redsands1USA 2009. Regie: Alex Turner. Darsteller: Shane West, Leonard Roberts, Theo Rossi, J.K. Simmons

Bevor die Allesseher unter meinen Lesern sich wieder beschweren: Ich kenne Alex Turners vielfach gelobten historischen Horrorfilm „Dead Birds“ nicht. Der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Vielleicht packe ich in in diesem Jahr noch irgendwo in die „Movie-Mania“ rein.

„Red Sands“ ist demnach mein erster Turner-Film, und ich habe eigentlich nicht viel erwartet: ein direct to DVD-Kriegsfilm mit Horror-Gimmick, so eine Art „Behind enemy lines 3“ meets „Cabin Fever“. Oder „Dog Soldiers“ in Afghanistan, mit einem Djinn anstelle von Werwölfen.

„Red Sands“ (Drehtitel: „Stone House“) handelt von einem kleinen Trupp US-Soldaten, die in Afghanistan 2002 in ein abbruchreifes Haus in der Wüste abkommandiert werden, um von dort aus eine Straße zu überwachen, die als Transportroute von Al Quaida gilt. Doch nachdem einer der GIs den Kopf einer Statue zerschießt, ergeben sich erheblich gefährlichere Probleme als einheimische Terroristen. In einer sehr langen Nacht, während eines sehr schweren Sandsturm, macht ETWAS Jagd auf die Soldaten…

Um meine Kritik zu verstehen, sollte man zwei Emails kennen, die ich meinem Kumpel Onkel Filmi geschickt habe – eine davon, nachdem ich die ersten 20 Minuten gesehen hatte. Die andere nach dem Ende des Films.

In Email 1 bat ich ihn, mir keine Details zu verraten, weil ich den Film „frisch“ sehen wollte. Ich erwähnte, dass der Streifen extrem gut aussähe, knackig inszeniert sei, und ich gerade mal zwei nicht 100 Prozent überzeugende CGI-Helikopter auf der Negativ-Seite verbuchen musste. Es sah ganz danach aus, als hätte ich endlich mal wieder eine DVD-Perle vom Schlag „Starship Troopers 3“ entdeckt.

redsands2

Email 2 lautete: „Ich und meine große Klappe – nach den ersten 20 Minuten wird „Red Sands“ einer der langweiligsten, unfokussiertesten, und schlichtweg unsinnigsten Filme, die ich je gesehen habe. Da geht wirklich gar nichts…“

Echt jetzt? Musste das sein?

Ich kann mich tatsächlich an keinen Film erinnern, der nach einem starken ersten Akt derart auseinander fällt. „Red Sands“ macht 20 Minuten lang alles richtig: Durch die (auch im Trailer gezeigte) Rahmenhandlung wird ein starkes Mystery aufgebaut: was geschah mit den Soldaten in dem einsamen Haus der Wüste? Dann wird relativ flott das Team vorgestellt, die endlose Ödnis der afghanischen Steppe, und jeder Zuschauer ahnt, dass es keine gute Idee ist, die Statue zu zerschießen. Das muss sich rächen, na klar. Und eine Texttafel im Vorspann hat uns ja schon auf die Djinns vorbereitet. Und dann kommt auch noch der fette Sandsturm, der unsere Soldaten von der Außenwelt isoliert, als wären sie auf dem Mond. Simpel, aber klasse konstruiert, und so stylish und dynamisch gefilmt, dass man sich die Szenen auch im großen Kino vorstellen könnte, wenn die Darsteller nicht allesamt eher unbekannt wären.

Und ich habe keine Ahnung, was in der Storyentwicklung an genau dieser Stelle schief ging. Es ist, als hätte der Autor sich beim Bier die Idee mit dem Djinn und den US-Soldaten ausgedacht, es im Fieberwahn niedergeschrieben, aber bei Seite 20 festgestellt: „Und dann?“. Es ist das klassische Problem der Mystery: stelle keine Frage, auf die du keine Antwort hast.

