Als 30. Eintrag der „Movie-Mania 2009“ gönne ich mir mal ein Special – der neue „Punisher: War Zone“ lässt sich nur sehr schwer ohne eine Berücksichtigung der ersten beiden Verfilmungen besprechen.

Drei Filme, drei grundsätzlich verschiedene Ansätze. Gehen wir es chronologisch an. Ich kürze die Filme samt der Jahreszahl ab.

punisherlundgren„The Punisher“ (1989). Regie: Mark Goldblatt. Hauptdarsteller: Dolph Lundgren. Drehort: Sydney (als New York). Budget: 9 Millionen Dollar.

Story: Die Yakuza wollen die Macht in der Stadt übernehmen, und Frank Castle sieht sich gezwungen, ausgerechnet einem Mafiaboss zu helfen, dessen Sohn entführt wurde.

P89 stammt aus einer Zeit, als Superhelden-Filme keine Konjunktur hatten. „Superman IV“ hatte die Franchise für mehr als 15 Jahre verbrannt, Billig-Filmer Albert Pyun drehte „Captain America“ für lausige 2 Millionen Dollar, und Cannon kündigte eine kostengünstige Verfilmung von „Spiderman“ an. Nur der erste „Batman“ von Tim Burton kam groß in die Kinos, zog aber keine Superhelden-Welle nach sich, wie das später „X-Men“ und Raimis „Spiderman“ tun sollten. Kostümierte Helden galten einfach nicht als „big business“ in Hollywood.

Kein Wunder, dass Mark Goldblatt froh sein konnte, wenigstens 9 Millionen Dollar für seine Umsetzung des Marvel-Comics zu bekommen. Die Zeichen standen günstig: Goldblatt ist einer der ganz großen Blockbuster-Cutter der Branche („Terminator“, „Starship Troopers“, „Pearl Harbor“), und war bereits mit der schrägen Zombie-Komödie „Dead Heat“ aufgefallen. Hauptdarsteller Dolph Lundgren war damals noch eine der ganz großen Branchenhoffnungen im Actiongewerbe, und weit bekannter als die Figur, die er spielen sollte.

Entsprechend dem Zeitgeist („Superheldenkostüme sind lächerlich!“) wurde der Look des Punishers runtergefahren – kein Totenschädel ziert seine Brust. Als einsamer Rächer fährt er mit einem schweren Motorrad durch die Kanalisation.

P89 war auf gutem Weg, Goldblatt und Lundgren in der Hackordnung Hollywoods nach oben zu schubsen – doch es sollte wohl nicht sein. Der Bankrott von New World Pictures kam dazwischen, und ein fest geplanter amerikanischer Kinostart fiel aus. Auch in vielen anderen Märkten ging der Film „direct to video“. In Deutschland schaffte es „The Punisher“ zwar auf die große Leinwand, aber nur in einer komplett zerstückelten Fassung, die fast jede Actionsequenz kaputt macht. Die ist ungefähr so unterhaltsam wie die „Blast Killer“-Video-Version von John Woos „The Killer“.

Und meine Herren, ist das ein Jammer! Denn der Film rockt massiv das  Haus. Hier stimmt wirklich alles: Lundgren als müde-deprimierter Antiheld mit Reibeisen-Stimme, düstere Locations im Großstadtdschungel, schick und effizient inszenierte Action, prima Soundtrack, und vor allem – Dialoge, die wirklich nach der zynischen Vorlage klingen:

P89 begann ursprünglich mit der „origin story“ des Punisher, die erzählt (mit leichten Änderungen gegenüber der Vorlage), wie der brave Cop Frank Castle zum Vigilanten wurde. Noch vor dem geplanten Kinostart entschied man sich aber, den Einstieg rauszukürzen – Franks Backstory ist seither nur noch ein kurzer Flashback. Die Original-Version kann der geneigte Zuschauer seither in einer Special Edition auf DVD zu bewundern. Doch in diesem Fall ist das kein Grund zu meckern: die Kürzung gibt dem Film Tempo, zumal die ursprüngliche Actionszene am Anfang eher holperig inszeniert war.

Findet mich ruhig albern und nostalgisch, aber eine perfektere Verfilmung des Punisher-Comics kann ich mir schwer vorstellen. Hier arbeitet das geringe Budget für, nicht gegen die Interessen der Macher: „The Punisher“ ist direkt, schnörkellos, und schmutzig.  Ein Film ohne Glamour – so wie der Punisher ein Held ohne Glamour ist:

Erstaunlich viele Punisher-Fans mäkeln bis heute, dass Lundgren den Totenkopf nicht trägt (wenn man von seinen strategisch rasierten Bartstoppeln mal absieht) – und übersehen dabei, dass der emotionale Kern der Figur dafür umso besser getroffen wird: Punisher ist ein Mann aus den Schatten, die Rache aus dem Hintergrund, das böse Omen für jeden Verbrecher. Seine Existenz ist nicht einmal bewiesen, und genau das macht ihn umso effektiver. Wie bei Batman sind Furcht und Einschüchterung seine Verbündeten.

