10
Jan 2009

Ruhe da vorne! Movie-Mania 2009 (7)Heute: Frost/Nixon

Themen: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues |

frostnixon1 USA 2008

Regie: Ron Howard. Darsteller: Frank Langella, Michael Sheen, Sam Rockwell, Kevin Bacon

Der Background: 1974 trat US-Präsident Richard Nixon als Konsequenz des Watergate-Skandals zurück. Schon im Jahr darauf wurde er von seinem Nachfolger Gerald Ford begnadigt. Eine Schuld hat Nixon nie zugegeben. 1977 erklärte er sich für viel Geld bereit, dem als Windbeutel und journalistisches Leichtgewicht bekannten Talkshow-Moderator David Frost ein über mehrere Tage verteiltes Interview zu gewähren. Was Nixon nicht ahnte: Frost, der den Spott seiner “seriösen” Kollegen fürchtete, bereitete sich minutiös vor, arbeitete mit Experten des Watergate-Falls, und nagelte Nixon schließlich auf die ungeheuerliche Aussage fest, er KÖNNE gar nichts ungesetzliches getan haben, denn: “Wenn der Präsident es tut, ist es nicht ungesetzlich”. Damit vernichtete Nixon selbst auf einen Schlag jede Chance auf seine politische Rehabilitation.

“Frost/Nixon” ist derzeit ein heißer Oscar-Anwärter, ganz im Gegensatz zu Oliver Stones total vergeigtem “W.” (demnächst auf ProSieben). Die Gründe liegen auf der Hand: Howard erzählt eine historische Fußnote mit ruhiger Hand, ohne großes Spektakel, fast wie ein Bühnenstück (auf dem das Drehbuch tatsächlich beruht).

frostnixon2

Ich muss allerdings gestehen: mich hat der Film brutal kalt gelassen. Das liegt natürlich in der Natur der Sache: wir WISSEN, was passieren wird, wir WISSEN, dass Howard keine Fakten hinzuerfinden kann, wir WISSEN, dass der Großteil des Films von zwei Männern handelt, die sich eben keine geschliffenen David Mamet-Dialoge um die Ohren hauen, sondern die tatsächlichen Transkripte des Original-Interviews.

So ehrenvoll der Versuch auch sein mag – als spannendes Kino-Erlebnis funktioniert “Frost/Nixon” selbst für Kenner der Materie nur sehr begrenzt. Da helfen auch die wirklich hervorragenden darstellerischen Leistungen von Sheen und Langella nicht. Manchmal wirkt der Film eher wie ein Doku-Drama von Heinrich Breloer, in dem die wirklichen Ereignisse genau nachgestellt werden, ohne in eine Fiktion einzutauchen.

“Frost/Nixon” ist letzten Endes ein Film ohne Notwendigkeit, weder historisch noch filmisch. Die Figur Nixon wurde von Oliver Stone in “Nixon” besser verkauft, der Watergate-Skandal hat mit “Die Unbestechlichen” einen wirklichen Hollywood-Klassiker ermöglicht, und das Interview Frost/Nixon kann man sich auch prima als Original auf DVD kaufen.

Der Trailer suggeriert einen erheblich besseren Film als das, was Howard letztlich abliefert – inklusive der Schlusspointe:

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Mofritz
Mofritz
10. Januar, 2009 12:59

Aus diesem Grund habe ich mir damals auch nicht Finchers Zodiak angeschaut. Ich weiß, dass der Killer nie gefasst wurde, also warum soll ich mir einen Film ansehen in dem genau das gezeigt wird. Ich bin mir sicher, dass der Film gut gemacht ist und ich ihn mir irgendwann mal ansehen werde, aber richtig dringendes Interesse besteht momentan nicht. Bei Frost/Nixon liegt die Sache zwar ähnlich, aber der Film interessiert mich trotzdem mehr. Vielleicht liegt es an der Thematik. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass bei Frost/Nixon die "Guten" gewinnen, bei Zodiak nicht. Ich gebe zu, man sollte seine Filme nicht nach "Happy End" aussuchen, aber vielleicht kann ich im Falle von Zodiak einfach nicht akzeptieren, dass der Killer nach dieser Mordserie davongekommen ist.

PabloD
PabloD
10. Januar, 2009 14:38

"Ich muss allerdings gestehen: mich hat der Film brutal kalt gelassen."

