11
Jan 2009

SciFi ist der Tod der Science Fiction -und die SF pinkelt auf das Grab

Themen: Film, TV & Presse |

Ich vermisse gute Diskussionen von Angesicht zu Angesicht, mit Leidenschaft und Fachkenntnis gleichermaßen. Stammtische über Film und Fernsehen, Medien und Macher, ohne Schwanzvergleicher und Schwadroneure. Ungleiche Gedanken gleichgesinnter Menschen, ohne digitale Brücke dazwischen. So wie hier, wo es um die Unterscheidung von "SciFi" und "Science Fiction" geht (kurioserweise 1997 auf dem SciFi Channel):

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Teilnehmer sind übrigens Harlan Ellison (weltbester Autor, weltgrößter Grummel), JMS (Erfinder von "Babylon 5", damit automatisch heilig), Herb Solow ("Star Trek" in irgendeiner Kapazität) , and Yvonne Fern-Solow (Ehefrau).



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Andreas
Andreas
11. Januar, 2009 12:00

Jetzt, wo du nach eigener Aussage mehr Zeit für dein Blog hast, und du da eben mal wieder JMS erwähnt hast – schaffst du irgendwann noch einen B5-Rundumschlag inkl. geheimen Geheiminfos zu deinem B5-Buch, dass hier bei mir immer noch in Ehren gehalten wird? JMS hat ja angekündigt, mit B5 fertig zu sein und keine Lust mehr auf Low-Budget-Kompromisse zu haben. Mich würde deine (ausführliche, hehe!) Analyse dazu und zu B5 allgemein sehr interessieren. Und natürlich, wie du damals zu der Autorenschaft dieses Buches gekommen bist, etc.

Sorry, passte gerade hier so gut hinein! 🙂

Wortvogel
Wortvogel
11. Januar, 2009 12:07

@ Andreas: Kein Grund, dich zu entschuldigen – in der Tat, "Babylon 5" ist demnächst "dran". Ich traue mich nur momentan nicht, weil es sicher wieder ein ausufernder Mehrteiler wird…

Andreas
Andreas
11. Januar, 2009 12:26

Au ja! Ausufernder Mehrteiler!!!

Dr. Acula
11. Januar, 2009 12:43

Gute Diskussion. Ich bin zwar kein Freund willkürlicher Grenzziehungen, aber man kann nicht bestreiten, dass das, was als "SciFi" bzw. "SF" in Kino und TV verkauft wird, meist nur Action in futuristischem Gewand ist und, wie Harlan richtig anmerkt, die eigentliche Stärke der SF, nämlich moralische und ethische Fragen zu stellen, kaum noch stattfindet. Ein Dick hätte es heute schwer und die Fülle von Dick-Verfilmungen kommt leider auch nur daher, weil seine Ideen sich verfilmbar zurechtbiegen lassen und nicht, weil die Produzenten an den philosophischen Fragen interessiert sind ("A Scanner Darkly" ist die rühmliche Ausnahme).

Mollari
Mollari
11. Januar, 2009 13:16

Zum ausufernden Mehrteiler:
Da freue ich mich jetzt schon besonders auf deine Gedanken zur kompletten fünften Staffel (in diesem Punkt ist das Buch ja leider unvollständig geblieben) und, huuah, "Crusade".

Zur Diskussion:
Gebe ich dem Doc Recht, zuletzt schön zu beobachten bei der Verwurstung von Dicks "Golden Man" in "Next".

Zum Video:
"Fourth Eye": LOL.

Tornhill
Tornhill
11. Januar, 2009 13:24

In der Tat ein interessantes Thema!

Ich würde die SciFi nun nicht so hart angreifen, wie Ellison, sondern ihr eher ihre Berechtigung als Unterhaltungsform zugestehen, dass es irgendwo einen grundlegenden Unterschied zu dem gibt, was er als Science Fiction definiert, ist allerdings wahr. Man betrachte nur, wie viel SciFi-Zeug sich mit simpelsten Modifizierungen auch als Fantasy- oder sogar einfacher Western- oder Thriller-Stoff verarbeiten ließe. Wie gesagt: der Titel "Star Trek" fasst es optimal zusammen – Motiv + "Sterne/Weltraum/Zukunft" = SciFi.

Nichts an sich schlechtes, aber mit den Gedankenspielen eines Dick oder Asimov (die sich gewöhnlich nicht derartig in andere Genres übertragen ließen) nicht wirklich vergleichbar.

xanos
xanos
11. Januar, 2009 13:27

Echte Science Fiction hat im visuellen Medium einen zu kleinen Markt. Das kann man als Produzent vielleicht teilweise steuern, indem man die Filme kleiner/günstiger macht aber unterm Strich ist das nichts für den Massenmarkt mit gut rechenbaren Erlösen.
Daher scheitern viele ambitionierte Projekte an fehlendem Geld, während die deutsche Filmförderung lieber 10 Mio in Speedracer pumpt.