Kurzum: Einer meiner liebsten Superheldenfilme, bis heute. Im selbst gesetzten Rahmen kann P89 schamfrei neben „Spiderman 2“, „Iron Man“, und „X-Men 3“ stehen.  Für mich lag die Latte damit sehr hoch, als ich hörte, dass der Stoff mit einem größeren Budget neu verfilmt werden sollte…

punisherjane„The Punisher“ (2004). Regie: Jonathan Hensleigh. Hauptdarsteller: Thomas Jane. Drehort: Florida (als Florida). Budget: 35 Millionen Dollar.

Story: Nachdem seine Familie bei einem Massaker ums Leben gekommen ist, wird aus FBI-Agent Frank Castle der „Punisher“. Er gerät schnell mit dem eiskalten Gangsterboss Howard Saint aneinander.

Was soll ich lange herumreden? Ich HASSE diesen Film. Er bildet mit „Daredevil“ und „Ghost Rider“ (die aber beide nicht ganz so übel sind) die Dreifaltigkeit der vergeigten Marvel-Verfilmungen der letzten Jahre. P04 ist durch und durch von Hollywood korrumpierter Dreck, der an wirklich keiner Stelle Respekt vor der Vorlage hat. Alles ist nur noch Show, Schnickschnack, Vermarktung. John Travolta als Bösewicht? Geschenkt. Frank Castle ist plötzlich Ex-FBI-Agent, und der Film spielt in Florida? Weia. Frank schraubert sich ein tolles Panzerfahrzeug zusammen, nur um es beim ersten Fahrversuch zu schrotten? Danke. Frank hat eine Wohnung, und jeder WEISS, dass er noch lebt? WTF???

P04 macht wütend, vor allem in den „Trailer moments“ – das sind die Szenen, die im Trailer einen gewissen Coolness-Faktor vermuten lassen, im Kontext des Films aber totaler Blödsinn sind: warum in Dreiteufelsnamen sollte Frank Bomben an Autos anbringen, die in der Explosion aus der Luft wie ein Totenkopf aussehen? In der Story sieht das doch keiner! Schlimmer war da nur noch „Daredevil“, der offensichtlich (blind!) ein Doppel-D (seitenverkehrt!) auf einen Bahnsteig gespritzt hat, damit ein cooler Reporter es anzünden kann (wo es sich für den Zuschauer dann in einer Brille korrekt herum spiegelt). Und auch die Sequenz mit dem Mariachi-Killer funktioniert in den Promos, wirkt im Film aber albern und deplatziert:

Mann, Mann, Mann…

Thomas Jane spielt wie das Schnitzel, dass er eigentlich gar nicht ist, John Travolta hat den Blick fest auf der Gage, und die „lustigen Nachbarn“ von Frank stehen auf meiner Todesliste ganz weit oben.

Selten habe ich eine Comic-Verfilmung gesehen, bei der keiner der Beteiligten auch nur die geringste Ahnung davon hatte, was die Figur ausmacht. Das ist, als würde man einen „Spiderman“-Film drehen, und aus Peter Parker einen erfolgreichen, muskelprotzenden Lifestyle-Reporter machen. P04 mag vieles sein, ein „Punisher“-Film ist er nicht. Auch nicht, wenn Castle das Totenkopf-Shirt trägt: es ist ein Geschenk seines kleinen Sohnes – AAAAARRRGGG!!!

Im Kino schleppte sich P04 mühsam über die 50 Millionen Dollar-Grenze, aber auf DVD verkauften sich erstaunliche 10 Millionen Scheiben in den USA, was verdeutlicht: genau da gehört der Film auch hin. Und genau dieser späte Erfolg ebnete auch den Weg für den „Reboot“ der Franchise.

Kleine Zwischenbemerkung: „Reboots“ kommen in Mode in Hollywood, und ich finde das gut. Früher galt eine Franchise nach einem Flop für mindestens zehn Jahre als verbrannt – heute sagt man sich „Schwamm drüber“, und versucht es nochmal. Dabei kann man auch immer auf die schrumpfende Aufmerksamkeitsspanne des Publikums setzen. Hulk, Punisher, Superman – beim nächsten Mal wird alles anders. Deshalb fordere ich hier und heute auch ein Reboot für „John Sinclair“!

Da der „Punisher“ allerdings keine A-Property von Marvel ist, entschied man sich, für den Reboot ein deutlich geringeres Risiko einzugehen: 22 Millionen Dollar Budget mussten reichen. Prompt sprangen Hensleigh und Jane, die vorher laut getönt hatten, wie gerne sie einen weiteren „Punisher“-Film machen würden, von Bord.

punisherstevenson„Punisher: War Zone“ (2008). Regie: Lexi Alexander. Hauptdarsteller: Ray Stevenson. Drehort: Montreal (als New York). Budget: 22 Millionen Dollar.