Sieben Soldaten in einem Haus. Und ein arabischer Rachegeist. Und dann? Dramaturgisch und erzählerisch bleibt der Film einfach stehen. Der Rest ist geschlagene 70 Minuten rumlaufen in dunklen Räumen, vornehmlich auf die eigenen Leute schießen, und viel Geschrei. Die Soldaten finden nichts heraus, verteidigen sich nicht konsequent, das Böse wird nie wirklich definiert, und unglaubliche acht Minuten vor dem Ende sagt erstmals jemand: „I think there is something else out there“. No shit, Sherlock.

Die Bedrohung bleibt über die ganze Laufzeit zu unkonkret, und meistens stolpern die Soldaten über ihre eigenen Füße. Sämtliche Schockszenen in „Red Sands“ sind durchschaubar, repetitiv, und im Stil von Videospiel-Zwischensequenzen und Trailern gehalten. Die Charaktere der Soldaten sind so dünn, dass uns ihr Ableben komplett egal ist, und am Ende ist die Laufzeit nur durch die Menge der Opfer beschränkt, nicht den Abschluss der Handlung.

Es wäre ja nicht schwer gewesen, „Red Sands“ wenigstens den dramaturgischen Druck eines Wald & Wiesen-Slashers zu geben, aber dafür hätte man entweder dem Djinn eine klare Vorgabe geben müssen (z.B. „er braucht drei menschliche Herzen, um endgültig in unsere Welt zurückkehren zu können“), oder den Soldaten ein klares Ziel (z.B. „Wir müssen bis Morgengrauen durchhalten, dann haben wir es geschafft“). Aber nichts davon geschieht. Auch die Idee, dass der Djinn Wünsche erfüllen kann, wird nicht aufgegriffen. Die paar Momente, in denen wir den Djinn vollständig sehen, sind noch dazu technisch unter dem Wert des restlichen Films, und erinnern wieder an einen zweitklassigen Egoshooter.

Wow. Echt wow. So stark angefangen, und dann so stark nachgelassen. Ich hätte mich weniger geärgert, wenn „Red Sands“ durchgehend ein Rohrkrepierer gewesen wäre.

Würde mich wirklich interessieren, ob einer von euch das anders sieht, und warum…



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meistermochiOnkelFilmiPeroywut, wut in da buttDr. Acula Recent comment authors
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Peroy
Peroy

„Dead Birds“ war ein echt feiner, kleiner Horrorfilm mit ein paar beinharten Schocks…

3, 2, 1, Auftritt Doc Acula…

Jack Crow
Jack Crow

Die Story klingt nach „Manticore“…

Dr. Acula

*wusch*

„Dead Birds“ war ultragrottenlangweilig und machte aus seinem Gimmick, dem period setting, rein gar nichts. Den erträgt man nur mit ein paar griffbereiten Adrenalinspritzen.

Dr. Acula

Hinzufügend (und erst jetzt den Blogeintrag zu Ende gelesen habend) bleibt, dass „Red Sands“ offensichtlich genau die gleichen Probleme hat wie „Dead Birds“ – man hat eine ganz clevere Idee, ein nettes Setting, aber danach fällt niemandem mehr etwas dazu ein, außer durch dunkle Räume zu latschen (wie in „Dead Birds“), keine Ahnung zu haben, was los ist, und one by one gekillt zu werden. Sehr schön, den kann ich mir also gestrost schenken.

Peroy
Peroy

7/10

Dr. Acula

Schade, dass der Totlach-Smiley hier nicht funktioniert 🙂

Peroy
Peroy

Saugruselig war der…

wut, wut in da butt
wut, wut in da butt

Erinnert irgendwie an den koreanischen R-Point…

OnkelFilmi

Wie ich schon sagte: „The Objective“ ist der definitiv bessere Film!

http://www.youtube.com/watch?v=b1OY-XMm7aI

Peroy
Peroy

Ah, Themenabend… 8)

OnkelFilmi

Dann müssten da auch noch der von Jack Crow erwähnte „Manticore“ und „Afghan Knights“ (mit Madsen und Bacic) dazu…

Peroy
Peroy

„Manticore“ hab‘ ich schon gesehen, einmal und nie wieder…

OnkelFilmi

Dann kannst Du den ja schonmal streichen, und hast nur noch einen Stinker vor Dir…

meistermochi

unglaublich das denen noch immer ne neue variante einfällt, um dämliche totenköpfe zu visualisieren. >-/