man im bayerischen Fernsehen gar nicht vermuten. Die Beiträge sind manchmal ein bisschen gewollt lustig (weil Satiresendung), aber der Moderator bringt mich jede Sendung lauthals zum Lachen – mal tritt er als König Ludwig auf (stockschwul natürlich), dann als Prostituierte "Europa", selbst seine Hitler-Darstellung ist göttlich… 🙂 Und zum Schluss der Sendung kommt immer der amtierende bayerische Ministerpräsident, der den Moderator niederregieren will – dargestellt vom "Bruder Barnabas"-Schauspieler vom Nockherberg (Name fällt mir gerade nicht ein). Unbedingt einschalten, selbst wenn der bayerische Bezug fehlt, "quer" haut allen Politikern bundesweit jede Woche so richtig schön auf die Finger! 🙂

Und "Krömer international" ist ebenfalls genial!

Na gut, Serien sind das keine, aber gutes deutsches Fernsehen. 🙂

@Dietmar: "Molly und Karl" war irgendwie trashig produziert, das ginge besser. Auch irgendwie hölzern in manchen Charakteren (der Pfarrer z.B.). Aber Molly mit einer unglaublich dicken Frau zu besetzen, die auch noch bösartig ist, war sehr mutig. Und sie hat schon brillante Dialoge gehabt… 🙂 "Ja, Ihre Brüste sprechen zu mir: Sie hängen nicht und haben nie ein Kind gesäugt und sagen dauernd 'bitte, bitte, wir wollen nützlich sein!'"

Lars
Lars
13. Juni, 2009 18:07

@Marc: "Die deutschen können es schon – aber bei dem Quotendruck ist es einfach schwer, SCHNELL ne GUTE Serie unterzubringen… was nach 3 Wochen nicht funtkioniert, kackt einfach ab…"
Das ist aber im US Fernsehen nicht anders. Wenn da eine Serie nicht ankommt, wird sie nach wenigen Folgen abgesetzt und die restlichen Folgen werden entweder nie oder auf einem "toten" Programmplatz (z.B. Samstagabend) ausgestrahlt.

Nobby
Nobby
14. Juni, 2009 13:29

Ich habe jetzt nicht die Zeit, alle Kommentare durchzulesen, aber ich finde es ziemlich albern, eine Diskussion über Einschaltquoten zu "verbieten" (sic!). Gibt’s dazu wenigstens schon einen anderen Blog-Eintrag, der sich damit beschäftigt?

Thomas
Thomas
14. Juni, 2009 22:37

Also ohne jetzt den guten, alten Zeiten (oder auch nicht nachzutrauern), es gab mal ganz gute eigenproduzierte Serien auch bei den privaten Fernsehsendern, und zwar in den neunziger Jahren, seit nunmehr auch schon fast einem Jahrzehnt sind diese allerdings verschwunden.
Der Wortvogel würde jetzt sagen: Das war noch in der Goldgräberzeit als die Sender noch nicht so aufs Geld gucken mussten, ergo Kirch noch nicht Pleite war und Thoma noch bei RTL auf dem Chefsessel gehockt ist.
Fakt ist aber doch auch: Die Qualität, Budgets, Drehbücher, Schauspieler sind in den USA nach oben gegangen, in Deutschland hingegen ging man den umgekehrten Weg und wollte unter dreister Täuschung des Publikums (z. B. Schawinski zu R.I.S.) die Tatsache als Weiterentwicklung verkaufen.
Das war dem deutschen Zuschauer aber nicht zu vermitteln, er schaltete dann lieber aus oder zu US-Serien um.
Ist eine Serie hingegen überdurchschnittlich gut finanziell ausgestattet hat sie auch dauerhaft Erfolg, siehe Alarm für Cobra 11, wo es nicht nur um Action, sondern auch um Humor und wahre Männerfreundschaften geht, obwohl Realismus, schauspielerische Leistungen etc. sicherlich nicht über den Durchschnitt hinausragen.
Lasko hat immerhin über zweieinhalb Jahre gebraucht bis aus dem damals noch auf englisch gedrehten Pilotfilm zur Serienreife gelangte – auf deutsch. Das spricht nicht so sehr fürs Konzept, aber egal. Ob die Serie Erfolg hat ist wird man sehen, ich glaube eher nicht.
Aber im Prinzip hat RTL das Interesse an Eigenproduktionen verloren – ist auch verständlich nach den vielen Flops und den zahlreichen ungleich billiger produzierten und ungleich erfolgreicheren Formaten.
Sat.1 hingegen ist da mehr unter Leidensdruck, weil sie ja früher in diesem Bereich erfolgreich waren und es jetzt nicht mehr sind – allerdings hat der neue Chef Guido Bolten von der Materie überhaupt keine Ahnung – deshalb kommt da nichts mehr.
Die noch vom glücklosen Alberti übernommenen beiden Serien muss er im Sommerloch noch kurz abschreiben.
Bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt es noch die üblichen Krimiformate, aber die sind derart bieder, einem Menschen unter 60 Jahren Jophi Ries oder Udo Kroschwald zuzumuten ist eine einzige Frechheit, aber das gebührenfinanzierte Fernsehen lebt noch mehr als das private von der absoluten geistigen Anspruchlosigkeit seiner Zuschauer, bei den Privaten ist das Ich bin ein Star und DSDS, bei den Öffentlich-Rechtlichen SOKO Wismar und Da kommt Kalle.