Story: Nachdem er aus Versehen einen Undercover-Agenten erschossen hat, will Frank Castle seine Wummen an den Nagel hängen. Doch ein Mafia-Boss, der sich nach seiner Gesichsverstümmelung „Jigsaw“ nennt, heuert die halbe Unterwelt New Yorks an, um den „Punisher“ zu erledigen.

Und damit sind wir beim neusten Spross der „Punisher“-Filmfamilie. Regisseurin Lexi Alexander (eigentlich Kampfsportlerin) hatte sich mit „Green Street Hooligans“ Respekt verschafft, und Hauptdarsteller Ray Stevenson kommt aus der harten Schule des britischen Fernsehens. Beide versprachen einen raueren, kompromissloseren „Punisher“ – kein Wunder: für Hollywood-Schnickschnack war ja diesmal kein Geld da.

In den amerikanischen Kinos fiel „Punisher: War Zone“ allerdings brutal durch: Nicht mal 10 Millionen Dollar spielte der Film ein, und muss daher auf DVD schon ein absoluter Superhit werden, um seine bescheidenen Kosten zu amortisieren.

Ist P08 besser als P04? Natürlich. Selbst das Testbild wäre besser als P04. Ist er deshalb schon gut?

Nein.

P08 schafft es, den Großteil der Fehler von P04  tatsächlich nicht zu wiederholen. Aber leider bringt er eine Sackladung ganz frischer Fehler mit, die das Sehvergnügen doch erheblich schmälern.

Was dem Film letztlich das Genick bricht, ist der permanente Versuch, drei Elemente unter einen Hut zu bringen, die einfach nicht zusammen passen:

  • Die Härte. Hier wird mit Spaß gesplättert, Schädel zerplatzen, Knochen brechen, und schamhaft wegblenden ist nicht. Die deutschen Jugendschützer werden ihre Freude haben.
  • Der Subplot: Frank freundet sich mit der Frau und der kleinen Tochter des Agenten an, den er erschossen hat. Unsubtiler ist das Erlösungs-Motiv lange nicht mehr gefahren worden. Frank kocht. Frank deckt die Kleine zu. Frank schenkt ihr eine Spieluhr.
  • Der Look: New York ist in P08 ein bonbonbuntes Leuchtspektakel, eine primärfarbene Mischung aus Tokio und „Dick Tracy“. Selbst Kirchen werden lila und blau ausgeleuchtet.

punisher2

Versteht mich nicht falsch: das kann man durchaus alles machen – aber eben nicht in einem Film! Der Comic-Look banalisiert das Drama, der Familienplot nimmt Castle jede Härte, und die Gewalt versauert jeden Geruch von Mainstream, den der Film in Look & Feel verkaufen will. Die Teile ergeben kein Ganzes, sie torpedieren sich stattdessen.

Nun lebt jeder Held von seinem Gegner. Howard Saint war ein Totalausfall gewesen, und Lexi Alexander wollte augenscheinlich wieder näher an die Comics. Das Ergebnis:

punisher3

„Phantom der Oper“, anyone? Es hilft nicht, dass Dominic West den „Jigsaw“ so überdreht und lachhaft anlegt, als wäre er der Joker (der alte, nicht der aus „Dark Knight“ natürlich). Dies ist ein Gegner für einen SUPERHELDEN, keinen ANTIHELDEN! Auch der Rest der Besetzung würde prima in eine Mafia-Klamotte passen. Zuviele Nebenfiguren müllen die Laufzeit zu.

Nun könnte ich all das verzeihen, wenn der „Punisher“ selbst als Figur funktionieren würde. Stevenson müht sich redlich, aber es mangelt ihm einfach am Charisma. Er sieht aus wie ein brutaler Schlachter, und genau so verhält er sich auch. Der Figur angemessen? Vielleicht. Aber kein Typ, um dessen Leben man 100 Minuten fiebern möchte.

Auch technisch reißt P08 keine Bäume aus: Montreal ist hier genau so glaubwürdig New York, wie Sydney in P89 New York war, oder Burbank in „Alone in the Dark II“. Ein echtes „New York Feeling“ kommt nicht auf. Die Schießereien sind durchaus anständig, aber nach ungefähr 5000 Schüssen der Bösewichte fragt man sich doch, warum nicht irgendjemand mal testweise auf Franks ungeschützten Kopf zielt.

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Was kurioserweise funktioniert, ist der Humor: an zwei bis drei durchaus dafür gedachten Stellen musste ich herzhaft lachen, und die letzte Szene hat mich wohlwollender zurückgelassen, als es der Film vermutlich verdient hat.

Letztlich bleibt ein durchaus kurzweiliger, aber in sich nicht stimmiger und banaler Actionfilm, der durch Brutalität beeindruckt, sonst aber kalt lässt.

Wer hätte es gedacht? Dolph Lundgren bleibt der Sieger im Kampf gegen zwei Filme, die zusammen genommen das fünffache von P89 gekostet haben. Was nur wieder mal beweist: Geld macht keinen guten Film.

Und darum heißt es an dieser Stelle: Dolph Lundgren IST – der „Punisher“!

Bis zum nächsten Reboot zumindest…



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