Peroy
Peroy
11. Januar, 2009 15:54

Eine originalgetreue Dick-Verfilmung will keiner sehen. Nehmen wir ruhig mal "Next" als Beispiel. Die Produzenten haben da meiner Meinung nach das richtige Gemacht, den simplen Hook der Story übernommen, und den unfilmischen Rest weggeschmissen. Ganz ehrlich, "Der goldene Mann" wäre als Film doch ein Trash geworden… gebt’s zu…

Wortvogel
Wortvogel
11. Januar, 2009 16:00

@ Peroy: das kann man nicht zugeben, weil es nicht zu belegen ist. Belegbar ist nur: "Next" war Müll.

Stephan
Stephan
11. Januar, 2009 16:19

Bei Ellison muß ich immer sofort an "A boy and his dog" denken. Bestes Filmende aller Zeiten!

Peroy
Peroy
11. Januar, 2009 16:27

"@ Peroy: das kann man nicht zugeben, weil es nicht zu belegen ist. Belegbar ist nur: “Next” war Müll."

Allein schon die Vorstellung der vorlagengetreuen filmischen Umsetzung des Titel-Charakters macht mich schaudern… brrr…

Ich fand "Next" (bis auf das Ende) okay…

plumtree
plumtree
11. Januar, 2009 16:54

Leider ist mein Englisch nicht gut genug, um die Feinheiten der Diskussion in Gänze nachzuvollziehen.
Soweit ich verstanden habe, haben, nach meinem Geschmack, beide Seiten recht – und auch nicht.

Denn es gibt ja auch innerhalb der Science Fiction Literatur gewisse Unterschiede.

Vermutlich lassen sich die Werke eines T. Sturgeon tatsächlich nicht allzugut verfilmen. Auch auf eine Verfilmung der Helliconia Trilogie von Aldiss werden wir vermutlich noch etwas länger warten 😉

Aber es gibt ja auch noch Autoren wie Jack Vance (Dämonenprinz, Durdane etc.), Alan Dean Foster, dessen bessere Homanxbücher (Midworld oder Eissegler) sich schon fast wie Drehbücher lesen und für mich ein großartiger Serienstoff wäre.
Aber auch Alfred Besters "Demolition" könnte ich mit ganz gut als Film vorstellen.
Und stellt euch mal eine Verfilmung der guten Heinlein, Clarke oder Larry Niven Sachen (eine Ringwelt Serie *schwelg*) vor

Also spannende Stoffe für ein breites Publikum gäb’s da vielleicht schon…

Dr. Acula
11. Januar, 2009 17:56

Ich sag nur eins: einen Film wie Blade Runner würde heute KEIN Studio mehr finanzieren. Bzw. der würde dann aussehen wie Matrix… 🙁

Wortvogel
Wortvogel
11. Januar, 2009 18:06

@ Doc: Soweit würde ich gar nicht gehen – siehe "Dark City". Und ich bleibe dabei: gegen "Matrix" auch als Science Fiction ist nichts einzuwenden…

Mencken
Mencken
11. Januar, 2009 18:11

@Dr. Acula: bezüglöich Dick widerspreche ich – das war früher auch nicht besser und selbstverständlich wird auch mal wieder ein Film wie Blade Runner (=selbstverständlich bzgl. Impact nicht Machart, ist meines Erachtens aber auch bereits eine stark verschlankte Version des Originalstoffes) gedreht werden – A scanner darkly z.B. ist doch recht neu und näher an Dick (und sperriger) als alles, was man in der "guten alten Zeit" zu sehen bekam.

Dr. Acula
11. Januar, 2009 18:58

A Scanner Darkly hatte ich ja ausdrücklich als Ausnahme genannt – aber das ist auch kein "Studiofilm", sondern von der Warner-Arthouse-Filiale finanziert, hatte keinen wide release… (toller Film war’s übrigens trotzdem).

Gut, Dark City lass ich mir eingehen, aber ich denke, das kam mehr, weil Proyas nach "The Crow" "heiss" war und nicht, weil man unbedingt intelligente SF auf die Leinwand bringen wollte.