Nathan
Nathan
14. Juni, 2009 23:05

Ich würde Bolten und Sat.1 nicht so schnell abschreiben. Der Sender wird in einem Jahr ganz anders aussehen – und die kommende Zweiteiler-Eigenproduktion "Die Grenze" beispielsweise geht für mich konzeptionell durchaus in die richtige Richtung. Da tut sich was.

Thomas
Thomas
15. Juni, 2009 05:37

@Nathan: Abschreiben tue ich weder Sat.1 noch Bolten, den Sender wird es auch in Zukunft noch geben, vermutlich sogar mit zweistelligen Marktanteilen in der Zielgruppe und mit Bolten als Chef, aber der Bereich Fiction spielt und wird auch in Zukunft keine große Rolle mehr spielen – die Dienstagsfilme werden wohl bleiben, aber ansonsten lebt der Sender mittlerweile mehrheitlich von seinem geistig zwar armen, aber sehr erfolgreichen Tagesprogramm, welches jeweils vormittags und in der Nacht wiederholt wird und ein paar Fussballspielen.
Aber im Bereich Serie tut sich da nicht mehr viel.
Im Gegensatz zu dir halte ich insbesondere die Idee des Eventmovies, wo wieder mal dieselben Nasen aufschlagen wie im deutschsprachigen Kino für nicht sonderlich toll.
Die Wiedererrichtung der Mauer würde ja ins Leere laufen, da die Bürger den "Oststaat" ja sowohl über die Nachbarstaaten als auch auf dem Luftweg verlassen könnten.
Außerdem stimmt mich nachdenklich, dass RTL von der Realisierung abgesehen hat, und die haben eigentlich einen sehr guten Riecher für die Beurteilung ob ein Format das Zeug zum Erfolg hat oder nicht, was man von Sat.1, die dann zugegriffen haben eher nicht sagen kann.
Dazu kommt auch noch die Tatsache, dass eben diese Eventmovies nicht mehr in dem Maße ziehen wie noch vor ein paar Jahren, als das Genre noch neu war.

Marko
16. Juni, 2009 11:07

Eine Sache geht mir immer wieder durch den Kopf. Der Look amerikanischer Serien und Filme ist erkennbar anders als der von deutschen — das Bild ist irgendwie leicht verwaschener und hat andere Farben. Das hat sicher irgendeinen technischen Hintergrund, anderes Filmmaterial, Kameras, NTSC, was weiß ich. Dazu kommt noch, daß die Schauspieler von guten Synchronsprechern gesprochen werden. Im Fernsehen erkenne ich dadurch sowohl optisch als auch akkustisch innerhalb von Sekunden, ob eine Serie aus deutschen oder amerikanischen Landen kommt.

Warum wird nicht mal eine deutsche Serie im Look einer Ami-Serie gedreht? Ist es so schwierig oder teuer, hier mal mit Ami-Equipment zu drehen? Und warum werden Schauspieler nicht nachsynchronisiert? Der deutsche Sprecher von "House" war eine ganze Zeit lang bei GZSZ zu sehen, und seine Stimme klang dort "im Raum" nicht halb so eindrucksvoll und professionell wie in seinen Synchronrollen.

Mag sein, daß das naive Fragen und Einstellungen zum Thema sind. Aber leider ertappe ich (nicht nur) mich immer wieder dabei, beim Durchzappen sofort weiterzuschalten, wenn das Gezeigte erkennbar "deutsch" ist; es "wirkt" einfach nicht.

Gruß,
Marko

Wortvogel
Wortvogel
16. Juni, 2009 16:05

@ Marko: Interessanter Gedanke – genau den hatte ein IT-Experte bei ProSieben schon vor zehn Jahren. Er schlug vor, eine deutsche Serie auf NTSC zu drehen, und dann durch den Formatwandler zu schicken, um den US-Look zu simulieren.

Marko
16. Juni, 2009 16:14

@ Wortvogel: Naja, diese Unterschiede sind ja auch recht offensichtlich, hätte mich gewundert, wenn das nicht schon jemand anders auch mal überlegt hätte. Da bleibt dann aber noch die Frage: Warum hat es bislang noch niemand gemacht? Wegen des Geldes?

Gruß,
Marko