DER wäre mir auch noch eingefallen. Aber sollte das Agument "Film nicht gut, weil Fakten bekannt" nicht eher "Film nicht gut, weil bekannte Fakten schlecht umgesetzt" heißen? Bei Titanic gab es ja auch keinen Plottwist am Ende und trotzdem ist der handwerklich gut gemacht.

Lutz
Lutz
10. Januar, 2009 15:29

@Mofritz Was ist das denn für eine bescheuerte Argumentation? Wenn es danach ginge, bräuchtest du dir 95 % aller Filme nicht anschauen, weil man in der Regel immer weiß, was am Ende passiert. Die Welt wird gerettet, die Liebenden kriegen sich, der Böse wird abgemurkst. Es geht immer um den Weg dahin und die Ausführung.

"Zodiac" ist ein Procedural, bei dem es Fincher vor allem darum geht, die Stimmung der damaligen Zeit darzustellen, die Angst und die Besessenheit. Und vor allem das Katz und Maus Spiel, dass sich der Zodiac Killer mit der Presse und der Polizei geleistet hat und wie die Presse darauf eingegangen ist. Der Film präsentiert am Ende übrigens ziemlich unverhohlen einen möglichen Täter. Da kann man dann halt mit der Meinung übereinstimmen oder nicht. Ich denke, das ist einfach ein Zugeständnis an solche Zuschauer, die eben unbedingt ein Happy Ending brauchen.

Zu Frost/Nixon kann ich noch nichts sagen, weil ich ihn noch nicht gesehen habe. Allerdings hatte ich auch kein wirklich großes Interesse daran, ihn im Kino zu sehen. Ich bin aber schon ein wenig überrascht, den ersten negativen Review zu lesen. In der US-Presse wird er ja sehr hoch gelobt. Auf der anderen seite würden US Kritiker bei einem Film über die Guillaume Affaire sicher auch fragen, was es Amerikaner interessiert,wenn in Europa ein sack Reis umfällt.

Peroy
Peroy
10. Januar, 2009 16:25

"Aus diesem Grund habe ich mir damals auch nicht Finchers Zodiak angeschaut. Ich weiß, dass der Killer nie gefasst wurde, also warum soll ich mir einen Film ansehen in dem genau das gezeigt wird."

Weil es Finchers bester Film ist (ja, besser als "Sieben")…

Peroy
Peroy
10. Januar, 2009 19:24

Mal ein bisschen schamlose Selbst-Promotion, bei "Zodiac" ist es angebracht…

http://trashtalk.badmovies.de/phpBB2/viewtopic.php?p=575321#p575321

Also los, den Film ansehen!

ZZTop
ZZTop
10. Januar, 2009 19:40

@Wortvogel
Mal zu einem anderen Film: Wie sieht´s denn aus mit Benjamin Button, besteht bei dir Interesse bzw. können wir mit einem Review rechnen ? Soll wohl Ende des Monats hier starten.

Horst
Horst
10. Januar, 2009 21:14

ich fand zodiac total langweilig

Peroy
Peroy
10. Januar, 2009 22:09

@Horst: Zodiac findet dich total langweilig…

Mofritz
Mofritz
12. Januar, 2009 09:49

@Lutz: Du hast mich missverstanden. Es ging mir nicht darum, dass ich mir keine Filme anschaue, bei denen ich das Ende kenne. Das kenne ich bei Frost/Nixon auch. Es ging eher um die Stimmung, die der Film transportiert. Und da ist mir Zodiac von der Thematik her gerade einfach zu "depressiv". Ich habe z.B. immer noch "Der Totmacher" mit Götz George bei mir rumliegen. Den will ich mir auch schon seit Ewigkeiten anschauen. Aber nach der Arbeit habe ich einfach keine Lust einen Film mit dieser Thematik anzusehen.

Peroy
Peroy
12. Januar, 2009 16:13

"Ich habe z.B. immer noch “Der Totmacher” mit Götz George bei mir rumliegen. Den will ich mir auch schon seit Ewigkeiten anschauen."

Der ist nicht wirklich depri, eigentlich sogar ganz unterhaltsam, wenn man von dem vielen Gelaber nicht abgeschreckt wird ("Der Totmacher" ist halt all talk, no action)… "Zodiac" ist aber trotzdem besser…

G
G
10. Februar, 2009 22:58

"Zodiac" ist ein Rattenfurz im Vergleich zu "Sieben"