Matrix. Okay, den ersten lasse ich durchgehen, aber die Sequels… die Sequels…

Will sagen – wenn zu den knalligen FX und dem großen Gerumpel rein zufällig noch ’ne intelligente Story dabei ist, stört das die Studios nicht, aber in BR müsste heute viel mehr explodieren…

Mencken
Mencken
11. Januar, 2009 22:19

Was ist denn z.B. mit The Fountain, Eternal sunshine of the spotless mind, Vanilla sky / open your eyes, etc.?

Sicher gibt es nicht sonderlich viele Filme, aber das war zu BR-Zeiten auch schon so und soweit ich mich erinnere, war BR ursprünglich sogar ein Flop. Ich sehe jedenfalls nicht, weshalb sich die Industrie so grundlegend geändert haben sollte und würde im Gegenteil sogar die These wagen, daß Sachen wie I, Robot, Day the earth stood still oder Minority Report eher dafür sprechen, daß sich das Interesse, resp. der Investitionswille der Studios in den letzten Jahren eher positiv entwickelt hat – abgesehen von Star Wars sehe ich da nämlich kaum vergleichbare Gegenstücke aus den 80ern.

Dieter
Dieter
12. Januar, 2009 02:27

Schauschau. Und da dachte ich doch immer, SciFi sei ein Kürzel für Science Fiction wie HiFi für High Fidelity.

Okay …

Wieder etwas gelernt.

OnkelFilmi
12. Januar, 2009 02:29

"Science Fiction" dürfte es dieses Jahr wohl so einige Male im Kino geben.

Da wäre zum Beispiel "Pandorum" (von "Antikörper"-Regisseur Christian Alvart), in dem ein paar Astronauten (u.a. Ben Foster, Dennis Quaid, Wotan Wilke-Möhring und Cung Le) während eines langen Raumfluges aus dem Kälteschlaf aufwachen und feststellen müssen, daß sie weder wissen wer sie sind, noch was ihre Mission ist – und daß sie wohl auch nicht ganz allein sind..

David Bowie’s Sohn Duncan Jones (aka Zowie Bowie) bringt uns "Moon", in dem ein ein von Sam Rockwell gespielter Bergmann auf dem Mond seine ganz eigene, persönliche "unheimliche Begegnung" hat.

Robert Schwentke präsentiert uns 4 Jahre nach "Flightplan" seinen neuen Film "The Time Travelers Wife", welcher auf dem gleichnamigen Buch von Audrey Niffenegger basiert. Das ganze ist mal wieder eine Zeitreise/Zeitsprung-Geschichte, jedoch mit romantisch-sentimentalen Untertönen. Der Film wurde aber leider schon mehrere Male verschoben, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist.

Mit "Radio Free Albemuth" kommt eine weitere Verfilmung einer Geschichte von Philip K. Dick auf uns zu. Allerdings handelt es sich hier NICHT um eine Big Budget Studio Produktion, sondern um einen kleinen Indie-Film, so daß die Hoffnung besteht, daß es sich hier um eine werkgetreue Adaption handeln wird. Für die, die nicht wissen worum es geht: in einer alternativen Version des Jahres 1985 hat ein Richard Nixon nicht ganz unähnlicher Präsident die USA in einen Polizeistaat verwandelt, und ein junger Schallplattenverkäufer macht sich zusammen mit einer Frau namens Sylvie und seinem besten Freund, dem Science Fiction-Autor Philip K. Dick daran das Regime zu stürzen…

Und dann wäre da ja auch noch ein Film namens "Avatar"…

Wortvogel
Wortvogel
12. Januar, 2009 02:35

Ich denke auch, dass die Science Fiction im Kino nicht tot ist (Harlan Ellison würde garantiert widersprechen). Ob Filme wie "Pandorum" allerdings wirklich Science Fiction sind, wage ich abzuwarten. Da sind die Grenzen ja auch fließend.

Aus gegebenem und aktuellem Anlass schalte ich in ein paar Stunden für "Movie-Mania" den Review eines aktuellen, echten Science Fiction-Films frei.

Nein, nicht "Lost City Raiders" – seid nicht albern…

OnkelFilmi
12. Januar, 2009 03:07

Dante 01? Eden Log? Marley & Me? (höhö)

Muriel
7. September, 2009 16:40

Nur, damit du’s weißt: Manche tun es doch.

ben_
3. Dezember, 2009 19:24

Also … unter uns Pastorentöchtern. So sympathisch ihre Dikussion auch ist … der Punkt selber ist ziemlich Unfug, wie ich finden muss. Die reden da über Inhalt und Gegenstand vs. Anspruch, Interpretation und Auswirkung. Literaturwisseschaftlich gesehen keine besonders saubere Diskussion, dafür aber kurzweilig und sicher nötig.